Essay von Norbert Lachner
Einleitung
Im I. Teil des Essays wurden die Anstrengungen moslemischer Denker, Koran und Sunna zu Zwecken der Rechtsprechung sowie unter dem Einfluss der griechischen Philosophie auszulegen, behandelt. Teil II veranschaulichte das Vernunftdenken im Islam an Beispielen islamischer Gelehrsamkeit der Gegenwart. Dazu wurden die Glaubensauffassung und Weltanschauung je eines zeitgenössischen Vertreters des Sufismus und der türkisch-sunnitischen Theologie herangezogen.
Der ungenannte türkische Islamgelehrte setzt sich in seinem etwa 1985 fertiggestellten Buch „Islam und Christentum“ auch mit den biblischen Religionen auseinander. Insbesondere die Einlassungen zum Christentum werfen wieder ein Licht auf den Stellenwert von Vernunftgebrauch und Wissenschaftlichkeit im Islam. (Sprachliche Unebenheiten der deutschen Version – sie wurde offensichtlich ohne muttersprachlichen Lektor aus einer englischen Version übertragen – werden in den Zitaten, wo es angebracht erscheint, behoben, ohne den Sinn zu verändern. Ebenso werden das durchgängige Attribut „der Erhabene“ nach der Nennung Allahs und die Propheten-Segenswünsche in der Zitierung weggelassen. Weil das Werk offenbar aus verschiedenen Aufsätzen zusammengefügt ist, wird ein Thema, wie in der Zitierung bemerkbar, oft an verschiedenen Stellen des Buches behandelt.)
Kenntnisarme, ignorante und niveaulose Auseinandersetzung mit dem Christentum
„Es gibt heute nur sehr wenige Spezialisten für die Wissenschaften des Islam. Da der Islam auf der Welt die fortgeschrittenste, logischste und letzte Religion ist, muss derjenige, der über den Islam ein Buch verfassen will, gut ausgebildet sein, Arabisch, Persisch und eine europäische Sprache beherrschen, Kenntnisse in Technik und Naturwissenschaft und daneben islamische Wissenschaften studiert haben. Aus diesem Grund verfassen wir unsere Bücher mit großer Sorgfalt und stützen uns dabei auf die Werke der Spezialisten auf dem Gebiet ‚Religion’ und der Naturwissenschaften.“ ([1] N. N.: Islam und Christentum. In der Reihe Ihlas Stiftung, Bd. 3. Hakikat Kitabevi Verlag, Istanbul 1997³, S. 204f.)
Die behauptete Wissenschaftlichkeit der Islamgelehrten erstreckt sich jedoch nicht auf die Besprechung der Bibel sowie des jüdischen und des christlichen Glaubens, wie das Folgende zeigt. Die Ursachen dafür liegen sicher in der korangemäßen Voreingenommenheit und Abneigung – die Juden und die Christen sind irregeleitet, die Bibel ist verfälscht und unbrauchbar – sowie in einem Mangel an türkischsprachiger Literatur und an Kenntnissen westeuropäischer Sprachen. Der Gelehrte stützt sich weitgehend auf Jahrhunderte alte, von Moslems verfasste Widerlegungen des Christentums, zitiert aus der Begegnung ungefestigter und unwissender Christen mit dem Islam und erzählt in unglaubwürdigen Anekdoten, wie Moslems christliche Priester in der Debatte widerlegen. Allerdings sorgt der türkische Staat selbst für religiöse Unwissenheit der Christen auf seinem Territorium dadurch, dass er keine Ausbildung von Priestern erlaubt und die Verbreitung christlicher Literatur erschwert. Wo die Argumente fehlen, müssen eben äußere Druckmittel herhalten. Schon Mohammed konnte den damaligen Juden und Christen seine neue Religion nicht „verständlich machen“, und Gabriels Rede bezeichnete sie deshalb schließlich als „die schlechtesten Geschöpfe“. (98;6, vgl. 8;22, 8;55)
A. Islamische Bibelkritik
1. Das Neues Testament
Während die großen christlichen Kirchen den Islam in seinen Schriftgrundlagen und Ausgestaltungen genau studieren und wohlwollend und kenntnisreich darstellen (zum Beispiel VELKD und EKD), ersetzt der türkisch-sunnitische Gelehrte die Kenntnisnahme der Selbstdarstellung des Christentums durch die Wiederholung der schon früh ausformulierten Kritik aus islamischem Blickwinkel. „Wir Moslems glauben an den heiligen Propheten Jesus, den die Christen vergötterten. Da er Prophet ist, ist es klar, dass ihm von Allah ein Buch geschickt wurde. Aus diesem Grund ist das heilige, originale Buch des Propheten Jesus unbezweifelt Wort des Erhabenen. Aber heute besteht dieses echte und originale Evangelium leider nicht mehr … Das echte Evangelium war in hebräischer Sprache … (und) wurde sehr bald von den, den Christen feindlich gesinnten Juden vernichtet. Verschiedene verirrte Bibeln traten hervor … wurden ins Griechische und Lateinische übersetzt, mit der Zeit wurden an ihnen viele Änderungen gemacht, viele Texte hinzugefügt, außerdem viele Evangelien niedergeschrieben. Die meisten davon wurden zurückgewiesen.“ ([1], S. 87)
Bekanntlich können die Abweichungen des Koran und der Sunna von der Bibel nur mit der Behauptung wegerklärt werden, dass die Bibel, insbesondere das Neue Testament, völlig verfälscht und somit unbrauchbar war, und dass nicht mehr nachvollziehbar war, welche Fragmente des Inhaltes noch Gottes Wort seien. Solche Erklärungen kamen von Gabriel, als Mohammed von den Juden und den Christen die unüberbrückbaren Differenzen zu seiner Botschaft immer mehr deutlich gemacht wurden. Gleichzeitig legte Gabriel die Voraussetzungen nahe, aus denen sich diese Abwertung der Bibel schlüssig ergab. Nur sind diese Prämissen falsch, nämlich: Allen Propheten wurde, wie Mohammed, ein Buch diktiert. Jesus war ein Prophet, daher hinterließ er ein Buch. Das überlieferte Neue Testament enthält nicht ein Diktat mit Gottes Rede, folglich ist es verfälscht und wertlos. In ihrem Zirkelschluss bemängeln also die Moslems an der Bibel, dass sie nicht durchgehend Gottes Wort, sondern meist Worte von Menschen, und seien es Propheten (Jesus verstehen sie als solchen), sowie Erzählungen übermittelt.
Moses erhielt laut Islam das Buch „Tora“, David das Buch „Psalm“. „Die Thora, die Gabriel dem Propheten Moses brachte, lernten nur Moses, Aaron, Josua, Esra und Jesus auswendig.“ ([1], S. 271). „Jesus … glaubten zwölf Leute. Diese werden Apostel genannt. Als Jesus im Alter von 33 Jahren lebendig in den Himmel emporgehoben wurde, wanderten alle zwölf aus und versuchten, diese neue Religion (Christentum) zu verbreiten. Später wurden die sogenannten … Evangelien geschrieben. Das waren die Geschichtsbücher, die von Jesus erzählten. Das wahre Evangelium blieb nicht erhalten.“ ([1], S. 155). „Der dritte Teil der Bibel beinhaltet die Geschehnisse über Jesus, die von den Aposteln niedergeschrieben wurden, die Worte von anderen und die Erzählungen von einigen Historikern sowie anonyme Gerüchte.“ ([1], S. 93f.).
Zur Orientierung sei hier der christliche Erkenntnisstand zu den Evangelien kurz umrissen. Das früheste Evangelium verfasste Markus, ein Gefährte und Dolmetscher des Petrus und ein Verwandter des Barnabas, zwischen 40 und 75, genauer wohl zwischen 55 und 60 n. Chr., in griechischer Sprache. Es betont die Ankunft des Reiches Gottes. Das Matthäusevangelium kann in Palästina auf Hebräisch oder Aramäisch oder in Syrien auf Griechisch geschrieben worden sein und beruht zur Hälfte auf dem Markusevangelium. In frühchristlicher Zeit wurde der Verfasser mit dem Apostel dieses Namens gleichgesetzt, was heute nicht mehr als sicher gilt. Das Evangelium wurde anscheinend für jüdische Christen geschrieben, die sich gegen die Einwände der Juden verteidigen mussten, und ist besonders systematisch aufgebaut, weshalb es sich am besten für Lehrzwecke eignet und bald als das bedeutendste angesehen wurde. Lukas – er war wahrscheinlich der Arzt von Paulus – schrieb sein Evangelium zwischen etwa 50 und 90, wohl um 80 n. Chr., wahrscheinlich in Rom, auf Griechisch nieder. Er stützte sich auf das Markusevangelium und selbst gesammelte Augenzeugenberichte, und beabsichtigte wie bei seiner Apostelgeschichte einen historischen Bericht. Das vierte Evangelium wurde wahrscheinlich vom Apostel Johannes, wie Petrus ursprünglich Fischer aus Galiläa, um 90 n. Chr. in Ephesos (Küstenstadt im Westen der heutigen Türkei), wie seine Apokalypse auf Griechisch, verfasst. Es setzt die Kenntnis der anderen Evangelien voraus und betont Jesu Wirken in Jerusalem. Der Einleitungssatz enthält eine wichtige Vorlage für die römisch-katholische Christologie.
Im 1. Jht. entstand in Alexandrien eine „Septuaginta“ genannte griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments. Ab 383 schuf der Kirchenvater Hieronymus (ca. 347-420) im Auftrag des Papstes Damasus I. eine einheitliche, „Vulgata“ genannte lateinische Übersetzung der gesamten Bibel, indem er die vorhandenen lateinischen Fassungen anhand der griechischen Ausgabe überarbeitete. Beschlüsse des Konzils von Trient (1. Teil von 1546/1547) umsetzend, richtete Papst Pius V. 1569 eine Kommission zur Neubearbeitung der Vulgata ein. Papst Sixtus V. nahm diese Aufgabe 1585-1590 selbst in die Hand, erfüllte sie aber fehlerhaft. Papst Gregor XIV. ließ dessen Ergebnis 1591 überarbeiten. Die korrigierte lateinische Bibelfassung veröffentlichte Papst Klemens VIII. 1592 unter dem Namen „Clementina“, sie blieb bis ins 20. Jht. maßgeblich. Der Reformator Martin Luther übersetzte von 1521 bis 1522 das Neue Testament ins Deutsche.
Der Eintrag einer Enzyklopädie „Jesus hinterließ weder ein schriftliches Werk, noch gab er seinen Aposteln die Anordnung, irgend ein Thema niederzuschreiben“, bestätigt dem Gelehrten, „dass die vier Evangelien keine religiöse Geltung haben und … aus unterschiedlichen Geschichten, die von den anderen niedergeschrieben worden sind, bestehen.“ Nach christlichem Wissensstand war nur ein Evangelienschreiber auch Apostel, nämlich Johannes. In moslemischer Auffassung haben die Evangelien „keine religiöse Geltung“, weil sie nicht Gottes Diktat an Jesus enthielten, wie der Koran angeblich Gottes Worte unverfälscht wiedergibt; nur ein solches Werk wäre von Bedeutung. Weder die Angabe der Enzyklopädie, dass Jesus kein „schriftliches Werk“ hinterließ, noch die Behauptung der Moslems, dass Jesu Buch verschwand, wird schlüssig erläutert, noch die Frage, warum Allah über die Bewahrung des Koran wachte, aber nicht über die von Jesu angeblichem Buch, wie aus Koran 15;9 hervorgeht: „Siehe, wir sandten die Warnung herab, und siehe, wir wollen sie hüten.“
Wenn der Evangelienschreiber Johannes über Jesu Kreuzestod schreibt: „Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr … damit auch ihr glaubt“ (Joh.19,35), beweist das für den Islamgelehrten, dass der Evangelist nicht der Apostel Johannes ist, denn der hätte in der Ich-Form von sich erzählt. Während der Evangelist damit wohl eine damalige Gepflogenheit des Berichtens einhielt, setzen Moslems wieder eine willkürliche Festlegung dagegen. Wenn aber im Koran steht „Allahs Fluch über sie!“ oder „Allah schlage sie tot!“ (9;30), könnten die betreffenden Verse nach dem gleichen Maßstab auch nicht Allahs Worte sein.
Der Islamgelehrte zitiert christliche Theologen für eine moderne Bibelauffassung, die eines der Argumente für das islamische Verdikt stützen: „Das neue Testament ist nicht Gottes Wort. Darin stehen die direkt von Menschen überlieferten Geschichten und die Zeugnisse von Menschen, die beobachtet hatten, wie irgendeine Tat begangen wurde. Diese Kapitel, die völlig menschliche Worte sind, werden von der Kirche den Menschen als Gottes Wort erzählt.“ (Kenneth Cragg) „Die Bibel ist nicht Gottes Wort, jedoch ein Heiliges Buch.“ (Geyser). ([1], S. 94f.) Doch das islamische Verdikt geht noch darüber hinaus: „An dem originalen Evangelium, das die von Jesus mitgeteilten Offenbarungen enthielt, wurden viele Änderungen beigefügt, ihm wurden viele menschliche Texte und Beilagen der abergläubischen Lehren, die von den Menschen erfunden wurden, beigelegt, dabei wurden die Dekrete und Worte Allahs vernichtet. Somit verlor die Bibel die Eigenschaften des Heiligen Buches.“ ([1], S. 282)
Sicher aber könnten die Moslems in Jesu Worten und Taten Gottes Lehre und Willen erkennen, auch wenn die Überlieferung nicht Wort für Wort gesichert ist, was wieder mit der Achtung des freien Willens durch Gott erklärbar ist. Allerdings redete Jesus vor dem Volk oft in Gleichnissen, um erst einmal das Denken der Zuhörer anzuregen und sie auf den Weg der Nächstenliebe zu leiten, denn theologische Lehrsätze hätten die meisten nicht verstanden. Tiefere geistige Erklärungen blieben den Aposteln vorbehalten. So reichen die Bibelinhalte völlig aus, damit ein Mensch den Glaubensweg des Evangeliums beschreiten kann, denn er wird mit dem Anwachsen von Glaube, Hoffnung und Liebe vom Geist Gottes erleuchtet und in die Wahrheit geleitet.
Genau dieser Weg ist den Moslems unbekannt, ihnen eignen stattdessen ein erzwungener und gedankenlos übernommener Formglaube, Ungewissheit über die Recht- oder Irreleitung Allahs und den Eintritt ins Paradies sowie Ergebung in die Vorherbestimmung Allahs, neben Männerherrschaft und Zwangs- statt Liebesheirat sowie Feindschaft und Härte gegen die Nichtmoslems. Dabei beharren sie korangemäß auf einem gesicherten und unverfälschten Wortdiktat Gottes, das es aber wegen der Willensfreiheit nicht gibt. Über die Gleichnisse Jesu nachzusinnen und in ihnen die Lehre Gottes zu suchen, verweigern sie ganz korangemäß. Was nützt aber die unveränderte Überlieferung eines Wortdiktats, wenn es nicht die Wahrheit enthält oder enthüllt? Wie Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther schreibt: „Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott … der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig … Der Herr aber ist der Geist …“ (3,4-7). Es sind also fadenscheinige, auf einer vorgefassten, korangerechten Ablehnung der Bibel beruhende Gründe, welche Moslems davon abhalten, das Wort Gottes in der Bibel zu finden.
In den Worten des „großen Islamgelehrten Al-Hadsch Abd-Allah bin Destan Mustafa (gest. 1885) wird das Neue Testament so charakterisiert:
„Als die Juden Jesus fingen und … töten wollten, verbrannten sie das Evangelium von Jesus oder zerrissen es. Währenddessen war das Evangelium noch nicht verbreitet und hatte auch seine religiösen Gesetze und Vorschriften noch nicht festgelegt. Denn tatsächlich konnte Jesus die Religion nur zweieinhalb oder drei Jahre bekanntmachen. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass noch ein anderes Manuskript des Evangeliums niedergeschrieben worden ist. Die Gefährten Jesu waren wenig, und die meisten waren nicht gebildet. Aus diesem Grund ist es auch unwahrscheinlich, dass von ihnen ein schriftliche Urkunde erhalten geblieben ist. Ein [weiteres] Manuskript zum Evangelium war noch nicht niedergeschrieben, nur Jesus konnte es auswendig. Es besteht auch eine andere Möglichkeit: …“ (Das originale Evangelium könnte mit anderen Evangelien beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 verbrannt worden sein – [1], S. 282f.).
Es gibt also keinen Augenzeugenbericht von der angeblichen Vernichtung des originalen Evangeliums, denn er hätte zwischen Zerreißen und Verbrennen unterschieden. Die Darstellung folgt erkennbar dem Schema der Koranentstehung. Wenn man von den passenden falschen und ungeprüften Prämissen ausgeht, kann man eben alles, was man will, logisch herleiten. Sodann können Moslems natürlich nach Belieben Bibelstellen, die islamgerecht ausgelegt werden können, als unverfälscht zitieren und alle anderen als verfälscht zurückweisen. Gleich wie man es dreht und wendet, können die Moslems aufgrund ihrer angemaßten Deutungshoheit immer Bibelkritik üben, auch wenn es nicht immer darum geht, wie der Gelehrte sagt, „die wahre himmlische Religion festzustellen und zu beweisen, welches von den zwei … Bibel oder Koran wahr und unversehrt geblieben ist.“, sondern erst einmal darum, welches überhaupt von Anfang an die Wahrheit enthielt. Nur Jesu Buch hätte die Wahrheit enthalten, aber es blieb ja nicht erhalten oder wurde gar nicht erst niedergeschrieben, und das Neue Testament enthält ja nur Schriften von Aposteln und anderen.
Das sogenannte Barnabas-Evangelium
„Jesus wurde ein Buch namens Evangelium offenbart. Aber die Juden vernichteten dieses Buch innerhalb von achtzig Jahren … Im Neuen Testament werden das Leben und Wirken von Jesus und seine Predigten behandelt, doch wird darüber nicht wahrheitsgetreu Auskunft gegeben. Beim Entstehen der Bibel wurde nicht so sorgfältig vorgegangen wie bei der Zusammenstellung des heiligen Korans. Die originalen Lehren haben sich in Irrlehren, Legenden und abergläubische Erzählungen verwandelt … Wir haben heute von Evangelien Kenntnis, die dem Urtext sehr nahe sind. Das wichtigste von ihnen ist das Evangelium Barnabas.“ ([1], S. 17f.)
Die moslemische Version: „Barnabas war ein auf Zypern geborener Jude … Er war einer der ersten, die an Jesus glaubten, und nahm einen wichtigen Platz unter den Aposteln ein … Die christliche Welt erkennt ihn als einen heiligen Apostel an und würdigt seine Verdienste als Begleiter des Apostels Paulus auf seiner ersten Missionsreise. [Soweit stimmt es mit der Apostelgeschichte überein.] Auch Barnabas hat, wie die anderen vier Apostel, ein Evangelium verfasst.“ [Im Buch wird mehrmals bestritten, dass die Evangelienschreiber die gleichnamigen Apostel waren – nur von Johannes behauptet es die christliche Theologie.] In seinem Evangelium hat er das, was er von Jesus gehört und gelernt hat, ohne Fälschung niedergeschrieben. [Nur sein angebliches Evangelium wird von der Behauptung weitgehender Verfälschung ausgenommen]. In den ersten dreihundert Jahren des Christentums wurde dieses Evangelium wie die anderen Evangelien überall verbreitet und gelesen. [In der christlichen Theologie sieht man für so etwas keinen Beleg.] Als das … (Konzil in Nicäa 325) die Vernichtung aller in hebräischer Sprache verfassten Evangelien beschloss, wurde auch das Evangelium von Barnabas verbrannt … Doch im Jahre 383 fiel dem Papst Damasus [I., 366-384] ein übrig gebliebenes Exemplar dieses Evangeliums in die Hand. Dieses Exemplar bewahrte er in der päpstlichen Bibliothek auf. Es blieb bis zum Jahre 1585 dort. Fra Marino, … ein persönlicher Freund des Papstes Sixtus [V., 1585-1590], fand dieses Exemplar … und übersetzte es um 1585-1590 ins Italienische. Dieses italienische Manuskript …“ (gelangte über einen Berater des Königs von Preussen und den Prinzen Eugen von Savoien (1663-1736) in die königliche Hofbibliothek in Wien. Von Ragg ins Englische übersetzt und 1907 in Oxford gedruckt, überdauerten zwei Exemplare, welche 1973 nachgedruckt wurden ([1], S. 18f.).
Nun die christliche Version: „Die Muslime halten die vier Evangelien nicht für authentisch. Viele haben von einem ‚Barnabas-Evangelium’ gehört, und ihnen wird gesagt, dass dies das wahre Evangelium sei. Die Muslime behaupten, dass es im 1. Jht. n. Chr. von dem Apostel Barnabas geschrieben wurde. Das Evangelium erschien zum ersten Mal 1709 in Holland … Sein Inhalt macht sogar Laien klar, dass es sich um eine islamische Fälschung handelt. Es kann ganz eindeutig ins 14. Jht. n. Chr. datiert werden. Der Inhalt ist eine stark verzerrte Konstruktion des Lebens Christi und so abgefasst, dass es in vielen Punkten mit der islamischen Lehre übereinstimmt. Es zielte offensichtlich darauf ab, die Christen jener Zeit dazu zu bringen, sich dem Islam zuzuwenden … Die gesamte Erzählung wirft viele Probleme auf: – … Beispielsweise ist ein Duell zwischen Rivalen in einer Liebesaffäre erwähnt. – Der Text enthält Zitate von Dante (italienischer Dichter …, 1265-1321). – Der Text enthält schwerwiegende geografische und kulturelle Irrtümer über das Heilige Land, wie zum Beispiel auch Anachronismen [Unzeitgemäßes]. Es ist offensichtlich, dass der Schreiber niemals dort war … … dass Jesus nach Nazareth segelte … Nazareth liegt jedoch auf einem Berg, etwa 20 km vom See entfernt … Von Jesus wird gesagt, dass er nach Kafarnaum hinaufging (Kap. 21), das am Ufer des Sees Genesareth liegt … Niemand kann dort hinaufgehen! … Des weiteren hält Jesus die ‚Fastenzeit’ (Kap. 91-92) ein, die von der Kirche nach dem 4. Jht. n. Chr. eingeführt wurde … Münzen werden erwähnt (‚Minuti’, Kap. 54), die erst im 7. Jht. n. Chr. in Spanien benutzt wurden usw. – dass Mohammed der Messias sei, nicht Jesus (Kap. 82; 191) … Das widerspricht sowohl der Bibel als auch dem Koran. Viele weitere Abschnitte zeigen eindeutig, dass das Barnabas-Evangelium eine Fälschung ist, die keine historische Glaubwürdigkeit hat.“ (Andreas Maurer: Basiswissen Islam [2], S. 171f.) Gesichert ist lediglich, dass der handgeschriebene italienischsprachige Band um 1710 durch Prinz Eugen von Savoyen, der als Feldherr in Holland weilte, von einem Buchhändler in Amsterdam erworben wurde und heute in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird.
Das Barnabas-Evangelium (zitiert nach [1], S. 19f.) vermittelt, im Widerspruch zur Bibel, die islamischen Glaubensinhalte: „Jesus war sehr böse auf Petrus, der ihn Gottessohn genannt hatte. Er schalt ihn …: ‚Halte dich fern von mir! Du bis ein Teufel und möchtest mir Böses antun’. “ (Abschnitt 70) sowie „Ich bin nur als Wegbereiter des Erretters der Welt zu euch gekommen … Dieser Prophet [Mohammed] wird nach eurer Zeit kommen … Dann wird … Allah … den wahren Messias schicken“ (Abschnitt 72) und „Ich bin nicht der Messias … Dieser Prophet [Mohammed] wird der Herrschaft des Satans über die Menschen ein Ende setzen“ (Abschnitt 96) – Dagegen die Bibel: „Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Simon Petrus … sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus … sprach zu ihm: Glückselig bist du …; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater in den Himmeln … Dann gebot er den Jüngern, dass sie niemand sagten, dass er der Christus [Messias] sei.“ (Matth. 16,15-20) Als Jesus den Jüngern sein Leiden, Sterben und Auferstehen ankündigte, sagte Petrus: „Gott behüte dich, Herr. Dies wird dir keinesfalls widerfahren.“ Jesus sprach zu ihm: „Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes ist, sondern auf das, was der Menschen ist.“ (Matth. 16,21-23). „[Jesus:] Keinem kann ich die Sünde vergeben. Nur Gott vergibt.“ (Abschnitt 71) – „[Jesus:] … Sei guten Mutes, Kind, deine Sünden sind dir vergeben … Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben … [zu dem Gelähmten] Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus. Und er stand auf und ging in sein Haus.“ (Matth. 9,2-7)
So setzt das Barnabas-Evangelium die islamische Behauptung, Jesus habe den Islam verkündet und befolgt, geschickt um, indem es die Erzählungen von Jesu Worten und Taten gegenüber der Bibel entsprechend verändert, das heißt anpasst, anders kombiniert, ins Gegenteil verkehrt oder frei erfindet. Dieses Vorgehen spricht dafür, dass sein Verfasser über gute Theologie- und Bibelkenntnisse verfügte und als eifriger Konvertit ein islamgerechtes Evangelium konstruierte. Vermutlich wollte er seinen neuen Glauben durch bewusste Fälschung – „Berichtigung“, wie er sich womöglich einredete – rechtfertigen und „beweisen“ und noch viele andere für den Islam gewinnen, um Allah zufriedenzustellen.
2. Das Alte Testament
Dass ein kleiner Abschnitt von 2. Könige 19 in Jesaias 37 fast wörtlich wiederholt wird, dass gleiche Ereignisse einige Male in Samuel, Könige und Chroniken leicht unterschiedlich erzählt werden, lässt den Islamgelehrten über den Beweis triumphieren, dass ein solches fehlerhaftes Buch nicht Gottes Wort enthalten könne. Im Koran werden jedoch ebenfalls Geschichten mehrmals in Variationen erzählt, z. B. Adams Versagen oder Iblis’ Verstoßung, da könnten also die Moslems vor der eigenen Tür kehren. Würden die Moslems nicht verschiedene Maßstäbe anlegen, so wäre ihnen mit den abgewandelten Wiederholungen im Koran ebenso bewiesen, dass er nicht Gottes Wort enthält.
Es folgen weitere vermeidbare Missverständnisse, angebliche Ungereimtheiten und kleinliche Kritteleien an der Bibel, die allesamt offenbar aus Desinteresse und Abneigung gespeist sind. Diese Art der Bibelbesprechung im Islam wurde schon früh eingeleitet. Der Gelehrte beruft sich auf ein Werk über Fehler der Bibel von Abdullah-i Terdschuman, vormals Anselmo Turmeda, einem zum Islam bekehrten ehemaligen Priester im Spanien des 9. Jhts., außerdem auf das Werk „Ishar ul-Hak“, eine Bibelbesprechung von Ishak Rachmatullah Effendi aus Indien (gest. 1890 in Mekka), und kommt zu dem Schluss:
„Dürfte man nun ein Buch, das zum Teil mit Worten Allahs, zum Teil mit Worten des Propheten und zum Teil mit verschiedenen Erzählungen und unterschiedlichen Äußerungen verschiedener Personen (gefüllt ist), für Worte Allahs halten? Das ist ausgeschlossen! … Die Bibel wurde mehrmals … verbessert, verändert … Ist es möglich, die Worte des Erhabenen zu korrigieren? … Auch die Fanatiker unter den christlichen Geistlichen bekennen, das bei dem heiligen Koran keine Veränderung eingetreten war und ist.“ ([1], S. 93f.) „Gottes Wort kann man keinesfalls verändern. Ein fehlerhaftes Buch, welches falsche, fehlerhafte und unvollständige Kapitel besitzt, das von verschiedenen Menschen verändert und selbst von den Päpsten als ein Buch aus Menschenhand angesehen wird, kann nicht das Wort Allahs sein. Welches der Eigenschaften, die Voraussetzung für ein heiliges Buch sind, besitzt die heutige Bibel, die weder Klarheit über geistige und ethische Führung, über Gut und Böse, über das Diesseits und Jenseits noch Trost und Mahnung gibt?“ ([1], S. 125).
Das Alte Testament überliefert aber noch genügend jeweils gekennzeichnete, direkte Worte Gottes, welche von Moses und den Propheten verkündet wurden und teils situationsbezogene Aufrufe und Anweisungen, teils allgemeingültige Verhaltensregeln wie das Mosaische Sittengesetz enthielten. Auch der Lebensweg der Stammväter von Adam über Noah bis Abraham, der Patriarchen und Propheten sowie das Schicksal des Volkes Israel und der Juden sagen sehr viel über Gottes Willen und Wirken aus, wenn sie als von Gott gestaltet betrachtet werden.
Weil im Alten Testament viele unmoralische Handlungen chronikartig berichtet werden, lehre die Bibel nicht Moral, sondern Unmoral, fährt der Gelehrte fort. Deshalb dürfe man Kindern nur eine zensierte Bibel in die Hand geben. „Ein religiöses Buch lehrt, was die Menschen tun sollen und nicht tun dürfen …Was lernt man denn eigentlich, wenn man diese Nacherzählungen liest? … Geistliche, welche die Frauen, deren Männer unter ihrer Führung sind, zum Ehebruch verleiten und deren Männer in den Tod schicken [König David, siehe unten]. Man kann seinen Verstand verlieren. Auch manche Christen haben kein Vertrauen mehr zu diesen unmoralischen Geschichten und verweigern sich ihnen … Der bekannte Dichter Bernard Shaw [1856-1950] geht noch weiter und sagt: ‚Das Buch, das auf der Welt am schädlichsten ist, ist die Bibel. Man soll sie unter Verschluss fest bewahren und auch dafür sorgen, dass sie nicht wieder auftaucht.’“ ([1], S. 114ff.).
Einen westlichen Christentumsgegner als Beleg anzuführen, ist reichlich billig. Immerhin war der irische Dramatiker und Kulturkritiker Shaw Sozialist und teilte offenbar die islamische Verachtung für das Christentum. Den Verstand hat der Gelehrte wohl schon verloren, zumindest die intellektuelle Aufrichtigkeit, denn nachdem im Alten Testament auch die geschichtlichen Erfahrungen des Volkes Israel Platz gefunden haben, welche sich aus der von Gott mitgestalteten Geschichte des auserwählten Volkes ergaben, wurden auch menschliche Verfehlungen von Einzelnen, von Königen und Patriarchen und der Volksmenge nicht ausgespart, weil sie unverzichtbar für das Verständnis der Antworten Gottes darauf sind. Die menschlichen Verfehlungen werden, auch in Gottes Worten, gerade angeprangert und verurteilt und nicht zum Vorbild erhoben. So ist dieses Argument des Moslems, die Bibel leite zum Schlechten an, selten töricht.
Im Übrigen wurde die Bibel nicht für Kinder geschrieben, ausschnitthafte und im Ausdruck angepasste Kinderbibeln sind daher zur Genüge in Gebrauch. Der ganze Koran wird den Kindern ja, außer zum Auswendiglernen, auch nicht präsentiert. In den Schulbüchern zum Islamunterricht kommt ebenfalls eine geschönte Auswahl aus Koran, Sunna und Prophetenbiographie zum Einsatz, in welcher Gewaltaufrufe und Gewalttaten ausgespart sind. Im Gegensatz zu den chronikartig erzählten Geschehnissen im Alten Testament gelten die Taten Mohammeds im Islam aber als ausnahmslos vorbildlich und zur Nachahmung verpflichtend, während nicht so klar ist, wie die Moslems meinen, ob diese alle moralisch einwandfrei waren. Man sieht auch hier wieder, dass Moslems auf der Grundlage von Koran und Sunna in einem Zustand der Projektion leben und Andersreligiösen das vorwerfen, was auf sie selbst zutrifft. Die Kritik an Nichtmoslems im Koran kann in der Regel auf die Moslems selbst bezogen werden: Sehr wohl könnten sie selbst nicht rechtgeleitet, in die Irre geführt, die Verlierer, Ungläubigen, Ungerechten, Heuchler und Frevler sein und diejenigen, die keinen Verstand haben und Unheil stiften – siehe Koranverse 2;171, 6;116, 9;67, 10;100, 26;99, 36;62, 71;27 und viele andere (siehe Websites mit Themenwahl und Stichwortsuche für den Koran).
Die Aneignung biblischer Geschichten am Beispiel Davids
Insbesondere wenden sich Moslems immer gegen den von König David begangenen Ehebruch und Mord. David hatte seinen Feldherrn Joab mit dem Heer Israels ausgesandt, um das Land der Ammoniter zu verwüsten und deren Stadt Rabba zu belagern. Als er eines Abends von der Dachgalerie des Königshauses in Jerusalem auf die Stadt blickte, sah er eine schöne Frau beim Baden. Er bestellte sie zu sich, sie wurde schwanger. Um seine Vaterschaft zu vertuschen, ließ er ihren Mann, den Hethiter Uria, Feldurlaub nehmen, aber zu allem Unglück ließ jener sich aus Achtung vor den Kriegsregeln auch von David nicht dazu bewegen, zu seiner Frau nachhause zu gehen. Daraufhin wies König David den Feldherrn in einem Brief an, es zu arrangieren, dass Uria im Kampf starb. Gleich nach Ablauf der Trauerzeit nahm David Bathseba zur Frau, und sie gebar einen Sohn. Da hielt der Prophet Nathan David seine Missetat vor, und David bereute. Den Sohn, als Zeichen der öffentlich gewordenen Untat, ließ Gott an einer Krankheit sterben. Danach zeugte David mit Bathseba Salomon, den späteren weisen König.
Nathans biblisches Gleichnis vor David, dass ein Reicher, um einen Wanderer zu bewirten, das einzige Lamm eines Armen schlachtet, statt eines von seiner eigenen großen Herde zu nehmen, wird im Koran dahingehend abgewandelt, David habe Recht sprechen sollen zwischen zwei Brüdern, deren einer das einzige Schaf des anderen seiner Herde von 99 Schafen hinzufügen wollte. (38;22-24) Was aber David zu bereuen hatte, wird im Koran nicht genannt. „Darüber gibt es im heiligen Koran keine klare Information.“ ([1], S. 277.) In der Bibel wird die Zahl „99“ im Kontext der Geschichte von David nicht genannt, jedoch erinnert die Koranversion an Jesu Gleichnis von dem verlorenen Schaf, in welchem die Zahl „99“ eine Rolle spielt. (Matth. 18,12-13; Luk. 15,4). Diese Adaption der Geschichte um Uria im Koran vermittelt wiederum einen guten Eindruck davon, wie Passagen der Bibel in Gabriels Rede verändert und durcheinander geworfen werden.
Mohammeds Unfehlbarkeit
Im Islam werden die biblischen Propheten als ganz unfehlbar und sündenfrei dargestellt, offenbar um dieses Idealbild vollends auf Mohammed als das „Siegel der Propheten“ übertragen zu können. Gerade bei Mohammed, dem in Wahrheit einzigen Propheten des Islams, ist die gänzliche Idealisierung auch unbedingt nötig, weil sein Lebenswandel viele Anlässe zu Bedenken bieten könnte. Deshalb wurde ein Damm gegen Kritik an Mohammed bereits in Koran und Sunna errichtet und in der Ausgestaltung durch die nachmaligen Anhänger noch verstärkt. Eine Episode ähnelt sogar etwas der oben erwähnten Verfehlung Davids, welche vielleicht deshalb im Islam so vehement bestritten wird. Man berichtet, Mohammed sei in Zuneigung zu Zainab, der Frau seines Adoptivsohns Zaid, entbrannt, nachdem er sie leichtbekleidet gesehen hatte, und habe einen Weg gesucht, sie zur Frau zu nehmen. Und tatsächlich erlaubte es ihm die nächste Botschaft Gabriels (33;4), indem sie betonte, dass ein Adoptivsohn nicht einem leiblichen Sohn gleichzusetzen sei – die Schwiegertochter zu heiraten, hätte den Stammesgesetzen widersprochen. Zaid musste Zainab lediglich entlassen, was er Mohammed zuliebe auch tat. Die Begierde zu einer fremden Frau ließ sich hier also unkompliziert regeln und wuchs sich nicht zum Drama aus, wie bei David.
„Die hässliche Geschichte in der Tora und der Bibel von heute mit dem Titel ‚Das Abenteuer zwischen David und der Frau seines Offiziers namens Bathseba’ ist nicht wahr. [Mohammeds Cousin] Ali teilte mit, dass er diejenigen, die diese falsche und unmoralische Geschichte erzählen würden, mit hundertsechzig Hieben peitschen würde … Alle islamischen Gelehrten sind sich darin einig, dass das Uria-Abenteuer der Tora und der Bibel später hinzugefügt wurde. Solche erfunden Geschichten des Judentums wurden von den Juden unter den unwissenden Moslems verbreitet, doch teilten die Gelehrten des Islam mit, dass diese Geschichten abergläubisch sind.“ ([1], S. 276f.) Vielmehr sei es laut einem islamischen Kommentarbuch so gewesen, dass David einem Mädchen namens Teschamu einen Heiratsantrag machte, dieses sich aber gegen den Willen der eigenen Familie bereits mit Uria verlobt hatte. Nur dies warf Allah David als Verfehlung vor, und vergab ihm auf seine Reue hin ([1], S. 276f.). Bereits die Gefährten Mohammeds fühlten sich also aufgerufen, König Davids Ehre mittels einer solchen Verwässerung der biblischen Geschichte zu retten, vielleicht weil im Koran steht: „Und wahrlich, wir gaben David Gnade von uns …“ (34;10); „… und er bat seinen Herrn um Verzeihung und … bereute. Und so vergaben wir ihm dies, und siehe, ihm ist bei uns wahrlich eine Nähe und eine schöne Einkehr.“ (38;24-25).
Die Juden – wohl diejenigen in Medina – hätten also nach der Entstehung des Islams diese Geschichte über David erfunden, um den von den Moslems als islamischen Propheten beanspruchten David in ein schlechtes Licht zu rücken. Denn schon in Mekka hatte Gabriel mit, wie üblich etwas abstrusen, Aussagen über David diesen als Propheten des Islams vereinnahmt (34;10, 38;17-30). Eine solche späte Verfälschung durch die Juden ist freilich wenig glaubhaft und wird von den Moslems auch nicht belegt. Dass alle islamischen Gelehrten sich darüber einig sind, muss anscheinend als Beweis genügen und genügt den Moslems auch, denn die Behauptung der späteren Erfindung ergibt sich ja aus Gabriels Rede, und diese überbringt nach ihrem Glauben die unverfälschte Offenbarung Gottes. Mussten aber die Juden zu solchen Mitteln greifen und konnten sie nicht mehr unternehmen, um Mohammeds neue Religion zu widerlegen, als König David als fehlbaren Menschen darzustellen? Hier muss wieder das unangreifbare Axiom der unverfälschten Offenbarung für eine unglaubhafte Schlussfolgerung herhalten.
Immerhin ließ diese Bibelgeschichte die Moslems offenbar panisch reagieren, weil sie geeignet war, den Schutzdamm um Mohammeds propagierte Unfehlbarkeit anzugreifen. Mohammed selbst hatte diesen Schutzdamm errichtet und aufrechterhalten, indem er einzelne Kritiker seiner Lehre und seines Handelns ermorden ließ und laut einem Hadith beispielsweise auch folgendes Verhalten eines Anhängers öffentlich billigte: Ein blinder alter Moslem hatte eine junge Kriegsgefangene als Dienerin und als Gefährtin, sie war die Mutter seiner zwei kleinen Kinder. Allein, sie hörte nicht auf, ihm gegenüber schlecht über Mohammed zu reden. Da drückte er mit einer Schaufel auf den Bauch der liegenden Schwangeren, bis sie tot und der Fötus tot geboren war. Damit also beraubte er seine kleinen Kinder der Mutter und sich der so dringend benötigten Dienerin und tötete auch noch sein ungeborenes Kind. Aber er rechtfertigte sich dadurch gegenüber Mohammed und der Gemeinschaft der Moslems und entging womöglich seiner eigenen Ermordung, die drohte, wenn die Schmähreden seiner Sklavin bekannt geworden wären und er letztere nicht zum Schweigen gebracht hätte. Welch eine Schreckensherrschaft musste Mohammed zu jener Zeit bereits aufgebaut und welch eine Macht über die Gesinnung seiner Landsleute musste er erlangt haben?!
Bei Mohammeds Erwählungsvision drückte ihn Gabriel fast zu Tode, dann sprach er zu ihm von der geschlechtlichen Fortpflanzung (96;1-2). Dieses Vorgehen mutet wenig spirituell oder religiös an, spricht aber die existenziellen menschlichen Erfahrungen von Gewalt, Tod und Sexualität an und stellt sogleich die offenkundigen Grundthemen des Islams vor, die auch durch noch so viel Reform oder Kosmetik nicht aufgelöst werden können und an seiner Erfolgsgeschichte maßgeblichen Anteil gehabt haben dürften. Die vorherrschende Affinität zu Gewalt und geschlechtlicher Begierde wird jedoch im Islam gleichzeitig verleugnet. Wenn in der Bibel ein offensichtlicher Fall dieser Kombination erzählt wird, streiten Mohammeds Gefährten die Geschichte heftig ab.
David bereute den Ehebruch und Mordauftrag und erlangte Verzeihung, blieb jedoch nicht von Unglück verschont: In einer ähnlich motivierten Tat entehrte sein ältester Sohn und Thronfolger Amnon seine Halbschwester Thamar, (sein zweiter Sohn war wohl jung gestorben,) und sein dritter Sohn Absalom tötete Amnon zur Vergeltung. Er rebellierte dann gegen seinen Vater, machte sich zum König und kam in der Schlacht gegen Davids Heer um. Aus der Bibel kann man lernen, dass auch gottgefällige Menschen fehlbar sind, sündig werden können und trotz Einsicht, Reue und Vergebung dann die Folgen der bösen Tat tragen müssen. Als hingegen Mohammed seinem Adoptivsohn die Frau wegnahm, überbrachte Gabriel Allahs Einverständnis. Die Lehre daraus lautet höchstens, dass Gott (Allah) es im nachhinein rechtfertigt, wenn sein Prophet ohne Rücksicht auf die Regeln des Zusammenlebens seiner Begierde folgt. Ebenso rechtfertigte Gabriel es nachträglich, als Mohammeds Leute im heiligen Monat einen blutigen Raubzug unternommen hatten.
Sieg über andere Religionen
Ganz nach Mohammeds Vorbild, der mit militärischer Überlegenheit die Stämme Arabiens unter dem Islam vereint hatte, schlug nach seinem Tod der erste Kalif Abu Bakr die Aufstände einiger Stämme nieder. Nach Mohammeds eigenen, nicht mehr ausgeführten Plänen begannen die Moslems unter den ersten Kalifen mit der Eroberung aller erreichbaren Länder und dem Aufbau eines Weltreichs unter dem Banner des Islams. Natürlich ergibt sich aus dem islamischen Weltbild zwangsläufig, dass den Menschen in allen Ländern ermöglicht werden sollte, den Islam anzunehmen. Aber die Weitergabe des Glaubens kann auch durch bloße Verkündigung und ohne die Errichtung einer Herrschaft erfolgen. Jesus hatte die gewaltfreie Mission aufgetragen, und sie entspricht auch der plausiblen und durch die irdische Wirklichkeit bestätigte Anschauung, dass Gott den freien Willen der Menschen wahrt. In allen Regionen ihrer Herrschaft übten jedoch die Moslems Druck und Zwang auf die Unterworfenen aus, den Islam anzunehmen. Die Bekämpfung und Beseitigung einer Herrschaft, welche die vom Islam Unterrichteten womöglich von der Religionsausübung abhält, gehört dann ebenso zu den Zielen der Moslems. Islamgelehrte behaupten deshalb, dass die unterworfenen Völker von den Moslems aus den Händen grausamer Diktatoren befreit wurden. In Wirklichkeit unterwarfen die Moslems die Menschen in den eroberten Ländern der totalitären und grausamen Diktatur des islamischen Systems.
Schon bei ihren Eroberungen töteten sie oft die wehrfähigen Männer, verschleppten Frauen und Kinder in die Sklaverei, brannten Städte nieder, zerstörten Kulturstätten und Sakralbauten oder wandelten sie in Moscheen um. Besonders grausam wüteten sie auch in Indien, wohin die Araber von 712 bis 745 zum erstenmal vordrangen. Der erste türkische Sultan, Mahmud der Große, unternahm zwischen 1001 und 1026 Raubzüge in dieses Gebiet. Sultan Mohammed von Ghor besiegte 1192 die Hindu-Kleinfürsten. Sein Feldherr Aibak erweiterte das islamische Herrschaftsgebiet und errichtete 1206 das Sultanat von Delhi, das bis 1526 bestand. Forscher schätzen, dass die Moslems bei ihren Einfällen in fremde Länder und bei ihrer langdauernden Herrschaft in diesen 80 Millionen Hindus, 10 Millionen Buddhisten und 60 Millionen Christen töteten. Im Zusammenhang mit der Aushebung von Sklaven, besonders in Afrika, brachten sie schätzungsweise 120 Millionen Menschen den Tod. Insgesamt gehen geschätzte 270 Millionen Tote auf das Konto des Islams (siehe „http://europenews.dk/de/node/42749“).
Auf Grund von Gabriels Rede und ihrer Bekräftigung und praktischen Umsetzung durch Mohammed fühlten und fühlen sich die Moslems also berechtigt, ja verpflichtet, den Juden und den Christen zu verbieten, Inhalte ihrer Heiligen Schrift Andersgläubigen bekannt zu geben, beispielsweise die Geschichte von Davids Ehebruch, und erst recht, ihren Glauben insgesamt zu verkünden. Unter Berufung auf Koran und Sunna treten die Moslems vor die Juden und die Christen mit sinngemäß folgenden Worten: „David war ein Prophet des Islams, er ist unser Prophet, und über ihn darf nichts anderes mehr gesagt werden, als was uns durch Gabriel geoffenbart wurde und was unsere Gelehrten daraus abgeleitet haben. Nur das ist die Wahrheit, und anders lautende Worte, die in eurer verfälschten Bibel stehen, beleidigen einen unserer Propheten und dürfen bei Strafe nicht mehr gesagt werden.“
Auf die gesamten Glaubensinhalte der biblischen Religionen verallgemeinert, entspricht dieser Anspruch überhaupt dem Auftreten des Islams ihnen gegenüber, der in folgende Worte gefasst werden könnte: „Wir, die Moslems, wissen, wie eure Religion richtig aussehen müsste und was in eurer Bibel richtig und falsch ist, weil der Erzengel mit unserem Propheten geredet hat. Was er gesagt hat, steht ganz genau im Koran und stimmt, denn es kommt direkt von Gott, und Mohammed hat es richtig erklärt und befolgt. Ihr dürft, wo wir das Sagen haben, nicht mehr öffentlich und schon gar nicht vor Moslems darüber reden, was in der Bibel steht, weil das nämlich zumeist falsch ist und insgesamt zu einem falschen Glauben führt, den Allah verabscheut und mit der Hölle bestraft. Deshalb dürft ihr euere Religion nicht weitergeben und seid Feinde Allahs und ganz schlechte Menschen und müsst von uns bekämpft und unterworfen werden.“ So und nicht anders sieht die islamische „Freiheit in Glaubensdingen“ aus.
Wo es den Moslems aufgrund ihrer Herrschaft möglich ist, setzen sie dieses Verbot der Missionierung sowie der sichtbaren Religionsausübung auch durch, wie man in den Ländern des Islams gerade heute wieder verstärkt beobachten kann. Das ist genau der Punkt, den die Glaubenslosen und die mit Abneigung gegen das Christentum Erfüllten im Westen nicht bedenken und wohl auch gar nicht verstehen: Die zugewanderten Moslems fügen sich, von fundamentalistischen Verbandsfunktionären angestachelt, in der Masse voraussichtlich nicht in die laizistische demokratische Ausnahmegesellschaft ein, sondern wandeln sie in eine islamische, schariakonforme Gesellschaft um, sobald sie zahlen- und kräftemäßig stark genug sind. Dass sie sich auf dem Weg zu der Möglichkeit, das zu tun, befinden, beweist die demographische Entwicklung.
Ali (ibn Abi Talib) war Mohammeds Cousin, enger Vertrauter, Schwiegersohn und Anhänger von Anfang an und der letzte der „vier rechtgeleiteten“ Kalifen, und ist somit verpflichtendes Glaubensvorbild für die Moslems. Im Koran selbst werden 100 Peitschenhiebe für Ehebruch (24;2) und 80 Peitschenhiebe für eine unbewiesene Beschuldigung der Untreue einer Frau (24;4) angeordnet. Die Auspeitschung mit 160 Hieben konnte wohl unter Umständen den Tod des Verurteilten zur Folge haben. Somit verhält es sich bezüglich der Missionierung durch Ausdehnung des Herrschaftsbereichs wie auch der Aussagen des Islams insgesamt so, dass es der Wahrheit nahe kommt, wenn man die Behauptungen ins Gegenteil verkehrt. Der Islam ist überdies die einzige Religion, welche mit dem grundlegenden Anspruch auftritt, andere Religionen zu berichtigen. Die christliche Frohbotschaft erklärt sich ja als schlüssige Vollendung der jüdischen Religion auf höherer Ebene, nicht als deren Wiederherstellung in der ursprünglichen Form, während der Islam den Gottesglauben Abrahams wieder zu errichten behauptet und dabei das Judentum und das Christentum auszulöschen versucht.
B. Kritik an den biblischen Religionen und ihren jeweiligen Anhängern
Der Islamgelehrte gibt die Zweifel eines „bekannten jüdischen Theologen“ wieder: „Obwohl wir zweitausend Jahre gewartet haben, ist noch kein Retter zu uns gekommen. Jesus war allem Anschein nach doch der wahre Messias. Wir haben unseren Retter nicht recht gewürdigt und diesen großen Propheten aufs Kreuz geschlagen.“ ([1], S. 17). Der Schlussfolgerung aus diesem berechtigten Zweifel mag der Gelehrte freilich nicht beitreten, denn er will sicherlich nicht zum Christentum hinführen. Vielmehr greift er Kritik am Judentum und am Christentum auf, gleich aus welcher Ecke sie kommt, ohne dass klar wird, worauf er hinaus will. Offenbar will er einfach die Glaubwürdigkeit der biblischen Religionen untergraben, um dadurch diejenige des Islams entsprechend zu erhöhen. So erwähnt und zitiert er zum Beleg wiederholt kirchenfeindliche Schriftsteller des Westens wie beispielsweise Voltaire (1694-1778, Haupt der französischen Aufklärung, Kritiker überlieferter Ordnungen von Adel und Kirche), ohne auf die Stichhaltigkeit ihrer Argumente näher einzugehen, und berichtet von „Gegnern der Konzilsdogmen“ wie Arius, Papst Honorius, Martin Luther (1483-1546) und König Heinrich VIII. von England (1509-1547) ([1], S. 22, 29 und 284). Papst Honorius I. (625-638) verstieg sich unüberlegt in die christologische Auffassung von zwei Naturen und einem Willen in Jesus, die nach ihm von den Päpsten und dem nächsten Konzil wieder verworfen wurde.
Ein Brockhaus-Eintrag vom „Menschensohn“ Jesus beweist dem Autor, „dass der gebildete Christ heute Jesus nicht als Gottessohn anerkennt.“ ([1], S. 30). Auch der Kreuzestod Jesu sei widerlegt: „Die neuesten Forschungen der christlichen Historiker haben die Ansicht bekräftigt, dass Jesus lebendig vom Kreuz heruntergeholt worden sei … schon heute ist die Ansicht, ‚dass Jesus am Kreuz gestorben sei und Gott-‘Vater’ seinen einzigen Sohn zum Heil der Sünder aufopferte’‚ von Grund auf in Frage gestellt.“ ([1], S. 17). Hier geht es nicht um Wahrheit, sondern um Unglaubhaftmachung, denn „die Religion Islam berichtet“, dass anstelle von Jesus Judas Ischariot gekreuzigt wurde, „der ihn gegen Zahlung einer kleinen Gebühr den Römern verkauft hatte“ ([1], S. 17). Der Islam „berichtet“, als sei er dabei gewesen, und von der „kleinen Gebühr“ in der Gestalt von 30 Silberlingen konnten die Tempelpriester immerhin einen Acker für einen Fremdenfriedhof kaufen. Noch gewagter erscheint die Behauptung, „die Kirche … hegt die Auffassung des einzigen Gottes (Allah), weil sie selbst festgestellt hat, dass niemand an die Dreieinigkeit glaubt.“ ([1], S. 96).
Weitere Kritik am christlichen Glauben übernimmt der Gelehrte aus einem Artikel von Ernest O. Hauser, USA, von 1979, der den christlichen Glauben aus atheistischer Sicht zu widerlegen versucht: Aus den Worten des Theologen Rudolf Bultmann (1884-1976; Vertreter der „dialektischen Theologie“ und der „Entmythologisierung“) „Es ist unmöglich, dass einer, der zuhause Strom hat und Radio und Fernsehen benutzt, an utopische Wunder in der Bibel glaubt.“ leitet jener ab, „dass die Diskussionen über die erwähnten Wunder heutzutage zum Abschluss gebracht worden sind. Und fast keiner glaubt an die Wunder in der Bibel.“ Auch ein „bekannter Metropolit“ (Bischof der orthodoxen Kirche) habe sich ähnlich ausgedrückt: „Man kann ein wahrer Christ sein, auch ohne an die Wunder des Propheten zu glauben.“ ([1], S. 119).
Den mangelnden Wunderglauben kreidet der Islamgelehrte den Christen wiederum an, ganz nach dem islamischen Schema, dass nicht die Christen, sondern die Moslems Jesus auf wahrhafte Weise verstehen und verehren, wenn auch als bloßen Propheten mittleren Ranges, der den Islam verkündet und praktiziert habe. Allerdings halten diese aufgeklärten Denker des Westens und viele Christen, sehr zum Missfallen des Islamgelehrten, dann auch die im Koran erwähnten Wunder Jesu, die von Allah erschaffen worden seien, für utopische Vorstellungen, was in diesem Fall sogar gegen die Wissenschaft verstoßen würde. Der Schöpfer, der alles „vom Atom bis zur Sonne“ erschuf und wie eine Maschine funktionieren lässt, könne auch Wunder wirken, die als außerhalb der Naturwissenschaft stehend zu betrachten seien (siehe [1], S. 121). Nur weil Jesu Wunder (Heilung von Blindgeborenen und Aussätzigen, Totenerweckung) im Koran bestätigt seien (eigentlich werden sie wegen der gewundenen Ausdrucksweise doch nicht wirklich anerkannt – 3;49), gelten sie den Moslems als wahr, denn der Koran ist selbstverständlich wahr und geht sogar mit Wissenschaft zusammen. Stünden Jesu Wunder nur in der Bibel, aber nicht im Koran, würden Moslems sie womöglich als Aberglauben bezeichnen.
Vorwurf der Grausamkeit der christlichen Religion
Sodann werden Gewaltakte und Grausamkeiten aus dem Alten Testament gegen die Christen ins Feld geführt, wie die Kriegsgesetze in 5.Mose 20: Bei kampfloser Übergabe einer Stadt werden die Bewohner zur Zwangsarbeit verpflichtet. Widerstand zieht Belagerung nach sich. „Und gibt der Herr, dein Gott, sie in deine Hand, dann sollst du all ihre Männlichen mit der Schärfe des Schwertes erschlagen. Doch die Frauen und die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, all ihre Beute, sollst du für dich rauben. Und du sollst von der Beute deiner Feinde essen, die der Herr, dein Gott, dir gegeben hat.“ Diese klassischen Kriegsregeln des Altertums wurden genauso von Mohammed praktiziert und von Gabriel bestätigt (8;41, 69; 59;7). Mit welcher Begründung also könnten Moslems den Juden einen Vorwurf machen, wenn sie diesen Teil des Mosaischen Gesetzes heute beachten würden? Aber sie werfen ja den Christen vor, dass das ihre Gebote seien. Den Juden wurden Kriegszüge auch nur fallweise von Gott befohlen, damit sie das verheißene Land einnehmen und fortan verteidigen konnten. Ihnen war nie die Welteroberung vorgeschrieben, wie den Moslems.
An der gleichen Bibelstelle wird verfügt: „Wenn du eine Stadt viele Tage belagerst, um … sie einzunehmen, sollst du ihre Bäume nicht vernichten … du kannst von ihnen essen, du sollst sie nicht abhauen. Ist etwa der Baum des Feldes ein Mensch, dass er von dir mitbelagert werden sollte? Nur die Bäume … von denen man nicht isst, die darfst du … umhauen. Und du kannst Belagerungsgerät davon bauen …“ (5.Mose 20,19-20) Diese Verfügung im Mosaischen Gesetz imponiert als einleuchtend, fair und gerecht. Als Mohammed den jüdischen Stamm der Banu Nadir in der Nähe von Medina sechs Tage erfolglos belagert hatte, ließ er ihre Dattelpalmen außerhalb der Befestigung abbrennen und bewog sie dadurch zu Verhandlungen. Sie zogen schließlich mit allem, was sie mitnehmen konnten, ab und überließen den Ort den Moslems. Mohammed handelte also nicht fair und gerecht und auch nicht prinzipientreu, sondern situationsabhängig und erfolgsorientiert, und der Erfolg gab ihm Recht. Hier verstieß er gegen das Mosaische Gesetz, dessen diesbezügliche Anweisung er allerdings kaum gekannt haben dürfte. Dass er als angeblicher Prophet Gottes so handelte und im Islam als sündelos gilt, schließt daher in sich, dass Gott seit Moses die Kriegsregeln geändert habe. Dieses Detail betrifft nur einen von vielen Punkten, in denen Koran, Sunna und Scharia in der gleichen Sache andere Regelungen treffen, als das Mosaische Gesetz.
Ein anderes Beispiel betrifft den Diebstahl, für welchen der Koran die abschrecken sollende Strafe des Handabhackens als Zeichen der Weisheit Allahs vorsieht (5;38). Im mosaischen Sittengesetz muss der gefundene Dieb zurückerstatten und den Bestohlenen so stellen, als sei der Diebstahl nicht geschehen, womit der Rechtsfrieden wieder hergestellt ist. Jesus sagte sogar: „Gib jedem, der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück! Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, tut ihnen ebenso!“ (Luk. 6,30-31).
Wenn jemand durch Diebstahl ihren Besitz schmälert, ist es den Moslems also von Gabriel freigestellt, über den Diebstahl so in Wut und Rachsucht zu verfallen, dass sie den Dieb verstümmeln lassen und damit fürs ganze Leben strafen. Diese Strafe für Diebstahl hat wohl nichts mit Gottes Weisheit zu tun, sondern damit, dass Gabriel die Moslems zu Besitzgier anstachelt. Dadurch treibt er sie an, wegen der Aussicht auf Beute fremde Länder zu erobern, um den Menschen dort in der Folgezeit den Islam aufdrängen zu können. „Es muss betont werden, dass der Hauptzweck der frühen Feldzüge darin bestand, Beute zu machen, und nicht der Verbreitung des Islam durch Bekehrung oder der Vergrößerung des islamischen Staates diente.“ (W. Montgomery Watt: Kurze Geschichte des Islam [3], S. 35). Dass nach der Scharia das Zufügen eines materiellen Verlustes mit einer Verstümmelung des Körpers beantwortet wird und eine widerrechtliche Tötung mit einer finanziellen Entschädigung geregelt werden kann, kommt gegenüber dem Mosaischen Gesetz einer Verkehrung des Wertunterschiedes zwischen Menschenleben und Materie gleich.
Nach irdischem Besitz strebt der Mensch von Natur aus, dazu muss er nicht erst von einer Offenbarung angehalten werden. Der Dekalog verbietet das Stehlen, das Gesetz Moses’ regelt den Diebstahl vernünftig und unaufgeregt, die christliche Botschaft ruft auf, irdischen Besitz als notwendige Gegebenheit gerecht zu handhaben, ohne ihm eine höhere Bedeutung zu verleihen und das Herz an ihn zu hängen. Eine Lehre, welche die Besitzgier verstärkt, kann kaum als religiös durchgehen. Auch in dieser Hinsicht erweist sich der Islam wieder als pseudoreligiöse Gewaltideologie, welche das Schlechte gebietet und die Anhänger nicht zu einer moralischen Besserung oder zu einem spirituellen Fortschritt führt.
Dem Volk Israel, das vor dem Einzug in das Gelobte Land stand, gebot Gott durch Moses von der Regel abweichend, dass sie die bisherigen Bewohner, über die er sie siegen lassen würde, ausnahmslos töteten, „damit sie euch nicht lehren, nach all ihren Gräueln zu tun, die sie ihren Göttern getan haben.“ (5.Mose 20,16-18) Schon dem Abraham hatte Gott versprochen, seinen Nachkommen das Land zwischen Nil und Euphrat zu geben (1.Mose 15,20). Moses wurde berufen, das Volk Israel aus der Knechtschaft in Ägypten dorthin zu führen (2.Mose 3,8 und 17; 23,23-24). Auf das Geheiß Gottes schickte Moses Kundschafter in das Land, das noch die Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter bewohnten. Weil die Kundschafter dem Kämpfen abgeneigt waren und kein Gottvertrauen hatten, übertrieben sie die Stärke dieser Völker und machten die Israeliten verzagt, so dass sie Gott untreu wurden und das Land nicht einnehmen wollten. Deshalb mussten die Kinder Israel bekanntlich noch vierzig Jahre in der Wüste umherziehen, bis die Gott Untreuen gestorben waren. Danach überschritten sie von Osten her den Jordan und eroberten zuerst Jericho, wo sie auf Gottes Geheiß außer den Bewohnern auch das Vieh – Rinder, Schafe und Esel – töteten (Josua Kap. 6).
Deshalb greift der Gelehrte Christen wegen ihres Glaubens an: „In eurer Bibel stehen Anordnungen, die euch gegen hilflose Menschen zu grausamer Übeltat anreizen. Dieser in eurer Bibel stehende Befehl hat mit Barmherzigkeit des Christentums nichts zu tun … Dieses ist ein furchtbares Beispiel für Grausamkeit. Das heißt, Ihre Religion befiehlt Ihnen, Grausamkeiten zu verüben. Dagegen gibt es in unserem heiligen Buch Koran kein Wort darüber, gegen den Feind eine solche Behandlung zu begehen. Umgekehrt handelt der heilige Koran stets von Mitleid, Barmherzigkeit und Verzeihung. Wie können also die christlichen Geistlichen wagen zu sagen, dass der Islam zur Grausamkeit aufreize und das Christentum dagegen eine Religion des Mitleids sei?“ ([1], S. 213f.)
Die richtige Erklärung des christlichen Nachbarn, eines Pfarrers, die damalige Anordnung Gottes an das Volk Israel sei für die Christen kein Gebot, lässt der Moslem nicht gelten. Der auf abwegige Weise konstruierte Vorwurf alttestamentlicher Grausamkeit an die Christen folgt erkennbar dem Schema, sich selbst als lammfromm und als unschuldiges Opfer zu stilisieren und alles Übel den Anderen in die Schuhe zu schieben. Gerechtfertigt wird diese abenteuerliche Herleitung zweifellos wiederum aus dem islamischen Wahrheitsanspruch. Der Gelehrte setzt seine Verdammungsrede fort:
„Jede Religion hat ein Heiliges Buch. Die Angehörigen dieser Religion sind verpflichtet, an alle Texte ihres Heiligen Buches von Anfang bis zum Ende zu glauben … Das Heilige Buch der Christen ist das Evangelium. Sie müssen also alle Kapitel in der Bibel anerkennen. Sie haben kein Recht dazu, Ihr Heiliges Buch, die Bibel zu klassifizieren mit Auffassungen wie ‚Dieser Teil ist das Alte Testament, er gehört den Juden und bezieht sich nicht auf Jesus, sondern auf Moses.’ Sie dürfen einen Teil der Bibel nicht ablehnen, während Sie an einen anderen Teil glauben. Sie müssen an die Bibel im Ganzen glauben. Wenn dieser Text im Kapitel Deuteronomium [5.Mose] der Bibel mit dem Christentum nichts zu tun hat, so waren doch Ihre Religionsräte in der Lage, den erwähnten Text aus der Bibel wegzunehmen, oder aller Welt bekannt zu machen, dass dieser Text ein Aberglaube sei, der später in die Bibel hinzugefügt wurde. Es versteht sich leicht, dass Sie diesen Text auch für Gottes Befehl halten, da dazu nichts unternommen wurde. Demnach werden wir in die Lage versetzt anzunehmen, dass das Christentum eine sehr grausame, brutale Religion ist, die kein Mitleid kennt und alle Menschen vernichten will.“ ([1], S. 214f.)
In diesem rhetorischen Amoklauf verlegt der Islamgelehrte alle Grausamkeit – sogar eine Vernichtungsabsicht gegen die Menschheit – in das unliebsame Christentum, während er anderswo die zahlreichen Gewaltaufrufe, Kriegsanordnungen und Tötungsbefehle im Koran leugnet. Seine Ausführungen belegen hier besonders deutlich, dass Moslems im Zustand der inneren Abspaltung und der psychischen Projektion leben, um vor sich und vor Nichtmoslems das Idealbild ihrer Religion aufrecht erhalten zu können. „Die Anstrengungen der christlichen Geistlichen … zu beweisen, dass der Islam eine grausame Religion sei, verlaufen immer erfolglos, da sie im heiligen Koran diesbezüglich kein Wort finden können. Beweist außerdem dieses obenerwähnte Thema im Alten Testament der Bibel nicht, dass nicht der Islam, sondern das verdorbene, veränderte Christentum eine grausame Religion ist?“ ([1], S. 218).
Zum einen macht sich der Gelehrte, indem er jegliche Gewaltaufrufe im Koran bestreitet, vor allen, die den Koran lesen können, also auch vor den Moslems selbst, unglaubwürdig. Zum anderen haben die Moslems das Alttestamentliche mit den erwähnten grausamen Vorschriften in einer schrecklichen Verzerrung zur endgültigen Religion erhoben und das Christentum, welches über das Alttestamentliche hinausgeht und das sie selbst „barmherzig“ nennen, unterschlagen. Daher ist es doppelt widersinnig und am ehesten wieder durch Abspaltung und Projektion erklärbar, dass dieser Islamgelehrte den Christen alttestamentliche Grausamkeit vorwirft. Hier macht sich Verdrehung auf der ganzen Linie bemerkbar. Ist es schon für die Juden fragwürdig, nach Jesus das Judentum als auserwähltes Volk fortzuführen, so ist außerdem der islamische Anspruch, dass die Araber, später alle Moslems eine abrahamitisch-mosaische Gesetzesreligion mitsamt der Funktion des auserwählten Volkes von den Juden übernommen haben und auf alle Völker der Welt auszudehnen haben, vollends absurd. Je mehr sich ein Moslem in die Begründung seines Glaubens vertieft, desto weniger klar kann sein Denken sein.
Der Autor zeichnet vor den Moslems, welche ja die Bibel nicht kennen sollen und dürfen, das Bild, dass die Grausamkeiten, welche in der Geschichte von Christen ausgingen, mit ihren angeblichen – alttestamentlichen – Geboten übereinstimmten, während sie in Wirklichkeit gerade gegen Jesu Gebote eklatant verstießen. Wie auch westliche Kirchenkritiker, führt er in intellektueller Unredlichkeit schlechtes Handeln von Christen zum Beweis für die Schlechtigkeit des christlichen Glaubens und die Falschheit des Evangeliums selbst an. Sodann ignoriert er, dass das Evangelium in der Bibel nur einen Teil, und zwar den letzten ausmacht. Er übergeht die Selbstdarstellung des Christentums, dass das Alte Testament nur zur Kenntnis des früheren Wirkens Gottes und zum Verständnis der Vorgeschichte des endgültigen Heilsgeschehens beibehalten wird, wobei das von Moses verkündete allgemeine Sittengesetz ohne seine Strafen weitergilt, und situationsbezogenen Kriegsanweisungen für das Volk Israel gerade keine zeitlose Gültigkeit als Gebot zukommt, und schon gar nicht für die Christen.
Ein solches differenzierendes Verständnis wie auch ein Studium christlicher Literatur als Weg dahin erspart sich der Islamgelehrte, offenbar um das Christentum umso leichter verdammen zu können. Als Vorlage dient ihm wieder das islamische Vorurteil, eine Heilige Schrift müsse ein Wort für Wort von Gott diktiertes Buch sein, so wie es der Koran sei; und deshalb sei, analog zum Koran, jeder Satz in der Bibel, so lange er drinstehe und nicht als Fälschung entfernt sei, unterschiedslos für die Gläubigen verpflichtend. Genauso könnte man willkürlich fordern, dass ein von Gott diktiertes Buch, wie es der Koran sein will, Glaubenslehren ähnlich wie in einem Katechismus thematisch geordnet vermitteln müsse. Dann könnte man daraus, dass der Koran dem nicht entspricht, wiederum schließen, dass er nicht von Gott stammen könne.
Allah und Iblis – Gott und Satan im Islam
Die Heftigkeit der zuvor zitierten, weder sachlich noch im Zusammenhang gerechtfertigten Tirade über die Grausamkeit der Christen und ihrer Heiligen Schrift macht im Übrigen hellhörig und erinnert an einzelne, ebenso unvermittelte Ausfälle gegen Christus und die Christen im Koran selbst. Dort heißt es beispielsweise: „Und wer hätte über Allah Macht, so er den Messias, den Sohn der Maria, und seine Mutter … vernichten wollte? (5;17), Für die Christen, die Jesus für Gottes Sohn halten – „Allah schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!“ (9;30-33). Oder: Maria sprach zum Engel: „Woher soll mir ein Knabe werden, wo … ich keine Dirne bin“ … Vor der Niederkunft unter einer Palme hatte Maria laut Koran Todesgedanken: „O dass ich doch zuvor gestorben … wäre!“ Ihre Nachbarn sagten, als sie mit dem Jesuskind kam: „O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne.“ (19;19-23) Ein andermal sagt Gabriel durch Mohammed: „… Fast möchte sich die Erde spalten (darob), dass sie Gott (Allah) einen Sohn beilegen …“(19;88-93).
Gabriel ist somit offenbar ein Geist, der leicht die Beherrschung verliert und ausfällig wird, wenn die Sprache auf Jesus, Maria und die Christen kommt. Das Urbild dieser Gegnerschaft wird in der Offenbarung so ausgedrückt: „Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die das männliche Kind geboren hatte … und ging hin, Krieg zu führen mit den Übrigen ihrer Nachkommenschaft, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben.“ (Offb 12,13-17). Wenn in den Worten des Korans gelegentlich die Abneigung gegen Jesus, Maria und die Christen durchbricht, zeigt Gabriel damit, leicht maskiert zwar, doch unverkennbar die gleiche Gesinnung wie der Drache in der Bibel. Seiner Gefolgschaft ist Gabriel folglich zuzurechnen. Mehr noch, der Koran schreibt Gott (Allah) selbst die Bestrebungen des biblischen Satans zu, wobei er dies in den Anspruch einschließt, die Bibel zu ersetzen und die biblischen Religionen endgültig bis zum Jüngsten Gericht zu korrigieren. Es läuft darauf hinaus, dass in den sechshundert Jahren zwischen Jesus und Mohammed Gott selbst sich die Gesinnung des Satans zu eigen gemacht habe, ja zum Satan geworden sei, was freilich schlechterdings absurd ist.
Eine Verkehrung der biblischen Botschaft in ihr Gegenteil überschreitet außerdem eindeutig den Rahmen einer Berichtigung. Über den Islam lässt sich deshalb sagen: „Vollendung der biblischen Religionen“ steht drauf, „Auslöschung der biblischen Religionen und Errichtung eines diametral entgegen gesetzten Glaubenssystems“ ist drin. Eine christentumsfeindliche Haltung ist deshalb Grundbestandteil des Glaubens aller Moslems.
Iblis – ein „offenkundiger“ Feind?
Ein nach dem Wortlaut des Korans „offensichtlicher“ Feind ist Satan (Iblis) nur für die Menschen, welche seine listigen Anschläge durchschauen, jedoch ist dies praktisch niemand möglich, da Satans Intelligenz dem Verstand eines Menschen weit überlegen ist. Jedoch ist das Durchschauen seiner Listen gar nicht nötig, und der Erdenmensch tut gut daran, sie nicht analysieren zu wollen, sondern sich ganz auf die Ausübung der Tugenden wie Demut und Sanftmut zu konzentrieren als Vorkehrung dagegen, seinen Einflüsterungen Gehör zu schenken und sich von seinen Störversuchen, für die er oft beeinflussbare Mitmenschen benutzt, beeindrucken und ablenken zu lassen. Jesu Mutter Maria übte diese Tugenden vorbildlich.
Ähnlich lehrt der Islam, dass der Gläubige durch strenge Befolgung der religiösen Gebote und Vorschriften hinsichtlich Einstellungen, Haltungen und Handlungen vermeidet, den Einflüsterungen Satans zu folgen. Doch im Unterschied zur christlichen Anschauung sind nicht durchgehend göttliche Merkmale geboten, weil ja schon das Gottesbild mit Eigenschaften von dessen Gegenspieler durchsetzt ist: Listigkeit, Irreführung, Willkür, Grausamkeit, Rachsucht, Unbarmherzigkeit, Vorherbestimmung der Verdammung usw. Der Moslem soll hart gegen die Anders- und Ungläubigen sein, die Herrschaft der Diener Allahs mit militärischer Gewalt errichten, die islamische Ordnung in seinem Umfeld mit Gewalt aufrechterhalten etc. Allah schreibt gemäß der Rede Gabriels Ungöttliches vor, und dessen Befolgung führt und befähigt nicht dazu, den Einflüsterungen des „offenkundigen“ Feindes zu widerstehen, wie auch die Hilfe aus dem Erlösungswerk Jesu zur Befreiung aus der Knechtschaft im Islam geleugnet wird. In Mohammeds Religion erscheint der Abwehrkampf gegen Satan nur deshalb einfach und entschieden, weil der Befreiungsversuch noch gar nicht richtig begonnen hat.
Mohammed sei, was wie eine Parallele zu Jesus aufscheint, Herr auch über den Satan gewesen. „Der heilige Prophet bekehrte … seinen Mitgänger (Dschinn) zum Islam.“ ([1], S. 191). Dschinne sind im Islam Geister, unkörperliche Wesen, die ähnlich wie die Menschen gut oder schlecht sein können. „Jeder Mensch hat einen Mitgänger von Geistern (Dschinnen). Dieser ist ungläubig, er flüstert immer Schlechtes ein, versucht, dass der Mensch aus dem Islam austritt und dass er Übeltat begeht.“ ([1], S. 191). In christlicher Anschauung ist diese Funktion den Geistern im Gefolge Satans zuzuschreiben, also seinen Dämonen und Teufeln und den unverkörperten Menschenseelen in seinem Anhang. Beim Dschinn-Begriff bleibt unerwähnt, dass die zum Schlechten verleitenden Geister unter der Herrschaft des Satans stehen.
Mohammed habe also einen schlechten Dschinn – seinen persönlichen Mitgänger – aus der Gewalt des Satans befreit. Aber er konnte auch diesen selbst bändigen. „Der heilige Prophet fing während seines Gebets den Satan, der versuchte, sein Gebet ungültig zu machen. Nachdem der Satan versprach, dass er nicht wiederkommen würde, um sein Gebet ungültig zu machen, ließ er ihn frei.“ ([1], S. 191, Wunder Nr. 72). Bei den Moslems können nicht nur Fehler im Vollzug, sondern auch äußere Störungen das Gebet ungültig machen, beispielsweise wenn eine Frau oder ein Hund (unreines Tier) innerhalb von etwa 50 Metern vor dem in Richtung Mekka Betenden sich sichtbar aufhält oder vorübergeht. Auch christliche Symbole und Bilder in Sichtweite stören ihr Gebet, wie ein Kreuz oder ein Bild des gekreuzigten und auferstandenen Jesus.
Jesus beließ wie Gott selbst dem Satan die Wirkungsfreiheit, aber er wies die Vorstellungen Satans für sich zurück, weil Gottes Wort und Wille etwas anderes besagten, und übernahm die Verantwortung für sein eigenes Handeln. Er folgte dem Satan nicht, und Satan konnte ihn zu nichts zwingen. Er ließ sich beim Beten nicht von Satans Störversuchen beeindrucken oder ablenken. Unter dieser Voraussetzung ist kein Anlass zu sehen, dass Gott ein Gebet wegen Handlungen Unbeteiligter nicht gelten lassen sollte. Nach der Offenbarung des Johannes wird der Satan nach dem Wüten des Antichrists von einem Engel auf tausend Jahre gebunden werden (Offb. 20,1-3).
C. Kritik an der Entwicklung der kirchlichen Theologie
Frühkirchliche theologische Auseinandersetzungen
Auf unglaubhafte Weise werden die innerkirchlichen Auseinandersetzungen um die Dreifaltigkeitslehre aufgegriffen mit den Worten eines Gelehrten namens Destan Mustafa, der wiederum aus „einem historischen Buch, das sich auf diese Zeit bezieht und vom Französischen ins Arabische übersetzt wurde“, schöpft: „Die Auffassung der ‚Dreieinigkeit’ wurde zuerst 200 Jahre nach Christi Geburt von einem Pfarrer namens Sibelius aufgestellt. Bis zu dieser Zeit glaubte man nur an den einzigen Gott und an Jesus als Propheten. Diese Idee von Sibelius wurde von mehreren Christen streng zurückgewiesen, und es brachen blutige Kämpfe zwischen den Kirchen aus, und dadurch wurde viel Blut vergossen … dass man das Kreuzzeichen als heiliges Symbol anerkannt hat, führte die Christen zu verschiedenen Divergenzen und zu blutigen Kämpfen.“ ([1], S. 284)
Weil die frühkirchliche Entwicklung der Glaubensinterpretation die interessante und wichtige Frage nach dem ursprünglichen Sinn der christlichen Frohbotschaft berührt, sei sie hier über die Entgegnung auf die islamische Gelehrsamkeit hinaus etwas ausführlicher behandelt. Die nachfolgende Beschreibung der Kanonisierung des Neuen Testaments beantwortet ebenso die islamische Kritik an den Evangelien. Gemäß der frühchristlichen Kirchengeschichte trifft zu, dass zwischen etwa 150 und 800 n. Chr. verschiedene neue Lehren hinsichtlich der drei Personen Gottes und anderer Themen auftraten, die dann von Bischöfen, Päpsten und Konzilien geprüft und meist als Häresien verworfen wurden. Vielleicht meint Mustafa den Priester Sabellius von Ptolemais (Küstenstadt Palästinas, in Höhe des Sees Genesareth), der um 200 über Libyen nach Rom kam und der Wortführer der Monarchianer war. Diese hoben im Gegenteil die Unterscheidung der Personen in der Dreifaltigkeit auf. Vater, Sohn und Heiliger Geist seien lediglich aufeinander folgende gleichrangige Erscheinungsweisen (Modi) des einen Gottes in der Offenbarung, weshalb diese Häresie auch Modalismus genannt wurde. Demnach habe Gottvater im Sohn gelitten. Paul von Samosata, ab 260 Bischof von Antiochien (Mittelmeerstadt Syriens), ein anderer Vertreter dieser Richtung, sah Christus als vergöttlichten Menschen, nicht als inkarnierten Gottessohn.
In das andere Extrem gingen Anschauungen, welche Jesus als eigene göttliche Person bezeichneten (Ditheismus) und vom Presbyter (Gemeindeältesten) und Gegenpapst Hippolyt (170-235) vertreten wurden, oder den dreifaltigen Gott durch drei Götter ersetzten. Nach anderen abweichenden Anschauungen war Christus in der Zeit geschaffen, und bis zu seiner Taufe im Jordan ein gewöhnlicher heiligmäßiger Mensch. Danach sei er von göttlicher Kraft erfüllt und quasi vergöttlicht gewesen und von Gott als Sohn „adoptiert“ worden (Adoptianer unter Theodotus von Byzanz, Asklepiodotus und Natalius, um 190). Eine ähnliche Lehre entstand gegen Ende des 8. Jhts. noch einmal in Spanien: In seiner menschlichen Natur sei Christus von Gott nur adoptiert, nicht wahrer Gottessohn. Der Adoptianismus wurde unter Karl dem Großen (747-814) auf Synoden in Deutschland als häretisch verurteilt.
Die Sekte der Ebioniten (entstanden um 140) leugnete die übernatürliche Empfängnis Jesu und hielt sich ausschließlich an das Matthäusevangelium. Ebenfalls um 140 verbreitete der Gnostiker Markion von Pontus in Rom, das Alte Testament sei zu verwerfen, da sein Gottesbild nicht neben dem von Jesus geoffenbarten bestehen könne. Die Marcioniten ließen nur das Lukasevangelium gelten. Der Verfechter des Marcionismus wurde unter Papst Pius I. 144 auf einer Synode exkommuniziert. All diese und ähnliche neue Glaubensinterpretationen wirkten fort und wurden, ebenso wie später hinzukommende, auf Synoden und Konzilien als Irrlehren verworfen.
Andere Bewegungen vertraten einen moralischen Rigorismus. Der neubekehrte Montanus aus Phrygien (heutige Westtürkei) behauptete um 170 prophetische Inspiration, zog mit den zwei Prophetinnen Maximilla und Priscilla als Wanderprediger umher, sah das tausendjährige Friedensreich Christi nahe bevorstehend, verbot die Wiederheirat der Witwen und Witwer, verlangte strenges Fasten als Tor zu Geistoffenbarung und nannte Flucht vor Verfolgung eine Sünde. Der verdienstvolle Kirchenschriftsteller Tertullian (ca. 160-225) schloss sich am Ende seines Lebens dieser pneumatisch-charismatischen Richtung der Montanisten an.
Ein ebenso bedeutender Kirchenschriftsteller war der römische Presbytervertreter Novatian (200-258). Für ihn war Christus Gottvater untergeordnet, der Heilige Geist wiederum ihm. Der Novatianismus hielt sich im Westen bis ins 5. Jht., im Osten bis ins 7. Jht. In seinen Ansichten wechselte Novatian von Mäßigung zu Strenge, er lehnte die Wiederaufnahme von getauften Christen, die in der Verfolgung vom Glauben abgefallen waren, ab. Differenzen tauchten auch in der ähnlichen Frage auf, ob bei vorübergehend unter Verfolgung abgefallenen Bischöfen die Weihe als Kompetenz, Priester zu weihen, gültig blieb, was Rom bejahte. Als sein Kollege Cornelius 251 zum Papst gewählt wurde, erkannte Novatian die Wahl nicht an und ließ sich von gleichgesinnten Bischöfen zum Bischof weihen und zum (Gegen-)Papst ausrufen. Auf einer Synode in Rom wurde er exkommuniziert. Donatus, Bischof von Karthago, verbreitete ab 320 die Auffassung, dass Geistliche, die Todsünden begangen hatten, die Sakramente nicht mehr gültig spenden konnten (Donatismus). In Nordafrika bildete sich schnell eine abgespaltete Kirche, die sich trotz des Vorgehens Roms gegen sie noch dreihundert Jahre lang hielt.
Um 400 verneinte der britische Mönch Pelagius in Rom die Erbsünde und die Notwendigkeit von Gnade für das gute Werk, für das die eigene Willenskraft ausreichen sollte. Nur Adams Beispiel beeinflusse den freien Willen gegen das Gute. Ein irischer Mönch namens Cölestius unterstützte ihn darin. Ihre Lehre, der Pelagianismus, wurde auf den Synoden von Mileve (416) und Karthago (418) und auf dem Konzil von Ephesus (431) verworfen. Eine abgemilderte Version (Semipelagianismus) hielt sich in Gallien und wurde durch die Synode von Orange 529 verurteilt.
Der Priester Arius in Alexandria (gest. 336) verneinte die Wesensgleichheit Christi mit Gottvater, also seine Göttlichkeit. Christus sei von Gott erschaffen worden, damit er an seiner Stelle die Welt erschuf. Der Logos-Sohn sei die erste und höchste erschaffene Kreatur, leidensfähig und aus freiem Willen gut, aber nicht Gott. Arius wurde 320 exkommuniziert, der Arianismus wurde auf den Konzilien von 325 in Nicäa (heute Iznik/Türkei) und von 381 in Konstantinopel verurteilt. In Nicäa wurde ein Glaubensbekenntnis, das berühmte (Symbolum) Nicänum, beschlossen, das Christus wesensgleich, von einer Substanz mit dem Vater, nennt. Der Arianismus hielt sich lange bei den Völkern, die das Gebiet vom heutigen Deutschland bis zur Ukraine bewohnten. Im Osten verteidigten Athanasius von Alexandria (gest. 373) und Marcellus von Ankyra (gest. 376) die nicäische Orthodoxie gegen die zahlreichen Vertreter des Arianismus unter Eusebius von Nikomedia (gest. 342). Letzterer spendete Kaiser Konstantin dem Großen (280-337), der 313 die Christenverfolgung beendete und danach das Christentum sehr förderte, vor dessen Tod die Taufe und die Sterbesakramente.
Im Jahr 330 hatte der Kaiser die Stadt Konstantinopel als christliche Residenz gegründet. Später entstanden dort auffallend oft Lehrmeinungen, die von der Papstkirche verworfen wurden. Im Jahr 1054 trennte sich die Kirche von Konstantinopel endgültig von Rom. Nachdem Sultan Saladin 1187 Jerusalem den Christen wieder entrissen hatte und der dritte Kreuzzug erfolglos geblieben war, wurde der vierte Kreuzzug 1202 aufgrund von Intrigen nach Konstantinopel umgeleitet, das 1204 erobert wurde und zum Sitz eines bis 1261 bestehenden lateinischen Kaisertums wurde. Mit der Eroberung Konstantinopels am 29. Mai 1453 durch die Osmanen endete das oströmische Reich.
Bischof Macedonius von Konstantinopel führte die Semiarianer an und lehrte, dass der Heilige Geist nicht göttlich sei und unter dem Sohn stehe. Der Mazedonianismus wurde auf dem Konzil von 381 durch den Zusatz „filioque“ im Glaubensbekenntnis (dass der Heilige Geist auch vom Sohn ausgehe) verworfen. In der zweiten Hälfte des 4. Jhts. gründete der spanische Laie Priscillianus eine asketische Bewegung mit einer esoterischen Lehre gnostisch-manichäischer Richtung: Der Heilige Geist sei nicht an das kirchliche Amt gebunden. Er wurde 385 als Ketzer hingerichtet, was Papst Siricius missbilligte. Die Auffassung, anstelle der menschlichen Geistseele habe der Logos in Christus gewirkt (Apollinarianismus) wurde um 380 auf einer Synode unter Papst Damasus I. verworfen. Papst Siricius verurteilte um 395 die Auffassung des Mönchs Jovinian, dass Maria durch Jesu Geburt die Jungfräulichkeit verloren habe, und die Anschauung des Bischofs Bonosus von Naissus (heute: Nis/Jugoslawien), dass Maria nach Jesus Kinder Josephs geboren habe.
Schließlich verschärfte der syrische Priester und Patriarch von Konstantinopel Nestorius (gest. 451) die Unterscheidung der göttlichen und menschlichen Natur in Jesus zu einer Trennung derselben, so dass Maria nur den Menschen Jesus geboren habe. Im Konzil von Ephesus wurde 431 seine Auffassung verworfen und Maria „Gottesgebärerin“ genannt. Der Priester und Klostervorsteher Eutyches (gest. 454) in Konstantinopel meinte, Jesu menschliche Natur sei in seiner göttlichen aufgegangen und nicht mehr vorhanden, das Fleisch sei in Jesus von Anfang an vergöttlicht (Häresie der Eutychianer oder Monophysiten). Papst Leo I. entschied auf dem Konzil in Chalcedon am Bosporus 451 für die Lehre von den zwei Naturen in der Person Christi („unvermischt und ungetrennt“). Der Patriarch Sergius von Konstantinopel vertrat um 630 die Lehre, in Christus seien zwei Naturen, aber nur ein Wille gewesen (Monotheletismus). Papst Honorius I. äußerte sich dazu missverständlich, erst Papst Agatho verwarf die Anschauung auf dem Konzil von 681 in Konstantinopel.
Wie aus diesen spitzfindigen Querelen zu ersehen ist, begannen die Christen ein halbes Jahrhundert nach dem Tod der letzten Augenzeugen des Erdenwandels Jesu, sich immer weiter vom Kern der Frohbotschaft zu entfernen. Gemeindeleiter, Prediger und Lehrer verloren die tätige Nächstenliebe und die Nachfolge Jesu immer mehr aus dem Blickpunkt, dafür machten sie intellektuelle Debatten über theologische Differenzen immer mehr zur Hauptsache. Die religiöse und organisatorische Leitung des sich stark vergrößernden Verbreitungsgebiets des Christenglaubens stellte hohe Anforderungen und ließ den Wunsch nach Aufrechterhaltung der Einheit in Glaubensfragen vordringlich werden. Aus der unübersehbaren Zahl von Bischöfen und Gemeindevorstehern von Syrien bis nach Spanien einschließlich Nordafrika traten immer wieder Verfechter abweichender Glaubenslehren hervor, welche dann von den Bischöfen diszipliniert wurden. Ihre Anschauungen wurden in Rom bekannt, weil die Bischöfe dem Papst berichteten oder weil die Urheber oder Anhänger selbst in Rom auftraten.
In Anbetracht dessen, dass der Islam großen Wert darauf legt, Jesus als bloßen Menschen darzustellen, verwundert es nicht, dass schon vor Mohammed die im Christentum aufkommenden Streitfragen sich oft auf das bezogen, was Jesus über den Menschen erhebt. Beide Seiten trieben sich zu intellektuellen Höchstleistungen an und drängten einander in Extrempositionen. Die Gemeindeleiter und Glaubenslehrer entfernten sich von der tätigen Nächstenliebe und fanden ihre Hauptbeschäftigung in der Formulierung, Verbreitung und Durchsetzung von Glaubensinterpretationen. In den ersten Jahrhunderten, als die christliche Lehre noch nicht umfassend festgelegt war, entwickelten manche unter ihnen den Ehrgeiz, die volle Wahrheit über Spezialthemen zu finden. Beide Seiten wären besser bei Jesu Geboten geblieben, als zu unternehmen, kraft ihres Verstandes Dinge durchschauen zu wollen, die der Mensch nicht erkennen und erklären kann, wie gerade das Zusammenspiel von Göttlichem und Menschlichem in der Person Jesu.
„Es wird uns als Menschen hier auf Erden immer ein Geheimnis bleiben, wie sich Jesu göttliche Natur mit seiner menschlichen vereinigen konnte und nach welchem Modus sich diese beiden Naturen zueinander verhalten. Aber Gott sei Dank, dass wir glauben können, was unser begrenzter menschlicher Verstand nicht zu durchdringen vermag. Sicher ist, dass, wer die Gottheit Jesu Christi leugnet, auch die Heilige Schrift leugnet, denn diese bezeugt aufs klarste Jesu göttliche Natur … Jesu Existenz reicht in die Zeit vor der Schöpfung zurück (Joh. 17,5) … Jesus Christus ist Gott (Joh. 20,28) … Nur was seine menschliche Natur anbelangt, darf gesagt werden, dass er unter dem Vater steht (Joh. 14,28). Alle diese Aussagen gründen auf dem Leben Christi, denn das Leben des Erlösers ist die eindruckvollste Verteidigung seiner Gottessohnschaft.“ (Hans Heinz: Radikale Veränderungen stehen bevor [4], S. 67f.)
Sagte Jesus etwa: Wer von euch das Verhältnis von göttlicher und menschlicher Natur in meiner Person am zutreffendsten definieren kann, der wird den höchsten Platz im Himmelreich einnehmen? Nein, das sagte er bekanntlich nicht, vielmehr: „… Ihr wisst, dass die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Großen Gewalt gegen sie üben. Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; gleichwie der Menschensohn nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen …“ (Matth. 20,25-28) und: „Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.“ (Matth. 23,11-12). Vielleicht gedachten die Glaubensführer, sich mit ihren Christologien beim Gottessohn einzuschmeicheln, aber er wird beim Gericht sagen: „… was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“ (Matth. 25,40).
Zwar folgten die Lehrentscheidungen der Bischöfe und Päpste dem Wortlaut des Neuen Testaments am genauesten, die Einleitungssätze des Johannesevangeliums „Im Anfang war das Wort (Logos), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.“ unter anderem gerieten ihnen zu den Glaubensartikeln des Nicänums „Wir glauben an … unseren einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, als Einziggeborener aus dem Vater geboren, das heißt aus der Substanz des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, geboren, nicht geschaffen, von einer Substanz mit dem Vater (griechisch: homoúsios – gleichen Wesens), durch den alles geworden ist, was im Himmel und auf der Erde ist …“ (Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen [5], S. 63). Jedoch hielten sich diese Glaubensformeln lediglich an den Wortlaut der Bibel, vermittelten aber keine höhere Erkenntnis über das Wesen des Christus, weil diese den Entscheidungsträgern selbst fehlte. Selbst wenn jemand das höchste Wissen über Christus innegehabt und verständlich mitgeteilt hätte, hätte es sich nicht zu einem verpflichtenden Glaubensartikel geeignet und wäre auch zum Beschreiten des christlichen Weges zum Seelenheil entbehrlich.
Dass schon damals keine Schriftzeugnisse überliefert waren darüber, wie die Apostel oder ihre unmittelbaren Schüler solche christologischen Fragestellungen diskutiert und entschieden hätten, ist nicht nur bedauerlich, sondern auch ein Hinweis auf ihre Unerheblichkeit. Den Weggefährten Jesu war sein Wesen noch aus eigener Erfahrung fraglos klar. Sie benötigten keine gewundenen Erklärungen und spitzfindigen Definitionen und drückten damit zweifellos den ursprünglichen wahren Glauben aus. Welche Fragestellungen und Probleme die Gläubigen bald nach ihnen mit dem Wesen des Christus haben würden, ahnten sie wohl ebenso wenig, sonst hätten sie vielleicht mit einer schriftlichen Ausarbeitung ihrer Auffassung vorgesorgt.
Auf den Konzilien hätte man sich also besser der Lehrentscheidungen über christologische Fragen, zu denen die Erkenntnis fehlt und deren erschöpfende Beantwortung für das Seelenheil entbehrlich ist, enthalten und eine breite Vielfalt der Anschauungen zugelassen, im Unterschied zu seelsorgerisch bedeutsamen Streitigkeiten, wie hinsichtlich Gnade und freiem Willen. Zu sagen, Maria brachte Jesus als Gott-Mensch oder Gott in Jesus, aber nicht Gott an sich zur Welt, hätte nichts von der Wahrheit dahingegeben. Der unnütze jahrhundertelange Dogmenstreit um die Christologien führte schließlich im 5. Jht. zur Abspaltung der persischen und armenischen Ostkirchen vom byzantinischen Kaiserreich. Dies fügte sich in das Entstehen der Machtkonstellation zur Zeit der beginnenden Ausbreitung des Islams, dass nämlich das Byzantinische und das Persische Reich sich durch lang dauernde Hegemonialkämpfe gegenseitig geschwächt hatten und so den moslemischen Heeren erlagen. Das Christentum selbst hatte bis dahin durch Verwässerung, Schwerpunktverschiebungen und Abirrungen gegenüber der Ursprungslehre, durch die Konflikte und Spaltungen infolge der teilweise unnötigen und wenig sinnvollen Definitionsstreitigkeiten schon beträchtlich an Schwungkraft verloren. So nutzte Gabriel sechs Jahrhunderte nach Jesus die Gelegenheit, die räuberischen Nomaden Arabiens seinen Gegenentwurf zur christlichen Weltsicht und Lebensführung kriegerisch in der Welt verbreiten zu lassen.
Strenge Einheitlichkeit in der Lehre
Das Bestreben nach der Aufrechterhaltung einer zentral organisierten Führung der sich ausbreitenden Christenheit zeitigte gewiss bedenklichen Erscheinungen, wie die einheitliche dogmatische Festlegung des Glaubens bis in die spitzfindigsten Einzelheiten, mit der Folge des Ausschlusses aller Abweichler. Wenn Bischöfe Kenntnis von abweichenden Glaubenslehren in Gebiet ihrer Zuständigkeit erhielten, entschieden sie über die Vereinbarkeit mit der kirchlichen Auffassung oder leiteten die Angelegenheit an den Papst weiter. Wenn der Verfechter einer verworfenen Lehre nicht zur Anschauung der Kirche zurückkehren wollte, wurde er seines geistlichen Amtes enthoben und oft sogar exkommuniziert, das heißt, vom Gottesdienst und eventuell auch vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen, bis er sich durch Reue und Buße gebessert hatte.
Jesus selbst hatte Hinweise gegeben, wie bei Uneinigkeit in der Gemeinde zu verfahren ist: „Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde! Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner!“ (Matth. 18,15-18). Während die geistlichen Vorgesetzten daran gemessen oft kurzen Prozess machten, erhebt sich vor allem die Frage, ob eine eigene Anschauung zum Wesen der Person Jesu, über welches sich ohnehin nichts sicher sagen lässt, eine ebenso schwere Verfehlung ist wie ein Verstoß gegen die Zehn Gebote.
Papst Damasus I. sah sich beispielsweise als direkter Nachfolger des Apostels Petrus und somit als rechtmäßiger Erbe der Verheißungen Christi (gemäß Matth. 16,18-19 – Schlüsselgewalt für den Glaubensfels Petrus) und mit kirchlicher Binde- und Löse-Gewalt ausgestattet. Er behielt sich die Entscheidung über die Orthodoxie eines Glaubensbekenntnisses vor. Er verfocht die Vorherrschaft Roms als des Apostolischen Stuhls; unter seinem Einfluss erklärte Kaiser Theodosius I. (regierend 379-395) 380 das Christentum römischer Form zur Staatsreligion. Ein späterer Papst, Innozenz III. (1198-1216) sah sich als „Stellvertreter Christi, in die Mitte gestellt zwischen Gott und die Menschen, geringer als Gott, aber größer als der Mensch.“ Ihm sei „nicht nur die universale Kirche, sondern der ganze Erdkreis zum Regieren anvertraut“ – so beschreibt er das Ideal der Machtvollkommenheit des Papstes in geistlichen und moralischen Fragen (Reclams Lexikon der Päpste [6], S. 203f.). Die Petrus von Jesus verliehene „Schlüsselgewalt“ und verheißene Glaubensfestigkeit beanspruchten die Päpste von Anfang an gern für sich, aber als spätere Nachfolger Petri erwiesen sie immer weniger sein Erfülltsein vom Heiligen Geist, das sich dadurch zeigte, dass er den Seelenzustand der sich Bekehrenden und der Bereuenden schaute, dass er in der Glaubensinterpretation und im Erkennen des Willens Gottes inspiriert war und dass er Wunderheilungen und Totenerweckungen vollbrachte. So lag bei den Priestern, Bischöfen und Päpsten der Schwerpunkt immer mehr auf der übertragenen Amtsbefugnis, der theologischen Bildung, der Rechtgläubigkeit und den Führungsqualitäten und weniger auf dem erwiesenen Geisterfülltsein.
Weitere bedenkliche Entwicklungen der mittelalterlichen Kirche bestanden bekanntlich darin, dass Bischöfe und Päpste mit Fürsten, Königen und Kaisern um die weltliche Macht konkurrierten, sagte doch Jesus nicht etwa: „Die weltlichen Herrscher müssen vor dem Hirten meiner Herde auf die Knie fallen“, sondern vielmehr: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Matth. 22,21).
Die Festlegung des Neuen Testaments und seiner Interpretation
Ab etwa 100 entwickelte sich eine Vielfalt an Lehren und Praktiken, welche mit einer Vielzahl von präsentierten angeblichen Evangelien und Schriftzeugnissen von Aposteln und Anhängern Jesu untermauert wurden. Außer den 325 in Nicäa ins neue Testament aufgenommenen Schriften gab es bald die später als apokryph verworfenen wie ein Thomasevangelium, ein Judasevangelium, ein Apokryphon des Johannes, ein Evangelium der Wahrheit, ein Gebet des Apostels Paulus, eine Petrusapokalypse (Fassungen der vier letzteren wurden 1945 bei Naq Hammadi gefunden), einen Jakobusbrief, ein Evangelium der Maria Magdalena (1896 in Ägypten gefunden), einen Hymnus Christi als Teil der Johannesakten und ein Philippusevangelium. Einen Teil dieser Schriften verfassten sicher um 150-200 die Begründer neuer Bewegungen, um ihre Anschauungen auszudrücken und auf die Apostel zurückzuführen. Meist betonten sie persönliche Visionen, eine intuitive Gotteserkenntnis und ein geheimnisvolles höheres (gnostisches) Wissen.
Im Rhonetal wirkte ein Prophet namens Markos, der Visionen hatte und weissagte und vorgab, die Gabe dazu durch Handauflegen zu übertragen. Sein spiritueller Lehrer war Valentin aus Ägypten, der in einer Tradition stand, die viel später als jüdische Kabbala zusammengefasst wurde. Andere Valentinschüler waren Ptolemäus und Herakleon, der einen Kommentar zum Johannesevangelium verfasste. Die Valentianer erkannten die Hauptevangelien durchaus an, ordneten aber deren päpstliche Auslegung der untersten Verständnisstufe zu, die zu überschreiten sie behaupteten. So lehnten sie eine theologische Diskussion mit Bischöfen wie Irenäus rundweg ab, weil diesen ihre Art der Einweihung fehlte. Sie betonten die Vielfältigkeit der persönlichen Glaubenserfahrung auf ihrem Weg und das Recht auf beliebige eigene Auslegungen, während Irenäus von ihnen verlangte, sich zum gewöhnlichen Glauben als dem ganzen Glauben zu bekennen.
Diese auf eigene Prophetie gestützten Zirkel führten zu einer Spaltung der Gemeinden, weil sie der Taufe zum Eintritt in die Glaubensgemeinschaft weitere Einweihungen in höhere Erkenntnisstufen folgen ließen und so Gläubige verschiedener Kategorien hervorbrachten. Die Einheit des Christentums in Lehre und Praxis geriet dadurch in eine Gefahr, welcher der Kirchenlehrer und Bischof Irenäus von Lyon (ca. 140-200) tatkräftig begegnete. Er trug mit seinen Schriften („Gegen die Häresien“, „Entlarvung und Widerlegung der fälschlich so genannten Erkenntnis (Gnosis)“ etc.) maßgeblich dazu bei, dass der Wildwuchs neuer Glaubenslehren und prophetischer Bewegungen, deren Berufung auf Jesus oft immerhin fragwürdig war, von der religiösen Führung eingedämmt wurde, und bereitete durch seinen Einfluss maßgeblich die Auswahl der Schriftzeugnisse für den neutestamentlichen Kanon auf dem Konzil von Nicäa vor. Zusätzlich musste natürlich die orthodoxe Auslegung der kanonischen Evangelien sichergestellt werden.
Bischof Polykarp (81-167) von Smyrna (heute: Izmir, Hafenstadt in der Westtürkei), Schüler des Apostels Johannes, war der Lehrer von Irenäus. Er sandte seinen Mitarbeiter Pothinus (ca. 85-178) und bald auch seinen sechzehnjährigen Schüler Irenäus nach Gallien in das Gebiet von Lyon zur Betreuung von griechisch sprechenden Christen aus Kleinasien, die sich dort angesiedelt hatten. Unter Kaiser Mark Aurel (regierend 161-180) wurden die Christen in Kleinasien und in Gallien schwer verfolgt. Polykarp wurde lebend verbrannt, Pothinus wurde mit 50 Gefährten getötet, Irenäus entkam. Die Zielsetzung und Wirkung von Irenäus lässt sich mit den Worten Pagels’ umreißen: „So stand er nun vor der großen Herausforderung, die Gläubigen davon zu überzeugen, dass die ‚gewöhnliche’ Taufe, die jeder Gläubige empfing, alles andere als lediglich ein vorbereitender Schritt zum Leben im Glauben sei, dass sie vielmehr tatsächlich die ‚Wiedergeburt zu Gott’ bewirkt; … auch … dass die Taufe die Neulinge nicht lediglich in die Anfangsgründe des Glaubens, sondern in den ‚gesamten Glauben’ einführt. Dieser Herausforderung stellte sich Irenäus mit dem Erarbeiten theologischer Positionen, die später einen wesentlichen Teil des Skeletts bildeten, welches noch heute den ganzen Bau der christlichen Orthodoxie trägt … Natürlich … trifft zu … dass er sich auf die ‚apostolische Überlieferung’ … und die Vorarbeiten vieler stützte. Das ändert jedoch nichts daran, dass er es war, der mit seinem Einfluss … das Christentum prägte, wie wir es heute kennen.“ (Elaine Pagels: Das Geheimnis des fünften Evangeliums [7], S. 145).
Kaiser Konstantin nahm großen Anteil an den Lehrstreitigkeiten des von ihm geförderten Christentums und griff in diese ein. Schon 324 verbot er im Reich die nicht romtreuen, „häretischen und schismatischen“ Gemeinden, obwohl sie vielleicht die Hälfte der Gläubigen umfassten, und schloss sie von der materiellen Unterstützung aus. Bischof Alexander von Alexandria und seine Mitstreiter führten das Anliegen des Irenäus in neuer Form fort, nachdem der Presbyter Arius 318 zu lehren begann, Christus sei weniger göttlich als Gottvater. Dass sie die Priester und Bischöfe, welche sich dieser Auffassung angeschlossen hatten, ihrer Ämter enthoben, führte auch in Palästina, Syrien und Kleinasien zur Kirchenspaltung. Auf dem Konzil von 325 in Nicäa setzten Alexander und sein junger brillianter und standhafter Sekretär Athanasius (294-373) ihre Christologie der Wesensgleichheit durch. Froh über die Einigung, begrüßte Konstantin den Entschluss und unterstützte Athanasius, der Alexander 328 im Amt nachfolgte. Doch 335 ergriff der Kaiser die Partei der Arianer, und Athanasius wurde verbannt. Nach dem Tod Konstantins im Jahr 337 gelang es den Arianern immer wieder, seine Söhne und Enkel als seine Nachfolger auf ihre Seite zu ziehen.
Athanasius wurde insgesamt dreimal abgesetzt und vertrieben und kehrte Jahre später wieder auf den Bischofsstuhl zurück. In einem Osterfestbrief an die Kirche Ägyptens zählte er 367 die kanonischen Schriften des Neuen Testaments auf und warnte vor den apokryphen Schriften, die nur Streit entfachen und in die Irre führen würden. In seinem Werk „Die Menschwerdung des Wortes“ erklärte er, spirituelle Intuition bringe aufgrund der trügerischen menschlichen Veranlagung nur Irrtümer hervor. Die Anstrengung der Arianer, Christus gleichzukommen, sei ein vergebliches, sogar blasphemisches Unterfangen. Der Mensch müsse glauben und das Heil annehmen, und das geschehe durch Taufe, Sakramente und Glaubensbekenntnis der rechtgläubigen Kirche (siehe [7], S. 177ff.).
Auf dem Konzil von 325 in Nicäa wurde auch das Neue Testament in der heute bekannten Form kanonisiert. Kurz gesagt, sieht das Markusevangelium Jesus als Propheten und Gottesknecht, das Evangelium von Matthäus als verheißenen König aus dem Geschlecht Davids, das von Lukas als Mensch in priesterlicher Funktion, und das von Johannes als Gottessohn. Während die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas in ähnlicher Weise Berichte von Jesu Lehren und Taten vereinen, folgt dasjenige von Johannes einer tiefsinnigeren Anschauung von der Göttlichkeit Jesu. Dazu dürfte beigetragen haben, dass dieser Verfasser seinen Meister auf dem Berg Tabor im „verklärten“ Zustand erlebte. Übrigens zeigte Jesus bei dieser Gelegenheit wohl nur das ihm zukommende Licht, während er es sonst unter den Menschen eindämmte. Auch scheint der Lieblingsjünger seine Sicht gegenüber der von Thomas zu behaupten, den er im Bericht als „ungläubig“ darstellt. Das Evangelium des Johannes war im zweiten Jahrhundert weniger gebräuchlich und anerkannt als die übrigen. Dass auch der geniale griechische Theologe Origenes in Ägypten (185-254) es hochschätzte, begünstigte seine Aufnahme in den neutestamentlichen Kanon auf dem Konzil von Nicäa.
Sicher erfolgte die Beschränkung auf die vier Evangelien, die Apostelgeschichte und die bestimmten Apostelbriefe sowie die Johannesapokalypse nicht ganz zu Unrecht, da die Kirchenführung damit auf die allgemeinverbindliche Einbeziehung visionärer Erkenntnisse und Praktiken verzichtete, die bekannten Worte und Taten Jesu sowie ihre Auslegung durch die Apostel in den ersten Gemeinden zugrunde legte und darüber hinausgehende Erkenntnisse der persönlichen Frömmigkeit des Einzelnen überließ. Doch das ehemals valentinische Streben nach eigener spiritueller Erfahrung und nach höherer Erkenntnis scheint im Erleben heutiger Christen wieder eine große Rolle zu spielen.
„… das Problem, zu dessen Lösung die Orthodoxie erfunden wurde (, ist): Wie können wir die Wahrheit von Lügen unterscheiden? Was ist authentisch und öffnet uns folglich füreinander und die Wirklichkeit, und was ist leere Hülse, dient bornierten Interessen oder birgt Bosheit in sich? … Die Orthodoxie misstraut unserer, des christlichen Fußvolks, Fähigkeit, Prüfungen dieser Art selbst vorzunehmen, und besteht drauf, das Geschäft an unserer Stelle zu erledigen und uns die Ergebnisse fix und fertig zu servieren. In Anbetracht der notorischen Begabung des Menschen zur Selbsttäuschung können wir der Kirche sogar in gewissem Maß dankbar dafür sein. Viele von uns ersparen sich gern die Mühe eigener Geistesanstrengung, wo immer es geht, und geben sich daher ohne weiteres mit dem zufrieden, was die Überlieferung lehrt. Aber der Umstand, dass wir die Antwort nicht aus dem Ärmel schütteln können, gibt uns nicht das Recht, der Frage auszuweichen oder sie fallenzulassen … Die meisten von uns stellen früher oder später fest, dass es an kritischen Punkten in unserem Leben gar nicht anders geht, als dass wir uns auf uns selbst verlassen und uns aus eigener Kraft einen Weg bahnen, wo keiner ist … (und uns) von dem Jesuswort leiten lassen: ‚Suchet, und ihr werdet finden’.“ ([7], S. 186f.)
Demgegenüber könnten die Gläubigen den Schwerpunkt auch darauf legen, den Jesusworten zu folgen, in welchen im Rahmen seines Gottesbezugs die Gottes- und Nächstenliebe an erster Stelle steht, wozu er wiederum viele konkrete Handlungshinweise wie auch sein eigenes Vorbild gab. Es mangelt den Menschen wohl oft an der notwendigen unbedingten Entschiedenheit, um das „Himmelreich an sich zu reißen“ (Matth. 11,12).
D. Die islamische Haltung gegenüber Christen
Christliche Mission unerwünscht
Der Islamgelehrte zeigt beispielhaft, dass Moslems sich kaum bemühen, die Bedeutung von Jesu Lehren und Wirken zu erfassen oder die Verhältnisse, unter denen sie stattfanden, zu berücksichtigen. Offensichtlich können sie den Islam nur damit rechtfertigen, dass sie andere Religionen abwerten, wie der erwähnte Kaiser von China: „Ich glaube nicht daran, dass es in China einen Idioten geben würde, der an solchen Unsinn glaubt. Deshalb betrachte ich es nicht als Nachteil, dass sie diesen Aberglauben predigen. Ich bin mir sicher, unser Volk wird seine eigene Religion [Buddhismus] mehr schätzen, wenn es ihnen zuhört, und es wird einsehen, dass es auf der Welt viele dumme Völker gibt, und was diese für einen Aberglauben haben.“ ([1], S. 287f.) Hierzu passt das Jesuswort: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.“ (Matth. 11,25-26; Luk. 10,21)
Die geringe Verbreitung des Christentums in China dient dem Gelehrten zum Beweis, dass der Kaiser mit seiner Einschätzung Recht hatte. Weil die chinesische Regierung nur die offiziellen patriotischen Kirchen ohne Auslandsverbindungen akzeptiert und es daneben eine große Grauzone sonstiger Gemeinden gibt, reichen die Schätzungen der Christen in dem 1,3 Milliarden-Volk heute von 20 bis 95 Millionen. Bei den Moslems könnte die Zahl auch etwas höher liegen als die genannten 20 Millionen, von denen die Uiguren und die Hui-Chinesen jeweils fast die Hälfte ausmachen. Somit übertrifft in China die Zahl der Christen wahrscheinlich die der Moslems, eventuell sogar um ein Vielfaches. Daneben gibt es rund 100 Millionen Buddhisten und 25 Millionen Anhänger von Naturreligionen. Zwischen 81% und 87% der Bevölkerung sind somit areligiös. Im Jahr 1307 gründete der Franziskanermönch Johannes de Monte Corvino unter einem Mongolenkaiser das erste Erzbistum in Peking. 1949 gab es nur 1,8 Millionen Christen in China. In den 1950ern wurden die Missionare ausgewiesen. Seit der Liberalisierung von 1978 ist die christliche Gemeinde Chinas stetig gewachsen.
Der Islam verbreitete sich schon ab der Mitte des 7. Jhts. in China, jedoch wegen der Entfernung nicht durch Eroberung, sondern durch Handel und Ansiedlung über eine Schiffsroute, die durch die Meerengen von Ceylon und Sumatra in die Gegend von Kanton führte. Später gelangten Moslems auch über die Handelswege von Indien aus in das Riesenreich. Von Anfang an wurden sie und ihre Religion dort gut aufgenommen, sie errichteten viele Moscheen und beeinflussten die Entwicklung des Landes. Im 14. Jht. wurden Araber und Perser von den Mongolen „Huihui“ genannt, in den Nordosten verpflanzt und in der Verwaltung eingesetzt. Unter der Ming-Dynastie im 15. Jht. integrierten sich die Moslems weitgehend und genossen im Unterschied zu Buddhisten und Christen Glaubensfreiheit. Erst ab dem 17. Jht. wurden Moslems ausgegrenzt und benachteiligt, danach kämpften sie im Nordwesten (Uigurengebiet) in Aufständen um ihre Rechte und um Autonomie. Während der Kulturrevolution (1966-1976) wurden alle Religionen unterdrückt, seit 1978 kann sich der Islam in China wieder freier entfalten. Die Moslems leben vor allem im Uigurengebiet und ansonsten über das ganze Land verstreut.
Ein ungenannter Missionar wird mit den Empfehlungen zitiert: „Die meisten Moslems sind nicht sehr reich. Man sollte einen solchen Moslem zum Christentum bekehren, indem man ihm viel Geld und wertvolle Waren verspricht und ihm (bei Bekehrung) die Möglichkeit gibt, bei Christen zu arbeiten.“ Damit zieht er sich die harsche Kritik des Gelehrten zu: „Geben Sie nun bitte acht! Die Missionare versuchen, die Moslems zu täuschen und mit solchen Lügen zum Christentum zu bekehren. Da sie viel Geld haben, geben sie für diesen Zweck große Geldsummen aus. Sie versuchen, die Moslems zu betrügen und ihre Sitten zu verderben, indem sie Anstalten, Krankenhäuser, Schulen, Trainingssalons, Spielsäle und Bordelle gründen.“ ([1], S. 128f.) Die Wende von „Krankenhäuser, Schulen“ zu „Spielsälen und Bordellen“ ist allerdings bemerkenswert; ob diese Kombination irgendwann und irgendwo der Realität entsprach, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Islamgelehrte lehnt offensichtlich das Eine wie das Andere ab, weil es angeblich die Moslems betrügt und ihre Sitten verdirbt. Zumindest dürften die Taliban in Afghanistan diese Meinung von Krankenhäusern und Schulen haben, die durch Nichtmoslems errichtet werden. Alles, was von außerhalb des Islams kommt, ist eben verderblich.
Christliche Missionierung wird verleumdet und lächerlich gemacht. „Ein Moslem, der unsere Bücher durchgelesen hat, lacht nur über die oben erwähnten Lügen der Missionare. Denn ihre Worte, dass das Christentum Wohlstand, Vermögen, Segen und Glück schenkt, sind niemals annehmbar.“ ([1], S. 131) Wohlstand, Vermögen, Glück und Segen sind schließlich von Allah den Moslems vorbehalten. Wenn sie sich nicht verwirklicht haben, kann es nur daran liegen, dass sie ihre Religion nicht richtig verstanden und ausgeübt haben. Sie werden diese Segnungen wiedererlangen, wenn sie voll Eifer zum wahren Islam zurückkehren, aber niemals, indem sie sich zum Christentum bekehren, denn Christen müssen doch laut Koran als nicht recht Geleitete die Strafe im Diesseits und im Jenseits kosten. Und sie sind nur darauf aus, ihren Irrweg zu verbreiten.
Sogar Ungläubige können mit Allah Erfolg haben. „Weil diese Ungläubigen den Vorschriften des Korans entsprechend arbeiteten, führte Allah sie zum Ziel.“ ([1], S. 152). Umso besser sind die Aussichten der Gläubigen: „Wenn die Moslems von heute seelisch und körperlich blitzsaubere Menschen sind, wie Allah befiehlt, wenn sie zueinander in brüderlicher Beziehung stehen (und) arbeiten … so werden sie auch von Allah belohnt … und erreichen … die Spitze der Zivilisation, wie es im Mittelalter war. Allah verspricht es … Er hält immer sein Versprechen.“ ([1], S. 157). Nur die Feinde des Islams vereitelten in den letzten Jahrhunderten das Wahrwerden von Allahs Verheißung. „Die Engländer und die Juden haben mit Lügen, Anschwärzungen und indem sie Geld und Ruhm versprachen die Jugend der Moslems in die Irre geführt und somit das Osmanische Reich zerstört. Sie machten den Atheismus, die Prostitution, die Entschleierung der Frau, den Alkoholismus und die Tugendlosigkeit zur Mode. Sie töteten die islamischen Gelehrten und vernichteten die islamischen Wissenschaften. Die Spione der Engländer und der Freimaurer arbeiteten als Religionsgelehrte, um damit die schöne Tugend und die Anbetungen des Islams zu verfälschen. … Allah sei Dank, heute gibt es keine derartigen christlichen Angriffe mehr und die Sonne des Islams strahlt aufs neue über unserem Vaterland. Die Lügen und die Hinterlist der Feinde kamen ans Licht. In dieser Freiheit kann der wahre Islam aufs neue bekannt gemacht werden.“ ([1], S. 230)
Dhimmi-Status für Christen im Herrschaftsgebiet des Islams
Von dem Dhimmi-Status der Christen in moslemischen Gesellschaften, welcher einen Bekehrungsdruck ausübt, müsste der Gelehrte aber schon einmal gehört haben, nur passt es wohl nicht in sein Loblied des Islams. „Nachdem man studiert hat, wie ein wahrer Moslem sein sollte, ist man unbedingt vom Islam erstaunt. Wenn Sie unser Buch genau geprüft haben, haben Sie bestimmt die Tatsache nicht außer Acht gelassen, dass viele christliche Wissenschaftler und Christen in den hohen Dienststellen ohne irgendeinen Druck aus ihrer Religion austraten und sich freiwillig zum Islam bekannten.“ ([1], S. 131) Diese Verklärung der Stellung von Christen unter moslemischer Herrschaft verdient eine etwas ausführlichere Korrektur. Die Einführungsworte in Martin Tamckes Buch „Christen in der islamischen Welt“ ([8]) können verdeutlichen, wie sich die nachfolgend dokumentierte Behandlung der Christen als Dhimmis aus Koran und Sunna herleitet:
„Das ‚Volk der Schrift’, Christen und Juden, wird vor Übertreibungen und vor dem Verfehlen des rechten Weges gewarnt. Der Koran erweist sich hier auch als Kritik am christlichen Glauben und seiner religiösen Praxis. Die Kritik hatte ihre Spitze besonders in der Lehre. Jesus, der Sohn der Maria, sei nur ein Gesandter Gottes, nicht aber Gottes Sohn. Daher fordert der Koran die Christen gezielt auf, an Gott und seinen Gesandten zu glauben. Ausdrücklich werden die Christen ermahnt, nicht ‚drei’ zu sagen: Von der Trinität gelte es abzulassen (Suren 4,171; 5,73), das sei besser für die Christen. Gott sei nur ein einiger Gott. Dass er einen Sohn haben solle, sei fern seiner Heiligkeit. Gottes sei, was im Himmel und auf der Erde sei, er genüge als Beschützer. Auch hier zeigt der Koran seine christentumskritische Perspektive: Er weist Christologie und Trinität in ihren für die Christen wesentlichen Gehalten zurück und lehrt einen seiner Göttlichkeit enteigneten Christus. Mit der Lehre von der Gottheit Jesu Christi hätten die Christen die Lehre verfälscht und einen Teil dessen vergessen, womit sie ermahnt worden waren: Wer sich zur Gottheit Christi bekenne, der sei gewiss ungläubig (Suren 2,116; 5,72; 9,30). Damit brächen die Christen die von ihnen bereits akzeptierte Verpflichtung, Strafe wird angedroht … Mohammed aber sei bereits von Abraham und Jesus vorausgesagt worden … Die Einwände der Christen gegen die göttliche Sendung Mohammeds beweisen den Muslimen, wie hartnäckig sich Christen der Botschaft des Propheten verweigern. Man mag ihnen mit allen möglichen Zeichen kommen, sie würden dennoch nicht der Botschaft folgen, sondern die Verheißungen exklusiv für sich reklamieren und zur Bekehrung zu ihrer Religion einladen (Sure 2,111). Doch solch ein Anspruch stehe allein dem Islam zu. Dem sei aufgetragen, die Christen wegen ihres Unglaubens und ihrer Verstocktheit zu bekämpfen, bis zu ihrer vollständigen Unterwerfung. Das Ziel dabei müsse sein, sie so zu stellen, dass sie zuletzt von dem, was sie besitzen, Tribut [...] gedemütigt entrichten’ (Sure 9,29).“ ([8], S. 21ff.).
Der Dhimmi-Status „… bedeutete nach arabischer Tradition, dass sie als schwache Stämme unter dem Schutz des starken Stammes der Muslime standen … Diese Menschen waren allerdings eine Art Bürger zweiter Klasse, was manche bewog, zu konvertieren …“ ([3], S. 35). Ab 629 führte Mohammed Feldzüge gegen Siedlungen von Christen, welche zwar nicht zahlreich waren, aber hartnäckig bei ihrer Religion blieben. Sie wurden zu abhängigen Schutzbürgern, welche die Schutzsteuer zahlen mussten und erniedrigt wurden. Gerechtfertigt wurde dies ungeachtet anerkennender Koranpassagen mit den Versen 3;69-100, 5;51-62, 9;29-37. Mit Christen in Nadschran, einer Oasenstadt an der Grenze zu Jemen, schloss Mohammed einen solchen Vertrag. Der zweite Kalif Umar vertrieb die Nadschraner jedoch in die Gegend des heutigen Irak. Bald wurden in vielen neuen Provinzen solche Vereinbarungen mit ansässigen Christen geschlossen. Als Musterbeispiel ist ein Umar zugeschriebenes Abkommen in verschiedenen Versionen überliefert. Im Gegenzug zur Schutzgarantie durften die Christen keine Kirchen, Klöster oder Einsiedeleien bauen, baufällige Gebäude in moslemischen Vierteln nicht restaurieren, keinen Spionen Asyl gewähren, den Moslems nichts verheimlichen, was diesen schaden könnte, den christlichen Kindern nicht den Koran lehren, Kulthandlungen nicht öffentlich zeigen, den Übertritt zum Islam nicht behindern, keinen Alkohol verkaufen und kein lautes Glockengeläut ertönen lassen; sie mussten Moslems jederzeit beherbergen, auf Sattel und Waffen verzichten und besondere Kleidung zu ihrer Kennzeichnung tragen (siehe [8], S. 23ff.).
Schutzverträge nach diesem Muster muss sich der Islam zurechnen lassen, weil sie in die Zeit der ersten vier Kalifen zurückgehen, welche im Islam als „rechtgeleitet“ gelten, und sie durch Koranvers 9;29 angeordnet und durch andere Koranverse gerechtfertigt sind. Mag die Tributpflicht noch als Ersatz für die Sozialabgabe angehen, so fallen doch die Maßnahmen zur Unterdrückung der Religionsausübung und zur Benachteiligung und Erniedrigung der Andersgläubigen auf, die auch als Strafe für die Verweigerung der Bekehrung zum Islam zu verstehen sind. Der Islamgläubige fühlt sich ja berechtigt und verpflichtet, die Strafe Allahs an seinen Feinden zu vollziehen.
Aus Sicht der Minderheit „zeugen diese Texte nur zu genau von der sozialen Wirklichkeit der Christen im Herrschaftsbereich der Muslime. Das Spektrum ähnlicher Bestimmungen ist groß. Es musste markierte Kleidung mit Gürtel getragen werden, Häuser durften prinzipiell nicht höher gebaut werden als die der Muslime, Glocken durften nicht geläutet werden, die Heiligen Schriften und Texte über Jesus durften nicht laut gelesen, Kreuze nicht gezeigt werden; in der Öffentlichkeit durfte kein Wein getrunken werden und Schweine durften nicht sichtbar sein, die Toten waren still zu begraben, Pferde waren nicht zu besteigen, sondern nur Maulesel und Esel, es durften nur hölzerne, nicht lederne Sättel benutzt werden. Auch ein honiggelbes Kopftuch oder einen gelben Turban zu tragen konnte den Christen verbindlich vorgeschrieben werden; mit einem gelben Schleier hatten die christlichen Frauen sich zu verdecken, an den Türen mussten Dämonenfiguren angebracht werden. Bei Bruch des Abkommens oder dieser Vorschriften drohte Hinrichtung. Solche vertraglichen Verpflichtungen wurden Ausdruck der Niederhaltung der christlichen Schutzbürger in der islamischen Welt. Demütigung als Druckmittel zur Annahme des Islam wurde zum erklärten Ziel dieser Texte. Damit verloren sie das in ihnen enthaltene Toleranzpotenzial. In diesen Rahmenbedingungen spielte sich ab, was den Christen an Religionsfreiheit zugestanden wurde. Fest steht, dass ein Christ, der zum Islam übertrat und dann wieder Christ wurde, hinzurichten war … Stets gebührte dem Muslim der Vorrang vor dem Christen … Die Folgen für die Christen waren massiv: Sie wurden zu Fremden in ihren Heimatländern, die Eroberer aber eigneten sich das Land als das ihre an … Wehrlosigkeit und Erniedrigung – mit dem Effekt der Verwundbarkeit einhergehend – reduzierten christlich-orientalische Existenz auf ein labiles und vom Geld abhängiges Überleben. Die Schutzbürger nahmen sich zusehends als minderwertige Menschen wahr, und partiell akzeptierten sie sich als solche. Dann schlüpften sie in die ihnen vorgegebene Rolle, erkannten von sich aus den Bereich des ihnen Erlaubten an. Solche psychologische Konditionierung beeinflusste alle Aspekte des Lebens und formte Verhalten, Erscheinungsbild und Selbstwertgefühl des Schutzbürgers. Die ursprünglich in ihrer Zeit und ihrem Kontext durchaus beachtenswerte Ordnung der Schutzverträge fand keine progressive, sonder nur eine regressive Fortschreibung und führte schließlich in die fast ausschließliche Verwendung als für den Staat finanziell attraktives Repressionsinstrument.“ ([8], S. 28ff.).
Im Osmanischen Reich (1357-1923) wurden die anerkannten christlichen Religionsgruppen in „Millets“ zusammengefasst, die einer erhöhten Steuer unterlagen; außerhalb ihrer gab es keinerlei Rechtssicherheit. Ihr Oberhaupt musste in der Nähe zum Hof des Sultans oder Kalifen in Istanbul sein, ihre Eigenständigkeit bezog sich auf die Rechtsprechung der kirchlichen Verwaltung. „In den Augen der muslimischen Autoren handelt es sich bei dem Schutzvertragssystem, das in Form des Milletsystems in der Türkei noch bis ins 20. Jahrhundert galt, primär darum, dass die Christen als Bürger zweiter Klasse den Muslimen nicht als Beute schutzlos ausgeliefert wurden. Doch dies als islamische Toleranz zu preisen wäre verfehlt und anachronistisch.“ ([8], S. 29) „Die zeitweilig enormen Finanzforderungen an die Millets sicherten dem Staat eine seiner wichtigsten Einnahmequellen … Konversion bedeutete da einen geringeren Verlust an Finanzen, verhieß aber auch soziale Integration. Während die Millets kaum verhindern konnten, dass immer wieder Christen zum Islam konvertierten – durch Heirat oder um persönlich vorteilhafter leben zu können –, war eine Rückkehr ins Christentum an sich ebenso wenig möglich wie der Übertritt eines Muslim zum Christentum … Infolge der wachsenden wirtschaftlichen Not des Osmanischen Reiches gerieten die Angehörigen der Millets in entfernteren Provinzen immer stärker unter Druck durch Übergriffe einer chronisch unterfinanzierten Verwaltung …“ ([8], S. 31f.)
Die Kopten in Ägypten konnten sich beim Einmarsch der Moslems ab 639 zunächst eine starke Position sichern. Die militärisch starken christlichen Nubier fungierten zeitweilig als ihre Schutzmacht; in Ägypten leben durften sie erst später, dann mussten sie die Schutzabgabe in Form von Pferden und Sklaven entrichten. Die Eroberung Nubiens 1323 führte zur raschen Islamisierung und dem Ausfall der Nubier als Schutzmacht der Kopten. Die Bedingungen für die koptischen Christen wechselten je nach der Einstellung des jeweiligen Kalifen. Schon im 8. Jht. entlud sich die Bedrückung durch hohe Steuerlasten in Aufständen, die allerdings niedergeschlagen wurden, was die Kopten dezimierte. 1419 wandte sich die Stimmung wieder einmal gegen die Christen, der Sultan entfernte sie aus den Ämtern und ließ sie besonders hart demütigen. Der Geschichtsschreiber Ibn Taghribirdi schrieb Jahrzehnte später dazu, dass Allah dem Sultan hierfür alle Sünden verzeihen würde, denn er hätte dadurch den Islam erhöht und den Unglauben erniedrigt, und bei Allah sei nichts verdienstvoller als dies. Heute machen die Kopten rund zehn Prozent der Bevölkerung Ägyptens aus; jährlich treten ca. 15 000 von ihnen zum Islam über (siehe [8], S. 73ff.). Ähnlich spielte sich das Leben von Christen in vielen anderen Gebieten islamischer Herrschaft ab.
Neben den historischen Erscheinungsformen behandelt Siegfried Kohlhammer in seinem Aufsatz „Duldung und Demütigung“ ([9]) die innere Logik der Dhimma-Institution. Sie „ist keine spezifisch islamische Erfindung, sondern eine Variante zahlreicher vorgegebener Modelle imperialer Einbindung von religiös und kulturell heterogenen minoritären oder majoritären Bevölkerungsgruppen, auf deren Wirtschaftskraft, Steuergelder und Expertise man nicht verzichten wollte und die deshalb vor der Tötung, Ausweisung oder Zwangsassimilation und -konversion bewahrt wurden … Neben den religiösen Geboten lag dem Dhimmistatus … das Prinzip der „utilitas“ zugrunde … Umar, der zweite Kalif, legte den Gläubigen den Schutz der Dhimma ans Herz, einerseits weil der Prophet es so gewollt habe“ ([9]), andererseits mit der Erklärung: „Sie helfen dir, deiner Armut zu entkommen, um dich mit dem Reichtum zu versorgen, über den du verfügst.“ ([9]).
Weil der Islam als Offenbarungsreligion sich der „Infragestellung des eigenen absoluten Wahrheitsanspruchs [durch die Andersgläubigen] nicht durch Tötung oder Vertreibung entledigen“ wollte, musste „ein Modus gefunden werden, der die überlegene Wahrheit der eigenen mit dem Fortbestehen der anderen Religion(en) verbindet: der Modus ihrer öffentlichen und sinnfälligen, beiden Seiten wahrnehmbaren Demütigung und Erniedrigung.“ ([9]). Da der Islam als Staatsreligion auftritt und einen Gottesstaat und nicht einen laizistischen Staat, der die Religionen gleich behandelt, vorsieht, ist die Abwertung jeder anderen Religion und die Demütigung und Erniedrigung Andersgläubiger religiöse und staatsbürgerliche Pflicht. „Der Preis für die Duldung durch das Utilitasprinzip des Dhimmastatus ist die Demütigung … Ihren alltäglichen Ausdruck fand dieses Prinzip der institutionalisierten Demütigung in Geboten und Verboten, die alle Formen der Begegnung von Muslimen und Ungläubigen regelten.“ ([9])
Der Schutz-„Vertrag“ ist ohnehin juristisch haltlos, weil er auf Grund der zuvor demonstrierten militärischen Überlegenheit aufgezwungen wurde. Das Schutzverhältnis speist sich aus Nützlichkeitserwägungen, nicht aus Toleranz. Wenn der Nutzen durch die Schutzbefohlenen gelegentlich abnahm oder nicht erkannt wurde und die Feindschaft überwog, wurde die Koexistenz mit den Andersgläubigen mitunter durch Tötung und Vertreibung abgelöst, beispielsweise in Form von Judenprogromen.
Fazit
Aufgrund Mohammeds Botschaft treten die Moslems von Anfang an mit dem Anspruch auf, zu wissen, was an der Bibel und den biblischen Religionen wahr und was verfälscht ist, und gehen daran, die nichtislamischen Glaubensformen zu unterdrücken und zu verfolgen. Der Islam schafft keine ganz neue Religion, sondern maßt sich an, das wahre Erbe des Judentums und des Christentums zu verkörpern, wobei er ein Zerrbild der alttestamentlichen Gesetzesreligion errichtet und die christliche Frohbotschaft unterschlägt, besser gesagt rückgängig macht. Von der Voraussetzung ausgehend, dass Gabriels Rede unverfälschte göttliche Offenbarung und absolute Wahrheit sei, beurteilen die Moslems die Bibel und die biblischen Religionen gemäß dem koranischen Schema und verwerfen sie, wo sie von der islamischen Lehre abweichen.
Unter dem vorgefassten Urteil seiner Verfälschtheit wird besonders das Christentum in seinen Schriftzeugnissen und Selbstdarstellungen kaum zur Kenntnis genommen. Die Geringschätzung bedingt Desinteresse, der Abwehrkampf gegen die vermeintlich irrende und zum Bösen verführende christliche Lehre schlägt sich im Mangel an Literatur und deren Rezeption nieder. Die Folgen sind geringes Wissen und absichtliche Missverständnisse hinsichtlich des christlichen Glaubens im Bestreben, diesen zu widerlegen und zu verurteilen, um den Islam als die allein wahre und endgültige Religion glaubhaft machen und rechtfertigen zu können.
Die Auseinandersetzung mit den biblischen Religionen leisten Islamgelehrte auf einem sehr dürftigen Niveau, und trotz vielfacher theologischer Unplausibilität halten sie in uneinsichtiger Besserwisserei an ihren Axiomen fest. Von den frühchristlichen Auslegungsstreitigkeiten fehlt dem Islamgelehrten ein zutreffendes Wissen fast völlig, trotzdem gibt er darüber eine vom Hörensagen übernommene unwahre und herabsetzende Darstellung. Mit unsachgemäßer Bibelkritik und beliebig begründeten Mäkeleien an Juden und Christen soll der Islam relativ aufgewertet werden.
Beispielhaft und überdeutlich preist der Gelehrte den Islam als klare, vernünftige, logische, wissenschaftliche, vollkommene, sittlich hochstehende, friedliche und menschliche Religion. Von diesem unwirklichen Idealbild abweichende Merkmale und innere Widersprüche der eigenen Lehre sowie Mängel der eigenen Frömmigkeit blenden die Moslems, von Gabriel angeleitet, aus und machen alles Fehlbare an den Andersgläubigen fest. Wahrnehmung und Erklärung der Wirklichkeit vollziehen sich bei den Moslems offenbar fast nur noch konform zu ihren Glaubenssätzen. Je mehr sich ein Moslem mit der theologischen Begründung seines Glaubens befasst, desto verworrener wird in der Regel sein Denken und desto begrenzter wird seine Fähigkeit zu Selbstkritik sein.
Die Ähnlichkeit der Denkmechanismen erklärt die an sich verwunderliche Affinität von linken Ideologien mit dem Islam. Ebenso von einem absoluten Wahrheitsanspruch ihrer Lehre ausgehend, verbiegen sich Linksideologen die Realität und lügen sie sich so zurecht, dass sie die Prämissen ihrer Lehre zu bestätigen scheint. Aufgrund einer inneren Wahlverwandtschaft meinen sie, sich mit den Anhängern, zumindest mit den Verfechtern des Islams auf Anhieb zu verstehen und entwickeln große Sympathie für dieses totalitäre Denksystem, ohne sich viel um seine Inhalte zu kümmern, da sie das Grundmuster kennen und Religion überhaupt für unerheblich halten.
Zur Modernität gehört es, eine von Menschen gemachte Moral zu verfechten, welche von Glaubenslosen ohne Gottesbezug aufgestellt wird. Jedoch dürften die Ergebnisse bei der religionsfreien Einhaltung einer solchen Ethik hinter den Erwartungen zurückbleiben. Ohne göttliches Gebot und nur aufgrund von humanistischen und philosophischen Überlegungen lehnt sich der Mensch im Bedarfsfall eher im Sessel zurück und belässt es bei der Formulierung hehrer Prinzipien und wohlfeiler Absichtserklärungen. Aufopfernde soziale Tätigkeiten, die oft ganz unspektakulär im Alltag ablaufen, speisen sich zweifellos eher aus einer religiösen als aus einer ideologischen Überzeugung. Eine „Mutter Teresa“, um eine Chiffre zu benutzen, wird im linksideologischen Spektrum eher nicht auftreten.
Dass das Gute der Anstrengung und Selbstüberwindung bedarf, wird von der scheinbar pessimistischen, aber realistischen christlichen Anschauung bestätigt und gleichzeitig berücksichtigt. Den Linksideologen ist die Tatsache der notwendigen Bemühung um das Gute aufgrund ihrer Illusionen und falschen Hoffnungen unbequem, und ihre Erwähnung eine lästige Mahnung. Da ihnen das Ideal der Gottes- und Nächstenliebe nicht zur Verfügung steht, fürchten sie umso mehr den Hass, gegen welchen erstere das beste Gegenmittel ist. Ohne dieses Gegenmittel fällt es ihnen umso schwerer, das Böse in der Welt und in sich selbst wahrzunehmen. Nach dem allzumenschlichen und gerade auch im Islam vorherrschenden Prinzip spalten sie die Wahrnehmung von Unvollkommenheiten, vom Zurückbleiben hinter dem eigenen Ideal, ab und projizieren sie auf die Andersgesinnten. Die Überzeugung eines Mitmenschen, welche der eigenen widerspricht, wird dann mit Hass als einer unmoralischen und zu verurteilenden Haltung erklärt oder zumindest etikettiert. Damit erspart man sich die Auseinandersetzung mit den Argumenten einer anderen Überzeugung und gewinnt gleichzeitig scheinbare moralische Überlegenheit.
So kann man Meinungen und Bestrebungen, welche den eigenen zuwider laufen, als falsch und böse abqualifizieren und sie statt durch Sachargumente und Gedankengänge durch Zuordnung zu Kategorien, über deren definitive Verwerflichkeit scheinbarer Konsens herrscht, erledigen, wie „Hass“, „rechtsradikal“, „rassistisch“, „wie Hitler“, „wie Al-Qaida“ etc. Umgekehrt verschafft man sich durch scheinbar als unbezweifelbar gut definierte Anliegen, wie „Toleranz“, „Frieden“, „Menschenrechte“, „gemeinsame Werte“, „Versöhnung“, „Zusammenleben“, „Brücken bauen“, die man sich zu eigen macht, die eigene moralische Rechtfertigung, und präsentiert sich als Retter aus Ängsten vor Missständen, aber nicht aus Missständen selbst. Diesem Schema folgen oft Meinungsbeiträge in den Massenmedien.
Anhang:
Die althergebrachte katholische Ansicht über den Islam
Dass sich das Islambild des Westens in den letzten achtzig Jahren stark veränderte, kann ein fast schon historisch zu nennendes Religionsbuch von 1925 verdeutlichen. Was seit jeher wohl selbstverständliche Anschauung der katholischen Kirche war, aber heute kaum noch öffentlich geäußert werden kann, wird in dieser „Katholischen Kirchengeschichte für höhere Lehranstalten“ (in Deutschland) im Kapitel „Entstehung und Ausbreitung des Islam“ prägnant wiedergegeben ([10], S. 27f.):
1. Während die Kirche im Westen sich immer weiter ausbreitete und auf den großen Konzilien die christliche Wahrheit gegen die Häretiker siegreich verteidigte, erhob sich im Osten der gefährlichste Feind des Christentums, der Islam, d. h. sklavische Ergebung in den Willen Gottes. Der arabische Kaufmann Mohammed aus Mekka (570-632) erkannte die Leerheit des arabischen Sternkultus, der zum Fetischdienst herabgesunken war und in der Kaaba (dem würfelförmigen steinernen Mittelbau der Moschee zu Mekka) das Nationalheiligtum verehrte. Er wurde Monotheist, aber nicht Christ. Er ging seine eigenen Wege, verfasste und predigte die 114 Suren, poetische Selbstgespräche dunklen Inhalts, die er für Offenbarungen ausgab und die später im Koran gesammelt wurden. Während die Glaubenslehre Mohammeds den Fortschritt vom Götzendienst zum Glauben an einen Gott brachte, vermengte seine Moral einzelne wertvolle Vorschriften über Gebet, Fasten und Armensteuer mit Grundsätzen, welche die Einheit der Ehe zerstören und den Krieg gegen die „Ungläubigen“ zur Pflicht machen.
Wegen heftiger Anfeindungen wanderte Mohammed 622 aus seiner Geburtsstadt Mekka nach Medina aus. Diese Flucht, die „Hedschra“, bildete später den Ausgangspunkt der mohammedanischen Zeitrechnung. Voll Rachegedanken gegen seine Vaterstadt ordnete der „Prophet“ die Gebetsrichtung, die bisher nach Jerusalem gegangen war, nach Mekka an und eroberte diese Stadt mit seinen begeisterten Anhängern. Mit Mekka schloss er Frieden, aber nur in dem Gedanken, ganz Arabien zu unterwerfen. Sein Tod hemmte nicht den „Heiligen Krieg“. Sein dämonischer Geist voll Rachsucht und wilder Sinnlichkeit lebte in seinen Anhängern fort.
2. Schnell und gewaltig breitete die neue Macht sich aus. Bald eroberte Mohammeds zweiter Nachfolger, der Kalif Omar I., Syrien, Palästina und Ägypten. In Afrika blieben der Kirche nur noch fünf Bistümer. Selbst Spanien gewann der Islam durch die Schlacht bei Xeres de la Frontera 711 bis auf die kleinen Königreiche Leon und Kastilien, wo das Christentum kümmerlich fortbestand. Erst durch den Sieg Karl Martells bei Poitiers wurde die verheerende Flut aufgehalten (732).“
Quellennachweis:
[1] N. N.: Islam und Christentum. In der Reihe Ihlas Stiftung, Bd. 3. Hakikat Kitabevi Verlag, Istanbul 1997³
[2] Andreas Maurer: Basiswissen Islam. Wie Christen und Muslime ins Gespräch kommen. Hänssler Verlag, Holzgerlingen 2002, 2006
[3] W. Montgomery Watt: Kurze Geschichte des Islam. Englische Originalausgabe Oxford 1999. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2002
[4] Hans Heinz: Radikale Veränderungen stehen bevor. Wohin führen sie? Advent-Verlag, Zürich o. J. (etwa 1990)
[5] Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Hrsg. von Peter Hünermann. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1991, 1999 (38. Auflage)
[6] J.N.D. Kelly: Reclams Lexikon der Päpste. Reclam, Stuttgart 1988, 2005²
[7] Elaine Pagels: Das Geheimnis des fünften Evangeliums. Verlag C.H. Beck, München 2004, dtv 2006
[8] Martin Tamcke: Christen in der islamischen Welt. Von Mohammed bis zur Gegenwart. Verlag C. H. Beck, München 2008
[9] Siegfried Kohlhammer: Duldung und Demütigung. In: Merkur. Zeitschrift für europäisches Denken, Nummer 639. Hier verwendete Kurzfassung siehe: http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2002/09/21/a0331)
[10] Albert Meckes: Katholische Kirchengeschichte für höhere Lehranstalten. Verlag der Dr. Jaegerschen Buchhandlung, Speyer 1925 (10. Auflage).
Weitere verwendete Literatur:
Donald Guthrie, J. Alec Motyer (Hrsg.): Kommentar zur Bibel. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1980, 2003 (5. Auflage)
Der Koran. In der Übersetzung von Max Henning, mit Anmerkungen von Annemarie Schimmel. Reclam Verlag, Stuttgart 1960, 1991, 2006
VELKD und EKD (Hrsg.): Was jeder vom Islam wissen muss. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1990, 2001 (6. Aufl.)
Norbert Lachner, Stralsund, 21. September 2011
