Essay von Norbert Lachner
Fortsetzung von Teil 1
Teil II
Einleitung
Nachdem der I. Teil des Essays die Anstrengungen muslimischer Denker behandelte, Koran und Sunna zu Zwecken der Rechtsprechung sowie unter dem Einfluss der griechischen Philosophie auszulegen, soll im Folgenden das Vernunftdenken im Islam an Beispielen islamischer Gelehrsamkeit der Gegenwart veranschaulicht werden. Dazu werden die Glaubensauffassung und Weltanschauung je eines zeitgenössischen Vertreters des Sufismus und der türkisch-sunnitischen Theologie herangezogen.
1. Der islamische Vernunftgebrauch, aufgezeigt an einem modernen Beispiel des Sufismus, der Mystik im Islam
Die einfache Theologie und die im Äußerlichen bleibenden Glaubenspflichten des Islams konnten die Frömmigkeitsbedürfnisse, die sich abseits der Eroberungsfeldzüge entwickelten, nicht auf Dauer befriedigen. Deshalb entstanden bald mystische Bestrebungen, die sich von anderen Kulturen und Religionen inspirieren ließen. „Der ewige Wunsch vieler Frommen nach einer innigen Vereinigung mit Gott führte zum Entstehen von Richtungen, die den Abstand zwischen dem weltüberlegenen Himmelsherrn und der … an enge Schranken gebundenen Menschenseele auf den Höhepunkt meditativer Versenkung und im Rausch der Ekstase zu überfliegen suchten … Es bildete sich nach dem Muster des christlichen und buddhistischen ein mohammedanisches Asketentum heraus, das durch Kasteiung und Verzicht auf weltlichen Besitz, durch geistige Übungen und enthusiastische Verzückungszustände die Vereinigung mit Gott zu gewinnen suchte. Die Träger dieser weltabgewandten Stimmung waren einzelne Weise und Gemeinschaften Gleichstrebender, die sich um diese scharten: Sufis (arabisch: mit Wolle Bekleidete) …“ ([1] Helmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen, S. 400f.)
Die ersten muslimischen Mystiker zogen sich nach dem Vorbild christlicher Einsiedler aus der Welt zurück, um durch Askese und Meditation den göttlichen Willen zu ergründen. Das Leben eines Mystikers war eng mit Armut verbunden. Derwisch („arm“) ist das persische Wort für einen herumziehenden Sufi. Während der Abbasidenherrschaft (750 – 1055) erfuhr Bagdad eine kulturelle und intellektuelle Blütezeit. Im 9. Jht. entwickelten sich dort nicht nur die rationalistisch-philosophische Theologie und die islamische Rechtsgelehrsamkeit, sondern auch Wege der islamischen Mystik. Die Mystiker sahen die Religion in der bloßen Gesetzlichkeit der Scharia erstarren. Unter Hinweis auf das Vorbild Mohammeds betrachteten sie Askese als Voraussetzung, um mittels gnostischer Schriftauslegung zur inneren geistlichen Wahrheit zu gelangen. Unter Anleitung eines Meisters (Scheikh) hoffte man, das Aufgehen des Selbst in Gott zu erreichen. Die Zirkel mit dem kennzeichnenden Lehrer-Schüler-Verhältnis verfestigten sich in der Mongolenzeit (13. – 16. Jht.) zu Orden („Tariqa“ – Weg). Die Sufi-Meister wurden zu Lebzeiten verehrt und ihre Gräber werden bis heute als die von Heiligen besucht. Die Sufis trugen auch viel zur missionarischen Verbreitung des Islams in den Randgebieten der muslimischen Herrschaft bei. Die Schiiten lehnten den Sufismus strikt ab, wohl weil ihre Imame Vermittler zu Allah waren und ihre Theologie weniger erstarrte als die sunnitische.
Hasan al-Basri (gest. 725) strebte angesichts des Rückgangs des ursprünglichen einfachen Lebensstils eine Verinnerlichung im Glauben an und gilt als der berühmteste der frühen muslimischen Asketen und als Stammvater der Derwische. Er betonte die Gottesfurcht, die stärker sein sollte als die Hoffnung. Die erste bekannte Sufi-Vertreterin, Rabia al-Adawija aus Basra (gest. 801), hingegen betonte die Liebe zu Gott, welche die Hoffnung auf das Paradies und die Furcht vor der Hölle als Motivation hinter sich lässt. Al-Dschunaid (Bagdad, gest. 910) unterschied als einer der ersten zwischen den äußerlichen Geboten und Verboten der Scharia und der dahinter liegenden Wahrheit. Für ihn besiegte der „Weg der Liebe“ die Strenge Gottes durch die Selbstaufgabe und Hingabe an Gott.
Der oft pantheistische Monismus der Sufis inspirierte die mystische Poesie. Viele Mystiker und von der Mystik beeinflussten Dichter stammten aus Persien, so Sanai (11. Jht.), Nisami (12. Jht.), Rumi (13. Jht.), Hafis (14. Jht.) und Dschami (15. Jht.). „Die islamische Mystik hat seit dem 9. Jht. in zahlreichen gelehrten und poetischen Werken ihren Niederschlag gefunden. Sie galt den Strenggläubigen von jeher als eine schlimme Ketzerei … Trotz aller Verfolgungen hat sich diese Geistesrichtung aber bis auf den heutigen Tag als überaus lebenskräftig und einflussreich erwiesen.“ ([1], S. 401f.]
Beim Stichwort „Sufismus“ denkt man zu Recht an die Derwischorden. „Es sind dies religiöse Vereine, deren Mitglieder nur zum Teil Klosterbrüder sind, zumeist den verschiedensten weltlichen Berufen angehören und in ihrer freien Zeit bei einem Meister eine … Schulung in der Verwirklichung des Überirdischen erstreben. Die Übungen (Dhikr) … variieren von der stillen Meditation, der maßvollen Atem- und Körperbewegung und dem Hersagen bestimmter Formeln und Gebete bis zu wilden Schreien, Tänzen und Konvulsionen, die zu einer völligen Aufhebung des gewöhnlichen Bewusstseins führen sollen.“ ([1], S. 402)
Von den rund zweihundert bekannten Sufi-Orden sind noch rund einhundert aktiv. Der Orden der Qadiriya geht auf den hanbalitischen Rechtsgelehrten Al-Qadir al-Dschilani aus Bagdad (gest. 1166) zurück, der Orthodoxie und mystische Praxis vereinte. Dieser bedeutende Orden ist von Indonesien bis Marokko verbreitet. Der Mewlewiyye-Orden („tanzende Derwische“) wurde von dem großen persischen Dichter und Sufi Mohammed Dschalal ad-Din (1207-1273) mit dem Beinamen Rumi (im byzantinischen, das heißt ost-römischen Reich) gegründet. Auf der Flucht vor den Mongolen kam er als Knabe mit seiner Familie ins türkische Konya. In seine Meditation baute er Gedichte, Musik und Tänze ein. Dschelaleddin Rumis Werke wurden überall in der islamischen Welt gelesen und kommentiert, seine Ideen entwickelten großen Einfluss im Sinne einer Erneuerung des Islams. In seinen mystischen Gedichten verarbeitete er auch eine schwärmerische Liebesbeziehung zu einem jungen Wanderderwisch der unkonventionellen Qalandar-Bewegung, die er mit etwa 40 Jahren durchlebte und die im Skandal endete.
Der heute in der gesamten islamischen Welt aktive Naqshbandi-Orden entstand in Zentralasien unter dem Gründer Baha’uddin an-Naqshband (Buchara im heutigen Turkmenistan, 1318-1389). Dieser wollte auch im Streben nach mystischer Vereinigung die Hierarchie zwischen Gott und Mensch, zwischen Schöpfer und Geschöpf gewahrt wissen, er verwarf die Einheitsmystik zugunsten der Personenmystik, die schon Ghazali vorgezeichnet hatte. Rausch und Ekstase lehnte er als trügerisch-subjektive Erfahrung ab, betonte den weiten Abstand zwischen Gott und Mensch und die Unterwerfung unter die geoffenbarten Gebote, letztlich die Scharia, in sunnitischer Orthodoxie. Seine Richtung bietet eine gefühlvoll gelebte Religiosität mittels einer schweigenden Meditation (Dhikr), in welcher stumm Gebete und Glaubensformeln rezitiert werden.
Die Vereinigung ist in Pakistan und in der Türkei besonders aktiv und nahm seit jeher Einfluss auf die Politik, so bereits im 17. Jht. unter den Mogul-Kaisern in Indien. Die Eroberung Zentralasiens in der 2. Hälfte des 19. Jhts. durch russische Zaren verzögerten Glaubenskrieger dieses Derwisch-Ordens mit Partisanenangriffen um Jahre. Ihr Anführer, Naqshbandi-Scheich Shamil wird bis heute in der Kaukasusregion als Held verehrt und befeuert den Widerstand gegen die sowjet-russische Besatzung Tschetscheniens seit dem Ende des 20. Jhts. In der Türkei überlebte die Bewegung nach dem Verbot der Sufi-Orden im Jahr 1925 mit geheimen Netzwerken im Hintergrund von „Kulturvereinen“ und gelangte mit den türkischen Gastarbeitern nach Deutschland. Weitere „Kulturvereine“ in der Tradition der Naqshbandiya haben internationale Netzwerke mit religiöser Schulung und sozialer Betreuung aufgebaut, worin sie einen traditionalistischen Islam mit mystischer Frömmigkeit verbinden. Drei türkische Ministerpräsidenten, welche eine islamische Staats- und Gesellschaftsordnung anstrebten, nämlich Turgut Özal, Necmethin Erbakan und Recep Tayyip Erdogan, waren einst Schüler des Naqshbandi-Scheikhs Zahid Kotku (Istanbul, 1897-1980).
Der von Mohammed Ibn Abd al-Wahhabs (1703-1792) fundamentalistischem rückwärtsgewandten Islam beeinflusste Mohammed Ibn Ali as-Senussi (1787-1859) gründete eine Sufi-Bruderschaft, in welcher er gegen Heiligenkult und Aberglauben vorging und den Kontakt mit Christen, Juden und Ungläubigen verbot. Er erlaubte nur den stillen Dhikr und lehnte die Mystiker Halladsch, Ibn al-Arabi und Rumi ab. 1845 ließ er sich in einer libyschen Oase nieder, wo er – nicht unähnlich Mohammed in Medina – in Streitigkeiten zwischen Stämmen vermittelte, bald als religiöser und politischer Führer anerkannt wurde und bis zu seinem Tod die meisten Stämme Libyens als Gefolgschaft seiner Bruderschaft gewann. Unter seinen Nachfolgern entstand ein bis 1961 bestehender Gottesstaat der Senussi-Derwische, welche Lehrer, Geistliche und Polizisten stellten und ebenso geübte Kämpfer waren. Nichtmuslimen war in dieser Zeit der Aufenthalt in Libyen verboten. Ähnlich wie im Kaukasus verzögerten Derwisch-Krieger in Algerien zwischen 1832 und 1847 die Kolonialisierung durch Frankreich (siehe Gerhard Schweizer: Der unbekannte Islam, S. 260-279).
Eine der philosophisch ausgefeilteren Richtungen innerhalb des Sufismus stellt der laut Umschlagtext „in England lebende und lehrende moderne Sufi-Meister“ Abd al-Qadir as-Sufi in seiner „für den Abendländer geschriebenen Einführung“ mit dem Titel „Der Pfad der Liebe“ dar. Unter anderem macht er deutlich, dass die bekannten „fünf Säulen“ des Islams auch für Sufis den Grundstock der Glaubenspraxis bilden und von ihnen sogar mit besonders tiefgehenden Bedeutungen belegt werden. „Es gibt keinen Meister des Weges, der nicht seine menschliche Verpflichtung, sich zu beugen und zu Boden zu werfen und zu fasten, akzeptiert hätte, und zwar in einem Maße, dass er unter allen Menschen der am rückhaltlosesten Hingegebene ist und der in der Pflichterfüllung Sorgfältigste.“ ([2], S. 57) Ein Sufi muss zuerst ein muslimischer Traditionalist sein. Ein religiöser Führer muss, auch wenn er ein Sufi ist, den Koran auswendig gelernt, die Hadith förmlich studiert und die Scharia gelernt haben ([2], S. 114).
Der englische Sufi-Meister bezieht sich ausgiebig auf Ibn al-Arabi (geb. 1165 im spanischen Murcia, gest. 1240 in Damaskus) mit dem Beinamen „größter Scheikh“. Dieser bereiste von Marokko bis zum Irak viele Orte, an denen Scheikhs lebten und lehrten. „Offenbarungen in Mekka“ ist sein 20-bändiges Hauptwerk der Mystik. Auch andere berühmte Sufis der Geschichte werden von As-Sufi behandelt und zitiert, wie Muhammad ibn al-Habib (der „Vollkommene Scheikh“ mit seinem Werk „Diwan“), Husain ibn Mansur al-Halladsch (wegen „Anmaßung einer göttlichen Qualität“ 922 in Bagdad hingerichtet) und Abu Hamid Al-Ghazali (1058-1111).
Der arabischstämmige Abu Bakr Mohammed Ibn al-Arabi, Sohn eines Korangelehrten, wuchs im maurischen Spanien auf, in dem viele Juden und Christen unter muslimischer Herrschaft lebten. Er studierte Koranwissenschaften und lebte überwiegend in Sevilla unter der Berber-Dynastie der Almohaden. Seine Familie war mit Ibn Rushd gut bekannt, und er war von dessen Verbannung 1187 und seinem Tod 1198 sehr betroffen. Um 1200 machte er sich auf die Pilgerreise nach Mekka und lebte dann in Kairo, Mekka, Jerusalem, Damaskus, Aleppo und Konya. Innerhalb von zwei Jahrzehnten schrieb er „Mekkanische Offenbarungen“ und eine Gedichtsammlung „Deuter der Sehnsüchte“, wozu ihn die unerfüllte Liebe zu einer jungen Perserin inspirierte. Nach 1223 fasste er in Damaskus seine vielschichtige Lehre in einem kürzeren Band „Siegelsteine der Weisheit“ zusammen.
Al-Arabi hob aus mystischer Sicht die Unterschiede zwischen Religionen auf, schloss sogar Buddhismus und Hinduismus ein, was ihn dem Vorwurf der Ketzerei aussetzte. Das wahre Wesen Gottes könne der Einzelne nur in seinem Herzen und innerhalb jeder Religion erfahren. „Wenn du dich selber erkennst, löst sich dein Ich-Sein auf, und du erkennst, dass du und Gott ein und dasselbe sind.“, schrieb er in einem Gedicht. Er war ein Vertreter der Einheitsmystik. Äußerlich hielt er sich zu seinem Schutz pflichtgetreu an die sozial-religiösen Gebote aus Koran und Sunna, also an die Scharia. Auch er pries bereits Mohammed als vollkommenen Menschen, was ihm den Vorwurf einbrachte, er rücke ihn zu nahe an Gott und er sehe andererseits die großen Sufi-Meister auf einer Stufe mit Mohammed. Er schuf ein ausgeklügeltes mystisches Lehrgebäude, das nur gebildeten Eingeweihten offen stand. Bald nach seinem Tod verfolgten die Mamluken-Sultane in Syrien und Ägypten die Derwische als Ketzer. Sein Werk wurde jedoch von Indern, Persern und Türken kommentiert. Streng orthodoxe Derwisch-Orden wie die Naqshbandiya und Senussiya lehnen ihn ab, während sich Rumi für Halladsch und ihn aussprach. Rumi, der ihm vielleicht selbst in Konya begegnete, führte sein Werk am meisten fort. Die Kontroverse um Arabi hält bis heute an. In Ägypten gelang es der Muslimbruderschaft 1979 beinahe, Arabis Werke verbieten zu lassen. 1993 verhinderten Fundamentalisten die Berufung des Sprach- und Koranwissenschaftlers Nasr Hamid Abu Zaid, der 1977 Arabis Mekkanische Offenbarungen zum Thema seiner Doktorarbeit gemacht hatte, wofür er die Unterlagen in den USA erhielt. Er leitete daraus die These ab, dass der Koran auf kritisch-rationale Weise kultur- und zeitabhängig zu interpretieren sei. Die Veröffentlichung 1985 wurde zunächst gut aufgenommen, dann wurde er dafür und für sein Buch von 1992 angefeindet. 1995 wurde er zwangsgeschieden und ging wegen Attentatsdrohungen ins europäische Exil (siehe Gerhard Schweizer, S. 142-165). So ist auch zu verstehen, dass as-Sufi in London lebt, wo Literatur über alle Themen des Islam frei verfügbar ist.
Die weiteren Erklärungen setzen das Verständnis einiger theoretischer Grundbegriffe voraus, zu dessen Bereitstellung im Folgenden as-Sufi, S. 50-56, zusammengefasst und gelegentlich zitiert wird.
Die Nafs, das erfahrende Selbst
Die Selbsterfahrung arbeitet mit Fallen und Methoden, um den Menschen in einer falschen Situation einzuschließen wie in einem Gefängnis. Die Struktur des Selbst mit ihren kausalen Erklärungen ist ein Schleier und Hindernis, sein Illusionscharakter steht zwischen dem Menschen und einer klarsichtigen Wahrnehmung der Wirklichkeit in ihrem So-Sein, das kein fantasiertes Zentrum eines Selbst aufweist. Der sufische Begriff für das erfahrende Selbst ist „die Nafs“. „… die Nafs ist in sich eine Nicht-Wirklichkeit …“ Das Wort leitet sich vom arabischen Wortwurzel NFS her mit der Bedeutung von „verletzen, indem man den bösen Blick auf jemanden richtet“, als Hinweis auf eine Energie-Form, die destruktiv mit sich im Konflikt liegt; adverbiell „absichtlich, aus eigenem Antrieb, zum eigenen Vergnügen“ – Bezug auf Selbst-Interesse und Befriedigung; auch „scheinen/glänzen“ und „jemand, der etwas verlangt oder wünscht“. Schon Ghazali hat diese Doktrin der Nafs aus dem Koran hergeleitet.
Mit den Zuständen der Nafs lassen sich die grundlegenden Möglichkeiten beschreiben, wie jegliche individuelle Fantasie-Geschichte ausagiert wird. Ein infantiles Nafs an einem Erwachsenen bildet einen monströsen Anblick, wegen der „Macht, Effektivität und Reichweite des destruktiven Handelns, welches, dem Kinderzimmer entschlüpft, in dem größeren Laufgitter der ‚Geschichte’ sich austobt.“ Diese infantile Nafs spielt mit ihren destruktiven Energien gegen das Selbst-Bild an, das sich in Autoritätsfiguren widerspiegelt. Auch Politik kann als Fantasie-Struktur betrachtet werden, welche die Funktion hat, den inneren Konflikt der Nafs zu bemänteln und auf der Ereignis-Ebene auszutragen. Das menschliche Leben findet auf einem Schauplatz des Handelns und des Geschehens statt, der eine durch eine Illusion bemäntelte Illusion ist.
Dieses sufische Konzept erinnert an die tiefenpsychologische Erklärung des neurotischen Durchschnittsmenschen des Westens. Aber auch wenn ein konflikthaftes Selbsterleben weit verbreitet ist, wäre es falsch, es als den Naturzustand des Menschen zu betrachten, weil es nämlich auf unbefriedigende Beziehungsmuster in der Kindheit zurückgeht, welche durch eine verständnislose Erziehung oft entstehen.
Mit den Durchschnittsmenschen, welche nicht über diese sufische Realitätssicht verfügen, geht der Meister hart ins Gericht: „Wir sind nicht hier, um zu versuchen, mit neurotischen Menschen über die Wahrheit der existentiellen Situation zu verhandeln, und zwar mit solchen, die sich in ihrem eigenen Weltbild vor sich selbst verbergen und ganz dem daraus resultierenden Wahnsinn, der unsere gegenwärtige Situation ist, hingegeben sind. Der Zusammenhang, in dem wir die Nafs untersuchen, ist das reale Dasein von Männern, die jene Fantasie-Erfahrungen überwunden haben, welche Krieg und Verbrechen und Wahnsinn zur Folge haben, und derart einen umfassenden Blick sowohl für die schöpferischen als auch für die destruktiven Möglichkeiten des Menschen gewonnen haben. Unser Mitmensch mit dem ‚gesunden Menschenverstand’ hat sich schließlich nicht nur als unfähig erwiesen, die erhabenen Möglichkeiten des Menschen-Geschöpfs zu erfassen, sondern er hat auch gänzlich darin versagt, die wahnsinnigen und selbstmörderischen Tendenzen seiner Mitmenschen im Zaume zu halten, die sich darin erweisen, dass erlaubter Völkermord Kennzeichen unseres [19.] Jahrhunderts auf gesellschaftlicher Ebene ist und dass Verbrechen und Wahnsinn die privaten Bedingungen unseres Lebens sind.“ (Wie später noch ersichtlich wird, sind die gewöhnlichen Muslime nicht von dieser Kritik ausgenommen, und auch der Völkermord des türkischen Staates an den christlichen Armeniern 1915-1923 sollte unter diese Beschreibung fallen.)
Hier wird mit den Ausdrücken „schöpferischen“ und „erhabenen“ sowie „destruktiven Möglichkeiten des Menschen“ die Unterscheidung von „gut“ und „böse“ angesprochen. „Unter ‚böse’ verstehe ich dabei nicht das, was die Eltern verbieten, sondern was dem Subjekt selbst schadet.“ Diese Aussage erinnert sehr an die Koranformel, dass der Mensch nur gegen seine eigene Seele sündigt. Was aber dem Subjekt schadet, ist wiederum Definitionssache, wird natürlich in dieser Sufi-Lehre auf eigene Art bestimmt. „Es ist verständlich, dass die Leute vor Wörtern wie ‚falsch’ und ‚richtig’, ‚gut’ und ‚böse’ Angst haben, denn diese Benennungen führen wiederum zu Wörtern wie ‚Schuld’. wodurch das gesamte Bestrafungs-Syndrom aktiviert wird.“
(Anmerkung: Weil mit der Bibel eine umfangreiche monotheistische Offenbarung vorliegt, die lange vor Mohammed abgeschlossen war und eine anspruchsvolle theologische Ausarbeitung gefunden hat, erscheint es angebracht und legitim, den Islam sowohl an den Kriterien der Vernunft als auch an den biblischen Religionen zu messen, zumal Mohammeds Botschaft durchgehend religiöse Inhalte der Bibel verwendet und sich sogar als die Berichtigung und Aufhebung des Judentums und des Christentums vorstellt.)
Hier spielen merklich die religiösen Grundlagen des Islams herein: Im Koran wird die Verfehlung Adams und Evas relativiert und durch Vergebung Allahs getilgt, sie führt keineswegs zu einer „Erbsünde“ bei ihnen und ihren Nachkommen. Die Tilgung der Urschuld und die Erlösung aus der Knechtschaft Satans durch Jesu Opfertod, welche den Kern der christlichen Frohbotschaft ausmachen, wird im Koran geleugnet und bestritten. Voll Abwehr und Verachtung grenzen sich Muslime von diesem als irrig bezeichneten Glauben der Christen ab. Auch bei as-Sufi wird dies durch den begrifflichen Holzhammer „Bestrafungs-Syndrom“, der einer psychiatrischen Etikettierung ähnelt, deutlich. Und seine Ablehnung der landläufigen Begriffe „gut“ und „böse“ rechtfertigt er diesmal sogar mit der Angst der Leute, denen er aber sonst grundsätzlich eine illusionäre und destruktive Selbsterfahrung bescheinigt. Es darf nicht vergessen werden, dass diese sich als logisch aufgebaut präsentierende sufische Lehre letztlich auf Koran und Sunna beruht.
Den mit „gut“ und „böse“ angesprochenen Dualismus bezieht der Sufi-Meister nur auf die Erfahrung. „An dieser Stelle muss man eines der Kernprinzipien des Edlen Weges begreifen … Niemand weiß besser als die Sufis, dass die Struktur der Erfahrungswelt dualistisch ist. Tawhid [die Lehre von der Einheit] verleugnet diese Tatsache an keiner Stelle … Würden wir keine Dualität erfahren, so gäbe es kein Bedürfnis nach einer Wissenschaft von der Einheit.“
Die wichtige Frage nach dem Ursprung des Bösen wird hier nicht behandelt, wie auch der Koran in Folge seines Bestreitens einer Versündigung gegen und einer notwendigen Versöhnung mit Gott keine befriedigende Antwort darauf liefert. Allah hat den Menschen vortrefflich geschaffen, dann aber blieben manche ungläubig und undankbar. Den Sufis nach entsteht das Böse durch die illusionäre Selbsterfahrung. Nicht ganz überzeugend erscheint ihr Vorhaben, die Destruktivität durch Wissenschaft und Verstehen zu beheben. „Eine wahre Wissenschaft der Nafs muss die Kraft besitzen, sich mit den bösen Aspekten der Nafs auseinanderzusetzen … (das Subjekt) sollte deshalb in der Lage sein, die notwendigen Mittel und Wege zu verstehen, um das Selbst umzuformen, so dass alle negativen Energien Schritt für Schritt durch positive, schöpferische Energien ersetzt werden können.“ Die destruktiven Energien setzen demnach die Ursachen für böse Handlungen, die schöpferischen Energien werden durch religiöse oder sufische Verhaltensmuster gestärkt.
Man merkt, dass diese Formulierungen sich weit von religiösen Grundbegriffen entfernt haben, selbst von denen des Islams, wo der Gläubige die Gebote Allahs erfüllen und den Einflüsterungen des „offenkundigen“ Feindes widerstehen muss, um sich den Paradieseintritt zu verdienen. Die Sufis suchen ihr Heil in der Erfahrung der Wirklichkeit. So, wie man den Fortschritt des Gläubigen im Kampf zur Überwindung des Bösen in Stufen einteilen könnte, so skizzieren sie drei fortschreitende Stufen der Nafs als
Stationen der geistigen Höherentwicklung:
1. Die gebieterisch-einflüsternde Nafs. Sie ist gänzlich böse, wird von Leidenschaften beherrscht und folgt ihnen willig, sie strebt unmittelbare Befriedigung an. Diese Menschen beeinflussen freudig andere zu ähnlichen Taten und sind keiner echten Begegnung fähig. Sie erkennen nichts Höherwertiges.
2. Die verklagende Nafs. Sie schwankt unentschlossen zwischen Gut und Böse, obwohl sie Niedriges und Höheres unterscheiden kann. Sie widersteht nicht den Impulsen der niedrigen Nafs, wenn sie hervorbrechen. Hilfe und Kraft zur Überwindung erbringen gemeinsame spirituelle Übungen mit einem Fortgeschrittenen.
3. Die befriedete Nafs. Sie ist gefestigt, gut, erleuchtet, hat Licht empfangen und handelt ihm entsprechend. Sie ist vernünftig, frei vom Bösen, schafft Gutes. Die Unterscheidung zwischen den Nafs entfällt. Der Mensch, in dem die wahre, gute Nafs der Meister ist, lebt innerlich frei.
Im christlichen Rahmen kann man den religiösen Fortschritt etwa so beschreiben: Der Mensch strebt von Geburt an egoistisch nach weltlichen Freuden, erst die religiösen Gebote rufen zu selbstlosem Handeln, zum Annehmen des Leidens und zum Streben nach Tugenden und der Annäherung an das göttliche Wesen auf. Durch die willige Ausübung der Nächstenliebe vor dem Hintergrund der Gottesliebe erhält der Gläubige die Kraft aus Gott sowie fortschreitende Übung und Freude daraus, sodass ihm das Werk, das ihm anfangs schwer fällt, dann immer leichter wird. Durch die Entfaltung der Liebe und der Tugenden verbindet sich der Mensch mit Gott und bezieht daraus wachsende Aufnahmefähigkeit für die Wahrheit, die ihm zunehmend aus Gott zuströmt. Unter spezifisch christlichen Bedingungen erhält der Gläubige je nach seinem Willen von Gott die Kraft, sich aus der Knechtschaft Satans zu befreien, er erlangt auf seine Bitte hin die Gnaden der Erlösung und Befreiung von seiner Sündenschuld. Auf Erden hören die Versuchungen Satans nicht auf, aber mit dem Fortschreiten auf dem Heilsweg mit ernstem Willen verfügt der Christ immer mehr über die Kraft, ihnen zu widerstehen. Unter dem „Heiligen Geist“ ist die Kraft aus Gott zu verstehen, welche dem Gläubigen Kraft und Inspiration verleiht.
Im Vergleich dazu fehlt beim sufischen Fortschrittsschema jeglicher Bezug auf Gott und Satan. Das Böse wird in das erfahrende Selbst des Menschen verlagert, zur Überwindung des Bösen muss die Nafs umgewandelt werden. Dies geschieht durch spirituelle Übungen und den Einfluss eines Fortgeschrittenen Sufi, insbesondere durch die „Übertragung“, die von einem Meister (Scheikh) ausgeht. Obwohl der Sufismus völlig auf den Quellen des Islams aufbaut, ist nicht einmal von der unmerklichen Einwirkung Allahs laut Koran, dass er rechtleitet oder in die Irre führt, dass er gnädig verzeiht usw., die Rede. Und wird schon im Koran das Wirken des Satans als offenkundig und keineswegs als hinterlistig bezeichnet, werden seine Gewalt über die Menschen und seine Wut gegen sie dort nicht erwähnt, so fehlt in dieser Sufilehre jeglicher Hinweis auf Satan als Ursprung des Bösen in der Welt. Ist es aber nicht der größte Trick Satans, dass er die Menschen dazu bringt, an seine Existenz nicht mehr zu glauben? Gottes Wille ist es zweifellos, dass der Mensch sich seiner Verantwortung bewusst ist, sich mit seinem freien Willen und seiner Denkfähigkeit in diesem Erdenleben (wieder) zwischen Gott und Satan, zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Aus religiöser Sicht ist dies der Hauptanlass und Hauptzweck der irdischen Existenz. Die guten und die bösen Geister versuchen gleichermaßen, den Menschen zu beeinflussen und auf ihre Seite zu ziehen, jedoch ohne ihn zu zwingen. Damit der Mensch sich für eine Seite entscheiden kann, muss ihm diese geistige Kennzeichnung der Grundsituation seines Lebens bewusst sein. As-Sufi blendet sie aus.
Die Zielbeschreibung des Sufismus richtet sich nicht auf das Paradies, das durch Glauben und Praktizierung hoffentlich verdient wird, sondern auf das Einswerden mit der „Wirklichkeit“, die von Allah vorgegeben und auch Allah selbst ist. „… die Übungen (dienen) nur einem Zweck …, nämlich dich zu Boden zu zwingen, gedemütigt, erniedrigt, gebrochen, damit du schließlich völlig hingegeben die Wirklichkeit akzeptierst, endlich offen und empfänglich für den unendlichen Reichtum der Schöpfung, für die unendliche Fülle der Wahrheit bist …“ ([2], S. 57)
Hier werden drei Punkte vermengt: die Annahme der Wirklichkeit, der Reichtum der Schöpfung und die unendliche Wahrheit. Für den Menschen ist zunächst die ihn umgebende materielle Schöpfung, an der er körperlich Anteil hat, als Wirklichkeit erfahrbar. Geistige Wesen und geistige Zusammenhänge und Ursachen der Schöpfung erkennt er noch nicht. In christlichem Sinn wird der Gläubige die Schöpfung, weil sie von Gott ist, dankbar annehmen, und aus gleichem Grund ebenso Freude und Leid, die er im Erdenleben erfährt. Aber er tut dies im Bewusstsein, dass die materielle Welt aus dem gefallenen Geistigen besteht, das sich weit unterhalb der Entwicklungsstufe der Menschenseele befindet, und im Bestreben, die Materie gering zu schätzen und das Verlangen nach ihr zu überwinden. Der Mensch soll in der Welt leben, ohne ihr innerlich anzugehören, er soll nicht mehr die Materie, über die er hinausgeschritten ist, sondern höhere geistige Stufen anstreben und kann sie mit dem Ausüben von Liebe mit Gottes Hilfe erreichen. Den Reichtum der Schöpfung kann der Mensch ehrfürchtig als Gottes Werk bestaunen, erforschen und sich nach Gottes Gebot nutzbar machen. Aber als Wert an sich, gar als höherwertig zur Menschenseele soll er sie nicht betrachten und anstreben. Was schließlich die unendliche, ganze und wirkliche Wahrheit betrifft: Sie ist nur Gott zu eigen, der Mensch kann nur durch Verbindung mit Gott und Angleichung an Gottes Wesen schrittweise tiefer in sie eindringen in einer unendlichen Annäherung. Er wird durch Offenbarung auf den Weg gebracht, der weitere Fortschritt hängt von seinem guten Bemühen ab.
Die sufische Erklärung legt jedoch nahe, dass die Wahrheit aus der Anerkennung der materiellen Wirklichkeit und aus der Höherentwicklung der Nafs folgt. Von einer Verbindung zu Gott ist nur insoweit die Rede, als sie sich auf dem Weg der Anerkennung der Wirklichkeit als Endziel im Form der mystischen Vereinigung mit Allah ergeben kann. Die Sufis haben dabei immer die Schöpfung, nicht den Schöpfer im Blick. Die Verbindung zur materiellen Welt wird betont, nicht die zu Allah, oder beiderlei Arten von Verbindung werden gleichgesetzt. Im Koran selbst wird ja die Einwirkung Gottes kaum beschrieben und spielt ein „Heiliger Geist“ zu ihrer Bezeichnung keine Rolle. An die Stelle einer persönlichen Beziehung des Gotteskindes zum „Vater“ tritt die Harmonie mit der Schöpfung des unendlich fernen und erhabenen Allah. Obwohl der Sufismus auf den Quellen des Islams aufbaut, stellt sich daher die Frage, inwiefern ihm überhaupt noch Religionscharakter zukommt.
Vielmehr erinnert das Konzept der Annahme der Wirklichkeit an esoterische Auslegungen des Christentums, in denen in etwa gesagt wird: Der Mensch ist bereits das göttliche Wesen, er weiß es nur nicht, soll sich also dessen wieder bewusst werden. Er ist bereits gut, das Böse entsteht erst aus der Ablehnung und Abspaltung von Anteilen des Selbst. Der Mensch braucht also nur seine Anlagen, Eigenheiten, Impulse gutheißen und ausleben, dann beendet er Verurteilung, Kampf und Konflikt und wirkt harmonisch, und alles ist gut. Auch diese Lehren zielen auf eine Akzeptanz der Wirklichkeit, diesmal der inneren Realität, und behaupten, dass die wie auch immer verstandene Höherentwicklung eben daraus von selbst erwächst. Die christliche Anschauung, dass der Mensch zwischen den Einflüssen der guten und der bösen Kräfte unterscheiden und sich entscheiden soll, welchen er folgen will, kommt in diesen esoterischen Auslegungen nicht mehr vor. Das christliche Gegenstück zur Annahme der inneren Realität ergibt sich aus der Wertschätzung des Menschen durch Gott, der ihn auch in seiner Fehlbarkeit annimmt und erbarmungsvoll emporzieht und heiligt.
Im Sufismus besteht also der Weg zur Annahme der Wirklichkeit in der Umwandlung des erfahrenden Selbst, die Mittel dazu stehen außer in besonderen geheimen Übungen grundsätzlich in der gewissenhaftesten Praktizierung der Säulen des Islams zur Verfügung. Den Riten werden ausgearbeitete tiefere Bedeutungen und Wirkungen auf die Nafs zugeschrieben, so dass sich im Sufismus dieser Art eine ganz andere, esoterische Verwendung der Lehren und Gebote Allahs ergibt als in der gewöhnlichen „exoterischen“ Islamauslegung und –praktizierung als „Religion“.
As-Sufi referiert in verschiedenen Kapiteln genauestens die Vorschriften für Gebet, Ramadan-Fasten und Pilgerfahrt und erklärt die tiefere Bedeutung jeder rituellen Einzelheit. An dem so bekannten und zentralen täglich fünfmaligen Gebet kann diese esoterische Auslegung beispielhaft wiedergegeben werden ([2], S. 58-71):
Gebet
Dem Gebet muss die formalisierte Waschung (Wudu) vorangehen, bei welcher die vorgeschriebenen Körperteile mit Wasser benetzt werden. Wudu wird schnell und gründlich, völlig standardisiert und ohne individuelle Ausgestaltung vollzogen und mit angemessenen Gebeten begleitet. Darauf folgt die Schahada. Der äußerlichen Säuberung wird die Wirkung der inneren Reinigung zugeschrieben, welche aufgehoben wird durch Ausscheidung, Loslassen von Blähungen sowie durch Geschlechtsverkehr. Nach der Ausscheidung müssen jeweils die Ausscheidungsorgane mit Wasser gesäubert werden, der sexuelle Akt wird mit der erforderlichen Ganzkörperwaschung (Ghusl) abgeschlossen. Dass diese Reinigungen bei Notwendigkeit vollzogen wurden, bildet die Voraussetzung für die Gültigkeit des Wudu vor dem Gebet. Mohammed selbst lehrte, dass mit der formalisierten Waschung alle begangenen falschen Handlungen verschwinden und an deren Ende der Muslim frei von Übertretungen dasteht.
Indem der Gläubige die Schockwirkung des Wassers auf dem Körper spürt, wird den Sufis zufolge die Nafs gezwungen, sich von ihren Fantasien ab- und der unmittelbaren Wirklichkeit, der Wirkung des Augenblicks zuzuwenden. Die Erfahrung beim Waschen reißt die Nafs aus ihren Träumen, in denen sie sich vom Körper gelöst hat. Der Körper aber macht die Totalität des erfahrenden Selbst aus. (Auch im Schulbuch Saphir 5/6, S. 51, wird zum islamischen Gebet erklärt, es bewirke unter anderem Körpergefühl.) Die Waschung unterbricht die Handlungen der Nafs, denen keine Wirklichkeit zukommt. Der Gläubige vertraut der Wirklichkeit, er ist ein Mumin.
Wudu trennt also von den Fantasiegedanken, bringt das Bewusstsein in die augenblickliche Wirklichkeit als Voraussetzung für die bewusste Vereinigung mit Allah im Gebet. Dieses wäre ohne die innere Anteilnahme sinnlos, der Betende muss innerlich und äußerlich bei der Sache sein. Wudu muss immer dem Gebet (der Niederwerfung, Salat) vorausgehen. Die Reinigung nach der Ausscheidung und die Ganzkörperwaschung nach dem Geschlechtsverkehr müssen als natürliche Reinigungsakte ohne Schuldfantasie dem Wudu vorausgehen. Auf diesen Waschungen beruht die gesamte innere Wirklichkeit. Bei der Waschung vermittelt die rituelle Anrufung der Wirklichkeit, das heißt Allahs, die innere Reinigung. Ebenso wird an den Verstorbenen vor der Bestattung eine Ganzkörperwaschung vorgenommen.
Zugleich lässt der Gläubige durch Wudu seine Handlungen und ihre (eingebildeten) geistigen Wirkungen hinter sich, ist dann von Zuschreibungen von Fehlern und Misserfolgen einerseits und von Triumphen und Freuden andererseits befreit. Umso mehr kann er dann eine unsichtbare Wirklichkeit anerkennen und auf eine einheitliche, gütige Energie, welche die totale Existenz des Kosmos regiert (gemeint ist wohl Allah) vertrauen.
Im Ritualgebet bietet sich der Sklave mit einer demütigen Nafs der Wirklichkeit dar. Die Abfolge bedeutet: Stehen – Stärke des Selbst, Vorbeugen – Gruß, zweimal Niederwerfen – Unterwerfung, dann Sitzen – ausgewogene, entspannte, ausgeglichene Nafs, Kopfwendung nach links und nach rechts – den Frieden willkommen heißen. (Auch darauf kann sich das Wort „Islam ist Frieden“ beziehen, also auf eine Art Zufriedenheit, die aus Unterwerfung folgt.) Dem Gebet muss noch die Absichtserklärung (Nijja) vorangehen, gefolgt von einer Bewegung der Hände hinter die Ohren und nach unten – die Welt hinter sich ablegen, begleitet vom Anruf Allahs (Takbir). Das ganze Gebet strebt der vollbewussten Niederwerfung (Sadschda oder Sudschud), der Ablegung des Kopfes auf der Erde mit Konzentration auf Allah als Höhepunkt zu. Das überhebliche gedanken-gebundene Bewusstsein, welches das Selbst in den Strukturen der Verblendung gefangenhält, muss dargeboten werden. Bei der Niederwerfung „findet die erste Erfahrung des Sklaven als jemand, der in einer dialogischen Beziehung zur Wirklichkeit steht, statt. Es ist … eine Aktivität mit einer abgrundtiefen und erschütternden Wirkung auf die Nafs.“ ([2], S. 72)
Man sieht an dem für Muslime so wichtigen rituellen Gebet, dass im Sufismus der Gläubige zum Adept auf einem Einweihungsweg wird. In Ehrfurcht und Konzentration soll er beim Gebet die Selbst-Auslöschung erfahren. Die Koordination äußerer Bewegungen mit inneren Absichtserklärungen, Anrufungen, Haltungen und Hinwendungen gerät zu einer höchst komplexen Aufgabe, die nur bei vollkommener Meisterung wirksam erfüllt wurde. Die vollkommene Ausführung der, von geringen Variationsmöglichkeiten abgesehen, immer gleichen, im Detail geregelten äußeren und inneren Vollzüge soll die Umwandlung und Höherentwicklung des Bewusstseins zustande bringen. „Man kann es nicht auf das Niveau einer bloßen Technik reduzieren – man kann es sich nicht einverleiben als ein Mittel, innere Ruhe zu finden, ohne parallel dazu die innere Erkenntnis des So-Seins der Wirklichkeit zu gewinnen.“ ([2], S. 74)
Da stellt sich die Frage, warum Muslime nicht allein schon aus der Annahme eines Schöpfergottes heraus, zu welcher sie wie andere bereits durch die Betrachtung der Natur gelangen können, sich Gott demütig unterwerfen, und warum sie diese Demutshaltung durch ein kompliziertes Ritual immer wieder zu erfahren suchen müssen. Noch mehr soll im Sufismus, statt dass einer freien Glaubensentscheidung sich fortschreitend vertiefend und verfestigend die Umwandlung der Lebensanschauung und des Denkens und Handelns folgt, durch rituelle und andere Übungen das Bewusstsein mit dem Ziel der Glaubensherstellung und letztlich der Selbst-Auslöschung manipuliert werden. Wie einfach und ganz anders klingt da Jesu Aufforderung: „Widerstehet nicht dem Bösen … Liebet eure Feinde … Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ (Matth. 5,39-48) Dabei zeigte Jesus als lebendiges erfahrbares Vorbild den Jüngern diese Vollkommenheit seines Vaters im Himmel. Aus diesem wahren Bild verstanden sie Gottes Wirken und Gebote und entwickelten Liebe zu ihm als Antrieb, ihm zuzustreben.
Im Sufismus wird hingegen Übungen auf einem Einweihungsweg und durch Suggestion das Bewusstsein in Richtung einer vorgestellten Zustands verändert. Mehr noch als im gewöhnlichen Islam fällt Gott (Allah) als Dialogpartner völlig aus, erscheint im Zielzustand ebenso wie das Selbst als ausgelöscht. Er wird durch die „Wirklichkeit“ ersetzt, welche kein göttliches Wesen mehr zu sein scheint, sondern die Schöpfung selbst. Doch welcher Dialog bleibt dann noch übrig, wenn sowohl das Ich als auch Gott ausgeschaltet sind? Was ist daran noch Gottesglaube? Welcher Raum bleibt da noch für die urteilende Vernunft, für die Unterscheidung von Gut und Böse, für den freien Willen und die eigene Entscheidung?
Ramadan-Fasten
Zum Ramadan-Fasten erklärt der Sufi-Meister nach dem gleichen Konzept: „Der Gesamteinfluss des einmonatigen Fastens ist zutiefst erschütternd und seine Wirkung auf die Beständigkeits-Phantasie der Nafs äußerst nachhaltig. Es bewirkt eine Erschütterung der gesamten Basis der Illusion von einem abgetrennten Selbst, indem es die etablierten Ernährungsgewohnheiten erwachsener Menschen durchbricht, wodurch sich die Erinnerung an das kindliche Verhältnis zur Nahrung öffnet. Der Widerhall jedes Ungleichgewichtes und jeglicher Angst, der in jener für grundlegend gehaltenen Erinnerungs-Struktur eingeschlossen war, wird freigelassen und kann wie ein Gong ausklingen, dessen Schwingungen gedämpft waren und dem man jetzt erlaubt, in absolute Ruhe auszuschwingen. Das Fasten legt deshalb die gesamte Substruktur der Nafs offen.“ ([2], S. 139) Er spielt noch auf die psychoanalytische Deutung von Essen als Ersatzbefriedigung für fehlende Liebe in der Kindheit an und sieht offenbar das Fasten als Therapie für diese Kindheitsängste wie auch als Mittel zur Unterbrechung der niederen Nafs. Für den Gläubigen erweise sich der Ramadan als die schwierigste, aber auch lohnendste Zeit in seinem Leben. Insbesondere das Fasten an jedem zweiten Tag („Davidsfasten“) verhelfe dazu, das Selbst von der Abhängigkeits-Phantasie, das Essen komme von „außen“, zu befreien und den Geist für die Wirklichkeit zu öffnen. Mohammed fastete regelmäßig am Montag und am Donnerstag, wird berichtet.
Pilgerfahrt
Zur Pilgerfahrt – sie ist die Zusammenfassung aller Akte des Dhikr (Gottesgedenkens) im Leben des Muslim – gibt As-Sufi unter anderem folgende Erklärungen: „Die Haddsch führt den … (Pilger) durch eine Folge von Übungen, die immer intensiver werden und ihn oder sie äußerlich erschüttern und innerlich erleuchten … Sie ist Bewegung und Kampf und Erschöpfung, staubbedeckt und mühselig … Am Ende stolpern sie und schleppen sich zu ihrem Ausgangspunkt, der Kaaba, zurück; sie sind geblendet, voll Ehrfurcht, ernüchtert und erleuchtet.“ ([2], S. 246f.) Anscheinend soll Ehrfurcht vor Allah durch strapaziöse Vollzüge in der Masse mit der Folge körperlicher Erschöpfung hergestellt werden, so wie auch bei der Koranlektüre durch Überlastung und Ausschaltung des Verstandes Ehrfurcht erzeugt werden soll.
Nach der vorbereitenden Reinigung im Bad müssen die Pilger sich vieler Dinge enthalten, um den Zustand der Reinheit nicht zu verlieren. Die drei großen rituellen Handlungen sind das Umschreiten der Kaaba (Tawaf), das Hin- und Herlaufen (Saj) zwischen Safa und Marwa und das Stehen in der Ebene Arafat. Die Kaaba („Auf Erden gibt es keinen reineren Ort, kein lichtvolleres Bauwerk“, As-Sufi) zu umschreiten – wie die Lichtengel den Thron (Gottes) [ein äußerst verwegener Vergleich] – bedeutet nach Ibn al-Arabi „sich im Herzen der Existenz der Welt zu befinden“. [Die Betonung liegt anscheinend auf „Welt“]. Der Pilger trinkt sodann Wasser aus der Quelle Zamzam, die „ein Wunder“ darstellt und die Hagar, als sie mit ihrem Söhnchen Ismael weggelaufen war, nach langer Suche gefunden hatte. „Man sieht hier, wie einfach und tiefgreifend die Riten der Haddsch sind … ein Kreis und eine gerade Linie … dass der Saj sich auf das Dasein bezieht und der Tawaf auf Allahs Wirklichkeit und die Nicht-Existenz des Sklaven.“ ([2], S. 248)
Wieder scheint es, dass durch die komplexen Rituale der Haddsch eine Glaubenserfahrung herbeigeführt werden soll, während es sich bei entfernt vergleichbaren christlichen Wallfahrten, Prozessionen und Bittgängen um einen Ausdruck des schon vorhandenen Glaubens und um eine besondere Form des Bittgebets und der Anbetung handelt oder zumindest handeln sollte. Es dürfte damit zusammenhängen, dass die Muslime, weil sie nicht über ihren Glauben nachdenken dürfen, zu keiner inneren Überzeugung kommen und deshalb vermehrt die Bestätigung durch andere und den Gleichklang in der Masse suchen, um überhaupt den tiefen Glauben zu gewinnen.
Für den Normalsterblichen klingen all diese sufischen Erklärungen freilich ziemlich abgehoben und verstiegen, und es entzieht sich seiner Beurteilung, ob die Sufis ein realistisches Ziel anstreben. Das Gesagte muss genügen, um diese Richtung des Sufismus exemplarisch zu verdeutlichen. Auf die weiteren Erläuterungen und Konzepte As-Sufis einzugehen, würden den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen. Nur noch einige Punkte sollen angesprochen werden.
Gebetsrichtung
Auch die islamische Gebetsrichtung auf die Kaaba hin (Qibla), die in Koran (2:144-152) vorgeschrieben ist, erhält im Sufismus ebenfalls eine besondere Begründung. Die Einhaltung der detaillierten Ritualvorschriften, meint der Sufi-Meister, ist unverzichtbar für die Ausschaltung der Nafs-Fantasien. Aus den gegebenen weltlichen Formen löst sich der Gläubige nur durch Übung geistiger Formen, damit er in einen Dialog mit der Wirklichkeit eintreten kann. Er beginn die Beziehung zu verstehen zwischen Form und Nicht-Form, zwischen der begrenzten Körper-Selbst-Wirklichkeit des Sklaven und der grenzen-, körper- und selbst-losen Wirklichkeit des Herrn. Erst wenn der Muslim mit Allah keinerlei Form mehr assoziiert (das wäre die Sünde von Schirk, wie die christliche Dreifaltigkeitslehre; wer sie begeht, ist ein Muschrik, ein Polytheist), wenn er alles ohne Ding-heit betrachtet, kann er Allahs Gesicht in jeder Richtung und in allen Dingen sehen. Nur nach oben, in den Himmel dürfen Muslime beim Gebet zu Allah nicht schauen. „Wir sahen dich dein Antlitz in den Himmel kehren, aber wir wollen dich zu einer Qibla wenden, die dir gefallen soll. Wende dein Angesicht nach der Richtung der heiligen Moschee …“ (Koran 2:144) Dementsprechend untersagte Mohammed seinen Anhängern unter Androhung von Erblindung, beim Gebet zum Himmel zu blicken.
Den Christen, die er wohl vom Sehen ohne Dingheit ausnimmt, wirft as-Sufi vor, einem großen Missverständnis hinsichtlich des Wesens der Existenz (also Gottes) zu erliegen, indem sie sich auf eine bestimmte Richtung fixieren und die Wirklichkeit „lokalisieren“. Vielleicht bezieht er sich darauf, dass Kirchenbauten gewöhnlich nach Osten ausgerichtet sind. Oder er meint mit der „Lokalisierung“ die Verortung Gottes im Himmel, welche ein Allgemeingut der Menschheit ist. Der Überlieferung nach betete Jesus mit dem Blick zum Himmel, die Juden hielten es ebenso. Die Änderung der islamischen Gebetsrichtung einmal vom Himmel und dann von Jerusalem weg nach Mekka drückte ja selbstbewusste Abgrenzung von den Juden und den Christen aus, nachdem diese Mohammed nicht als Prophet angenommen hatten. „… und siehe jene, denen das Buch gegeben ward, wissen wahrlich, dass dies die Wahrheit von ihrem Herrn ist. Brächtest du denen, welchen die Schrift gegeben ward, jegliches Zeichen, so würden sie doch deiner Qibla nicht folgen; und auch du sollst ihrer Qibla nicht folgen … und wahrlich, folgtest du ihren Gelüsten … dann wärest du einer der Ungerechten. Sie, denen wir die Schrift gaben … ein Teil von ihnen verbirgt die Wahrheit, wiewohl sie sie kennen.“ (Koran 2;144-146)
Demnach war die Gebetsrichtung des Islams – horizontal und nach Mekka gerichtet –, weil von Allah befohlen, gut und richtig, eine andere Ausrichtung in anderen Religionen dagegen falsch, sogar eine wissentliche Verleugnung der bekannten Wahrheit, was im Übrigen wieder suggeriert, dass Allah der biblische Gott sei. Der Sufismus lässt es sich angelegen sein, mit den auf dem Weg notwendigen geistigen Formen, die im Christentum so natürlich fehlen, eine Begründung für die Qibla zu liefern.
Aber lokalisieren die Muslime ihren Gott Allah nicht noch viel mehr, wenn sie ihre Gebete streng auf die Kaaba ausrichten müssen? As-Sufi verleiht dem Beten Richtung Mekka nicht nur eine islamgerechte Begründung, sondern eine überhöhte Bedeutung. „Was wir also vor uns haben, ist eine Folge von konzentrischen Kreisen, die auf Mekka, den Brennpunkt der Anbetung, hinauslaufen … So ergibt sich … das Bild einer endlos sich kräuselnden Bewegung … in Richtung auf … die Kaaba … Im Zentrum steht das Alte Haus … also ein Platz, der seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte als ein Ort der Begegnung zwischen dem Sklaven und dem Herrn gefeiert worden ist. Die gesamte Dynamik der Energie, die von dem Alten Haus ausstrahlt, ist so überwältigend, dass man, wenn man sich an einem beliebigen Ort nach ihm ausrichtet, sich in Harmonie mit der Einheit aller Lebensvorgänge und der Strukturierung der Welt als einer einzigartigen totalen Schöpfung befindet. Das ist der Grund, warum der Prophet sich im Sitzen und im Schlafen immer dem Alten Haus zuwandte …“ ([2], S. 87)
Diese Erklärung unterstellt nicht einmal, dass der grenzenlose Gott in der Kaaba wohnen und genau von dort seine Kraft ausstrahlen würde, vielmehr beruht sie darauf, dass Menschen während Jahrtausenden bei der Kaaba sich Allah unterwerfen und ebenso sich alle Ritualgebete weltweit seit jeher gedanklich auf den Ort der Kaaba ausrichten. Die dynamische Energie, welche die uralte Anbetungsstätte jetzt angeblich ausstrahlt, wurde also durch Einstrahlung gedanklicher Energien der Gläubigen erst aufgebaut. Sie ist nicht göttliche Kraft, sondern Mentalenergie – eben weil Muslime das Ziel ihrer Anbetung „lokalisieren“. Die mentale Ausrichtung auf die Kaaba stimmt damit überein, dass im Islam Gott nicht durch seine ausgestrahlte Kraft (im Christentum „Heiliger Geist“ genannt) auf die Menschen einwirkt, und offenbar vielmehr die Gläubigen dem angebetenen Wesen über den Ort der Kaaba ihre Energie zuwenden müssen. Gott hätte das nicht nötig, denn er verströmt seine Kraft, ohne sich je zu verausgaben. Und die Wesen entscheiden im freien Willen, ob sie sich dieser Kraft verschließen oder öffnen.
Das Ritualgebet wird im Sufismus als Einstieg in den gnostischen Weg betrachtet: „Von diesem globalen Standpunkt aus betrachtet, von diesem kosmischen Standpunkt aus offenbart sich Salat [Gebet] als der ursprüngliche und wesentliche Ritus jeglicher Wissenschaft von der Gnosis der Wirklichkeit … Die erste Handlung des Suchenden besteht in einem Sich-Öffnen gegenüber der Situation. In diesem Akt unterwirft er sich … dem Lebens-Prozess, dessen Teil er ohnehin ist. Darin zeigt sich Unterwerfung, darin liegt Friede. Ein Mensch, der seinen Platz als ein unendlich kleines Teilchen eines ungeheuren, dynamischen, viel-dimensionalen Universums akzeptiert hat, hat sich gleichfalls für einen Prozess des Erwachens seiner eigenen inneren Wirklichkeit geöffnet … Darin liegt das Geheimnis von Salat und das Geheimnis der Unterwerfung als Sklave einer mächtigen Wirklichkeit, das Geheimnis des Friedens. Ein solcher Mensch heißt Muslim – einer, der sein Selbst hingibt. Die Lebenspraxis nennt man Islam. Die Wurzel ist in beiden Fällen dieselbe – SLM – „Ergebung“, „Friede“, „sicher und gesund sein.“ ([2], S. 88f)
Die „mächtige Wirklichkeit“ ist aber wiederum das Universum, nicht Gott. Nach christlichem Verständnis besteht die materielle Schöpfung, gleich wie wunderbar, ungeheuer groß und vieldimensional sie ist, aus dem gefallenen Geistigen, das unter der Menschenseele steht. Der Mensch gehört dieser Schöpfung körperlich an, ist aber nicht auf seinen Körper beschränkt, sondern besitzt geistige Fähigkeiten wie Vernunft und freien Willen, Selbsterkenntnis und Kommunikationsfähigkeit, und vor allem eine unsterbliche Seele. Von all dem ist im Islam wenig und nur pro forma zur Glaubhaftmachung des Religionscharakters, und im Sufismus nur in Form des auszulöschenden illusionären Selbst die Rede. Es scheint, dass die Muslime einfach die Natur anbeten und sich gar nicht zu Gott hinwenden, obwohl sie es behaupten und natürlich selbst meinen. Wer könnte aber ein Interesse daran haben, dass sie, die Gabriels Rede folgen, keinen Weg zu Gott nehmen und ihm fernbleiben?
Die metaphysischen Aussagen in Koran und Sunna schlagen sich in den Gedankengebäuden der Sufis nieder. Im Normalfall geht das Bemühen des Suchenden der Offenbarung, die er erhält voraus, gemäß der Koranstelle „Und diejenigen, welche für uns eiferten, wahrlich, leiten wollen wir sie auf unseren Wegen; siehe, Allah ist wahrlich mit denen, die recht handeln.“ (29;69) Aber auch das Umgekehrte kommt vor. Die Koranaussage „Allah führt auf seinen Weg, wen er will, und Allah lässt irregehen, wen er will.“ bringt Scheikh al Kalabadhi zur Auffassung: „Wenn Allah einen Menschen sucht, ist es für diesen Menschen unmöglich, Allah nicht zu suchen: Derart hat Allah den Suchenden zum Gesuchten und das Gesuchte zum Suchenden gemacht.“ ([2], S. 48) Nach As-Sufi kommt letzteres vor, wenn jemand durch die Macht der Vision aufgerüttelt werden soll, für Allah zu arbeiten; dann wird „der ‚gesuchte’ Mensch gewaltsam von der Wirklichkeit aus seinem bisherigen Leben herausgerissen, und ihm wird die Offenbarung der Stufen des Geistes zuteil.“ ([2], S. 49) In beiden Möglichkeiten sind Gott (Allah) und Mensch aufeinander bezogen und können sogar beide Rollen einnehmen, sind austauschbare Bestandteile der gleichen einen Wirklichkeit.
Diese Einheit allen Seins in Gott ist, was die Sufis in Gedanken voraussetzen und in der Erfahrung erreichen wollen. Die Trennung von Subjekt und Objekt soll aufgehoben werden. Der Mensch will Gott erkennen, und Gott will sich in der Schöpfung erkennen. In liebender Gotteserkenntnis wird der Mensch zur Selbsterkenntnis Gottes in der Schöpfung, er vereint Himmel und Erde und wird zum Stellvertreter Gottes (Kalif) und kann seine wahren inneren Bilder in die Wirklichkeit umsetzen.
„Gott wird mit Vorliebe als ‚al haqq’, d. h. die Wahrheit, die Realität bezeichnet, und das Hochziel, dem der Weise zustrebt, ist das völlige Entwerden, das Aufgehen in ihm (fana), vergleichbar dem Brahma-nirvana der Vedantins.“ ([1], S. 401) Ein Zitat aus den „Mekkanischen Offenbarungen“ Ibn al-Arabis beschreibt exemplarisch den Weg und das Ziel der Sufis: „Keine Grenze begrenzt Mich (spricht Gott), und weder der Meister noch der Sklave kennen Mich … Du bist das Ich! Und Ich bin das Ich! Daher suche Mich nicht außerhalb deiner selbst, oder du wirst Mir ein Ende setzen! Lass nicht nach in der Suche nach Mir, sonst wirst du unberührt bleiben. Suche Mich, bis du Mich findest, und du wirst erhöht werden! Aber … unterscheide zwischen Mir und dir, denn du siehst nicht Mich, sondern nur dein eigenes Wesen, daher verharre in der Qualität des Betens. Sei ein Sklave! Sage, dass es unmöglich ist, jenseits der Wahrnehmung, welche du hast, wahrzunehmen. Darin wirst du frei sein, und du wirst veredelt werden und wahrhaftig.“ ([2], S. 251).
Aus christlicher Sicht sind im Sufismus die Positionen von Gott und Mensch unzulässig vermischt und die Begriffe verwirrt. Das liegt wohl daran, dass der Islam eine wechselseitige Liebe zwischen Gott und Mensch nicht hergibt und deshalb eine mystische Verbindung mit Gott nicht mit vernünftigen Begriffen und Ansichten unterstützt und anleitet. So ist auch das Konzept des freien Willens in Koran und Sunna völlig verunklart.
Oftmals wurden Sufis, wenn sie sich zu offen äußerten, von den Islamgelehrten (Ulama) wegen ihrer deutlichen Kritik an gesellschaftlichen Missständen und wegen Häresie verfolgt. Die Sufis lehnen eine Staatsreligion ab, in welcher die Islamgelehrten im Dienst von Herrschern stehen, und berufen sich dabei auf Aussprüche Mohammeds wie: „Die Menschheit wird bald in eine Zeit eintreten, da vom Islam nur noch der Name geblieben sein wird und nur der Koran in seiner geschriebenen Form. Ihre Moscheen werden in einem guten Zustand sein, aber der geistigen Führung entbehren; ihre gelehrten Männer werden die schlimmsten Menschen unter dem Himmel sein, sie werden Verderbnis anrichten und unter ihnen wird Korruption herrschen.“ ([2], S. 117)
Schon die Tatsache der Zusammenstellung des Korans sehen sie kritisch, was verwundert, da es den Muslimen doch als Allahs Wort gilt. Mit der Sammlung der Hadithe sind sie zwar einverstanden als einer wichtigen Berichtsquelle für die Lebenspraxis Mohammeds. Aber sie verlassen sich nicht nur auf die Schriften, sondern behaupten, dass der ganze Weisheits-Prozess, den sie beschreiten und den Mohammed aufgezeigt und vorgelebt hat, auf vollendete Weise nur unter Anleitung eines Meisters und durch Übertragung auf den Schüler verwirklicht werden kann, und dass diese Tradition in einer ununterbrochenen Kette weitergegeben wird, welche bis auf die Gefährten Mohammeds zurückgeht. In der Gelehrsamkeit, einer Scholastik mit Behauptung und Widerlegung sehen sie eine bloße Beweihräucherung der Nafs und die Spiegelfechterei einer korrupten Lehrpraxis. Ghazali sei der Versuch zu verdanken, den Unsinn der Gelehrsamkeit aufzuzeigen und zur Weisheit zurückzukehren. Er habe sechshundert Jahre nach Mohammed beklagt, dass das Wissen und die Taten der Gefährten den Muslimen vorenthalten würden, welche sich kein klares Bild über den Islam mehr machen könnten. Die Wissenschaft von der anderen Welt sei in Vergessenheit geraten.
Im Sufismus ist das Ziel aller Praktiken und Studien, Männer Allahs hervorzubringen nach dem Vorbild des Gesandten. Sie besitzen Vollkommenheit, innere Ausgeglichenheit und Selbstlosigkeit des Verhaltens. In den kulturprägenden, auf Fantasien beruhenden Staatsstrukturen der „islamischen Welt“ waren solche Männer oft gefährdet und wurden manchmal hingerichtet, aber selten als Führer gehört. Sufismus verwirklicht sich in einzelnen Menschen und wird in persönlichem Kontakt weitergegeben, er erfährt keine geschichtliche Entwicklung. Die westlichen, christlichen Intellektuellen bewundern nur eine islamische Kunst und Kultur, aber sie erfassen nichts von dem wahren Islam, der nicht mit irgendeiner muslimischen Gesellschaft gleichgesetzt werden kann.
Staats-Gläubigkeit festigt die äußeren Strukturen, führt zur Aufteilung des Staatskörpers, zur Rollenverteilung unter den Bürgern und letztlich zum Bürgerkrieg. Im wahren Islam nimmt der Gläubige alle Rollen selbst für sich ein, daraus folgt ein harmonischer Zusammenschluss von Menschen, die in Übereinstimmung mit einer mitfühlenden Wirklichkeit leben, zu einer Gesellschaft. In der Religions- und Staats-Fantasie dient Wissen der Vermittlung von Fakten und nicht der Erleuchtung, ist Wissen ein Mittel der Manipulation und nicht der Befreiung. Der wahre Islam, den Mohammed gebracht hat, kann nur im Bewusstsein der Vieldimensionalität des Lebens und der Unwirklichkeit der Erscheinungswelt existieren. „Für die Leute des Pfades sind die Sinnesorgane keine Tore zur Wirklichkeit, sondern sie verschleiern die Wirklichkeit. Jeder, der glaubt, Sinnes- und Denkerfahrung enthalte eine Art von totaler struktureller Faktizität, lebt im Grunde genommen in einer Welt des Wahns und tiefer Halluzinationen …“ ([2], S. 126)
Die Ablehnung des Staates führt bei As-Sufi jedoch keineswegs zu einer Geringachtung des religiösen Rechts der Scharia, wie es bei den frühen Sufis oft mehr oder weniger der Fall war. „Verschiedene Meister mögen verschiedene Methoden anwenden, aber Streitereien gibt es niemals. Folgt der Meister der Scharia, kann man ihn nicht in Frage stellen – das ist der einzige äußere Maßstab für einen Suchenden, wenn er seinen Lehrer auswählt.“ ([2], S. 38f.) „Der Scheikh spricht von sich selbst als dem Licht Mohammeds … er ist der Gipfel dessen, was das Menschen-Geschöpf in seiner totalen Verwirklichung sein kann … Wir erkennen, dass er in der Welt sozial funktioniert und all jene edlen Tugenden verkörpert …“ ([2], S. 27) In den verbreiteten Sufi-Gemeinschaften, in denen sich die Volksfrömmigkeit oftmals ausdrückt, fungiert der gewählte Scheikh denn auch als Ratgeber, Seelsorger und Führer in weltlichen und in spirituellen Dingen mit unangefochtener Autorität.
Mohammed als Vorbild
Auch in der sufischen Unterwerfung unter die Wirklichkeit gibt Mohammed das Vorbild ab als ein Mensch, „der sich in solcher Übereinstimmung und Harmonie mit der Schöpfung befindet, dass er mit dem Wind weht und mit der Sonne sich verfinstert. Er empfindet jedes Schöpfungs-Ereignis und unterwirft sich ihm …“ ([2], S. 89) Es wird berichtet, dass Mohammed während und nach einer Sonnenfinsternis betete und bei einem Sturm Allah pries und um Schutz bat. Bei einem Gewitter ging er hin und her und zeigte Erleichterung, als der Regen einsetzte. Bei einem Regen zog er den Mantel aus und setzte sich ihm aus, „weil es gerade von dem Erhabenen Herrn gekommen ist.“ ([2], S. 89f.) Zum Vergleich erzählt die Bibel: Jesus schlief unter dem Deck des Schiffes der Jünger, als es in Seenot geriet. Sie weckten Jesus, und er gebot dem Wind, und es trat Stille ein. (Matth. 8,24-27 und Mark 4,36-41) Jesus erwies sich in seinen Wundern als Herr über die materielle Schöpfung, über die Natur, und er leitete seine Jünger an, ihm auch darin nachzueifern. „… der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke … Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun … Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.“ (Joh. 14,12-14) Mohammeds Botschaft rechtfertigt bekanntlich, dass er keine Wunder tat, wenn auch in frommen Legenden welche berichtet werden. Koranverse bestätigen das Ausbleiben von Wundern wenigstens für die erste Zeit in Mekka.
Die Kenntnis aller äußeren Einzelheiten des Gebets und die Einübung in seine tiefe bedeutungsvolle innere Struktur ist laut as-Sufi der erste Teil des gewaltigen Geschenks Mohammeds an die Menschheit. Zugleich mit der Botschaft (Koran) hat er ihr die Weisheit (Hikma) hinterlassen. Sein Beispiel „verleiht dem inneren Impuls, der zur Gnosis führt, Fleisch und Blut“ und „mit diesem Wissen die Möglichkeit, jene Ganzheit zu verwirklichen, die dem Menschengeschlecht wiedergegeben wurde, als der Gesandte die Menschen erneut öffnete … für das wahre Wesen ihres Menschseins …“ ([2], S. 90f.) Dem Westen ist diese Wissenschaft unbekannt, weil seine Sprachwissenschaftler ungeeignet waren, die Anthropologie und die Metaphysik des Islams zu erforschen und „weil es einen ganz bewussten Versuch von seiten der christlichen und jüdischen Akademiker gab und noch gibt, den wahren Kern des Islams falsch darzustellen.“ ([2], S. 91.) Infolgedessen hat auch die Masse der Muslime kein wahres Bild über ihre Religion. Die gleiche Feststellung trifft auch der türkisch-sunnitische Gelehrte im nächsten Kapitel.
Mohammeds Vorbildrolle erläutert die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel so: „Der Koran bezeichnet Muhammad auch als leuchtende Lampe (Sure 33, 40) … Im Sufismus gilt das Muhammad-Licht als die eigentliche Ur-Substanz, das erste, was Gott geschaffen hat … Für die Mystiker spielte die Rolle Muhammads als des ersten je geschaffenen Wesens eine zentrale Rolle, und die Beschreibungen, die man seit dem späten 9. Jahrhundert über die von Gott geschaffene Lichtsäule, das ist die Ur-Form Muhammads, liest, reichten tief in mythische Sphären … Im Laufe der mystischen Spekulationen ward Muhammad zum Vollkommenen Menschen, zu dem, der in sich alle Attribute und Namen Gottes widerspiegelt, zur Nahtstelle zwischen dem göttlichen Wesen und der Schöpfung – aber doch immer Geschöpf, kein ‚Gottessohn’. Er ist abduhu, ‚Gottes Diener’ … als der höchste Rang, den der Mensch erreichen konnte … Muhammad ist der sichere Weg, der zu Gott führt, und in seiner Lichtsubstanz zu entwerden war das Ziel vieler Sufis bis zum heutigen Tage … Es versteht sich von selbst, dass Muhammad in seiner mythisch überhöhten Gestalt zum Zentrum des Frömmigkeitslebens wurde … Mit dem zunehmenden Kontakt mit westlichen Ländern wurde die Verehrung Muhammads noch stärker in den Mittelpunkt gestellt – war er nicht der absolut vor Irrtum geschützte Führer seiner Gemeinde? … sich an sein Beispiel zu halten, schien den Muslimen in einer Zeit politischen Niedergangs und sich immer verschlechternder Umstände die einzige Rettung … Muhammad zu beleidigen ist eine schwere Sünde, für die im Laufe der Jahrhunderte oft Todesstrafe verhängt wurde … mit der zweiten Hälfte (des Glaubensbekenntnisses) … ist der Islam in seinen legalen und kultischen Aspekten, in seiner Rolle als eigenständiges Gebilde definiert – eine Lebensform, die Welt und Jenseits, geistiges und irdisches Heil für den Gläubigen umfasst; und wie Iqbal schreibt: ‚Liebe zum Propheten fließt wie Blut in den Adern seiner Gemeinde.’“ ([3], S. 257ff.) Auch As-Sufi nennt seinen Einweihungsweg einen “Pfad der Liebe”, was sich vielleicht auf die Liebe des Schüles zum Lehrer, des Sufi zum Scheikh, der Muslime zum Propheten bezieht. Aber wo im Islam wird Gottes Liebe zu den Menschen deutlich? Sie wird von Allahs ungerührter Willkürherrschaft verdrängt und ist allenfalls in der „Güte“ der Schöpfung noch spürbar.
Gegen die behauptete Vernünftigkeit und Wissenschaftlichkeit des Islams und mehr noch des Sufismus dieser Richtung sprechen auch die darin vorkommenden Zahlenangaben, beispielsweise zwei, drei oder vier Flügel an Engeln (35;1); Allah gestaltete sieben Himmel in zwei Tagen und schmückte den untersten mit Lampen (41;12); neunzehn Engel als Hüter des Höllenfeuers (71;30); seit Beginn der Menschheitsgeschichte 124 000 Propheten (laut Mohammed), und seine Anhänger würden in ferner Zukunft in 73 Sekten zerfallen, wovon nur eine die Wahrheit besitzt. Um jeden der 29 Buchstaben des arabischen Alphabets kreisen neun Himmel, insgesamt sind es 261 (Ibn al-Arabi).
Die sufische Islam-Auffassung dürfte somit für die Muslime die Hindernisse für den wissenschaftlich-technischen Fortschritt noch vergrößern. Von Wissenschaft, als welche sich der Sufismus bezeichnet, ist nur mit Bezug auf die andere Welt die Rede. Der englische Sufi-Meister überschreibt die der Einleitung folgenden sechs Kapitel seines Buches mit „Wissenschaft vom Selbst / von der Sunna / von den Zuständen / vom Koran / von der Verunsicherung / vom Augenblick“. Für seine „Wissenschaft“ gibt es keine Belege außer verstiegenen Gedankengebäuden und der inneren Überzeugung, und für ihr Vorbild in Mohammed keine überzeugenden Anhaltspunkte in Koran und Sunna. As-Sufi ist seinen Vorstellungen gefolgt und hat sie bestätigt gefunden. Er bezieht offensichtlich, wie die Sufis von Anfang an, Anregungen aus östlichen Weisheitslehren und der Gnosis (Streben nach übersinnlicher Erkenntnis in der Schau Gottes), außerdem aus der Psychoanalyse. Er versteigt sich in abstruse Gedankengebäude und erblickt in Koran und Sunna in unglaubhafter Weise Bestätigungen seiner Wissenschaft. Auch er hat seinen Verstand nicht eingesetzt, um die Behauptungen in der Botschaft Gabriels zu hinterfragen und zu prüfen, sondern nur, um sie im Nachhinein zu begründen und zu rechtfertigen und sie zur ganz eigenen sufischen Auslegung zu verwenden. Dafür hat er wie seine Vorgänger und Lehrer all seine Intelligenz und seine Lebenszeit aufgewendet. Bei einem freien, unvoreingenommenen, in jeder Richtung forschenden Denken hätte nur ein Teil der Intelligenz und Lebenszeit ausgereicht, dem Gedanken und dem Gefühl nachzugehen, dass an der Botschaft Gabriels etwas nicht stimmen kann, weil sie unter anderem unlösbare Rätsel enthält, wie beispielsweise die
Nacht der Macht (oder der Bestimmung):
As-Sufi geht auf die islamische Vorschrift ein, in einer bestimmten Nacht im Fastenmonat Ramadan den Koran möglichst ganz durchzulesen (S. 138, 175 und 188ff.). So wird die Sure 97 verstanden, welche lautet: „Siehe, wir haben ihn in der Nacht al-Qadr geoffenbart. Und was lehrt dich wissen, was die Nacht al-Qadr ist? Die Nacht al-Qadr ist besser als tausend Monde. Hinabsteigen die Engel und der Geist in ihr mit ihres Herrn Erlaubnis zu jeglichem Geheiß. Frieden ist sie bis zum Aufgang der Morgenröte.“ Seit jener Nacht tauchte der Koran situationsbezogen Stück für Stück auf. „Wann immer eine Offenbarung sich einstellte, tauchte sie aus einer bestimmten Lebenssituation auf, und sie kam als eine Erleuchtung jenes Augenblickes und legte die Wahrheit jener Situation offen. Sie leitete die Handlungen des Propheten und entfaltete gleichzeitig die ‚gute Nachricht und die Warnung’ …“ ([2], S. 189). Wo aber war der Koran, nachdem er in dieser Nacht herabgebracht worden war, wo wurde er aufbewahrt, um stückweise zu erscheinen? Vielleicht im Geist Gabriels oder im Unterbewusstsein Mohammeds?
Zu der etwas unverständlichen Rede Gabriels vermerkt die Reclam-Koranausgabe: „In der Nacht al-Qadr (d.i. der Allmacht oder Herrlichkeit) brachte Gabriel den Koran aus dem siebenten Himmel hernieder. Sie ist eine der letzten fünf ungeraden Nächte des Monats Ramadan.“ Nach einer anderen Darstellung ist es die 27. Nacht. In dieser Nacht hält der Muslim (Mumin) bis zum Morgengrauen Wache und rezitiert den Koran in einem Stück. Daraus erwachsen ihm unvergleichliche Verdienste. As-Sufi schreibt, dass der Gläubige diese Nacht mit eigenem Gespür unter den letzten Nächten des Ramadan, die auf ein ungerades Datum fallen, herausfinden muss. „Wenn sie kommt, besteht niemals ein Zweifel daran, welche Nacht es gewesen ist. Es gibt im ganzen Jahr keine Nacht, die für die unmittelbare Erfahrung … für das Erwachen offener wäre.“ (2], S. 138)
Doch wie lösen Muslime die Aufgabe, unter fünf Nächten gefühlsmäßig die richtige zu erkennen, wenn sie nicht grundsätzlich oder jeweils vorher festgelegt ist, z. B. durch einen Konsens der Gelehrten? Werden sie nicht vorsorglich in jeder der fünf in Frage kommenden „ungeraden“ Nächte den Koran durchlesen, um die richtige Nacht nicht zu verpassen? Und gibt es einen Konsens im nachhinein? Diese kaum zu lösende Aufgabe, welche der behaupteten Klarheit des Korans und Wissenschaftlichkeit des Islams widerspricht, erscheint symptomatisch für diese „Religion“, in der es heißt, dass das vollkommene Verständnis des Korans lebenslanges Studium erfordert und nur Gelehrten möglich ist. As-Sufi scheint selbstbewusst anzudeuten, dass er und seine Schüler das Rätsel der „Nacht der Macht“ sicher lösen.
Außer Mohammeds Zuständen beim Botschaftenempfang oder beispielsweise seinem Verhalten bei einem Gewitter werden noch andere sonderbare Dinge über ihn berichtet, die ungelöste Fragen aufwerfen. Aus der Prophetenbiographie Ibn Ishaqs, in der alten vollständigen Übersetzung durch Gustav Weil (S. 30), geht folgendes hervor: Als Mohammed noch bei seiner Amme und Pflegemutter lebte, berichtete der Sohn der Amme über ihn: „… Zwei Männer in weißen Gewändern haben ihn gepackt, zu Boden geworfen, ihm den Leib geöffnet und schütteln sein Herz.“ Mohammed selbst erzählte den Pflegeeltern: „Zwei Männer mit weißen Gewändern kamen zu mir, warfen mich nieder, öffneten meinen Leib und suchten irgend etwas darin.“ Daraufhin brachten ihn die Pflegeeltern vorzeitig zu seiner Mutter zurück, weil sie fürchteten, ein böser Geist habe sich Mohammeds bemächtigt. Den gleichen Vorfall behandelt Schimmel: „In einem sehr alten Text berichtet der Prophet, wie er als Knabe von grüngewandeten Wesen – Engeln also – mitgenommen wurde und wie sie ihm auf einem Hügel die Brust öffneten, das Herz herausnahmen, mit kühlender Flüssigkeit wuschen, den winzigen schwarzen Fleck darin entfernten und ihn wieder heilten …“ ([3], S. 259) Laut der Propheten-Biographie erwähnte Mohammed noch, die Männer hätten ein „goldenes Becken, gefüllt mit Schnee“ gehabt.
Zuerst einmal erscheint der Schluss von „grün (oder weiß) gewandeten Wesen“ auf Engel etwas voreilig und unpassend. Auch hätten Engel Gottes andere Möglichkeiten, einen eventuellen Blutklumpen im Herzen zu entfernen oder ein sonstiges Gebrechen zu heilen. Auch Jesus heilte ja nicht durch Öffnen des Leibes. Vielmehr erinnert die Beschreibung an eine Operation. Engel brauchen auch keinen Behälter, der mit einer Substanz gefüllt ist. Die grüne Kleidung ist auch kein gewöhnliches Attribut von Engeln, während gleichzeitig von den „zwei bis vier“ Flügeln, die laut Koran (35;1) zu Engeln gehören, nichts gesagt wird. Der Schluss auf Engel ist genauso voreilig und schlecht begründet wie der, als Khadidschas christlicher Cousin Waraqa ibn Naufal die riesenhafte Gestalt, die Mohammed auf dem Berg gesehen hatte und die sich Gabriel genannt hatte, mit dem Erzengel Gabriel gleichsetzte.
Theologisch verkehrt wiederum mutet die islamische Erklärung dieser mysteriösen Angelegenheit an: „… das war, wie man später verstand, die völlige Reinigung von negativen Eigenschaften, so dass er (Mohammed) zum reinen Gefäß für die Offenbarung wurde, und die beruhigende Kühle der absoluten Gewissheit ward ihm gegeben.“ ([3], S. 259) Das ist eine nochmalige Steigerung der verkehrten Auffassung, dass eine Reinigung des Körpers in der rituellen Waschung die Verfehlungen tilgt, dahingehend, dass die Reinigung von Mohammeds inneren Organen, namentlich des Herzens, ihn spirituell gereinigt und zum „reinen Gefäß für die Offenbarung“ gemacht habe. Bei den vielen Propheten der Bibel findet sich ohnehin kein Vergleichsfall zu dieser „Operation“, vielmehr spielten beispielsweise Fasten und Beten und genügsame Lebensweise abseits der Masse eine Rolle. Jesus schließlich bereitete sich durch ein vierzigtägiges Fasten in der Wüste (Wildnis) unter ständigem Gebet auf sein öffentliches Wirken vor.
Eher unwahrscheinlich ist, dass Mohammed diese Begebenheit später zu der genannten zweifelhaften Bestätigung seiner Prophetenrolle erfunden hätte, denn noch lebende Familienangehörige der Amme hätten widersprechen können, und die Einzelheiten sind zu ungewöhnlich, um ausgedacht worden zu sein. Der Eindruck des anderen Jungen, dass die Männer das Herz schüttelten, weist am ehesten als typisches Missverständnis auf den wirklichen Anblick eines schlagenden Herzens hin. Zum anderen bedeutet das „Schütteln“, dass die beiden das Herz mit den Händen umfassten. Der Knabe Mohammed erzählte auch nur, dass sein Leib geöffnet wurde und die Männer „etwas darin suchten“. Zu fantastisch erschiene es, wenn er bei Bewusstsein gewesen sein wollte, als sein Herz freigelegt oder gar herausgenommen worden war, und er sein Herz hätte zucken sehen. Dieses Detail der Geschichte hörte er sicher erst von anderen.
„Es wird berichtet, dass, wenn der Gesandte (Mohammed) sich zur Salat (Gebet) niederwarf, seiner Brust ein Geräusch, vergleichbar dem eines Kessels mit kochendem Wasser, entströmte.“ ([2], S. 72) Dem Sufi-Meister gilt dies als Beispiel für die überwältigende Wirkung der Vereinigung mit Allah bei der Niederwerfung. Das Phänomen lässt jedoch auch die Frage auftauchen, ob in Mohammeds Brust nicht als Hinterlassenschaft der „Herzwäsche“ in seiner Kindheit eine anatomische Anomalie vorlag oder etwas vorhanden war, was sich normalerweise nicht im menschlichen Körper befindet. Denn dieses Öffnen des Leibes war wohl kaum Teil einer spirituellen Reinigung für ein Prophetenamt, und schon gar nicht einer durch Engel vorgenommenen. Diese gut verbürgte Kindheitsepisode mit der Brustöffnung bleibt daher dubios.
Zu der Schilderung passen auch Koranverse, welche dann wörtlich zu verstehen sind, wie die kurze mekkanische Sure 94: „Dehnten wir nicht aus deine Brust (oder: Haben wir dir nicht deine Brust geweitet) und nahmen ab von dir deine Last und erhöhten für dich deinen Namen? …“ Dazu wird in der Reclam-Koranausgabe auf die „Legende“ obigen Inhalts verwiesen. Im Islam wird diese Botschaft so gedeutet, dass Allah Mohammed durch diesen Eingriff in der Kindheit erst aufnahmefähig für die Koranübertragung und kompetent für die Verbreitung der Botschaft gemacht hatte. In Vers 6;125 wird das verallgemeinert: „Und wen Allah leiten will, dem weitet er seine Brust für den Islam …“ (6;125) Wenn aber die beiden „Chirurgen“ keine Engel waren und Gabriels Rede ohnehin nicht von Gott autorisiert ist und ihn nicht zutreffend darstellt, kommt noch ein wörtliches Verständnis dieses Koranverses in Betracht ebenso wie des Verses 50;16 (in Mekka): „… wir wissen, was (dem Menschen) seine Seele einflüstert, denn wir sind ihm näher als die Halsader!“
Noch einmal kommt die Halsschlagader in der mekkanischen Sure 69 vor. Nach Andeutungen, dass frühere Völker schwer gestraft wurden, weil sie nicht auf ihre Propheten gehört hatten, geht es zum Weltende und Jüngsten Gericht. Sodann verbürgt sich Allah dafür, dass Mohammed wirklich sein Prophet ist: „Und ich schwöre, bei dem was ihr schaut und was ihr nicht schaut. Siehe, es ist wahrlich die Rede eines edlen Gesandten. Und nicht ist’s die Rede eines Poeten … Und nicht ist’s eines Wahrsagers Wort … Ein Hinabsendung von dem Herrn der Welten! Und hätte er (Mohammed) wider uns einige Sprüche ersonnen, so hätten wir ihn bei der Rechten erfasst, alsdann hätten wir ihm die Herzader durchschnitten, und keiner von euch hätte uns von ihm [davon] abgehalten.“ (69;38-47)
Der Wechsel des persönlichen Fürworts für den Sprechenden (angeblich Allah) kommt im Koran mehrmals vor. Muss Allah als Gott schwören, dass er die Wahrheit sagt? Von Gott erwartet man doch gemeinhin nichts als die Wahrheit. In dem feststehenden Begriff „Hinabsendung“ und ähnlich ist enthalten, dass er von oben und von Gott (Allah) kommt. Die Verortung von Gott im Himmel wird bezüglich des Vorganges der Offenbarung wohl zur Glaubhaftmachung beibehalten, nicht aber bei der späteren Gebetsrichtung, die sich in der Praktizierung auswirkt. So unterscheiden sich wieder einmal wie in vielem anderen Theorie und Praxis im Islam. Nach Erwähnung des „Herrn der Welten“ (der „Fürst der Welt“ klingt an) wechselt das Subjekt zum „Wir“, das im Islam immer als Plural der Majestät (Allahs) verstanden wird. Die Todesdrohung des letzten Verses kannte Mohammed also seit der frühen mekkanischen Phase. Angst verhindert bekanntlich, wenn sie zu stark wird, das Nachdenken, was leider offenbar symptomatisch für den ganzen Islam ist. Warum beschreibt Allah sodann das Töten des Propheten im Falle der Untreue so plastisch als ein Durchbohren mit Messer oder Schwert? Gott oder seine Engel müssten nicht und würden wohl nicht auf diese konkrete körperliche Weise töten, eher schon die beiden mysteriösen Gestalten aus Mohammeds Kindheit. Mit „Wir“ in Gabriels Rede könnten auch er oder jene und diejenigen, welche hinter ihnen stehen, gemeint sein.
Den Hintergrund für diese spirituelle Reinigung durch die „Herzwäsche“ bildet die islamische Vermischung von körperlicher und seelischer Ebene, die sich in der Tilgung von Verfehlungen durch ritualisierte Waschung und auch in einem Detail der „Himmelsreise“ ausdrückt. Adam beurteilt im untersten Himmel die vorüberziehenden Seelen der Verstorbenen mit den Worten „Eine gute Seele aus einem guten Körper!“ oder „Eine schlechte Seele aus einem schlechten Körper!“ Wie der Gelehrte sagt, befiehlt der Islam, Medizin und Hygiene vor religiösen Kenntnissen zu lernen, „denn eine gute Seele kann ihr Wirken nur im gesunden Körper verwirklichen.“ ([5], S. 61) Schon die Römer sagten ganz ohne Offenbarung: „Mens sana in corpore sano.“
Gerade heute ist ein Interesse für christliche Mystik wieder modern, welches sich aber eher auf Randgebiete richtet wie die „Hildegard-Medizin“ oder eine meditative Auszeit im Kloster, als auf ihren ernsten, tiefreligiösen Kern. Im 4. Jht. breiteten sich im Orient das Einsiedlertum und erste Mönchsgemeinschaften aus. Mohammed betrachtete diese Praxis als nicht gottgewollt, nahm aber eine gewisse Rücksicht auf das Asketentum, welches die ab dem 8. Jht. auftretenden Sufis beeinflusste. Bekannt sind heute die mystischen Erkenntnisse und Botschaften von Mönchen und Nonnen oder stigmatisierten Frommen im katholischen Bereich seit dem Mittelalter. Ihnen liegt jeweils eine innige persönliche Beziehung zum Vatergott in weltabgeschiedener Frömmigkeitspraxis zugrunde, im Unterschied zu der von Sufis angestrebten Vereinigung mit der Wirklichkeit des Universums. Natürlich gab es auch im christlichen Bereich Abirrungen im Kloster- oder Einsiedlerleben, welche ebenfalls nur zu leicht und manchmal zu Unrecht als Häresien verfolgt wurden. Der christlichen Mystik zu verdanken sind aber viele ausführliche und wertvolle Erläuterungen zu Gottes Wirken in der Schöpfung sowie ergänzende Beschreibungen zum Alten und Neuen Testament, insbesondere zum Leben Jesu, Marias und der Apostel.
Mohammeds Botschaftenempfang muss sich durchaus an diesen Kundgaben aus der geistigen Welt messen lassen. Laut islamischem Glauben sprach ja der „Engel“ Gabriel im Auftrag Gottes (Allahs) selbst durch ihn. Ein Abschnitt aus den von der spanischen Nonne Maria von Agreda (1602-1665) empfangenen geistigen Erklärungen, der sich auf die Echtheit visionärer Prophetenschaft bezieht, kann auch Anwendung auf den Gründer des Islams finden, dessen Erwählungsvision wegen ihres Zwangscharakters und ihres weltlichen Inhaltes Zweifel am göttlichen Ursprung erweckt.
„Wer dann ein solches Bild sieht, glaubt, einen wirklichen Körper zu sehen. Ein solcher ist aber nicht vorhanden, sondern nur ein Bild, durch das der Gesichtssinn unbemerkt getäuscht wird. Solche mit Sinnestäuschungen verbundenen Visionen kommen bei Einwirkung guter Engel und bei echten (göttlichen) Erscheinungen für gewöhnlich nicht vor, obschon sie stattfinden können. Die Stimme, die Samuel hörte, kann von dieser Art gewesen sein. [Als er junge Samuel im Tempel bei der Bundeslade schlief, hörte er dreimal seinen Namen rufen. Dann empfing er eine Botschaft des Herrn, die ihn als neuen Propheten Israels auswies. (1.Sam 3.3-21)] Diese Visionen, soweit sie auf Täuschung beruhen, ahmt der Satan nach, namentlich jene, die durch den Gesichtssinn vermittelt werden.“ ([4], S. 458)
Parallelen zwischen der Berufung Samuels und Mohammeds zum Propheten ergeben sich aus dem dreimaligen Anruf und der ersten Botschaft. (Auch zu seiner „Nachtreise“ wurde Mohammed von Gabriel dreimal geweckt.) Ein gewichtiger Unterschied liegt jedoch in der optischen Erscheinung, die Mohammed wahrnahm und für welche die Erklärung bei Maria von Agreda weitere Zweifel aufwirft. Ebenso tritt die subjektiv-illusionäre Erfahrung des körperlichen Überwältigtseins nur bei Mohammed auf. Im Koran wird natürlich verlangt, Mohammeds Vision von Gabriel am Horizont als Realität anzunehmen: „Nicht erlog das Herz, was er sah. Wollt ihr ihm denn bestreiten, was er sah?“ (53;11,12) und ausführlicher: „Und ich schwöre bei den rücklaufenden Sternen (laut Anmerkung: die sichtbaren fünf Planeten Merkur bis Saturn) … Siehe, dies ist wahrlich das Wort eines edlen Gesandten (laut Anmerkung: des „Engels“ Gabriel), der begabt ist mit Macht bei dem Herrn des Thrones und in Ansehen steht, dem gehorcht wird und der getreu ist. Und nicht ist euer Gefährte (Mohammed) besessen. Wahrlich, er sah ihn (Gabriel) am klaren Horizont, und er geizt nicht mit dem Verborgenen [er gibt seine Vision und Botschaft weiter]. Auch ist’s nicht das Wort eines gesteinigten Satans … Siehe, es ist nur eine Ermahnung für alle Welt. Für jeden von euch, der den geraden Weg nehmen will. Doch werdet ihr nicht wollen, es sei denn, dass Allah will, der Herr der Welten.“ (81;15-29) Enthalten ist noch: Gabriel hat Macht, ihm wird gehorcht (von Mohammed); unbestreitbar sah Mohammed eine Erscheinung, und er ist nicht besessen und seine Botschaft kommt nicht von Satan; Weltgeltungsanspruch; Beraubung des freien Willens durch Vorherbestimmung Allahs. Satan erhält im Islam gelegentlich das Attribut „gesteinigt“, weil angeblich Abraham den Satan mit Steinwürfen vertrieb und weil bei den Ritualen der Haddsch mit Steinwürfen auf eine Säule der Satan symbolisch gesteinigt wird. Die Muslime drücken damit ihren Abscheu gegen den Einflüsterer aus, aber ob er sich davon beeindrucken oder vertreiben lässt, ist eine andere Frage.
Ein weiteres Bedenken, das auf Mohammed zutrifft, steuert die Botschaft von Agreda anlässlich der (echten) „körperlichen“ (d. h. materialisierten) Erscheinungen bei: „Dass Maria körperliche Visionen der Engel hatte, beweist die Botschaft des heiligen Erzengels Gabriel … Hinsichtlich der körperlichen Visionen … muss man sehr zurückhaltend sein, daran zu glauben und zu tun, was die Vision verlangt. Würde verlangt, dass man sogleich und ohne Überlegung und Beratung glaube und gehorche, so wäre das ein dem bösen Feinde zutreffendes Zeichen. So fordern die Engel nicht, weil sie Lehrer des Gehorsams, der Wahrheit, Klugheit und Heiligkeit sind. Andere Kennzeichen der Echtheit und Zuverlässigkeit oder der Unechtheit solcher Visionen findet man in ihrer Veranlassung und in ihren Wirkungen.“ ([4], S. 460) Man vergleiche auch die Jesusworte „Hütet euch vor den falschen Propheten … An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Matth. 7,15-16) Mohammeds Geist befahl ihm beim ersten Auftritt „Lies!“ und würgte ihn, und das mehrmals.
2. Der islamische Vernunftgebrauch, aufgezeigt an einem Beispiel moderner türkisch-islamischer Gelehrsamkeit
Ein ungenannter türkischer Islamgelehrter betont in seinem etwa 1985 fertiggestellten Buch „Islam und Christentum“ die Logik als Merkmal des Islams. (Sprachliche Unebenheiten der deutschen Version – sie wurde offensichtlich ohne muttersprachlichen Lektor aus einer englischen Version übertragen – werden in den Zitaten, wo es angebracht erscheint, behoben, ohne den Sinn zu verändern. Ebenso werden das durchgängige Attribut „der Erhabene“ nach der Nennung Allahs und die Propheten-Segenswünsche in der Zitierung weggelassen.)
„Die islamische Religion, die im Vergleich zu anderen Religionen der modernste und beste Glaube ist, beruht auf sehr menschlichen und logischen Grundsätzen … Sie werden … zu der Überzeugung gelangen, dass der Islam ein erhabener, logischer und makelloser Glaube ist …“ ([5], S. 4). „Als Allah den Menschen schuf, gab er ihm die Vernunft und Intelligenz … Was den Menschen von anderen Geschöpfen unterscheidet, ist, dass er … denken, die Tatsachen erwägen, mit Verstand entscheiden und seinen Entscheid in die Tat umsetzen, Gutes und Böses unterscheiden, seine Missetaten wahrnehmen und bereuen kann … Aber kann der Mensch von dieser Denkkraft, auf sich selbst angewiesen und ohne Wegweiser, Gebrauch machen? Kann er allein den rechten Weg, der zu Allah führt, und Allah finden? Wenn wir die Weltgeschichte studieren, sehen wir, dass die Menschen ohne einen von Allah gesandten Führer immer auf Irrwege geleitet worden sind. Wohl hat der Mensch die Existenz seines mächtigen Schöpfers durch seinen Verstand vorgeahnt, aber den zu ihm führenden Weg nicht finden können.“ ([5], S. 11)
Den Vorgaben des Korans entsprechend, werden hier verschiedene Dinge vermischt, und es fehlt eine saubere begriffliche Trennung. Mit seinen Sinnen nimmt der Mensch die Schöpfung wahr, mit seinem Verstand kann er auf einen Schöpfer schließen. Er kann sogar vernünftige Annahmen über die Eigenschaften und das Wirken dieses Schöpfergottes entwickeln, aber seine Denkkraft reicht nicht hin, Gottes Willen und Erwartungen an die Menschen zu erkennen. (Das hängt mit der Unvollkommenheit der meisten Seelen zusammen, die sich auf Erden inkarnieren, und mit der Beschränkung ihrer Erkenntnis bei dieser Inkarnation.) Wohl hat der Mensch ein Gespür für Gut und Böse mitbekommen, aber wegen der Schwäche seines Willens und seiner geringen Liebesfähigkeit neigt er wenig dazu, dem Mitmenschen gegenüber nach seinem Gewissen zu handeln. In der christlichen Theologie gibt es keine Illusion darüber, dass der Satan die Menschen zum Bösen verführt. Im Islam wird dieser Glaubenssatz formell wiederholt, jedoch wird das Wirken des Satans verharmlost.
Dementsprechend setzt der Islamgelehrte im vorigen Abschnitt damit an, „dass die Menschen ohne … Führer [Prophet] immer auf Irrwege geleitet worden sind“, benennt aber nicht den Satan als Urheber dieser Irreleitung. Man könnte noch sagen, dass sie von ihren schlechten Neigungen irregeleitet wurden, aber weder wurden sie von ihrer Denkkraft an sich noch von einer mangelhaften, untauglichen oder falschen Anwendung dieser Denkkraft in die Irre geführt. Die islamische Gelehrsamkeit verschiebt die Schuld an der Irreleitung vom Satan auf den aus Unwissenheit erfolgenden unrichtigen Gebrauch der Vernunft, und leitet daraus sogleich die Notwendigkeit ab, dass Allah, außer dem, was nicht durch Vernunft über Gott zu erkennen ist, auch noch den rechten Gebrauch der Denkkraft offenbart. „Allah hat seine Propheten geschickt, um dem Menschen den Gebrauch der ihm geschenkten Denkkraft zu lehren, seine eigene Einheit bekannt zu machen, damit sie üble Taten von guten unterscheiden.“ ([5], S. 12).
Wieder ist hier Mehreres enthalten. Allahs Einheit als eine Eigenschaft Gottes gehört zu Recht in eine Offenbarung. Die betonte „Einsheit“ Allahs dient zugleich der verurteilenden Abgrenzung vom Christentum mit seinem von Christen schlecht verstandenen und im Islam bewusst missverstandenen Begriff der dreipersönlichen Gottheit. Die Unterscheidung von guten und üblen zwischenmenschlichen Taten wiederum ist im Gewissen spürbar, im Islam wird jedoch ein anders gerichteter, höchst detaillierter angeblicher Wille Gottes (Allahs) dem natürlichen Gewissen übergestülpt. Und schließlich wurden die Propheten hauptsächlich gesandt, damit sie die Gebote bekannt machten oder in Erinnerung riefen, Anleitung gaben, nötigenfalls zur Buße aufriefen und eine direkte aktuelle Botschaft überbrachten. Aber sie waren keine Philosophielehrer, die den Gebrauch der Denkkraft lehren sollten.
Im Islam hingegen wird Intelligenz als Voraussetzung der Prophetenschaft betont. „Die Propheten sind Menschen wie wir. Auch sie essen, trinken, schlafen … Was sie von uns unterscheidet, ist, dass ihre Intelligenz und ihr Urteilsvermögen sehr hoch sind, dass sie einen edlen Charakter besitzen und die seelische Fähigkeit haben, uns die Gebote Allahs, des Erhabenen, zu vermitteln.“ ([5], S. 12) Die Eignung zur Erwählung als Prophet führt der Gelehrte auf Intelligenz, Urteilsvermögen und Charakter zurück, also auf psychische Anlagen, die sich in weltlichen Angelegenheiten auswirken. Von Eigenschaften, die man bei einem Propheten vorrangig voraussetzen würde, wie starker Gottesglaube, tiefe Frömmigkeit, Rechtschaffenheit, Abwendung vom Materiellen usw., ist jedoch nicht die Rede. Zwar gehören ein gewisses Intelligenzniveau und Charakterstärke zu einem Propheten, seelische Fähigkeiten wie die Verstandeskraft allein bilden jedoch nicht die Voraussetzungen dafür, von Gott als Prophet erwählt zu werden, vielmehr sind sie in Gottesfurcht und gottgefälligem Lebenswandel zu erblicken.
In der theologischen Vertiefung stellt der Gelehrte sicherlich den orthodoxen sunnitischen Islam türkischer Prägung beispielhaft dar. Auch er hält sich an Ghazali, schließt sich seiner Zurückweisung der rationalen philosophischen Strömungen an und begegnet dem Sufismus, solange er sich strenggläubig sunnitisch zeigt und nicht von Ekstasemethoden und blutigen Ritualen begleitet wird, mit Wohlwollen. Zur Bestätigung führt er einen Ausspruch Mohammeds an: „Meine Gemeinschaft wird sich in dreiundsiebzig Gruppen trennen. Zweiundsiebzig Gruppen werden in die Hölle kommen, nur eine Gruppe wird davon verschont bleiben. Diese sind jene, die mich und meine Gefährten befolgen.“ Und tatsächlich hätten die sunnitischen Gelehrten, unter anderen Seyid Sharif Dschurdschani (gest. 1413 in Schiras/Iran), Sadadden ibn Taftazani (gest. 1389 in Samarkand) und Muhammed Schichristani (gest. 1153 in Bagdad) genau zweiundsiebzig häretische Sekten dokumentiert und ihre Irrlehren beschrieben. „Die zweiundsiebzig häretischen Gruppen vermischten die Philosophie mit dem Islam und verletzten ihn somit … Die islamische Religion enthält die dem gesunden Menschenverstand entsprechenden Kenntnisse. Wenn einer an der Richtigkeit eines der islamischen Prinzipien zweifelte, so zeigt dies, dass er keinen gesunden Menschenverstand hat. Man soll es freilich einsehen, dass jemand einen mangelhaften Verstand hat, wenn er die islamische Religion mit Philosophie zu vollenden versucht, weil er … (den Islam) gar für unvollkommen hält. Wenn ein Ungläubiger sich nach seinem gesunden Verstand richtet, lassen sich seine Handlungen und sein Charakter (Moral) mit Geboten Allahs vereinbaren.“ ([5], S. 314) Also gesunder Menschenverstand stimmt mit Islam überein und führt zum Islam, der Islam entspricht dem gesunden Menschenverstand; wer den Islam nicht annimmt oder ihn verfälscht, beweist damit, dass er einen mangelhaften oder keinen Verstand hat, wie es der Koran oft den Nichtmuslimen zuschreibt. Die nicht hinterfragte Prämisse heißt, Islam und Verstand sind eins, wo Islam, da auch Verstand. Und wer lässt sich schon vorwerfen, keinen Verstand zu haben, wer möchte gern als dumm und schwer von Begriff gelten? Da will man doch lieber dazugehören und ernst genommen werden und kein Außenseiter sein. So wirkt auch heute noch der Konformitätsdruck, der Gruppenzwang aufgrund von Angst vor Spott und Ausgrenzung, welche sich Gabriel in seiner Terminologie geschickt zunutze gemacht hat.
Wissenschaftlichkeit
Der türkische Islamgelehrte versucht, aus den Glaubensgrundlagen zu belegen, dass Islam und Wissenschaft zusammengehören. „Der Islam ist die Wissenschaft selbst. In vielen Suren des heiligen Koran wird die Wissenschaft gefördert und der Wissenschaftler gelobt. Zum Beispiel in 39;12: „Sind etwa gleich diejenigen, welche wissen, und jene, welche nicht wissen? Nur die Verständigen lassen sich warnen.“ ([5], S. 50) Der Beginn dieser Sure spricht das hinabgesandte Buch als Aufforderung zum Islam an und stellt dann die Gläubigen und Ungläubigen und ihr Schicksal im Jenseits gegenüber. Genau gesagt, wird im Koran Mohammed aufgerufen, den zuvor zitierten Ausspruch zu tun, in welchem ganz korangemäß „glauben“ durch „wissen“, und „gläubig“ durch „verständig“ ersetzt wird.
Dieser aus dem Zusammenhang gerissene Satz aus dem Koran ist von dem Gelehrten zur Untermauerung seiner Ansichten schlecht gewählt, es sei denn, man stimmt dem koranischen Weltbild zu, dass religiöser Glaube und naturwissenschaftliches Wissen das Gleiche sind, weil beides der Offenbarung Allahs entstammt. Diese wie alle Auffassungen des Gelehrten können nur innerhalb des islamischen Denksystems Gültigkeit beanspruchen, wie sie auch ihm allein entstammen.
Quer durch das Buch lobt er immer wieder die Wissenschaftlichkeit des Islams: „Obwohl der Islam eine ganz korrekte, ganz logische und die wahre Religion ist, ist es schade, dass man heute sehr wenig danach strebt, sie zu verbreiten … Der Islam ist die einzige zivilisierte, logische und korrekte Religion. Fast jeder, der menschlich, gerecht und kultiviert ist, tritt in den Islam ein, sobald er unsere Werke studiert, die den Islam deutlich bekannt geben, da er begreift , dass diese letzte Religion allen modernen Wissenschaften und Auffassungen entsprechend ist, kein Aberglaube darin steckt und kein Dogma wie die Dreieinigkeit, die dem Verstand und der Logik widerspricht, kennt … Die letzte dieser Religionen, der Islam, ist die einzige wissenschaftliche und vorzügliche Religion.“ ([5], S. 206f.)
Wissenschaftlich-technischer Fortschritt
Zwar hat Allah im Koran alles Wissen mitgeteilt, doch leider zum größten Teil in verschlüsselter Form. „Die chiffrierten Aussagen im heiligen Koran können nur von Spezialisten durch gründliche Studien und nötiges Vorwissen verstanden werden. Alle wissenschaftlichen Äußerungen und Weisheiten, die in Tora, in Psalmen und im Evangelium … stehen, sind im heiligen Koran zusammengefasst. Alle Wissenschaft, die im heiligen Koran steht, weiß nur Allah im ganzen. Die meisten Geheimnisse und Bedeutungen enthüllte er seinem geliebten Gesandten. Ali und Hussein teilten mit, dass sie über den größten Teil des Wissensmeeres des heiligen Koran verfügten … Alle Auslegungsbücher informieren nur über einen geringen Teil vom Wissen im heiligen Koran. Am Jüngsten Tag wird Muhammed … den … Koran rezitieren, und die Hörer werden gleich alles im … Koran leicht verstehen.“ ([5], S. 160) Was wird das im Koran verborgene Wissen den Gläubigen dann noch irdisch oder geistig nützen? Und warum hätte Allah einen beträchtlichen Teil des Wissens überhaupt mitgeteilt, wenn er es in chiffrierter und bis zum Jüngsten Tag unverstehbarer Form tat? Wenn selbst alle Gelehrten nur einen geringen Teil des im Koran enthaltenen Wissens erkannt haben, woher wollen sie wissen, dass da noch mehr ist? Vermuten sie es, weil sie viele noch ungelöste Rätsel darin gefunden haben? Warum hätte Allah so viel Wissen verborgen, wenn die Muslime dadurch leicht ins Hintertreffen geraten konnten und der Sieg über seine Feinde damit gefährdet war?
Nach muslimischer Ansicht sind moderne naturwissenschaftliche Erkenntnisse, wenn auch verschlüsselt, in den Koran eingebaut. Der Autor versucht dies mit einigen Beispielen zu belegen. Die angeblich seit etwa 1930 allgemein anerkannte Urknall-Theorie zur Entstehung des Universums „Jedes Stück sprang in eine bestimmte Richtung. Es setzten sich auch manche miteinander zusammen und somit bildeten sich … Planeten … Galaxien, die Sonne …“ sei in Koran 21;30-31 vorgebildet: „Sehen denn nicht die Ungläubigen, dass die Himmel und die Erde eine feste Masse bildeten und wir sie dann spalteten …?“ „Das heißt, Allah hatte schon vor 1400 Jahren den Bildungsstand … (der Wissenschaftler auf der Erde um 1930) den Menschen verkündet.“ ([5], S. 142) Nur vermittelte Allah diese Kenntnisse im Koran nicht klar und ausführlich, und so ist auch nichts darüber bekannt, dass Mohammed die Urknall-Theorie verkündete oder Muslime sie nach ihm entwickelten.
„Wenn die Erde erbebt in ihrem Beben, und die Erde herausgibt ihre Lasten“ vom Anfang der Sure 99 namens „Das Erdbeben“ habe mit dem Ende der Erde zu tun. Genaueres ist leider nicht bekannt und erklärt wird damit auch nichts. Vers 40;13 „Er ist’s, der euch … vom Himmel Versorgung hinabsendet …“ sei nicht etwa auf das Manna bezogen, das die Israeliten in der Wüste ernährte, sondern wird dadurch bestätigt, dass durch den Regen vom Himmel letztlich die Nahrung für den Menschen wächst.
Die biologische Erklärung der Entstehung des Lebens – Blitzschläge wandelten Ammoniak, Sauerstoff und Karbonhydrat in der Atmosphäre zu Aminosäuren. Vor Jahrmilliarden bildete sich im Wasser Protoplasma, daraus entstand die erste Amöbe. Das Leben begann im Wasser. Als Lebewesen aus dem Wasser ans Ufer traten, bildeten sie sich in Kontakt mit der Aminosäure zu proteinhaltigen Körpern – besagt schon die Fortsetzung des vorigen Koranverses „… und aus dem Wasser alles Lebendige machten?“ ebenso wie „Und er ist’s, der aus Wasser den Menschen erschaffen …“ (25;54). Der Koran stellt also bereits neben die Erzählung von der Bildung Adams aus Ton oder Erde die naturwissenschaftliche Erklärung durch Evolution der Lebensformen aus der Amöbe.
Dass das Leben, das heißt die Lebewesen einschließlich des Menschen aus Wasser entstanden, trifft zwar im weitesten Sinne zu. Jedoch findet sich unter allen Koranversen eine genügende Anzahl von solchen, welche sich in unklaren Ausdrücken, allgemeinen Redensarten und im Ungefähren bleibenden Formulierungen mit der Schöpfung und der Natur beschäftigen, wie beispielweise „Und zu seinen Zeichen gehört die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit eurer Zungen und eurer Farben … (und) dass er euch den Blitz in Furcht und Hoffen zeigt, und dass er Wasser vom Himmel hinabsendet und … dass Himmel und Erde auf sein Geheiß (fest) stehen …“ (30;22-25) oder „Preis sei ihm, der erschaffen alle Arten … und von dem, was sie nicht kennen.“ (36;36), worin der Gelehrte Hinweise auf Unerforschtes und Anregungen für die weitere Forschung sieht ([5], S. 143), so dass es nicht allzu schwer fällt, zu ausgewählten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen oder auch nur vorläufigen Theorien der Neuzeit passende Koranstellen zu präsentieren, in welchen jene bereits enthalten seien. Dies ähnelt der Inanspruchnahme von Nostradamus-Vierzeilern, welche, selbst wenn sie jahrweise zugeordnet werden könnten, immer nur im Nachhinein richtig zu deuten sind, aus denen aber oft dennoch zu beliebigen vergangenen oder anderweitig für die Zukunft vorausgesagten Ereignissen scheinbar passende Zeilen ausgewählt werden.
Trotz der recht dürftigen Belege hält der Gelehrte am Naturwissen im Koran fest. „… möchten wir hier beweisen, dass der heilige Koran den Naturwissenschaften in jedem Jahrhundert entspricht und sich auch den neuesten Entdeckungen anpasst. Jeder Vers hat verschiedene und sogar ewige Bedeutungen … Die meisten dieser Bedeutungen hat er (Allah) seinem Propheten bekannt gemacht. Der … Prophet Allahs hat auch seinen Gefährten … manche von ihm ausgewählte Bedeutungen erklärt. Wir sind der Überzeugung, dass die von uns oben erwähnten Kenntnisse nur einige Tropfen aus dem Bedeutungsmeer des heiligen Koran sein könnten … Ein Buch, das Weisheiten und Wahrheiten, welche man zum Teil heute nach langwierigen Bemühungen erwerben konnte, vor 1400 Jahren verkündet hat, kann nur Allahs Buch sein … Wir sind der Überzeugung, dass jeder, der die oben erwähnten Einzelheiten aufmerksam studiert hat, den gleichen Glauben haben wird. Daran nicht zu glauben, ist als eine fanatische, eigensinnige und unwissende Haltung zu bezeichnen.“ ([5], S. 144f.) Hieran wird wieder einmal besonders deutlich, dass Muslime gegen allen Anschein glauben müssen. Denn die naturwissenschaftlichen Wahrheiten werden wohl eher erst nachträglich in den Koran hineingelesen oder sind ohnehin selbstverständlich. Zwar können Muslime keine neuen Naturerkenntnisse aus dem Koran entnehmen, aber sie wissen genau, dass sie darin verborgen sind, und deshalb kann das Buch nur von Gott (Allah) sein, was zu beweisen war. Gottes Urheberschaft wird also aus einer völlig unbelegten Voraussetzung abgeleitet. Das muslimische Glaubensschema wird klar: Wer die Schriftgrundlagen genau prüft, muss zwangsläufig, per Definition, zum Glauben und zur Überzeugung ihrer Richtigkeit und ihres Begründetseins kommen; wer aber nicht, wie gefordert, über das Unbegründetsein hinwegsehen kann, wird verurteilt und verdammt. Diese Gehirnwäschemethode ist in George Orwells Klassiker „1984“ beschrieben.
Es geht ausdrücklich um weltliches Wissen und technischen Fortschritt. „Die heiligen Hadithe des Propheten Mohammed, die großen Wert auf Wissen legen, sind zahlreich …: ‚Erwerbt Wissen, selbst wenn es aus China bezogen werden muss.’ Das heißt, der Moslem sollte sich nicht scheuen, die Wissenschaft sogar in der fernsten Ecke der Welt und tief im Lande der Ungläubigen zu studieren. Er sollte keine Neuerung ablehnen, weil sie ‚Erfindung der Ungläubigen’ ist. In heiligen Hadithen wird befohlen: ‚Strebt und lernt von der Wiege an bis zum Grabe.’ Diesem Befehl gemäß muss jeder vom Kind bis zum Greis arbeiten und seine Kenntnisse erweitern … Wie unser Prophet mit Recht betont: ‚Wo Wissenschaft ist, ist auch der Islam; der Islam kann ohne Wissenschaft nicht existieren.’ “ ([5] S. 50f.) Da stellt sich die Frage, warum Allah seine Diener nicht zu aller Wissenschaft inspiriert und sie sich in fremden Ländern und von „Ungläubigen“ Wissen aneignen müssen.
Wenn nicht religiöses Wissen, besser gesagt religiöser Glaube gemeint ist, hängt die Pflicht, nach weltlichem Wissen zu streben, sicherlich mit dem Auftrag zur militärischen Überlegenheit und zur Weltherrschaft zusammen. „Technik heißt ‚die Gesetze der Natur beobachten, verstehen und in die Praxis umsetzen’. All dies befiehlt auch der heilige Koran. Sich mit der Technik, mit den Künsten und der Produktion moderner Kriegswaffen zu beschäftigen, ist eine Verpflichtung für bestimmte Muslime. Unsere Religion gebietet, dass wir uns mehr abmühen als die Feinde … Also ist der Islam eine dynamische Religion, welche die Technik und positive Entwicklung fördert.“ Ganz im Sinne des Spruches „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ liegt im Wettrüsten der stärkste Anstoß für den technischen Fortschritt. Der Islam bejaht diese profane Tatsache, denn damit er in fremden Ländern bekannt gemacht werden kann, müssen diese von Muslimen erst erobert werden.
Eine dem islamischen Weltbild entgegenstehende Wirklichkeit nimmt der fromme Moslem gar nicht wahr oder er erklärt sie durch außerislamische Störeinflüsse. „Heute akzeptiert es jeder Vernünftige und bestätigen auch viele westliche Wissenschaftler, dass … die Basis der positiven Wissenschaften und der Technik vorerst von Moslems gelegt worden ist. Einige Feinde des Islams, die in die islamischen Länder eindrangen und sich als Gläubige ausgaben und somit die Möglichkeit fanden, sich Gehör zu verschaffen, täuschten die Ungebildeten, indem sie über neue Erfindungen und Gaben der Technik und neu hergestellte Kriegswaffen ihre giftigen Worte sagten: ‚All dies sind die Erfindungen von Nichtmoslems; wer sie benutzt, wird selbst Nichtmoslem.’ Und so ließen sie das Gebot Allahs ‚Lernt alles Neue!’ vergessen. Diese Lage, in die sie geraten waren, war einer der Gründe dafür, dass die Moslems in den Bereichen des Wissens und der Technik zurück geblieben waren; und der Westen erlangte durch seine neue Wissenschaft, Technik und Waffen die Überlegenheit. Diese hinterlistigen Feinde des Islams täuschten einerseits dadurch die Moslems, andererseits versuchten sie durch die grundlose Propaganda: ‚Die Moslems lieben die Technik nicht und lehnen die Technik und die positive Wissenschaft ab. Der Islam heißt Fortschrittsfeindlichkeit und Fanatismus.’, die Jugend vom Islam abzulenken und so den Islam von innen zu zerstören.“ ([5], S. 52f.) Doch wie könnte eine außerislamische Autorität in der moslemischen Welt Gehör finden? Dass ein Lehrer von außerhalb des Islams unter den Moslems auftrat und ihnen einredete, dass sich Streben nach Wissenschaft und Fortschritt nicht dem Islam gemäß sei, erscheint unglaubhaft, und der Islamgelehrte bleibt nähere Angaben und jeden Nachweis hierzu schuldig.
Vielmehr ist das Denken eines Menschen eben unteilbar. Wenn er bei jeder öffentlichen und privaten Lebensäußerung unzählige islamische Vorschriften einhalten muss, um dem Höllenfeuer zu entgehen und bei den Mitmenschen nicht als Apostat betrachtet zu werden und in Gefahr zu geraten, Existenz und Leben zu verlieren, wenn er über Glaubensdinge nicht nachdenken darf und sich strikt an die Mehrheitsmeinung halten muss – ja, dann hat er eben auch bei der Naturerforschung in seinem Denken nicht plötzlich die Fähigkeit zu schrankenlosem Fragen und zu kreativen neuen Ideen. Weil dieser Zusammenhang jedoch auf einen Makel des Islams hindeuten würde, darf ihn der Islamgelehrte und Moslem niemals benennen, ja kann ihn schon gar nicht erkennen. Deshalb konstruiert er eine Ursache, die von außerhalb auf die Muslime einwirkt und sie an der Anwendung des Islams hindert. Damit bleibt über allen Zweifel erhaben, dass der Islam Wissenschaft und Fortschritt befürwortet. Tatsächlich befürwortet er das, fördert es aber nicht. So reiht sich das Zurückfallen der muslimischen Welt auf dem Gebiet des technischen Fortschritts in die vielen Erscheinungen ein, dass im Islam die praktischen Auswirkungen den Worten widersprechen, wie zum Beispiel auch beim Grundsatz „Es herrscht kein Zwang im Glauben“.
Wenn christliche Missionare für ihre Zwecke ein fremdes Volk studieren und ihre Erkenntnisse an Ihresgleichen weitergeben, haben sie zumindest keinen Grund für Täuschung und vermögen mit dem nötigen Geschick ein realistisches Bild zu liefern. Der Islamgelehrte zitiert als Negativbeispiel die Beschreibung eines christlichen Missionars, offenbar weil er meint, sie leicht widerlegen zu können:
„Die meisten Moslems beherrschen die Wissenschaften nicht. Sie haben weder über die Bibel noch über den Islam Kenntnisse. Sie verrichten ihre Gebete auf die Art und Weise, die ihnen beigebracht wurde, und kenntnislos. Viele wissen nicht, wie man richtig und ohne Fehler betet. Die meisten wissen über den Inhalt des Korans und über die Einzelheiten der wissenschaftlichen Bücher der Gelehrten des Islams nicht Bescheid, weil sie kein Arabisch können. Verse, die sie auswendig gelernt haben, lesen sie, ohne den Inhalt zu verstehen. Sie kennen besonders die Bibel nicht. Die meisten von den islamischen Geistlichen, die ihnen Unterricht erteilen, sind keine richtigen islamischen Gelehrten. Sie sind beim Gebetsverrichten Vorbeter und zeigen ihnen, wie man das Gebet sagen muss. Sie sprechen also ihr Gewissen nicht an. Also, die Moslems, die in solchen Umständen leben, beten als solche, die die Grundlage des Islams nicht begriffen und die erforderlichen guten Kenntnisse nicht haben. Ihre Verbundenheit mit der Religion Islam kommt nicht daher, dass sie die Grundsätze des Islams gut begriffen haben, sondern von ihrem festen Glauben, den sie durch Beobachten ihrer Eltern und ihrer religiösen Lehrer in sich entwickelt haben … Die meisten Moslems können keine andere Sprache als ihre eigene. Deshalb können sie die Bücher über das Christentum nicht lesen und kennen diese Bücher nicht … Aus Büchern, die schwer zu verstehen sind und in denen komplizierte Auffassungen stehen, können sie keinen Nutzen ziehen.“ ([5], S. 128f.) Diese Erklärungen treffen sicherlich heute noch auf die einfache türkische Bevölkerung zu; sie beziehen sich zwar auf Religionsangelegenheiten, lassen sich aber ein Stück weit auf Naturwissenschaften übertragen.
Den technischen Vorsprung christlicher und anderer nichtmuslimischer Länder in der Neuzeit erklärt der Islamgelehrte an anderer Stelle so: „Es ist eine unbestreitbare Tatsache, das die Leute in den moslemischen Ländern in Not und Elend gerieten, während die Christen heute im Wohlstand leben. Aber dieser Umstand hängt mit dem Islam auf keinen Fall zusammen. Jeder vernünftige Mensch begreift, dass die Schuld an der Armut der Moslems nicht in ihrer eigenen Religion, im Islam, liegt, sondern an denjenigen, die von den Einzelheiten und Prinzipien dieser Religion keine Ahnung haben und den Islam praktisch nicht leben. Er versteht auch, dass die Bibel … bei dem Fortschritt in dem Bereich der Technik und Wissenschaft keine Rolle gespielt hat, sondern dieser Fortschritt aus der Möglichkeit folgte, dass die Christen die Prinzipien des Korans trotz ihrer Ungläubigkeit unabsichtlich eingehalten haben … wie Fleiß, Beharren, Aufrichtigkeit usw. … Denken Sie einmal an die Japaner, die auch Nichtchristen sind …“ ([5], S. 132f.)
Zu unwahrscheinlich klingt es, dass die Christen nicht dem biblischen Auftrag „Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan“ (1.Mose 1,28 und 9,1), sondern unabsichtlich zufällig dem islamischen Prinzip von Lernen und Fleiß gefolgt wären? Wogegen die Muslime sich auf solche Dinge konzentrieren wie, mit welchem Fuß sie über die Schwelle schreiten müssen, und die Belohnung im Diesseits erwarten. Vielleicht sind die Muslime auch durch die schwer und letztlich nur von einem Gelehrten verstehbare und vereinbare Komplexität der Vorschriften und Grundsätze gehandicapt. Man findet in diesen vor rund 25 Jahren verfassten Betrachtungen die heute von Islamverfechtern so strapazierte Argumentationsweise vorgebildet, dass unerwünschte Auswirkungen des Islams nichts mit dem Islam zu tun haben, sondern von Nichtmuslimen und Feinden des Islams verursacht sind.
„Wir, die Moslems, bezeichnen die Christen als ungebildet und zurückgeblieben, denn sie glaubten an die Göttlichkeit des Propheten Jesus und seiner Mutter und machten sie zu Götzen, die sie anbeten. Sie leben heute in Reichtum, weil sie die Gebote des Islams befolgen, doch sie werden ewig in der Hölle brennen, weil sie nicht an den heiligen Propheten Muhammed glauben.“ ([5], S. 213) Laut Koran besteht die christliche Dreifaltigkeit aus Gott, Jesus und Maria. Dem Islam zufolge belohnt Allah seine Gläubigen und bestraft seine Feinde im Diesseits und im Jenseits. Nach dieser bereits andernorts als theologisch zweifelhaft nachgewiesenen Auffassung lassen Muslime unmöglich gelten, dass der heutige Wohlstand und weltliche Erfolg von Christen, wie auch Armut und Misserfolg der Muslime, Folge der jeweiligen Religion seien. Nach islamischer Logik müssen die Christen unfreiwillig und unbewusst den Islam befolgen, und die Muslime aus Unwissenheit nicht, denn wo Islam, da ist Belohnung im Diesseits. Wenn die Realität nicht zum eigenen Weltbild passt, muss sie eben mit geistigen Verrenkungen wegerklärt werden.
Nachdem Wahrheit und Gottgefälligkeit des Christentums als religiöse Erklärung für die muslimische Misere unbedingt ausscheiden, kommt als Ursache nur eine ungenügende oder verkehrte Befolgung des wahren Islam in Frage. Denn auch von einheimischen unechten Moslems geht Gefahr aus. „Ein Fanatiker der Naturwissenschaft greift den Islam ebenso an, indem er naturwissenschaftliche Kenntnisse verändert, wie ein Fanatiker im Islam religiöse Kenntnisse verändert … sie können die studierende Jugend und wenig gebildete Leute vom Islam ablenken und zum Unglück führen. Dadurch zerstören sie die islamische Einheit … Die Fanatiker … haben den islamischen Ländern und dem makellosen Islam großen Schaden angetan und das tun sie noch heute. Der Zweck solcher Heuchler und heimtückischen Atheisten ist, die islamische Religion von innen zu zerstören … aber – Allah sei Dank – haben sie keinen Einfluss mehr wie früher. Die heutige islamische Welt strengt sich an, alle Geheimnisse der Wissenschaft und der Technik zu erforschen, wie Allah ihnen gebietet … Daraus geht also hervor, dass der Islam in jeder Hinsicht sehr makellos und vollkommen ist und den Bedingungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts entspricht.“ ([5], S. 58f.) Diese Idealisierung lässt sich nur durch Realitätsverleugnung aufrecht erhalten.
Der Islam „gebietet das Erlernen und das Praktizieren, verbietet aber die Faulheit …“ ([5], S. 58f.) Niemand hätte wohl etwas dagegen, wenn die jungen männlichen muslimischen Migranten dieses Gebot beherzigen würden wie auch folgende Regeln im Kapitel „Die Charakterzüge eines guten Moslems“: „Es ist dem Moslem verboten, auch im Lande von Angehörigen anderer Religionen ihr ganzes Leben lang Unzucht oder Verbrechen zu üben. Man sollte nicht gegen ihre Gesetze verstoßen, sie nicht beim Einkaufen betrügen, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwarzfahren und diese nicht zerstören. Sich Güter eines Angehörigen einer anderen Religion mit Gewalt anzueignen oder ihn ohne Grund zu beleidigen oder zu verletzen, ist schlimmer als diese Taten gegen einen Moslem zu verüben.“ ([5], S. 68) Hätte dieser Gelehrte die von der Türkei entsandten Imame ausgebildet, dann gäbe es heute weniger Probleme bei der Bildung und Integration junger Türken, sollte man meinen.
Das Idealbild eines Muslimen besingt er weiterhin so: „Der Moslem muss unbedingt einen edlen Charakter besitzen. Der Islam besteht aus Tugend. Die Güte, Gerechtigkeit und Freigebigkeit, die der Islam gegenüber Freund und Feind befiehlt, bezeugt seine erstaunliche Erhabenheit … Für den Moslem ist die Reinheit der Seele erster Grundsatz. Lügner, Betrüger, Schwindler, Quäler, Ungerechte, Erbarmungslose, Hochmütige und Egoisten können nicht als Moslem gelten, wenn sie auch den ganzen Tag beten … Der wahre Moslem ist vor allem ein vollendeter Mensch. Er ist liebenswürdig, sanftmütig und aufrecht … Der Moslem ist sehr bescheiden. Er hört jeden, der sich an ihn wendet, und hilft ihm, falls es möglich ist.“ ([5], S. 62f.) „Der wahre Moslem ehrt seine Mutter, seinen Vater, seine Lehrer, Vorgesetzten, die Gesetze und die Staatsälteren.“ ([5],. S. 64) Das mag für muslimische Gesellschaften gelten, wird aber offensichtlich von vielen muslimischen Migranten in den Ländern der „Ungläubigen“ in Übereinstimmung mit dem Islam nicht beachtet.
Islamische Missionierung
Den Wert von Religion an sich begründet der Gelehrte mit einem unfreiwillig seltsamen Beigeschmack: „Die Religion ist der einzige Faktor, der den Menschen seinen Schöpfer kennen lässt, ihn davor schützt, Böses zu tun, ihn auf den richtigen Weg leitet, seine Gedanken bereichert, ihn bei seinen traurigen Zuständen tröstet und ihn mit irdischen und geistigen Kräften beschenkt und dafür sorgt, dass seine Mitmenschen in der Gesellschaft ihm gegenüber Rücksicht und Respekt zeigen, dass sein Wert steigt, dass er an Ehre gewinnt und besonders, dass man sich dadurch davor schützt, in die ewige Höllenqual zu stürzen.“ ([5], S. 208) Die Prioritätenfolge könnte auch sein: Seelenheil, Trost, Halt, Sinngebung und Kraft, Anstand. Dagegen bilden Ansehen und Ehre eher ein sachfremdes Motiv für Frömmigkeit.
„Kurz gesagt: Der wahre Moslem ist ein alle Tugenden besitzender, würdiger, charaktervoller, geistig und körperlich sauberer, vertrauenswürdiger, vollkommener Mensch … Es gibt einen Weg zum Herzen des Menschen. Das Wichtige ist, dass der Funken des Islams durch diesen Weg die Seele des Menschen erreicht … Falls alle Menschen den Islam annehmen und sich zum vollkommenen, wahren Moslem ändern, werden alles Übel, alle Betrügereien, alle Gewalttaten und Unterdrückung sowie das Gespenst des Krieges sofort von der Erde verschwinden. Deshalb ist es unsere heilige Pflicht, uns zu bemühen, ein wahrer und vollkommener Moslem zu werden und den Andersgläubigen die Grundsätze und Feinheiten des Islams zu erklären und ihn über die ganze Erde zu verbreiten. Das ist der wahre Glaubenskrieg.
Behandeln Sie die Menschen, wenn sie auch anderen Religionen angehören, immer mit Freundlichkeit und Verständnis. Allah befiehlt das auch im heiligen Koran … Der Hauptzweck sollte sein, die Erhabenheit des Islams jedem verständlich zu machen. Glaubenskampf wird also nur durch Sanftheit, Geduld, Kenntnis und Glaube geführt. Derjenige, der einen anderen überzeugen will, muss erst selbst von seiner Sache überzeugt sein. Der überzeugte Mensch (Moslem) verliert nie seine Geduld und hat keine Schwierigkeit, anderen seine Religion verständlich zu machen. Es gibt keine andere Religion, die so verständlich und logisch ist wie der Islam. Derjenige, der die Grundlagen dieser Religion verstanden hat, kann jedem beweisen, dass sie die einzige wahre Religion des Erhabenen ist … Keiner kann bestreiten, dass der Islam die besten Eigenschaften der Gottesreligionen in sich vereinigt und diese Religionen vom Aberglauben und von phantastischen Legenden gereinigt hat.“ ([5], S. 84 – 86)
Vielleicht kommt aber den Objekten von Missionsversuchen, welche ja das islamische Weltbild noch gar nicht teilen, der Islam doch nicht so logisch, verständlich und bewiesen vor, wie sich Muslime das vorstellen. Warum setzte denn Mohammed zur Missionierung Geschenke, Wunder und Gewalt ein, wenn er keine Schwierigkeiten hatte, den Islam verständlich zu machen? Es mutet nachgerade tragisch an, dass dem Menschen offenbar erst, nachdem er überzeugter Moslem geworden ist, der Islam nicht etwa abstrus, sondern „verständlich und logisch“ vorkommt.
Muslimische Eroberungen
„Der Moslem ist würdig und vornehm. Er liebt sein Land und seine Familie. Eine heilige Hadith lautet dazu: ‚Die Vaterlandsliebe ist aus dem Glauben.’ Deshalb kämpft der Moslem freiwillig mit, während die Regierung gegen den Aggressor, den Feind ihr Land mit allen Kräften verteidigt.“ ([5], S. 62f.) Denn „Glaubenskampf zu führen, das heißt, dass die Regierung oder die Armee gegen die Feinde kämpft, ist auch Anbetung.“ ([5], S. 202) Mit dieser Art von Verteidigung kamen die Muslime unter den vier „rechtgeleiteten“ Kalifen und danach, innerhalb von nur 80 Jahren nach Mohammeds Tod als Eroberer bis nach Spanien und Indien.
„Im heiligen Koran ist es niemals erlaubt, den Menschen zum Islam zu zwingen, dies ist verboten. Im heiligen Koran ist kein Anlass dazu, Gewalt oder Zwang anzuwenden, damit die Menschen den Islam annehmen. Heiliger Krieg wird durchgeführt, um den Islam, den islamischen Glauben bekanntzugeben und nicht, um den Islam aufzuzwingen. Im heiligen Koran wird dem Menschen immer geboten, dass er andere mit Barmherzigkeit und Mitleid behandeln soll. Diejenigen, die darauf nicht achten, haben keine Verbindung mehr zum Islam.“ ([5], S. 242)
Der Islam wird also bekanntgegeben, nachdem eine übermächtige muslimische Armee das Land erobert hat. Seine Verkünder stützen sich dann auf die Garantie, dass sie angehört werden müssen und nicht vertrieben oder verfolgt werden können und dürfen. Im Koran wird sodann auf die Verpflichtung hingewiesen, den islamischen Glauben nach seiner ersten Bekanntgabe anzunehmen, ansonsten der Hörer im Unglauben verharrt, von Allah verstoßen und mit ewigem Höllenaufenthalt bestraft wird. Der Koran schreibt vor, mit den Ungläubigen hart zu sein und sie zu bekämpfen, bis der Islam die herrschende Religion ist. Allah selbst habe ja keine Barmherzigkeit und Mitleid mit ihnen, sondern habe sie bereits verdammt. All das verletzt den freien Willen und spricht dem angeblichen koranischen Prinzip „kein Zwang in der Religion“ Hohn.
Der ausführlich zitierten Kritik eines ungenannten christlichen Geistlichen aus dem Jahr 1860 – „… Hingegen nahmen die Menschen den Islam, die grausame Religion, unter Zwang und Angst vor dem Tod an. Mohammed versuchte, den Islam mit Gewalt, mit Drohung und mit Kampf zu verbreiten. Deswegen erreichte die Anzahl derjenigen, die nur durch die Bekanntmachung in den Islam eingetreten sind, nur 180 …“ – entgegnet ein Hodscha Ishak Effendi: „… im Heiligen Koran steht der Befehl: ‚Im Islam keine Gewalt!’ Muhammed hat keinesfalls Zwang angewendet, während er den Islam bekannt machte … die Leute [in Medina] … nahmen diese Religion freiwillig und durch Einsicht der Vorteile und der Korrektheit des Islams und die prachtvolle unerreichbare und präzise Ausdrucksweise des Korans an … Als Muhammed verstarb, erreichte die Anzahl der Moslems 124.000. Vier Jahre nach dem Tode des heiligen Propheten bildete Kalif Omar eine islamische Armee von 40.000 und eroberte … Iran, Syrien, Anatolien bis zu den Grenzen von Konja und Ägypten. Omar handelte niemals grausam. Er behandelte die christlichen Völker und die Feueranbeter in den Ländern, die er aus den Händen grausamer Diktatoren genommen hatte, niemals mit Gewalt … Der größte Teil der Völker dieser Länder trat freiwillig in den Islam ein, indem die Angehörigen die Gerechtigkeit und die Moral des Islams einsahen und erlebten. Es waren nur wenige unter ihnen, die den früheren falschen Religionen wie Christentum, Judentum und Mazdaismus folgten. Die Historiker berichten übereinstimmend, dass die Anzahl der Moslems dadurch innerhalb von zehn Jahren 20-30 Millionen erreichte.“ ([5], S. 211f.)
Um den Koran zu bestätigen, setzt der islamische Gelehrte in seinem realitätsfernen Wunsch- und Wahndenken jeder Nachricht aus der Wirklichkeit eine naive und schwärmerisch-gläubige Illusion entgegen. Der Ausdruck „von ihrer Erhabenheit befangen und bezaubert“ kann deshalb auch als Hinweis auf die Gehirnwäsche verstanden werden. Die erwähnten 124 000 bei Mohammeds Tod zum Islam Bekehrten lebten auf der arabischen Halbinsel und nicht in Medina allein. Die Mohammed-Biografie nach Ibn Ishaq muss auch diesem sunnitischen Gelehrten bekannt sein. Will er sie vielleicht als ungültig bezeichnen? Sie berichtet nämlich, dass Mohammed nach der Einnahme Mekkas seinen Befehlshaber Khalid ibn Walid mit einer berittenen Abteilung zu einem Dorf sandte, um es für den Islam zu gewinnen, sei es freiwillig oder im Kampf. Walid umzingelte das Dorf mit der Aufforderung an die Bewohner, sich zu bekehren. Später sagte Mohammed zu Gesandten dieses Stammes, wenn sie sich nicht kampflos bekehrt hätten, würde er sie jetzt geköpft haben. In der Biographie steht ebenfalls, wie er mit 10 000 Bewaffneten in Mekka einmarschierte, deren Bewohner ganz überwiegend dann erst Muslime wurden; wie er den noch Widerstand leistenden Vorort Taif (erfolglos) belagern ließ; wie die bis dahin noch abwartenden Stämme sich ihm als stärkster und unbesiegbarer Kraft anschlossen. Das alles existiert offenbar nicht im Gedankengebäude dieses Gelehrten. So waren die 30 Millionen von Omar Eroberten angeblich allesamt aus grausamen Diktaturen befreit worden und hatten sich aus Dankbarkeit und Einsicht bekehrt.
„Die Moslems taten, während sie die spanische Halbinsel eroberten, weder den Christen noch den Juden ein Leid an, und niemals haben sie das Volk daran gehindert, ihrer Religion gemäß zu leben.“ ([5], S. 224) „Die Moslems leisteten den Christen und Juden bei jeder Gelegenheit Hilfe und restaurierten ihre Heiligen Stätten, geschweige denn, das sie sie mit Gewalt zum Islam bekehrten.“ ([5], S. 234) Entweder hat sich der türkisch-sunnitische Gelehrte völlig in ein illusionäres Idealbild des Islams eingesponnen, oder er breitet für Christen und andere Nicht-Muslime bewusst ein vorteilhaftes und einlullendes Trugbild aus, um den Islam besser anpreisen zu können.
Das 37 Seiten umfassende Kapitel „Der Islam ist keine barbarische Religion“ besteht zum größten Teil aus dem Anprangern von Grausamkeiten, die von Christen begangen wurden, nämlich Kreuzzüge, Inquisition, Reconquista und anderes. Die Ansicht unter Christen, die Türken seien barbarisch und grausam, und dies sei auf den Islam zurückzuführen, sei eine „entsetzliche Anschuldigung und Anschwärzung“, die sich über Jahrhunderte bis heute fortsetzt. Vielmehr habe sich der Islam unter Mohammed und nach ihm gewaltlos gemäß dem Koranvers „Kein Zwang im Glauben“ (2;256) ausgebreitet. Vielleicht, um nicht durch eine reine Schwarz-Weiß-Malerei unglaubwürdig zu werden, räumt der Autor Einzelfälle (!) muslimischer Grausamkeit ein: „… solche Tyrannen erschienen auch unter Moslems, jedoch waren es sehr wenige. Sie wurden nicht so dreist wie die Christen, zu behaupten, dass sie ihre Grausamkeiten im Namen der Religion verübten, und hetzten die islamische Welt nicht zum Widerstand gegen die Christen auf. Sie wurden wegen ihrer Übeltaten bestraft.“ ([5], S. 229) „Tauchten denn nicht unter den Moslems solche auf, die den Christen Böses antaten? Ja, solche gab es auch. Aber sie waren nicht so viele und … solche, die sich weder über Gebote noch Verbote des Islams im Klaren waren. Diese machten sich zum Sklaven ihrer Eigensucht und wurden selbst von den Moslems bestraft.“ ([5], S. 234) Soweit das unbewiesene muslimische Geschichtsbild nach dem Leitsatz, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, denn: „Nach dem Islam ist es niemals erlaubt, anderen Lebewesen zu schaden oder sie zu unterdrücken. Alle islamischen Gelehrten verhinderten jede Art von Tyrannei …“ ([5], S. 229)
Völkerverständigung und eine bessere Zukunft werden beschworen. „Heute lernen die christliche und moslemische Jugend … (dank Sprachkenntnissen und schnellen Verkehrsmitteln) einander kennen und verständigen sich. Hierdurch merken auch die Christen, dass der Islam keine grausame Religion ist und die beiden Religionen wahrlich auf den gleichen Grundprinzipien beruhen.“ ([5], S. 245f.) Nächstenliebe und Erlösung gehören schon einmal nicht zu diesen gemeinsamen Grundsätzen. Und wenn eine solche interreligiöse Verständigung der Jugend in den 1980er und 90er Jahren jemals Realität war, so kann die heutige europäische Jugend zugewanderte türkische und arabische Muslime ausgiebig und hautnah bei sich beobachten und sich durch Medien, insbesondere das Internet, ausreichend über den Islam wie auch das Geschehen in den muslimischen Heimatländern informieren – und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.
Vorbild Mohammed
Von besonderem Interesse für das Verständnis der Muslime sind die religiösen Lehren über das Vorbild Mohammed. Im Buch werden 86 seiner „Tugenden“ verzeichnet, die auch Vorzüge genannt werden – und tatsächlich Vorzüge sind. „Tugenden“ erwirbt sich der Mensch durch Selbstüberwindung im Streben nach dem Guten. Das verwirklichte Gute zeigt sich in Einstellungen, Haltungen und Handlungen gegenüber Mitmenschen und Gott. Tugenden werden geübt und vervollkommnet, sie sind Keime guter Taten und Früchte der Verbindung mit Gott.
Mohammeds „Vorzüge“ also drücken seine Bevorzugung durch Allah gegenüber den Mitmenschen und gegenüber anderen Propheten aus. Sie bestehen überwiegend aus religiösen Aussagen, zum Teil aus Einzelheiten aus Mohammeds Leben, und sind daher nicht mehr oder grundsätzlich nicht nachprüfbar. Viele sind rein metaphysischer (übernatürlicher) Art, andere gehören zu den Glaubensinhalten, andere entstammen den Lebensberichten und Legenden. Beispiele (in der Reihenfolge der genannten Arten):
„12) Nachdem er zur Welt gekommen war, waren die Satane nicht mehr imstande, in die Himmel hinaufzusteigen und Nachrichten von den Engeln zu stehlen. [Wo blieben da Allahs Allwissenheit und Allmacht, um es zu verhindern? Gemäß der Johannes-Apokalypse 12,7-9 wurden Satan und die abtrünnigen Engel aus dem Himmel auf die Erde gestürzt.] 36) Er ist der einzige unter den Menschen und Engeln, dem das meiste Wissen gegeben wurde. [Er als Mensch hätte mehr Wissen als der wissendste Engel.] 38) Sein Verstand übersteigt die Verstandeskräfte aller Menschen. 58) Auch der Engel Seraphim kam oftmals zu … Muhammed. Zu den anderen Propheten allen kam nur Gabriel. [„Seraphim“ – hebräische Pluralform, ist wie „Cherubim“ eine Sammelbezeichnung für Engel einer bestimmten Ebene.] 59) Er sah Gabriel zweimal in seiner eigentlichen Beschaffenheit. Gabriel war keinem anderen Propheten so erschienen wie ihm. 63) Die ehrwürdigen Töchter und ehrwürdigen Frauen des … Propheten sind die vorzüglichsten … Frauen auf der Welt. Alle seine Gefährten sind die vorzüglichsten aller Menschen außer den Propheten. Die heilige Stadt Mekka, zweitens die heilige Stadt Medina, wo er sein Leben geführt hat, sind die wertvollsten Orte der Welt. Für ein Gebet, für eine Reka, das in seiner Moschee verrichtet wird, wird eine Belohnung von tausend Rekas verliehen. Das ist auch für die anderen Riten gültig. Der Ort zwischen seinem Grab und seiner Kanzel ist so wertvoll wie ein Garten im Paradies. 77) Der Erdboden, in welchem sein Grabmal liegt, ist wertvoller, geschätzter als alle Orte, Kaaba und das Paradies. [Ein irdischer Ort sei wertvoller als das Paradies.] 78) Er führt nun sein Leben in seinem Grabmal in einer anderen Dimension. Er rezitiert den heiligen Koran und verrichtet das Gebet. Die anderen Propheten sind auch ebenso lebendig [leben auf die gleiche Weise fort]. 80) Die Handlungen und die Pflichtgebete seiner Religionsgemeinschaft werden ihm täglich morgens und abends gemeldet und gezeigt. Er sieht auch die Täter. Er betet um Vergebung für die Sünder.“
„47) Er hat niemals Sünde begangen, sei es bewusst oder unbewusst, groß oder klein, vor oder nach dem Alter von 40 Jahren. 50) (Im Unterschied zu anderen Propheten wurde) Mohammed allen Menschen auf der Welt bis zum Jüngsten Tag als Prophet geschickt. 51) Gnade und Segen des … Propheten erreichten alle Wesen … Die Ungläubigen in den Zeiten der anderen Propheten wurden auf dieser Welt gequält und zugrunde gerichtet. Diejenigen, die an Muhammed nicht glaubten, wurden jedoch in dieser Welt nicht bestraft. [Sie wurden also nicht benachteiligt, verfolgt, bekämpft, besiegt, ausgeraubt, vertrieben und getötet.] (Sogar Gabriel, der immer Angst vor Allah hatte, wurde von dieser befreit, als er die Koranverse 81;20-21, die ihn loben, überbrachte.) 54) … Seine Religionsgemeinschaft ist ehrenswerter und vorzüglicher als die anderen. 57) Es wurde verboten, ihn mit seinem Namen zu rufen, ihm gegenüber laut zu reden, ihn von weitem her zu rufen, vor ihm zu gehen … 67) Jedes Wort sowie jede Handlung von ihm ist richtig. Jedes Urteil wurde von Allah bestätigt. 68) Jedem Menschen ist es unentbehrliche Pflicht, ihn zu lieben … sich nach seiner Religion zu richten, auf seinem Weg zu gehen, sich seine Sitte und seinen Charakter anzueignen. 70) Alle seine Gefährten zu lieben, ist ein unerlässliches Gebot … 74) Die Hadithen (die heiligen Worte) des … Propheten … zu rezitieren, ist ein Gebet. Wer sie rezitiert, erwirbt Allahs Belohnung. Mit dem Zweck, Hadithen zu rezitieren, die rituelle Reinigung durchzuführen, sich saubere Kleider anzuziehen, sich mit angenehmem Duft zu besprühen, die Hadith-Bücher auf ein höheres Regal zu legen, für diejenigen, die beim Lesen hereinkommen, nicht aufzustehen, beim Hören [von Hadithen] nicht zu reden, ist ein empfohlenes Gebet. Diejenigen Gläubigen, die immer Hadithe rezitieren, haben ein lichtvolles, schönes Gesicht. Diese Bedingungen sollte man auch während der Rezitation des heiligen Koran beachten. 83) Vom Grab wird zuerst der heilige Prophet auferweckt werden … Die Propheten und alle Moslems … werden sich bei der tausendjährigen Erwartung sehr langweilen. Zuerst werden sie zu dem Propheten Adam gehen, dann zu Noah, Abraham, Moses und Jesus und … von ihnen verlangen, für sie Fürbitte bei Beginn der Vernehmung einzulegen. Aber jeder von den Propheten wird durch eine Entschuldigung zum Ausdruck bringen, dass sie sich vor Allah schämen und fürchten und keine Fürbitte einlegen können. Danach kommen sie zu … Mohammed und flehen ihn an. Er wird sich zu Boden werfen und beten. Sein Beten wird Gehör finden … 84) Er wird sechs Fürbitten einlegen: … alle Leute von der Erwartungsqual … befreien … mehrere Leute ohne Rechenschaft ins Paradies hineinbringen … diejenigen, die Höllenqual verdient haben, davon befreien … die Gläubigen mit mehreren Sünden … aus der Hölle herausholen … für die Gläubigen, deren Gutes und Sünden gleich sind, … damit sie ins Paradies eingehen können … dass ihre Ränge im Paradies erhöht werden …“
„20) Er sah auch von hinten so, wie von vorn. 21) Er sah auch im Dunkeln so, wie er im Tageslicht sah. 25) In seinem ganzen Leben gähnte er nie. Das war auch bei allen anderen Propheten so. 26) Sein Schweiß duftete so schön wie eine Rose. 28) Wenn er im Sonnen- oder Mondschein ging, ließ er keinen Schatten. 29) Weder auf seine Kleider noch auf seinen Körper setzten sich Fliegen, Moskitos oder andere Insekten. 30) Seine Wäsche wurde nicht schmutzig, auch wenn er sie lange Zeit anhatte.“
„15) In der Wiege redete er mit dem Mond am Himmel. Der Mond richtete sich nach der Seite, auf die er mit seinem gesegneten Finger zeigte … 18) Im Alter von 3 und von 40 [Prophetenschaft] und 52 Jahren [vor der „Himmelfahrt“] wurde die Brust von Muhammed von den Engeln aufgespaltet und sein Herz wurde im Becken, das sie aus dem Paradies mitgebracht hatten, mit dem Wasser des Paradieses gewaschen.“
Das bewirkte jeweils seine spirituelle Reinigung, siehe oben. Eine unabhängige Bestätigung gibt es offenbar nur für den entsprechenden Vorfall in seiner Kindheit. Somit war Mohammed der größte und von Allah am meisten bevorzugte unter allen Propheten. Dank seiner Fürbitte erfahren die Muslime beim Jüngsten Gericht Vorzugsbehandlung. Nachdem Moses und Jesus sich schämen und fürchten, dass Allah ihre Fürbitte verwirft, erwirbt Mohammed mit seiner Art der Niederwerfung vielen das Paradies. Es lässt sich leicht vorstellen, wie all diese Bevorzugungslehren sich auf die Mentalität von Muslimen auswirken.
Auch Zahlenangaben kommen in diesen „Tugenden/Vorzügen“ vor: „56) Die Belohnung, die … erhält, wer ein geschätztes Gebet (Ritus) verrichtete oder eine Wohltat erwies, wird auch seinem Lehrer verliehen. Dem Lehrer des Lehrers wird viermal so viel, dem Lehrer des zweiten Lehrers achtmal so viel … verliehen … in der Kette, die bis zum … Propheten reicht … z. B. wird dem zwanzigsten Lehrer eines Wohltäters 524 288-fache Belohnung Allahs verliehen … die Anzahl der Gaben des … Propheten Muhammed, die ihm durch jede Wohltat oder Gebete seiner Gemeinde verliehen werden … (kann nur Allah wissen) …“ Wenn Lehrer und Schüler beispielsweise jeweils 30 Jahre Altersunterschied haben, ist Mohammed der 45. „Lehrerslehrer“ eines heutigen „Schülers“, das ergibt 2 hoch 45 gleich 35,184 Billionen als Vervielfältigungsfaktor der Belohnung, mal 1 Milliarde betender Muslime mal 5 tägliche Gebete ergibt maximal 1,76 mal 10 hoch 23 Belohnungen für Mohammed allein an einem einzigen heutigen Tag. Das macht verständlich, dass Mohammed zu Lebzeiten an der Zunahme seiner Gemeinde interessiert war und sich im Jenseits über das Tun der Gläubigen informieren lässt.
„60) (Zu) ihm selbst kam Gabriel 24 000 Mal … zu Moses … 400 Mal. 84) … Jeweils siebzigtausend Menschen werden durch die Fürbitte der siebzigtausend Menschen, die der heilige Prophet durch seine Fürsprache von der Rechenschaft befreit hat, ohne jenseitige Rechenschaft ins Paradies eintreten.“ Wenn also alle, die durch Mohammeds Fürbitte ohne Rechenschaft ins Paradies eingingen, selbst wieder die Fürbitte leisten, werden insgesamt 70 000 x 70 000 gleich 4,9 Milliarden Moslems ohne Rechenschaft ins Paradies kommen. So wertvoll kann Mohammeds Fürbitte sein. Diese Extrachancen können Allahs ungewisse, weil letztlich willkürliche Entscheidung über den Paradieseintritt wieder etwas ausgleichen.
Auch bei seiner Idealisierung Mohammeds bewegt sich der Islamgelehrte offenbar in einem realitätsfernen Wunschdenken. „Wir möchten hier noch einmal daran erinnern, dass die Welt vor Muhammed Respekt hat und keiner, außer den fanatischen Pfarrern, böse Worte für ihn sagt.“ ([5], S. 146) „In seinem ganzen Leben belästigte oder kränkte er niemanden … Er war und ist Geliebter Allahs und Herr aller Menschen, die früher gelebt haben, leben und noch leben werden.“ ([5], S. 149) Gut für alle Nichtmuslime, schon einmal zu hören, dass Mohammed ihr „Herr“ sei.
In den Worten einer Enzyklopädie von Kürschner (Stuttgart 1888): „ Mohammed war ein Mensch von Charakter, er war liebenswürdig, vornehm und sehr korrekt. Er stand immer fern von Zorn und Gewalt, niemals unterdrückte er jemand mit Gewalt.“([5], S. 148) Dass Moses und Jesus als Propheten dem Rang nach tiefer als Mohammed stehen „ist wahrlich eine Tatsache. [Diese Behauptung ergibt sich auch aus Mohammeds Erzählung seiner geistig-visionären, nicht körperlich vollzogenen „Nachtreise“ mit anschließender „Himmelsreise“. Als Vorbeter habe er in Jerusalem mit Abraham, Moses und Jesus das Ritualgebet vollzogen. Sie mussten also dafür ihre jeweiligen Plätze in einem der Himmel verlassen haben. Jesus habe er dann im zweiten, Abraham im obersten der sieben Himmel angetroffen, die unterhalb des Paradieses liegen.] Denn in der Tora und im Evangelium … standen seine Eigenschaften und Vorzüge geschrieben … Moses und Jesus wussten dies und flehten mehrmals zu Allah, um Anhänger von Muhammed sein zu können. Diese Bitte Jesu wurde auch angenommen … kurz vor dem Jüngsten Tag wird er wieder auf die Erde herabkommen und der Scharia … folgen und sie bekannt machen.“ ([5], S. 148) Von diesen Nachrichten über Moses und Jesus steht selbstverständlich kein Wort in der Bibel.
Eher zum Begriff der Tugend passen „fünfzig der guten Charaktereigenschaften und guten Sitten … (Mohammeds)“. ([5], S. 195ff.) Begonnen wird mit guten Eigenschaften, in denen er “vorzüglicher als andere Propheten” gewesen sei:
„Wissen, religiöse Bildung, Verständnis, Festglaube, Vernunft, Intelligenz, Freigebigkeit, Bescheidenheit, Milde, Mitleid, Geduld, religiöser Eifer, patriotischer Eifer, Loyalität, Vertrauenswürdigkeit, Tapferkeit, Erhabenheit, imponierendes Aussehen, Stilreinheit der Sprache, Redekunst, Scharfsinn, Lieblichkeit, Wera (Sichfernhalten von verdächtigen Dingen), Keuschheit, Großmut, Gerechtigkeit, Schamgefühl, Frömmigkeit und Sichfernhalten von ‚Verbotenem’.“ ([5], S. 195) Viele andere Punkte lassen sich unter Höflichkeit, Zuvorkommenheit, Freundlichkeit, Fürsorge, Bescheidenheit, Zurückhaltung, Fleiß und Genügsamkeit einreihen. Er versorgte seine Tiere, er beteiligte sich an einfachen Arbeiten, bediente beim Essen, beachtete lokale Sitten, besuchte Kranke, half bei Beerdigungen, er war freigebig, hörte sich Sorgen anderer an, tadelte nur in Andeutungen, schimpfte seine Diener nicht, besserte seine Kleidung selbst aus, war im Essen genügsam, fastete oft, nahm Geschenke an und erwiderte sie und „schenkte dem kein Gehör, der bei ihm etwas Schlechtes über jemand anderen redete.“
Zum Vergleich seien ohne Anspruch auf Vollständigkeit christliche Tugenden benannt: Glaube, Hoffnung, Liebe; Klugheit, Erfahrung, Urteil, Gelehrigkeit, Scharfsicht, Umsicht, Vorsicht, Erkenntnis, Achtung, Ehrfurcht, Pietät, Dankbarkeit, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Freigebigkeit, Freundlichkeit, Geduld, Mut, Tapferkeit, fester Wille, Großmut, Hochherzigkeit, Opferwilligkeit, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Nüchternheit, Selbstbeherrschung, Keuschheit, Schamhaftigkeit, Sanftmut, Milde, Demut, Lebensernst, Anmut, Sittsamkeit; und in einer durch den Heiligen Geist erhöhten Form: Weisheit, Verstand, Wissenschaft, Rat, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Christliche Haltungen sind Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Annahme von Leid, Verzeihen, Selbstprüfung und Selbstverleugnung.
Interessante Eigenarten Mohammeds: „Man hörte ihn nie laut lachen … er lächelte leise. Er sah immer nachdenklich und traurig aus und sprach wenig. Wenn er zu reden begann, lächelt er. Er redete niemals überflüssig und unnütz. Wenn es nötig war, redete er lehrreich und deutlich. Er wiederholte manchmal dreimal, damit es besser verstanden wurde … Wenn er betrübt war, ging er sofort, um das rituelle Gebet zu verrichten. Die Freude, die er beim Gebet empfand, beseitigte seinen Kummer. Sein Schamgefühl war sehr groß. Er genierte sich, dem ins Gesicht zu schauen, mit dem er redete.“ Dies wirft Fragen auf, denn kann man sich Jesus anders vorstellen, als dass er mit klarem und doch sanftem Blick zu wenigen oder zur Menge redete? „Keiner konnte ihm ins Gesicht schauen vor seiner Erhabenheit. Als einer zu ihm kam und ihm ins Gesicht blickte, schwitzte er …“ Hatte Mohammed etwa eine bedrückende, überwältigende und wenig liebevolle Ausstrahlung? Zweifellos hatte er ein besonderes Charisma, aber welcher Art war es?
Im Kampf erwies er sich mehrmals einer Übermacht gegenüber als tapfer und standhaft. Er besiegte einen ungewöhnlich starken Mann im Ringkampf, und zwar unter der Bedingung, dass jener als Unterlegener den Islam annahm. Auch dies wirft Fragen auf, denn Mohammed war ja nicht als Kämpfer und wegen seiner Körperkräfte berühmt. Wie konnte er von Fall zu Fall eine so ungewöhnliche Körperkraft entwickeln? Zu denken gibt, dass laut Evangeliumsbericht den besessenen Gerasener, dessen Dämonen dann von Jesus ausgetrieben wurden und in die Schweineherde fuhren, selbst mit Ketten niemand binden und bändigen konnte (Mark. 5,1-15 und Luk. 8,26-36).
Persönliche Gewohnheiten: Er kniete auf dem Boden, auch zum Essen, er trank Wasser langsam unter Gebet; er trug Lendentuch und Hemd oder Talar und jede passende Kleidung aus Baumwolle, Wolle oder Fell, von weißer oder grüner, an Festtagen auch roter oder schwarzer Farbe, mit Ärmeln bis zum Handgelenk und unten bis zu den Waden reichend. Manchmal trug er einen schwarzen mittelgroßen Turban, manchmal ein Käppchen. Sein Haar reichte halb über die Ohren, wie es der arabischen Sitte entsprach. Aber beim Einmarsch in Mekka reichte sein Haar bis zur Brust. Unter dem Turban trug er das Haar eingeölt. Er parfümierte Hände und Gesicht mit Moschus und anderen Düften, räucherte sich mit Kampfer und Aloe. Er schnitt an Haaren und Bart mit der Schere ab, was länger als eine Handbreit hing. Er schminkte sich nachts die Augenlider dreimal. Er hatte immer einen Spiegel, einen Kamm, sein Schminkgefäß, Holzspieße zur Zahnreinigung, Faden, Nadel und Schere zu Hause und auf Reisen dabei. Er führte jede Tätigkeit möglichst in ungerader Anzahl aus. Er betete von Mitternacht bis zum Morgen. Er „erblickte darin, was er auf den ersten Blick sah, ein gutes Vorzeichen“. Wenn er zurückschauen wollte, drehte er sich mit dem ganzen Körper um.
Ein Teil von Mohammeds Handlungen ist nachzuahmen, ein Teil gehört nur zu ihm, und ein Teil richtete sich nach den lokalen Sitten, wie in der Islamgelehrsamkeit näher bestimmt wird. Die letzte Unterart soll nach der jeweiligen Umgebung eines Moslem abgewandelt werden, sonst kommt es zur Unruhe, und Unruhe zu stiften, ist Sünde. ([5], S. 195-203). Mögen sich die muslimischen Migranten noch mehr an diese Lehre halten.
Fazit
Der in London lebende Sufi-Meister präsentiert einen modern ausformulierten Sufismus, in welchem Gott, mit dem sich der Strebende vereinigen will, jedoch offenbar durch die Schöpfung, die erfahrbare Natur ersetzt wird. Weil letztlich der Islam in seinen Grundlagen nicht die Liebe als Weg der Vereinigung mit Gott bereitstellt, verirren sich diese Sufis in die Angleichung an die Materie, die geistig weit unter der menschlichen Stufe steht. Sie begnügen sich in ihrem Streben mit der Schöpfung anstelle des Schöpfers als Ziel der mystischen Vereinigung. Ihre rein metaphysische „Wissenschaft“ hat sich abseits von logischem Verstandesdenken in untauglichen Begriffen verirrt und bewegt sich im Irrealen, Abgehobenen, Ungreifbaren, wodurch sie anfällig für Selbsttäuschung und sich selbst bestätigende Fantasterei wird.
Daneben wiederholt as-Sufi in seinem Werk mit dem etwas anmaßenden, doch der Sufi-Tradition entsprechenden Titel „Der Pfad der Liebe“ genauestens die orthodoxen Regeln für die muslimischen Pflichten, gibt wertvolle Einblicke in die islamischen Glaubenslehren und erweitert das Verständnis für die Verehrung Mohammeds als Überbringer und Vorbild des Islams.
Das von dem ungenannten türkisch-sunnitischen Autor in unbedarfter Schwärmerei unternommene Werk ergibt unfreiwillig eine reiche Materialsammlung für den Stand der sunnitischen Gelehrsamkeit und vermittelt eine Antwort auf die Frage, wie viel Wissenschaftlichkeit und Vernunftdenken im Islam stecken. Wie deutlich wurde, betont der Autor selbst, wie logisch und wissenschaftlich der Islam sei, dabei hätte es eine Religion gar nicht nötig, ihre Wissenschaftlichkeit im Sinne von Naturwissenschaft und Logik herauszustellen. Doch der Koran behauptet genau diese Merkmale von sich, um ihnen dann so überhaupt nicht zu entsprechen, so wie er es auch bezüglich anderer Gesichtspunkte tut, wie Glaubensfreiheit, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Klarheit, Vollkommenheit usw.
Daneben verschafft dieses Werk wertvolle Einblicke in die sunnitische Islamauslegung und in die fromme Denkungsart von Muslimen. Insbesondere die Idealisierung Mohammeds als Vorbild und Prophet wird in ihrem Ausmaß begreifbar. Dabei erfüllt die legendenhafte Aufzählung seiner Vorzüge, Sittsamkeiten und Wunder den Tatbestand durchsichtiger und unhaltbarer, dick aufgetragener Selbstglorifizierung. Willkürlich bis grotesk erscheinende Zahlenangaben sowie vermeintliche verschlüsselte naturwissenschaftliche Kenntnisse und schier unlösbare Rätsel im Koran runden das Bild ab. Dies alles zu glauben, setzt voraus, den Verstand nicht zu gebrauchen, was geradezu zum Markenzeichen dieser „Religion“ gerät. Denken findet dann nur insoweit statt, als im Bestreben, Koran und Sunna zu bestätigen, die Realität durch ein Fantasiebild ersetzt oder mittels hanebüchener Theorien umgedeutet wird.
Von vernunftgeleitetem Denken, von intellektueller Redlichkeit, von schlüssiger Argumentationsweise und logischer Systematik ist in der islamischen Gelehrsamkeit, wofür dieser ungenannte Autor sicherlich ein typisches Beispiel liefert, sehr wenig zu bemerken. Dieses Buch „Islam und Christentum“ stellt wirklich ein Dokument von Realitätsblindheit und geistiger Verwirrung dar und bestätigt damit einmal mehr, dass das lebenslange gläubige Studium des Islams den Vernunftgebrauch behindert und der geistigen Gesundheit abträglich ist.
Quellennachweis:
[1] Helmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen. Brahmanismus, Buddhismus, Chinesischer Universismus, Christentum, Islam. München 1963, Heyne Verlag 2003 (11. Auflage)
[2] Abd al-Qadir as-Sufi: Der Pfad der Liebe. Wesen und meditative Praxis der sufischen Mystik – eine Einführung in die „innere Lehre“ des Islams. Scherz Verlag, München 1982, 1986
[3] Annemarie Schimmel: Muhammad – Weg, der zu Gott führt. Der Prophet als Vorbild muslimischer Lebensform. In: Rudolf Walter (Hrsg.): Leben ist mehr. Das Lebenswissen der Religionen und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1995
[4] Maria von Agreda: Leben der jungfräulichen Gottesmutter Maria. Miriam-Verlag, 1954, 6. Auflage 1992, Bd. I (II. Buch)
[5] N. N.: Islam und Christentum. In der Reihe Ihlas Stiftung, Bd. 3. Hakikat Kitabevi Verlag, Istanbul 1997³
Weitere verwendete Literatur:
Hartmut Bobzin: Der Koran. Eine Einführung. Verlag C. H. Beck OHG, München 1999, 2001³
Heinz Halm: Der Islam. Geschichte und Gegenwart. Beck Verlag, München 2000, 2001²
Gottfried Hierzenberger: Der Islam. Marix Verlag, Wiesbaden 2006
Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten. Übertragen und bearbeitet von Gernot Rotter. Spohr Verlag, Kandern 1999, 2008 (4. Auflage)
Der Koran. In der Übersetzung von Max Henning, mit Anmerkungen von Annemarie Schimmel. Reclam Verlag, Stuttgart 1960, 1991, 2006
Schweizer Gerhard: Der unbekannte Islam. Sufismus – die religiöse Herausforderung. Klett-Cotta, Stuttgart 2007
Yves Thoraval: Lexikon der islamischen Kultur. Französische Originalausgabe Paris 1995. Primus Verlag, Darmstadt 1999; Nikol Verlag, Hamburg 2005
VELKD und EKD (Hrsg.): Was jeder vom Islam wissen muss. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1990, 2001 (6. Aufl.)
Norbert Lachner – Stralsund 8. Juni 2011


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