von Norbert Lachner – Stralsund
Einleitung
Im I. Teil des Essays wurden die Anstrengungen moslemischer Denker, Koran und Sunna zu Zwecken der Rechtsprechung sowie unter dem Einfluss der griechischen Philosophie auszulegen, behandelt. Teil II veranschaulichte das Vernunftdenken im Islam an Beispielen islamischer Gelehrsamkeit der Gegenwart. Dazu wurden die Glaubensauffassung und Weltanschauung je eines zeitgenössischen Vertreters des Sufismus und der türkisch-sunnitischen Theologie herangezogen.
Der ungenannte türkische Islamgelehrte setzt sich in seinem etwa 1985 fertiggestellten Buch „Islam und Christentum“ auch mit den biblischen Religionen auseinander. Insbesondere die Einlassungen zum Christentum werfen wieder ein Licht auf den Stellenwert von Vernunftgebrauch und Wissenschaftlichkeit im Islam. Im III. Teil des Essays wurde die kenntnisarme, ignorante und niveaulose Auseinandersetzung mit dem Christentum anhand der Themen islamische Kritik an Bibel sowie an den biblischen Religionen und ihren Anhängern, sodann frühe Entwicklung der Kirche und Dhimmi-Regelung mit vielen Beispielen veranschaulicht.
(Sprachliche Unebenheiten der deutschen Version – sie wurde offensichtlich ohne muttersprachlichen Lektor aus einer englischen Übersetzung übertragen – werden in den Zitaten, wo es angebracht erscheint, behoben, ohne den Sinn zu verändern. Ebenso werden das durchgängige Attribut „der Erhabene“ nach der Nennung Allahs und die Propheten-Segenswünsche in der Zitierung weggelassen. Weil das Werk offenbar aus verschiedenen Aufsätzen zusammengefügt ist, wird ein Thema, wie an den Zitatnachweisen bemerkbar, oft mehrfach an verschiedenen Stellen des Buches behandelt.)
A. Die islamische „Widerlegung“ des christlichen Glaubens
Ablehnung des Gottes in drei Personen
Ein bedeutender Stein des Anstoßes in der christlichen Frohbotschaft bleibt für den Islam die Trinität: „Sie hielten Jesus für den Sohn Gottes. Der Prophet Jesus aber hatte ihnen nie so etwas gesagt, er hatte nur vom Heiligen Geist, das heißt von der Prophetengabe, die ihm von Gott erliehen war, gesprochen. Weil die Christen zur gleichen Zeit an Gott, an Jesus, den sie als Gottessohn betrachteten, und zuletzt an den Heiligen Geist glauben mussten, entfernten sie sich vom Glauben an den unveränderlichen einzigen Schöpfer Allah und begannen somit, drei verschiedene Götter anzubeten, was ‚Trinität’ (Dreieinigkeit) genannt wird.“ ([1], S. 25).
Durch ein absichtliches Missverstehen des christlichen Glaubens, das nicht durch Schriftstellen belegt werden kann, setzt der Gelehrte den dreipersönlichen Gott der Christen mit „drei verschiedenen Göttern“ und den Heiligen Geist mit Jesu Prophetengabe gleich, obwohl Jesus den Heiligen Geist für die Zeit nach seinem Weggang versprach. Dem Werk des ungenannten Autors sind viele Beispiele für das moslemische Unverständnis des christlichen Glaubens zu entnehmen, welche außerdem einen Tiefstand theologischer Betrachtung und fehlende Voraussetzungen für den wohl nur pro forma befürworteten interreligiösen Dialog aufzeigen.
Für die im Islam verabscheute christliche Dreifaltigkeitslehre bietet der Gelehrte fünf verschiedene Erklärungen an, ohne sich auf eine festzulegen. Einmal soll die Trinität darauf zurückgehen, dass die Griechen und Römer, die ja Polytheisten waren, beim Übersetzen der Evangelien Gott verdreifachten, weil in Platos Philosophie wichtige Begriffe in Dreiergruppen vorkamen wie beispielsweise „Pflanzen, Tiere, Menschen“ ([1], S. 95f. und S. 283).
An anderer Stelle ([1], S. 243) führt er den Trinitätsglauben auf die „Bestrebungen der Juden, das Christentum zu vernichten“ und auf falsche Kommentierung zurück. Er zitiert sogar Jesusworte über den „Vater“, was er freilich sogleich mit „eine große Macht, Allah“ deutet – ist aber Gott eine große Macht (unter vielen) oder doch die größte Macht? – oder alternativ: „Jedoch versteht es sich, dass diese Anrede (Vater) ‚heiliger, geehrter Herr’ bedeutet.“ ([1], S. 291). Der Ausdruck „Sohn“ für Jesus steht dann für „Diener Allahs“. „Also, das heißt, im wahren Evangelium hat man mit dem Wort ‚Vater’ eine heilige Existenz und mit dem Wort ‚Sohn’ einen geliebten Diener gemeint. Mit anderen Worten ist es nicht die Dreieinigkeit, was hier gemeint wurde. Sondern Allah der einzige Herrscher hat seinen geliebten Diener Jesus als Propheten den Menschen gesandt. Der große Teil der Christen, die erst heute zur Einsicht kommen, sagen schon: ‚Wir sind alle Diener, Kinder Gottes. Allah ist unser Schöpfer, Vater.’“([1], S. 98). Ausgerechnet Jesu Bitte für seine Peiniger „Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Luk. 23,34) wird als Beispiel (ungenau) wiedergegeben, wobei zudem verschwiegen wird, dass dieses Gebet bei der Kreuzigung erfolgte, welche der Koran ja bestreitet. Dieser Ausruf Jesu ist nur in der Bibel überliefert, nicht im Koran. Das nennt man verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen zitieren.
Dem Gelehrten zufolge geht also der christliche Glaube an die „Gottessohnschaft Jesu“ auf Verfälschungen von Übersetzern und Abschreibern und nicht auf Jesusworte zurück. Wenn Jesus von Gott als von seinem „Vater“ sprach, meinte er angeblich einfach gleichnishaft Allah. Die Bibelstellen, wo eine Stimme vom Himmel sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen fand … ihn sollt ihr anhören.“ (Matth. 3,7; Mark. 1,11; Luk. 3,22 und Matth.17,5; Mark. 9,7; Luk. 9,35), lässt der Islamgelehrte freilich ebenso unbeachtet wie selbst das Zeugnis der Dämonen in einem Besessenen: „Was haben wir mit dir zu schaffen, Sohn Gottes? Bist du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen?“ (Matth. 8,29; Mark. 5,7; Luk. 8,28). Dämonen empfanden nämlich die von Jesus ausgestrahlte göttliche Liebe auch aus größerer Entfernung als quälend.
Freilich können Moslems diese nicht zum Islam passenden Bibelstellen wieder als verfälscht bezeichnen und übergehen. Tatsächlich bestreiten sie, dass sich Jesus selbst als Sohn Gottes bezeichnete (Joh. 5,17-28 etc.), während sie ihn als Verkünder der islamischen Einzigeinheit Allahs reklamieren. „Obwohl Jesus seinem Volk [der Juden] sagte, dass er ein Mensch und nicht der Sohn Allahs ist, konnten sich die Christen jedoch nicht von den Gewohnheiten des Götzendienstes befreien und verirrten sich bald, indem sie glaubten, dass Jesus der Sohn Allahs sei, woraufhin sie auch auf die Dreieinigkeit kamen. Einige Päpste, unter denen sich auch Honorius befand, bemerkten diesen Irrglauben und bekämpften ihn. Die Beseitigung dieses Irrglaubens geschah erst, nachdem Allah durch seinen letzten Propheten Mohammed den Islam schenkte. Keiner kann bestreiten, dass der Islam die besten Eigenschaften der Gottesreligionen in sich vereint und diese Religionen vom Aberglauben und von phantastischen Legenden gereinigt hat.“ ([1], S. 86). Ähnlich: „… bekräftigte Honorius, dass St. Jesus nur ein Mensch und der Dreigötterglaube verfehlt ist.“ (([1], S. 22).
Das Festhalten am Polytheismus kann sich überhaupt nur auf diejenigen Christen beziehen, die zuvor Heiden und keine Juden gewesen waren. Davon, dass Päpste die Dreifaltigkeitslehre als Irrglauben bekämpften, kann keine Rede sein. Mit Papst Honorius I. (625-638) verhielt es sich nicht so einfach, wie der Gelehrte meint. Als vermögender Adliger aus Südwestitalien befasste er sich mit der Politik und Verwaltung seines Landes, daneben förderte er die Christianisierung Britanniens. In dieser Zeit empfahl der Patriarch von Konstantinopel, Sergius I. (610-638), die christologische Auffassung „zwei Naturen, aber eine Wirkung“, vor der aber der Bischof von Jerusalem Sophronius (634-638) als vor einem verkleideten Monophysitismus („eine Natur“) warnte. In unbesonnenen Briefen an die beiden entwickelte Honorius einen förmlichen Monotheletismus („zwei Naturen, ein Wille“). Kaiser Herakleios (610-641) verfügte 638 das Bekenntnis eines Willens in Christus und verbot die Erwähnung von Wirkungsweisen. Die nachfolgenden Päpste waren sich in der Verurteilung des Monotheletismus einig, und das Konzil von 680/681 in Konstantinopel verwarf einmütig die Auffassung vom einen Willen. Papst Leo II. bestätigte 682 den Beschluss mit der Lehre zweier Willen in Christus. In die Amtszeit von Honorius I. fällt der Beginn der Ausbreitung des Islams, und in dem zuvor wiederholt vorkommenden Jahr 638 wurde Jerusalem von den Moslems eingenommen.
Den Gelehrten Destan Mustafa zitierend, unterbreitet der Autor eine fünfte Version zur Dreifaltigkeit: „Die Auffassung der ‚Dreieinigkeit’ wurde zuerst 200 Jahre nach Christi Geburt von einem Pfarrer namens Sibelius aufgestellt. Bis zu dieser Zeit glaubte man nur an den einzigen Gott und an Jesus als Propheten.“ ([1], S. 284).
Die Lehre von Gottvater, Gottsohn und Heiligem Geist vertraten die Apostel jedoch von Anfang an entsprechend etwa dem Jesuswort „Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen.“ (Joh. 15,26). Der Apostel Petrus richtet seinen ersten Brief an die „Fremdlinge … die auserwählt sind, nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes“ und beginnt mit „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus …“ (1.Petr. 1,1-3). In einem anderen Brief schreibt Petrus: „Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundgetan … weil wir Augenzeugen seiner herrlichen Größe gewesen sind. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als von der erhabenen Herrlichkeit eine solche Stimme an ihn erging: ‚Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.’ Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.“ (2.Petr. 16-18). Der Apostel Johannes beginnt seinen ersten Brief mit den Worten: „… was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ (1.Joh. 1,3). Er fährt etwas später fort: „Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater (2,23) … Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sonder prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! Denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen“ (4,1) und schließt: „Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat … und wir sind in … seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben …“ (5,20). Sein zweiter Brief beginnt: „… Mit uns wird sein: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe.“(2.Joh. 1,3).
Einer Erfindung der Dreifaltigkeitsauffassung 200 Jahre nach Jesus bedurfte es also nicht. Andererseits müssen diese frühen Zeugnisse der Gottessohnschaft Jesu im Neuen Testament im Islam wieder als Bibelverfälschung wegerklärt werden, in Verbindung mit der Behauptung, Jesus habe die islamische Botschaft, also unter anderem die Einzigeinheit Allahs verkündet.
Die zweite Verfälschungstheorie bringt den Apostel Paulus, den durch eine Jesusvision bekehrten Christenverfolger, ins Spiel. Er sei ein falscher Prophet gewesen, habe das Evangelium verfälscht und die Gottessohnschaft Jesu erfunden, was eine häufige Behauptung im Islam darstellt. „Saulus, ein angesehener Jude und der größte Feind der Gemeinschaft des Propheten Jesus verbreitete die Lüge, dass er ins Christentum eingetreten sei und dass ihn Jesus damit betraut habe, die nichtjüdischen Völker zum Christentum zu bekehren (siehe Apostelgeschichte 9). Saulus änderte seinen Namen in Paulus. Er verdarb die Religion des Propheten Jesus, indem er sich als ein guter Christ ausgab. Er veränderte das wahre Christentum in ein falsches, den Eingottglauben in die Dreieinigkeit, entstellte das Evangelium, behauptete, dass Jesus Gottes Sohn sei.“ ([1], S. 25).
Der Autor erklärt nicht, wie Paulus allein den christlichen Glauben bestimmen konnte und warum die vielen anderen Apostel und Jünger Jesu dem Paulus nicht widersprochen und in ihren Gemeinden nicht etwas anderes gelehrt hätten. Es folgen einige weniger bedeutende angebliche Verfälschungen: „Außerdem erlaubte er den Christen, Alkohol zu trinken, Schweinefleisch zu essen, er veränderte die Gebetsrichtung der Christen zum Osten hin und fügte viele abergläubische Sachen ins Christentum ein. Seine bösen Ideen begannen unter den Christen Annahme und Verbreitung zu finden. Sie teilten sich in Sekten und entfernten sich so vom rechten Weg …, erdichteten viele Legenden, machten … Bilder und Statuen des Propheten Jesus, nahmen das Kreuzzeichen als Symbol an und fingen schließlich an, Ikonen und das Kreuz anzubeten. Dadurch kehrten sie zum Götzendienst zurück.“ ([1], S. 25).
Gegen das Kreuz, das Symbol der Erlösung, fassen Moslems anscheinend eine besondere Abneigung. Aufgrund der falschen Prämisse, Jesus habe von Allah ein Buch mit dem Islam zum Inhalt erhalten, müssen Inhalte des Christentums, welche vom Islam abweichen, natürlich auf einer Verfälschung beruhen und außerdem Aberglauben darstellen und zum Götzendienst führen. Ganz korangemäß können Christen zu den Polytheisten gezählt und wie diese verdammt und bekämpft werden. Dass Christen „Ikonen und das Kreuz anbeten“ bestätigt zwar den Koran, ist aber falsch, denn Christen beten selbstverständlich Jesus an, auch wenn sie dabei zur geistigen Einstimmung eine bildliche oder figürliche Darstellung Jesu betrachten.
Jesu Menschwerdung und die Verleumdung Marias
Zugunsten der Einzigeinheit Allahs muss auch der dritte Bestandteil der christlichen Trinität, der Heilige Geist, als „Prophetengabe“ wegerklärt werden, wenn er nicht überhaupt zur Ankündigung Mohammeds umgedeutet wird (siehe unten). „Dass in dem Koranvers [4;171] für Jesus der Ausdruck ‚Geist’ benutzt wurde, wurde unterschiedlich interpretiert. In dem Koranzitat wird ‚Geist’ durch ‚eine Seele seiner Geschöpfe’ ersetzt. Der Ausdruck ‚Seele’ kommt daher, dass Gabriel ihn [den Geist] in Maria ‚blies’ und sie dadurch (schwanger) wurde. Dieses Blasen wurde als ‚Geist’ bezeichnet. Mit anderen Worten ist das, was mit Geist gemeint wird, eine göttliche Offenbarung. Dadurch bekam Maria eine gute Nachricht überbracht und es wurde Gabriel befohlen, in sie zu blasen und da empfing der Geist von Jesus den Befehl ‚sei!’. Das würde heißen, der Geist ist der Befehl ‚sei!’. Oder der menschliche Geist bedeutet für Allah das, was für den Sprecher sein Sprechen bedeutet.“ ([1], S. 285). In wenig erhellender Weise müht sich hier der Gelehrte am Wortlaut des Koran (3;47 und 59) ab.
Die Ankündigung der Geburt Jesu wird im Koran mit dem Einblasen des Geistes Gottes verbunden. Während laut Bibel der Engel Gabriel Maria erklärte: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ (Luk. 1,35), sandte laut Koran Allah seinen Geist zu Maria, der ihr als vollkommener Mann erschien. Und der Engel sprach: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen reinen Knaben zu bescheren … Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und einer Barmherzigkeit von uns machen.“ (19;17-21). Im Islam verkündet der Engel nicht nur, sondern „beschert“ als „vollkommener Mann“ selbst den Knaben. „Und so empfing sie ihn …“ (19;22). Vers 21;91 konkretisiert das „Bescheren“: „Und sie, die ihren Schoß keusch hielt, und in die wir bliesen von unserm Geiste, und die wir nebst ihrem Sohne zu einem Zeichen machten für alle Welt.“
Maria, welche von Gott gemäß seinem Ratschluss von der Erbsünde freigehalten worden und durch ihre Tugend unempfänglich für die Verführung zum Bösen war und so die Menschwerdung Jesu ermöglichte, war Gabriel offenbar ebenfalls ein Dorn im Auge. Was in seinen Worten hinsichtlich Jesu Empfängnis schon vorbereitet wurde, interpretiert die Religionsbehörde von Saudi-Arabien kompromisslos dahingehend, dass Gabriel als Jüngling mehr wörtlich verstanden in eine Körperregion Marias blies und Jesus auf halb übernatürlichem, halb natürlichem Weg zeugte. Eine solche offensichtlich streng islamische Auslegung offenbart die tiefe geistige Dunkelheit der Wächter der „heiligen“ Stätten von Mekka und zeigt auf, dass die Moslems in ihrem Denken aufgrund von Koran und Sunna keine geistigen Wahrheiten ergreifen können und wollen.
Nicht nur der strengen wahhabitischen, sondern offenbar schon der gewöhnlichen sunnitischen Islamauffassung entspricht, was der Gelehrte noch über Jesus und Maria berichtet: „Wie in unserem Buch ‚Sie waren nicht imstande zu antworten’ (ausgeführt), lebte Maria, die Mutter Jesu, in einem Raum der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem allein. Außer Zacharias trat niemand in dieses Zimmer ein. Der Engel Gabriel teilte Maria mit, dass sie, obwohl sie unberührt war, ein Kind bekommen werde und dieses Kind ein Prophet werden würde. Nach einem der Berichte … erschien Gabriel Maria, als sie bei ihrer Tante und im Haus von Zacharias war, in menschlicher Gestalt und blies während der rituellen Waschung auf sie, wodurch sie dann schwanger wurde. Sie reiste mit Josef Nadschdschar, ihrem Vetter, nach Bethlehem. Jesus wurde dort geboren. Jesus, seine Mutter und Josef Nadschdschar gingen zusammen nach Ägypten und blieben dort zwölf Jahre lang. Später kamen sie wieder nach Palästina und siedelten sich in dem Ort Nazara an. Jesus wurde hier im Alter von dreißig zum Propheten erwählt. Wer an Jesus glaubt, wird aus diesem Grunde Nazaraner genannt, dem Evangelium nach erschien bei seiner Geburt am Himmel ein neuer glänzender Stern.“ ([1], S. 288).
Dass Zacharias als Einziger Maria in ihrer Zelle besuchte, geht aus Koranvers 3;37 hervor. Der Ehemann Elisabeths sei, steht dort, Marias Erzieher und auch Schwager gewesen, weil Elisabeth Marias Schwester gewesen sei, und nicht ihre Tante wie laut Bibel. Dies alles ist so nebensächlich wie falsch. Zacharias war ein alter ehrwürdiger Priester, der zweimal im Jahr für eine Woche den Tempeldienst versah. Auch in Koran 3;40 bezeichnet er sich dem Engel gegenüber, der ihm einen Sohn Johannes ankündigt, als zu alt für die Vaterschaft, was wohl auf über 70 Jahre hindeutet, und er weist auch auf Elisabeths bisherige Unfruchtbarkeit hin. Wie groß muss da der Altersunterschied zwischen den angeblichen Schwestern Maria und Elisabeth gewesen sein, wenn Maria zu der Zeit knapp 14 Jahre alt und Elisabeth die Ehefrau eines Siebzigjährigen war! Anscheinend bringt der Islamgelehrte einen ähnlichen Altersunterschied wie den zwischen Mohammed und Aisha ins Spiel.
Dass die Tempeljungfrauen nicht von Priestern, sondern von Lehrerinnen erzogen und betreut wurden, ergibt sich schon aus den strengen religiösen Regeln der Geschlechtertrennung bei den damaligen Juden. Zacharias betreute und versorgte Maria also sicherlich nicht, wie im Koran (3;37) geschrieben wird, außerdem hatte er nur zwei Wochen im Jahr rotierenden Tempeldienst und wohnte in Jutta bei Hebron im Süden, nahe dem Berg Karmel und 39 Kilometer Luftlinie von Jerusalem entfernt. Sein seltener Besuch spielte sich sicher in den Gemeinschaftsräumen für Unterricht und Handarbeiten, im Beisein der Lehrerinnen und unter Beachtung der strengen Regeln ab, auch wenn Zacharias ein Verwandter Marias und ein angesehener Priester war. Die Angaben Gabriels, Zacharias hätte Maria im Tempel erzogen oder versorgt und sie regelmäßig als Einziger in ihrer Zelle besucht, widersprechen also der Bibel und allgemeinen Überlegungen hinsichtlich der jüdischen Gepflogenheiten sowie der Tätigkeit und des Wohnorts von Zacharias.
Jesu Empfängnis fand auch nicht in Zacharias’ Haus statt, der zu Unrecht damit in Verbindung gebracht wird. Auch dass der Verkündigungsengel Maria gerade bei der rituellen Waschung, also womöglich unvollständig bekleidet, antraf und auf sie blies, wodurch (!) sie schwanger wurde, ist so unsinnig wie falsch. Denn Maria vollzog gar nicht das islamische Ritualgebet mit der dazugehörigen Waschung, vielmehr betete sie auf die jüdische Art.
Die vorstehenden unzutreffenden Details der Darstellung aus dem Koran und der islamischen Gelehrsamkeit, die Verwicklung des Zacharias und die Beteiligung des Engels andeutend, sind jedoch so recht geeignet, bei moslemischen Männern und Frauen unlautere Fantasien, Jesu Mutter Maria und seine Menschwerdung betreffend, zu entfachen und das höchste Wirken Gottes im Heilsgeschehen mit den niederen irdischen Verhältnissen zu verknüpfen. Darin zeigt sich Gabriels Vorgehensweise und der innere Zustand der Moslems. Ihr Glaubensinhalt, die Juden „verleumdeten auch seine Mutter Maria.“ ([1], S. 281) geht auf Koranvers 4;156 zurück: „Und weil sie ungläubig waren und wider Maria eine große Verleumdung aussprachen …“ Laut Bibel konnten aber die jüdischen Schriftgelehrten an Marias Tugendhaftigkeit nichts bemängeln, wie sie auch Jesus keiner Sünde bezichtigen konnten. Indem sie Gabriels Rede für Gottes unverfälschtes Wort halten, spalten die Moslems die islambedingten Widersprüche zwischen Verehrung und Herabsetzung, die sie in sich nicht erkennen wollen und können, ab und projizieren sie auf die Anhänger der biblischen Religionen, denn sie selbst werden dazu angeleitet, Maria zu verleumden und Jesus herabzusetzen.
Zum Vergleich seien hier die christlichen Kenntnisse über diese Vorgänge angeführt: Jesu Mutter Maria, Tochter von Joachim und Anna, wurde von ihrem vierten bis vierzehnten Lebensjahr mit weiteren Mädchen im Tempel von Lehrerinnen unter priesterlicher Aufsicht erzogen. Jedes hatte eine eigene kleine Zelle nahe dem Goldenen Tor auf der Ostseite. Der Priester Zacharias, der nachmalige Vater von Johannes dem Täufer, war mit Marias Familie verwandt und besuchte die Schülerin im Tempel, wenn er dort Dienst hatte. Wegen der Messiaserwartung wurden gerade auch die Tempeljungfrauen, wie alle jungen Frauen rein jüdischer Abstammung, verheiratet. Für Maria wurde von den Priestern im Tempel Joseph als Gemahl ausgewählt; er war kein Cousin von ihr (auf durchsichtige Weise wurde hier wieder biblischer Erzählstoff den islamischen Gepflogenheiten angepasst). Er war sehr fromm und vollzog die Ehe nicht gleich. Maria selbst wollte ohnehin für immer unberührt bleiben. So sagte sie dem Engel wahrheitsgemäß, dass sie nichts von einem Manne wusste. In den Evangelien ist auch nur von einer Verlobung die Rede (Matth. 1,18-25; Luk. 2,5).
Einige Monate nach der Vermählung in einem Haus in Jerusalem war Joseph auf Reisen, um seine Zimmermannsgeräte von seiner früheren Wirkungsstätte zu holen. Marias Mutter Anna hatte sie in ihrem neuen Zuhause in Nazareth besucht, um das Haus einzurichten. Als Maria in ihrer Kammer lange innig um die Sendung des Messias gebetet hatte – mit einem Kopfschleier, auf einer Tuchrolle kniend, die Arme vor der Brust gekreuzt, die Ellenbogen auf ein Tischchen aufgestützt –, geriet sie in stille Verzückung. Da geschah gegen Mitternacht die Verkündigung durch den Engel und die Empfängnis Jesu. Anschließend betete Maria weiter bis zum frühen Morgen. Fromme Juden beteten damals besonders inständig um die Ankunft des Messias, weil sie den Prophezeiungen entnahmen, dass die Zeit herangekommen war. Maria hegte aber nicht etwa den Ehrgeiz, die Mutter des Messias zu werden, sie hielt sich eher für unwürdig dafür.
Nachdem Joseph einige Tage später zurückgekehrt war, begleitete er Maria zu ihrer Tante Elisabeth in Jutta, das von Nazareth 141 Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Bei ihr blieb Maria, bis jene Johannes den Täufer geboren hatte. Maria sprach nicht über die Menschwerdung des Messias in ihr, weder zu ihrer Ehre noch zu ihrer Verteidigung, da sie dazu von Gott keinen Auftrag und keine Erlaubnis erhalten hatte. Nur Elisabeth und später Zacharias tat es der Heilige Geist kund. Allerdings blieben Marias große Anmut und Würde den Menschen der Umgebung nicht verborgen.
Als Joseph nach Marias Rückkehr schließlich die äußeren Anzeichen ihres gesegneten Zustandes nicht mehr übersehen konnte, konnte er ihn nur rein irdisch verstehen. Daher wollte er sich aus der Verbindung zurückziehen und seine Verlobte verlassen. Da unterrichtete ihn ein Engel im Traum, dass göttliches Wirken dahinter stünde, und wies ihn an, Maria als sein Eheweib anzunehmen. Fromme Juden enthielten sich während der Schwangerschaft der körperlichen Vereinigung, was sicher gute Gründe hat. Umso mehr tat das Joseph, weil er sehr fromm war und jetzt um die besonderen Hintergründe, wenn auch nicht alle, wusste. Ein halbes Jahr nach Johannes wurde Jesus in Bethlehem geboren; Maria war da fünfzehn Jahre und zweieinhalb Monate alt. Drei Monate nach Jesu Geburt floh die Familie nach Ägypten; sie kehrte nach Nazareth zurück, als Jesus noch nicht ganz acht Jahre alt war. Johannes der Täufer wuchs wegen der Kinderverfolgung des Herodes in der Wildnis versteckt auf und war schon mit wenigen Jahren völlig selbständig.
Die vermutlichen irdischen Lebensdaten: Maria 7.9.-23 bis 15.8.41, Jesus 25.11.-8 bis 1.4.26, Johannes der Täufer Ende Mai –8 bis 8.1.25; Sonstiges: Marias Empfängnis 7.12.-24, Jesu Empfängnis 25.2.-8 (als Maria 14 Jahre und fünfeinhalb Monate alt war), Marias Erziehung im Tempel –19 bis –9, Flucht nach Ägypten 1.3.-7 bis 4.11.0 unserer Zeitrechnung. Die christliche Theologie setzt die Lebenszeit Jesu auch zwei Jahre später an. Insgesamt erlauben die überlieferten historischen Vergleichsangaben zu Regierungszeiten etc. keine problemlos stimmige Einordnung des Lebens Jesu. Nach Lukas, Kap. 3 hätte Jesus bis zum Jahr 31 oder 32 gewirkt.
Jesus – nicht am Kreuz gestorben
Mit der Gottessohnschaft Jesu wird im Islam eine Vorbedingung und mit seinem Opfertod die Einsetzung seines Erlösungswerkes bestritten. „… dagegen glauben die Moslems, dass der heilige Prophet Jesus nicht gekreuzigt wurde und direkt in den Himmel emporgehoben sei, und dass derjenige, der an das Kreuz geschlagen wurde, Judas, sein Apostel, sei, der den Römern den Ort Jesu für Geld verriet. Diese Tatsache erklären die heiligen Verse (4;157-159): ‚… doch kreuzigten sie ihn nicht, sondern einen ihm ähnlichen …’ … Das Äußere des Judas wurde in das Äußere von Jesus verwandelt.“ ([1]. S. 292).
Mit einer kurzen, unklaren verneinenden Koranaussage entfernt Gabriel Jesu Sühnetod aus dem Evangelium. Moslems folgern, es sei ein Jesus ähnlich sehender Mann, vielleicht ein Bettler, jedenfalls einer, der es verdient hatte und um den es nicht schade war, an Jesu Stelle gekreuzigt worden, denn Gott hätte den Tod dieses seines Propheten nicht zugelassen. Der Islamgelehrte Isaak Effendi drückt es, dem Kaiser von China in den Mund gelegt, so aus: „Wie kann Allah … (der Schöpfer) alle Nachkommen (Adams), die von seiner Sünde keine Ahnung haben, wegen der Sünde seines Dieners als sündig betrachten? Wie kann er kein anderes Mittel finden, als dass er um ihrer Vergebung willen seinen eigenen Sohn opfert? Schickt sich das für seine Erhabenheit?“ ([1], S. 287). Wie viel Verständnis der göttlichen Ordnung kann man aber von einem Mongolenkaiser im alten China erwarten?
Andererseits heißt es im Koran, als ein an die Juden gerichteter Vorwurf, dass viele frühere Propheten getötet wurden, (2;61 und 91; 3;112 und 181). Gabriel macht sich aber auch gar nicht die Mühe, den biblischen Kreuzigungsbericht durch eine stimmige Alternativ-Version zu ersetzen, also beispielsweise zu behaupten und zu begründen, Jesu Mutter Maria und der Apostel Johannes hätten ebenfalls den Fremden für Jesus gehalten oder sie hätten die Verwechslung gedeckt oder sie seien gar nicht bei der Kreuzigung anwesend gewesen. Aber aufgrund des Verbots der Hinterfragung und der fehlenden Bibelkenntnisse konnte Gabriel offenbar schon darauf vertrauen, dass die Moslems diese Fülle von Ungereimtheiten fraglos schlucken würden.
Und wo wären Jesus und der Doppelgänger ausgetauscht worden? Schon vor der Gefangennahme? In Gewahrsam der Schergen wäre es unmöglich gewesen. Und wie hätte der Ersatzmann sich vor dem Hohen Rat und vor Pilatus so weise verhalten, wie hätte er am Kreuz die Feindesliebe so unübertrefflich im Gebet für die Peiniger ausdrücken und die übrigen erhabenen Worte sprechen können? Eine der islamischen Antworten besteht darin, das biblische Geschehen zwischen Gefangennahme und Kreuzigung einfach zu übergehen, in den Worten des Barnabas-Evangeliums: „Als die römischen Soldaten das Haus betraten, um Jesus festzunehmen, haben … (die vier Erzengel) Gabriel, Michael, Raphael und Uriel … ihn umarmt, durch das Fenster geholt und zum Himmel erhoben. Die römischen Soldaten haben den sie begleitenden Judas mit Jesus verwechselt und ihn anstatt Jesus festgenommen … Trotz seines Beteuerns, trotz seines Schreiens und Flehens haben sie ihn zum Kreuz geschleppt und ans Kreuz geschlagen. Dann erschien Jesus seiner Mutter Maria und seinen Jüngern und sagte zu Maria: ‚Mutter, ich wurde nicht gekreuzigt. An meiner Stelle haben sie den Verräter Judas aufs Kreuz geschlagen und getötet …’ Daraufhin erhoben ihn die vier großen Erzengel vor den Augen seiner Mutter und der Jünger wieder zum Himmel.“ ([1], S. 21). Na, wenn das mal unter den Erzengeln kein Gedränge gab! Und Judas habe durch ein Wunder das Aussehen und die Sprechweise – und, wäre zu ergänzen, die göttliche Liebe – Jesu erhalten, sodass nicht nur die Häscher, sondern auch die Apostel getäuscht wurden. Ein wahrhaft fantastisches Evangelium!
Andernorts gibt der Gelehrte mit einem Zitat aus dem Artikel von Hauser doch noch die christliche Version des Geschehens wieder: „Als die Römer ihn [Jesus] vor den König Herodes führten, sagte dieser zu ihm: ‚Ich habe gehört, du hättest Wunder getan. Also los, tue auch für mich ein Wunder!’ Daraufhin schwieg Jesus und beugte sein Haupt nieder.“, fügt aber eine islamgerechte Interpretation an: „Denn seine Mission …, mit der ihn Allah beauftragt hatte, war am Ende angelangt … Daraus ergibt sich, dass Allah ihn zum Himmel aufnahm, da er mit seiner letzten Handlung zufrieden war.“ ([1], S. 120f.). Demzufolge wäre Jesus erst nach der Begegnung mit Herodes ausgetauscht worden, und der Islamgelehrte bietet hier und anderswo widerstreitende Versionen des Geschehens an: „Als Petrus, einer seiner Apostel, das Ohr des Gärtners, der über ihn Böses sprach, abriss, hielt sich Jesus nicht davon zurück, Allah anzubeten, damit das abgerissene Stück vom Ohr des Gärtners wieder an seine Stelle anwuchs.“ ([1], S. 289). Diese freie islamgerechte Nacherzählung aus der Bibel lässt sogar jeglichen Bezug zur Gefangennahme Jesu vermissen.
An anderer Stelle sucht der Gelehrte anscheinend Unterstützung in dem erwähnten Artikel von Hauser, dessen diesbezügliche Darstellung er offenbar akzeptabel findet: „Jesus tat zu dieser Zeit sein letztes Wunder. Als einem Helfer des Hohenpriesters, der sich unter den römischen Soldaten befand, die mit der Absicht, Jesus festzunehmen, gekommen waren, von Petrus das Ohr abgeschnitten wurde, setzte Jesus es wieder an seine Stelle, womit er zeigte, dass man auch mit seinen Feinden Mitleid haben sollte.“ ([1], S. 120). Schließlich rückt dieses Beispiel der Feindesliebe, nachdem Jesus als islamischer Prophet ausgegeben wird, die „Religion des Friedens“ in ein gutes Licht. Gleichzeitig machen diese unterschiedlichen, unvereinbaren Versionen den eigenmächtigen Umgang mit biblischen Erzählungen im Sinne beliebiger Abänderung, ganz wie es Gabriels Rede nahelegt, deutlich.
Angebliche Ankündigung Mohammeds in der Bibel
Als Jesus versprach, Gottes und seinen heiligen Geist zu senden, da habe er Mohammed angekündigt. Diese islamische Lehre findet ebenfalls ihren Platz in dem vorliegenden Werk. „Allah teilt in allen Religionsbüchern, die von ihm herabgesandt wurden, mit, dass ‚der jüngste Prophet’ in die Welt kommen und die ganze Menschheit auf den rechten Weg der Rettung leiten wird. Dies steht trotz mehrerer Veränderungen sowohl in der Thora als auch im Evangelium.“ ([1], S. 294). „In den heiligen Büchern Thora und Evangelium wurde verkündet, dass Muhammed als letzter Prophet nach dem Propheten Jesus kommen wird …“ ([1], S. 122).
Das Jesuswort „Ich hätte euch noch vieles zu sagen …“ (Joh. 16,12-13) weist angeblich deutlich auf das Kommen Mohammeds hin. „Dass nach dem Propheten Jesus noch ein letzter Prophet kommen wird, steht in der Bibel. Nach der Bibel sagt Jesus folgendes: ‚Allah sendet euch einen Helfer (Fürsprecher, Stellvertreter), der bei euch bleibt.’ (Joh. 14;16) Dieser wahre Stellvertreter, der Heilige Geist wird euch helfen, alles zu verstehen und euch an alles, was ich euch gesagt habe, erinnern.’ (Joh. 14;26) ‚Aber wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen. Was er euch sagen wird, sagt er nicht von sich selbst, sondern er wird euch sagen, was er hört. Er wird euch in Zukunft den Weg weisen.’ (Joh. 16;13).“ ([1], S. 134).
Hier geschieht das, was Moslems im Dialog gerne auf kritische Einwürfe entgegnen, nämlich „aus dem Zusammenhang gerissen“ und „falsch übersetzt“, einmal anders herum. Erstens treten bei diesen Bibelzitaten schon sinnverfälschende Ungenauigkeiten der Übersetzung auf, und zweitens werden zwischendurch diejenigen Sätze ausgelassen, die nicht zur Ankündigung Mohammeds passen. Gemäß Joh. 14;16 wird er (Gottvater) den Jüngern einen Tröster / Beistand / Helfer / Fürsprecher – griechisch „parakletos“ – (nicht „Stellvertreter“) geben, der immerfort / für immer / in Ewigkeit bei ihnen sei. Und der Schluss von Joh. 16,13 lautet abweichend vom Zitat: „Er (der heilige Geist, der Tröster) wird euch das Kommende verkündigen.“ Immerhin machte Mohammed ja einige Voraussagen, beispielsweise (am Graben in Medina), dass der Jemen, Syrien und Persien für den Islam gewonnen werden würden, oder dass der Islam in Sekten zerfallen würde. Wie aber könnte Mohammed „für immer/in Ewigkeit“ bei Menschen bleiben, außer in ihrem Gedächtnis? Und wo in Koran oder Hadith erinnert Mohammed irgend jemand an alles, was Jesus gesagt hat? Nur minimale, außerdem meist von der Bibel abweichende Aussagen über Jesus kommen dort überhaupt vor. Vor allem versprach Jesus den Tröster seinen Jüngern, nicht den ersten Moslems, die 600 Jahre später lebten, und die Jünger verstanden es als die Erfüllung dieser Verheißung, als zehn Tage nach Jesu Himmelfahrt (fünfzig Tage nach seiner Auferstehung) in der betenden Versammlung der Heilige Geist sichtbar, hörbar und erfahrbar auf sie herabkam.
Ausgelassen wurden auch Bibelstellen, die noch deutlicher nicht auf Mohammed passen: „… er (der Geist der Wahrheit) wird in euch sein.“ (Joh. 14,17). Mohammed war aber ein Mensch und kein Geist, der in irgend jemand sein würde, und schon gar nicht in den Aposteln, die lange vor ihm gestorben waren. Und: „Er (der Geist der Wahrheit) wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen“ (und das „Meine“ ist das des „Vaters“) (Joh. 16,14). Wo aber verherrlichte Mohammed Jesus? Er legte vielmehr in Koran und Sunna viel Wert darauf, ihn auf einen bloßen Menschen zu verkleinern, und stellte ihn weit unter sich selbst. Und wann verkündete Mohammed Jesu Lehre? Er redete und handelte Jesu Vorbild ganz entgegen – Stichworte Schwertmission, Frauen –, und der Koran bestritt Jesu Kreuzestod und entfaltete ein dem Neuen Testament entgegen gesetztes Gottesbild. So vermögen Moslems seit jeher durch Verdrehung und Auslassung die Bibel so zu verbiegen, dass sie mit dem Islam vereinbar sei und unter anderem Mohammed ankündigen würde. Mittels ihrer Behauptung über die Verfälschung der Bibel können sie zudem alle Bibelstellen nach Belieben, ganz wie es zum Koran passt, als Gottes Wort beanspruchen oder als verfälscht verwerfen.
Die Argumentation muss in jedem Fall den Koran bestätigen: „Die da folgen dem Gesandten (Mohammed) …, von dem sie geschrieben finden bei sich in der Tora und dem Evangelium.“ (7;157) sowie: „Und da Jesus, der Sohn der Maria, sprach: ‚O ihr Kinder Israel, siehe, ich bin Allahs Gesandter an euch, bestätigend die Tora, die vor mir war, und einen Gesandten verkündigend, der nach mir kommen soll, des Name Ahmad ist.’ … “ (61;6). „Ahmad“ (arabisch) bedeutet „Der Gepriesene“. Weil „Muhammad“ den gleichen Wortstamm besitzt, soll sich das Wort auf ihn beziehen und er „der Gepriesene“ sein. Im Griechischen gibt es ein Wort, das ähnlich wie „parakletos“ (Tröster) klingt, nämlich „periklytos“, das heißt „hochberühmt“. Die Moslems nutzen die Ähnlichkeit zur Argumentation, in der griechischen Bibelfassung habe bei der Ankündigung des Trösters durch Jesus „periklytos“, also das Wort für Ahmad und Mohammed gestanden, sei aber später durch einen Schreibfehler in „parakletos“ (Beistand) abgewandelt worden – eine unbewiesene These, welche auch durch die sonstigen Bibelaussagen, von denen keine in diesem Sinne auf Mohammed passt, widerlegt wird.
Wie zu erwarten, verbreitet auch das Barnabas-Evangelium die Ankündigung Mohammeds durch Jesus: „Der nächste Prophet wird kommen, sein Name wird Ahmed sein. Er wird der Religion des Erhabenen [Allahs], die bis zu seiner Zeit verdorben worden sein wird, wieder ihre originale Form geben. Er wird ein neues Buch bekommen.“ ([1], S. 294). Aber selbst wenn eine Bibelstelle Mohammed ankündigen würde, was nicht der Fall ist, könnten keine weiteren Bibelaussagen benannt werden, welche diese Ankündigung folgerichtig erscheinen lassen würden. Hingegen werden zahlreiche Prophetenworte des Alten Testaments auf Jesus bezogen, beispielsweise „… Wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen … doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen …“ (Jes. 53,4-5) oder „… Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben … Sie aber schauen zu und sehen auf mich herab.“ (Ps. 22,17-18). Laut Islam beruhen solche Hinweise wieder auf Verfälschung: „David … wurde ein heiliges Buch namens ‚Psalm’ gesandt [gemäß Koran 4;163] … Dass im Psalm, der sich in der Bibel von heute befindet … auch die von den anderen hinzugefügten Textstellen stehen, bildet den Anlass dazu, dass seine inhaltliche Form … verdorben wurde.“ ([1], S. 276).
Schließlich führt der Islamgelehrte noch 5.Mose 18,18 als Ankündigung Mohammeds an: „Im 5. Buch ‚Mose’ im Kapitel 18/15 sagt St. Jesus zu den Israeliten: ‚Der Herr wird für euch, unter euren Brüdern, einen Propheten wie mich hervorbringen.’ “ ([1], S. 134). Es war natürlich Moses, der da redete. Somit bezieht sich die Ankündigung nicht zwingend auf einen Propheten, der nach Jesus auftreten soll, sondern kann, ja muss auf Jesus als den Messias gedeutet werden. In den Kapiteln 1-33 legt Moses vor seinem Tod und vor dem Einzug des Volkes Israel in das ihnen verheißene Land noch einmal das ganze Gesetz Gottes dar. In der Bibel lautet die Stelle: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören …“ In 18,18 spricht Gott zu Moses entsprechend: „Einen Propheten wie dich will ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erstehen lassen.“ Der Islamgelehrte ergänzt, die Brüder des Volkes Israel sind die Araber, die Nachfahren Ismaels, also die Ismaeliten.
Die Bruderbeziehung verzweigt sich jedoch schon bei den Söhnen Abrahams, Ismael war der Halbbruder Isaaks. Der Alte Bund zwischen Gott und Abraham setzte sich ausdrücklich in Isaak und dessen Sohn Jakob fort und nicht in Ismael. Dessen Nachfahren, die Ismaeliten oder Araber, waren nicht unter dem Volk Israel, als es in der Wüste umherzog. Selbst wenn man die Ismaeliten als entfernte Verwandte („Brüder“) des Volkes Israel sehen will, wohnten diese woanders. In 18,15 heißt es genauer „aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern“. Die Brüder aus der Mitte des Volkes waren also Israeliten und keine Ismaeliten.
Von seiner völlig willkürlichen und unbegründeten Gleichsetzung „Brüder = Ismaeliten = Araber“ bezüglich 5.Mose 18,15 ausgehend, setzt der Islamgelehrte eine Kette nichtiger Folgerungen fort über Araber, Mohammed als letzten Propheten bis hin zu Koran als Offenbarung, unverfälschte Überlieferung des Korans und wissenschaftliche Religion Islam (siehe [1], S. 134).
Die Juden verstanden diese Prophetenankündigung durch Moses so, dass in jeder Generation ein Prophet aufstehen würde, was aber historisch nicht zutrifft. Die Apostel deuteten es auf Jesus, den von den Juden erwarteten, aber verkannten Messias und christlichen Erlöser, worauf viele Entsprechungen zwischen Moses und Jesus hinweisen (Joh. 1,21 und 45-51;Apg. 3,22 und 7,35-37). Beide entkamen als Kind der Verfolgung, verzichteten auf die Stellung als irdischer König, brachten dem Volk Errettung, waren geprägt durch Barmherzigkeit und Liebe, redeten direkt mit Gott, hatten Zeichen der Herrlichkeit Gottes an sich, übermittelten eine grundlegende neue Offenbarung und wirkten mächtig in Worten und Taten einschließlich Wundern.
In dieser Bibelstelle aus Moses schließt sich der Prophetenankündigung jedoch auch das Erkennungsmerkmal eines falschen Propheten an, nämlich dass seine Ereignisvoraussagen nicht eintreffen. Anfangs behauptete Mohammed ja, die Mekkaner vor ihrer Vernichtung in einem Strafgericht Gottes warnen zu müssen, die aber bekanntlich nicht eintraf. Jesus sagte die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 richtig voraus.
Sogar bei Paulus, der ja angeblich das Christentum aus Ablehnung zum Dreifaltigkeitsglauben verfälschte, finden die Islamgelehrten eine Ankündigung Mohammeds. In seinem 1. Brief an die Korinther, Kap. 13, preist er die Liebe als die größte Tugend neben Glaube und Hoffnung. Im Unterschied zu Sprachen und ohnehin stückweiser Weissagung und Erkenntnis würde sie nie vergehen. „… wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“(13,10) bezieht sich eindeutig auf das Himmelreich. Aber die Moslems verbiegen, was nach der Umdeutung des „Trösters“ kaum noch verwundert, auch die Jenseitshoffnung des Paulus mit Gewalt und mit Hilfe der Übersetzung „wenn der Vollkommene kommt“ zu einer Ankündigung Mohammeds in dem Sinne, dass er später alle Unklarheiten beseitigen würde. „Also müssen die Christen eingestehen, dass es auch in dem … Neuen Testament Abschnitte gibt, die von der Ankunft eines jüngsten Propheten berichten.“ ([1], S. 24).
Wunder – auch bei Mohammed
Jesu Wunderwirken wird im Islam bestätigt, schließlich heißt es in Koran (3;49), der Engel Gabriel habe bei Maria Verkündigung vorausgesagt, Jesu würde als Erwachsener einmal sagen: „… Siehe, ich komme zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn … ich will heilen den Blinden von Geburt und den Aussätzigen und will die Toten lebendig machen mit Allahs Erlaubnis …“ Dass in dieser Version der Engel ankündigt, dass Jesus einmal die Absicht kundtut, diese Wunder zu wirken, ist, nebenbei bemerkt, wohl ein kleiner boshafter Scherz Gabriels (nicht des gleichnamigen Erzengels). Insofern bestätigt der Koran nicht einmal, dass Jesus die Wundertaten wirklich vollbrachte. Als „Verherrlichung Jesu“ (siehe oben) kann diese Koranstelle auch nicht imponieren, zumal sie fortfährt, Jesus kündige an, den Kindern Israel zu verkünden, was sie essen und aufspeichern sollen. Das tat Jesus laut Bibel gerade nicht (Matth. 15,11 und 18-19).
Aber an Jesu Wunder hält der Islam auf der Grundlage des Korans fest; immerhin färben sie ja positiv auf den Islam ab, dessen Prophet Jesus gewesen sei. Dabei verwendet der Gelehrte wieder den Artikel von Hauser, der die Wunder eigentlich wegerklären will: Jesus „brauchte nur eine kleine Bewegung zu machen oder einige Worte zu sagen, um ein Wunder zu vollbringen … Eigentlich wurden Wunder mit einer einfachen Handbewegung oder Berührung vollendet [im Sinne von „vollbracht“?]. Mitleid und Barmherzigkeit des heiligen Propheten Jesus waren der Grund für diese Wunder.“ ([1], S. 118).
Bewegungen und Worte begleiteten Jesu Wunder je nach den Bedürfnissen der zu Heilenden und der Umstehenden. Natürlich sprach Jesus mit den Kranken, rührte sie zum Teil an, belehrte und ermahnte sie auch, weil er Heilung an Körper und Seele im Sinn hatte. Wenn Jesus aus der Ferne heilte oder passiv, wenn jemand im Begehren und Glauben, geheilt zu werden, sein Kleid berührte, entfallen solche Begleiterscheinungen ganz. Der Islamgelehrte stellt diese Äußerlichkeiten jedoch als Mittel zum Wunderwirken hin und vermischt letzteres dadurch mit Zauberei oder dem Wirken in der Art Gabriels, als er beispielsweise in körperlicher Erscheinung den vorbei gehenden Gegnern Mohammeds mit einem Fingerzeig tödliche Krankheiten zuwies.
Obwohl Mohammed laut Koran in Mekka anfangs trotz Aufforderung keine Wunder wirken konnte und damit ein taugliches Mittel, die Mekkaner von seiner Lehre zu überzeugen, schmerzlich entbehren musste, vermeldet der Gelehrte, er habe ebenfalls viele Wunder vollbracht. Allah habe Mohammed nicht nur „ähnliche Wunder (gewährt), die jedem Propheten gegeben wurden, sondern auch andere und besondere. Dass die Anzahl der Wunder (Mohammeds) … mehr als dreitausend sind, steht im türkischen Buch ‚Mirat-i Kainat’ (von Nischandschisade Muhammed Effendi, einem islamischen Gelehrten im Osmanischen Reich, gest. 1719). Sechsundachtzig von ihnen“ werden im Buch auf den Seiten 159-179 beschrieben.
Der Koran sei Mohammeds erstes und größtes Wunder. Bei den übrigen handelt es sich um Vermehrung von Wasser und Speisen; Erweckung von Quellen; sprechende Tiere und Gegenstände (eine Bestätigung für Mohammed und den Islam äußernd); Dinge, die sich auf Mohammeds Geheiß bewegen; Heilung von Stummheit, Blindheit, Kahlköpfigkeit, Brandwunden; erfolgreiches Gebet um Regen; Zukunftsvoraussagen, insbesondere über das weitere Geschick der Moslems und des Islams; Wahrsagen entfernter Ereignisse; von Mohammed ausgehender Moschusduft. Mohammeds Handtuch wird im Feuer gereinigt, verbrennt aber nicht; von ihm gepflanzte Dattelpalmen tragen sogleich Früchte; ein Moslem wird nach Gebet von einem Reiter mit Schwert, der ein Engel war, von seinem Feinde befreit; ein anderer wird von einem Löwen gegen die Feinde beschützt. Ferner habe es wirksame Fürbitten und Segnungen (für die Moslems), aber auch eine wirksame Bitte um Hungersnot für Dörfer, welche die Bekehrung verweigert hatten, gegeben; wirksames Anwünschen von körperlichen Gebrechen oder eines gewaltsamen Todes für Gegner sowie Schreckensvisionen und körperliche Gebrechen für Leute, die einen Anschlag auf Mohammed versuchten.
Ob diese Wunderberichte nun frommen Legenden oder Tatsachenberichten entstammen – einige werden in der Mohammed-Biografie angeführt –, zur Eigenart eines Teils von ihnen ist anzumerken, dass sich die letzten Beispiele in die durchgehende Einteilung der Menschen in Moslems und Nicht-Moslems einfügen. „Mitleid und Barmherzigkeit“ waren bei Mohammed eigentlich nie der Grund für Wunder, vielmehr Bekehrung durch Beweise, Fürsorge für die Anhänger sowie Selbstschutz und Eigennutz. Im Unterschied dazu schützte sich Jesus nicht durch Schadenzauber oder gar mit dem Schwert vor den Feinden, ihn retteten auch nicht wundersame Reiter vor seinen Gegnern, sondern die Engel bewerkstelligten beispielsweise, dass er mitten im Gedränge den Augen der Menschen „entzogen“ wurde, das heißt, dass sie (Dutzende und Hunderte) ihn nicht mehr erkannten und beachteten (Joh. 10,39). Jesus schädigte niemand, noch bei seiner Gefangennahme heilte er den von Petrus verwundeten Knecht des Hohenpriesters (Luk. 22,51).
Die einzige Evangeliumsstelle, wo Jesus seine übernatürliche Kraft zu einem Schaden einsetzte, nutzt der Islamgelehrte wieder für Kritik. Nachdem Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen und vom Volk bejubelt worden war, lehrte er an den darauf folgenden zwölf Tagen fast täglich im Tempel, während die Mehrheit der Schriftgelehrten und Pharisäer bereits seinen Tod beschlossen hatte, weshalb Jesus jeweils außerhalb von Jerusalem übernachtete. Als er am ersten Morgen zur Stadt ging und sich einem Feigenbaum näherte, fand er nur Blätter und keine Frucht an ihm und „verfluchte“ ihn deswegen, dass er nie mehr Frucht tragen solle. Am nächsten Morgen war er verdorrt (Matth. 21,18-19; Mark. 11,12-14). Mitte März war zwar nicht die Jahreszeit für Feigen, aber in Palästina trugen die Bäume um diese Zeit doch geringwertigere, „Taksch“ genannte Frühfeigen. Der Baum war also unfruchtbar, und Jesus benützte diese Tatsache zu einem Gleichnis für diejenigen, welche nicht an seine Lehre glaubten: In wem Jesu Lehre keine Frucht hervorbringt, der verfällt schließlich dem geistigen Tod. Übrigens standen diese Feigenbäume zur Versorgung der Reisenden an den Wegen, somit wurde auch kein Besitzer geschädigt dadurch, dass ein unfruchtbarer Baum verdorrte.
Der ungenannte Autor beanstandet nicht, dass Jesus den Baum verdorren ließ – laut Koran wirkte Jesus seine Wunder ja „mit Allahs Erlaubnis“, und Schadenzauber war ihm und Gabriel nicht fremd –, sondern dass er zur Unzeit Frucht erwartete und den Baum deshalb zu Unrecht verfluchte. „Es wäre unlogisch und stünde im Widerspruch zu dem Verstand, der Naturwissenschaft und dem Islam, dass ein Prophet einen … Baum, den Allah erschaffen hat, verflucht, weil er nicht frühzeitig Obst trägt.“ ([1], S. 93. Und er zitiert aus der Antwort eines chinesischen Kaisers an christliche Missionare (einem Buch Effendis entnommen): „Es ist für einen Baum unmöglich, unzeitig ein Obst zu geben. Jedoch, wenn Jesus wütend den Feigenbaum vertrocknen ließ, ist es wohl kein Unrecht? Kann ein Prophet wirklich so grausam sein?“ ([1], S. 287).
Einen Beleg für die angebliche Grausamkeit des christlichen Glaubens sieht der Gelehrte auch in Jesusworten wie „… ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ ([1], S. 217), wobei er die nachfolgenden erläuternden Bibelverse unterschlägt: „… gekommen, den Menschen zu entzweien … (seine) Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt, als mich, ist meiner nicht würdig …“ (Matth. 10,34-37). Jesus redete sehr oft in Gleichnissen, aber die Moslems verweigern sich dieser Tatsache, beharren auf der wörtlichen Erklärung und blenden den Zusammenhang aus, der den Gleichnischarakter erweist oder zumindest das Verständnis fördert, wie auch beim Zitat „Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie und ebenso eine Tasche, und wer nicht hat, verkaufe sein Gewand und kaufe ein Schwert …“ ([1], S. 217). Diese Aufforderung sprach Jesus in seinen Abschiedsreden beim Letzten Abendmahl, fortfahrend: „dass noch dieses, was geschrieben steht, an mir erfüllt werden muss: ‚Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden.’ [Jesaja 53] Sie aber sprachen: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.“ (Luk. 22,36-38).
Damit wollte Jesus die Apostel innerlich auf das Kommende vorbereiten. Bei seiner Gefangennahme verwies er jedoch Petrus seinen Schwertstreich mit den Worten: „… die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen. Oder meinst du, dass ich nicht meinen Vater bitten könne und er mir jetzt mehr als zwölf Legionen Engel schicken werde?“ (Matth. 26;52). Im Gegensatz zu Mohammed gab Jesus auch nicht den Auftrag, den Glauben an seine Botschaft von einer bewaffneten Reiterschar verbreiten zu lassen. So biegen sich Moslems mit bewusstem Missverstehen von Bibelstellen auch Jesus nach dem Format Mohammeds zurecht in dem Sinne, er habe Unfrieden, Entzweiung und den Kampf mit dem Schwert gebracht und gepredigt.
Erst verkleinert der Islam Jesus auf einen Propheten, der weit unter Mohammed stehe, dann kanzelt er ihn ab, weil er aus grober Unwissenheit wütend geworden sei und überdies grundlos einen Baum mittels seiner Wunderkraft habe verdorren lassen. Wie verträgt sich das mit der Behauptung der Moslems, Jesus als bedeutenden Propheten zu verehren? Die darin zum Ausdruck kommende islamtypische Haltung gegenüber Jesus ist mit Zwiespältigkeit, um nicht zu sagen Verlogenheit behaftet, welche jedoch ebenso wie die herabsetzenden Entgleisungen und wütenden Ausfälle in Bezug auf Jesus und seine Anhänger in Koran, Sunna und Islamgelehrsamkeit aus der Knechtschaft des Satans sehr wohl zu verstehen sind. Wer Jesus Christus als eine Verkörperung des Guten gelten lässt und nicht ganz ablehnt, kann bei diesen wütenden Tiraden gegen Christus und seine Anhänger hellhörig werden und einmal die Möglichkeit ins Auge fassen, dass Wesen mit das menschliche Maß überragender Intelligenz, aber gleichzeitig üblen Absichten, auf der Erde eine falsche Religion installierten, um die Menschen seelisch ins Verderben zu stürzen und zwischen ihnen Unheil zu stiften.
Der Islam und der Antichrist
Nur folgerichtig erscheint da die zum festen Bestand islamischen Glaubens gehörende Voraussage, Jesus werde als Mensch wiederkommen und heiraten, das Kreuz zerbrechen, die Schweine töten, die Christen vor die Alternative „Bekehrung zum Islam oder Tod“ stellen und schließlich neben Mohammed bestattet werden. Ähnlichkeiten zu Mohammeds Erdenwandel fallen ins Auge, und eine größere Ferne von der christlichen Erwartung „er wird wiederkommen in den Wolken des Himmels, um zu richten die Lebenden und die Toten“ ist kaum vorstellbar. Dementsprechend deckt sich die islamische Vorstellung von der Wiederkehr Christi teilweise mit dem christlichen Bild vom Erscheinen des Antichrists, insofern dieser als Erdenmensch auftreten, sich mit teuflischer Kraft und Scheinwundern als Messias glaubhaft machen und am Ende den Christen, wenn sie ihrem Glauben nicht abschwören, die Existenzgrundlagen entziehen soll. Im Unterschied zum Islam wird er keine Gegenreligion zum Christentum installieren, sondern jeglichen Gottesglauben ausmerzen wollen. Gegen dieses Vorgehen werden die Moslems kaum Widerstand leisten, weil sie das Erdenleben mit Belohnung und nicht mit Prüfung und Leiden verbinden und weil der Antichrist vorrangig gegen die Christen vorgehen wird, deren Glauben auch die Moslems verurteilen. Womöglich bereiten ihm auch die christlichen Kirchen in fortgeschrittener Abirrung von der Wahrheit den Weg, wenn sie nicht gar bis dahin als weltliche Organisation untergegangen sind.
Die Juden könnten den Antichrist leicht als endlich erschienenen Messias annehmen, da er sich in ihrem bis dann wieder errichteten Tempel als Gott verehren lassen wird. Das setzt voraus, dass spätestens bei der Machtentfaltung des Antichrists keine Moslems vorhanden sind, welche den Tempelbau in Jerusalem verhindern könnten oder nur wollten. Sobald der Antichrist in voller Machtentfaltung mit Hilfe der ihm ergebenen Massen den Christen das Lebensrecht entzieht, so heißt es in der christlichen Prophetie, wird er nach kurzer Zeit von Gott entmachtet, weil er seine Befugnisse überschritt, indem er die Christen zum Abfall zwingen wollte. Wie es scheint, gehen zwar die Moslems auch gegen den Christenglauben vor, aber im Allgemeinen nur mit Druck statt mit auswegslosem Zwang, und vielleicht deshalb lässt Gott sie seit 1400 Jahren gewähren, könnte aber trotzdem ihrem Tun einmal ein Ende setzen, wenn ihr Maß voll ist oder sie die Grenzen überschreiten.
Bereits seit Mitte der 1970er Jahre wird übrigens das Auftreten eines auch in östlichen Lehren erwarteten, noch verborgenen Weltlehrers, das zur Beschreibung des Antichrists passt, von dessen Channeling-Medium und Sekretär angekündigt, der dessen dem Christentum diametral gegenüber stehende Botschaft in Büchern und Vorträgen zu verbreiten sucht. Demnach vertritt dieser Weltlehrer, wie der Name schon andeutet, eine gänzlich diesseitige Heilslehre, welche den technischen Fortschritt preist und beispielsweise die von der Obrigkeit verfügte gleichmäßige Verteilung der irdischen Güter zum Ziel hat. Weil der Antichrist eher noch nicht so bald auftreten dürfte, wird der angekündigte Weltlehrer nicht mit diesem identisch sein, vielmehr dürfte seine jetzige Ankündigung zu dem Versuch benützt werden, den modernen Menschen für eine widergöttliche Lehre einzunehmen. Ähnlich wie der Islam die Bibel macht sich diese „Weltlehre“ die Bekanntheit und Akzeptanz esoterischer Begrifflichkeiten in gewissen Kreisen zunutze für Aussagen und Schlussfolgerungen, die in keinem Sinnzusammenhang mit ihnen stehen.
In direkter Parallelität zum Islam wird Jesus Christus darin als wichtige Figur vereinnahmt, aber gleichzeitig auf eine untergeordnete Position herabgestuft und für Botschaften missbraucht, die seinem historischen Erdenwandel geradewegs widersprechen, wie zentrale Erklärungen beweisen: Gott sei in der Schöpfung immanent und der Herr der Welten (gleiche Wortwahl wie im Koran); Jesus Christus sei nicht Gott, sondern eine Verkörperung des Gottesaspektes der Liebe; er werde nach seiner Weiterentwicklung auf Shamballa einen materialisierten Körper beziehen und im Flugzeug kommen, um die Prophezeiung, dass er in den Wolken des Himmels wiederkehrt, zu erfüllen; der Antichrist sei kein Wesen, kein Individuum, sondern Ausdruck der destruktiven Kraft Gottes, die sich im II. Weltkrieg bis auf weiteres erschöpft habe; die Macht des Bösen sei der Materieaspekt des Planeten; jeder Mensch sei sein eigener Satan und Richter; Gnade sei der Empfang der Liebe des Meisters (Jesus, Buddha) und komme durch ein reines Herz zustande. Hauptaufgabe der Menschheit sei die gleichmäßige Verteilung der Lebensmittel, Rohstoffe und Energiequellen der Welt, dies würde die Welt gesunden lassen und Spannungen und Gewalttätigkeit verhindern. Inspirierte Wissenschaft werde zu materieller Fülle führen, eine wissenschaftliche Einheitsreligion werde kommen.
Inhaltliche Parallelen dieser eindeutig und entschieden antichristlichen Lehre zum Islam fallen auf, welche wiederum Rückschlüsse auf letzteren zulassen: Jesus ist nicht Gott; Gnade ist nicht unverdient geschenkt, sondern durch Reinheit des Menschen bewirkt; Selbsterlösung, diesirdischer Erfolg, wissenschaftliche Religion, Weltfriede durch Einheitsreligion und gerechte Verteilung; irdische Wiederkehr Jesu ohne öffentliches Wunderwirken, dafür mit oben angerissener Lehre, die das Gegenteil seiner biblischen Botschaft darstellt; Auslöschung der christlichen Frohbotschaft; Begriffsverwirrung hinsichtlich Gott, Jesus, Satan, Antichrist, Ursprung des Bösen, Sünde, Gnade und Heilsweg – hier durch pseudospirituelle inhaltsleere Fantastereien im Esoterikjargon.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer
Die Schriftgelehrten waren Theologen und Juristen, sie kannten das Gesetz und legten es aus und zogen sich Schüler heran. Die Pharisäer hielten das Gesetz und die Überlieferung der Väter in Ehren, vertrauten der Verheißung Gottes (im Hinblick auf das Kommen des Messias und die Auferstehung der Seele) und kämpften, um deren Erfüllung zu sichern, leidenschaftlich für die Beachtung des Gesetzes in allen Kleinigkeiten. Aus einer Laienbewegung wurde nach den Makkabäerkriegen die neben den Sadduzäern stärkste religiöse Partei, welcher die führenden Schriftgelehrten vorstanden. Eine falsche Messiasvorstellung und eitle, lieblose und heuchlerische Gesetzesbetonung brachte die meisten von ihnen in feindlichen Gegensatz zu Jesus, der ein unerbittlicher Gegner dieser Art von Frömmigkeit war. Ihre Gruppe überstand die Zerstörung Jerusalems und prägte das Judentum bis heute.
Nikodemus, ein Pharisäer und Oberster der Juden, habe erst an Jesus geglaubt, als ihm bei seinem Besuch in der Nacht ein Wunder gezeigt wurde (Joh. 3,1-21), schreibt der Gelehrte. Vielleicht ist auch gemeint, dass ihm von den Wundern Jesu erzählt wurde, denn gemäß dem Johannesevangelium ereignete sich zuvor bei der Hochzeit von Kanaa die Verwandlung von Wasser in Wein. Vielen modernen Theologen und heutigen lauen Christen wirft der Gelehrte vor, gar nicht mehr an das Wunderwirken Jesu zu glauben. Da soll wieder Kritik an Christen – paradoxerweise, dass sie ihren angeblich falschen Glauben nicht ernst nehmen –, auf die christliche Frohbotschaft ausstrahlen. Das Wunderwirken Jesu beansprucht der Islam für sich, während er Jesu Lehren insgesamt unterschlägt und pauschal als islamische Verkündigung ausgibt
Daraus, dass Jesus Geheilten manchmal untersagte, von ihrer wundersamen Genesung zu berichten, schließt der Gelehrte, dass sich Jesus für sein Wunderwirken „eher schämte“. Dann benennt er aber doch einen Grund für das Schweigegebot, welcher einem der wahren Motive immerhin nahekommt: Die Rabbiner hätten Jesu Tod beschlossen, weil er durch seine Wunder das Volk von seiner neuen Lehre überzeugte. Obwohl Jesus die Wunder aus Mitleid gewirkt habe, hätten sie nebenbei diesen Überzeugungseffekt gehabt (siehe [1], S. 118).
Nach biblischer Darstellung machten Jesu fortwährende Wunder des Heilens, des Austreibens von Dämonen und – eher nebensächlich – der mehrmaligen Vermehrung von Speisen das Volk geneigt, ihn als Propheten oder auch Messias anzunehmen. Jedoch galten ihnen die Wunder als eine selbstverständlich zu erwartende Bestätigung eines Prophetenanspruches. Nur im Ausmaß überstieg Jesu Wunderwirken das der Propheten, was ihn in den Augen vieler gutwilliger Juden eben als Messias auswies. Die Masse des einfachen Volkes drang jedoch nicht weit in Jesu Lehren, die er vor ihm in Gleichnisse kleidete, ein und erwartete sich vom Messias einen machtvollen und glorreichen König, der die Feinde vertrieb und das jüdische Königreich für alle Zukunft wieder errichtete und sicherte. Mit seinem Einzug in Jerusalem in feierlicher Prozession gab Jesus den Volksmassen die Gelegenheit, ihn als Messias und König zu begrüßen und zu bejubeln. Freilich wollte er lediglich fortfahren, vor der Menge zu lehren, bevor er nach dem Willen und der Ordnung seines Vaters im Himmel durch sein leidvolles Sterben den Seelen die Rettung erwirken sollte, so dass das Reich Gottes, das nicht von dieser Welt ist, innerlich in ihnen erstehen konnte. Jesus hatte also nicht vor, das Amt eines weltlichen Königs anzutreten, die Pharisäer befürchteten dies aber, und um seinen Einfluss auf das Volk zu unterbinden, hielten sie, als Jesus im Tempel lehrte, die Eingänge bis zum Abend verschlossen, riegelten auch die umgebenden Straßen ab und untersagten den Anwohnern von diesem Tag an, Jesu Anhänger und Zuhörer zu versorgen.
Jesu Lehren und Wirken waren den Schriftgelehrten schon deshalb ein Dorn im Auge, weil er selbstbestimmt handelte, ohne ihre Erlaubnis und ihr Einverständnis zu suchen. Beim überwiegenden Teil des jüdischen Volkes fand Jesus aber nicht deshalb Gehör und Glauben, weil er durch irgendwelche Wunder überzeugte, sondern weil er die Herzen gewann dadurch, dass er Kranke und Besessene wieder zu selbständigen und tatkräftigen Menschen und zu nützlichen Mitgliedern der Gemeinschaft machte, dass er auf seinen Wanderungen und Stationen fortwährend, wo er konnte, tröstete und seelisch aufrichtete, belehrte und ermahnte und dadurch moralisch besserte, in Familienkonflikten vermittelte und aussöhnte, Gefangene, die mit übertriebener Strenge verurteilt worden waren oder zu Unrecht festgehalten wurden, besuchte und loskaufte und Spenden an die Armen verteilen ließ. Jesus vergab allen, die aufrichtig bereuten, die Sünden und befreite sie in vorausgesandter Gnade auch von körperlichen Gebrechen, die eine Wirkung der Sünde waren oder sonstige Ursachen hatten.
Dabei gab Jesus der Heilung der Seele den Vorrang und richtete sich nach der Bereitschaft zur moralischen Besserung, das heißt, er heilte nicht den verstockten Sünder, damit er mit gesundem Körper desto mehr sündigen würde. Weil im Vergleich dazu auf dem irdischen Feld der Heilkunst und der Mitmenschlichkeit das Seelenheil meist nicht berücksichtigt wird, ist all das angestrebte und teils auch erreichte Gute nicht wirklich und rein gut, sondern bleibt mit dem Bösen vermischt. Ein Heilen des Körpers, das sich der niederen Natur bedient und nicht die Sünde beendet, gleicht dem Zudecken eines Mangels, lässt die tiefere Ursache unberücksichtigt und bewirkt oft nur eine Verschiebung des Übels. Wenn Menschen Wohltätigkeit ohne Jesus, Aufklärung ohne Licht und Wissenschaft ohne Gott betreiben, sind die Folgen oft Verwirrung, geistige Dunkelheit, Not und Verzweiflung (vgl. Anna Katharina Emmerich: Das dritte Lehrjahr Jesu [2]: S. 408f.).
Jesu Vollmacht
Die Schriftgelehrten in der besonders gesetzestreuen Partei der Pharisäer waren der festen Überzeugung, dass Sünden zu vergeben Gott vorbehalten war. Als Jesus ziemlich am Anfang seines Wirkens zu einem Gelähmten sagte: „Kind, deine Sünden sind vergeben“, sagten sich die anwesenden Religionsaufseher: „Er lästert Gott.“ (Matth. 9,1-8; Mark. 2,1-12; Luk. 5,17-26). Da fragte sie Jesus, ob es dagegen leichter sei, zu dem Gelähmten zu sagen „Steh auf und geh umher!“? Er sagte dies zu dem Gelähmten, und dieser tat nach seinem Wort. Damit zeigte Jesus, dass er von Gott Vollmacht zu dem einen wie zum anderen hatte, zur Sündenvergebung und zur Wunderheilung. Das Volk verstand und nahm es an und pries Gott. Die Schriftgelehrten und Pharisäer aber verweigerten sich dem Offenkundigen hartnäckig und dauerhaft. Nachdem Jesus einen Blindgeborenen am Sabbat sehend gemacht hatte, sagten die Pharisäer teils: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht“, teils: „Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?“, und fügten gemeinsam hinzu: „Wir aber sind Moses’ Jünger. Wir wissen, dass Gott zu Moses geredet hat; von diesem aber wissen wir nicht, woher er ist.“ Nachdem der Geheilte ganz recht gesagt hatte: „Hierbei ist es erstaunlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist, wo er doch meine Augen geöffnet hat. Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er. Von Anbeginn hat man nicht gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet habe. Wenn dieser nicht von Gott wäre, könnte er nichts tun.“, warfen sie ihn hinaus mit den Worten: „Du bist ganz in Sünden geboren und willst uns lehren?“ (siehe Joh. 9,16-41).
Die Schriftgelehrten und Pharisäer argumentierten also nicht in der Sache oder aus der Schrift, sondern mit ihrem Amt, und strebten vordringlich danach, ihre religiöse Autorität vor dem Volk zu wahren. Sie bescheinigten sich allein die Aufgabe und gleichzeitig die Kompetenz, kraft ihres Amtes über die Echtheit eines Propheten zu urteilen, so bei Jesus und zuvor schon bei Johannes dem Täufer, dem aufgrund seines asketischen Lebenswandels und seiner furchtlosen Bußpredigt eine hochgradige Prophetenschaft nicht abgesprochen werden konnte. Das Volk wenigstens tat es nicht, wohl aber wollten die Religionsaufseher Johannes schon deshalb nicht als Propheten anerkennen, weil er ohne Genehmigung der religiösen Aufseher seine Taufe, eine neue, vom Tempel unabhängige religiöse Praxis eingeführt und viele aus dem Volk für eine fromme Erneuerungsbewegung gewonnen hatte. Keinesfalls waren sie bereit, einem neuen Propheten zu folgen. Öffentlich äußerten sich diese Heuchler aber nicht zu Johannes, weil sie mit ihrer Ablehnung seiner Taufe beim Volk auf Widerspruch gestoßen wären (siehe Matth. 21,25-27).
Mit Jesus wiederholte sich das Geschehen in potenzierter Form, aber nicht nur, weil er sich selbst der Taufe des Johannes unterzogen hatte und seine Jünger die Bekehrten in veränderter Form taufen ließ. Auch wenn sie sein Wirken nur schwer mit der bisherigen Offenbarungsgeschichte vereinbaren konnten, so verstanden sie sich nicht wenigstens dazu, ihn um Verständnishilfen anzugehen. Vielmehr stellten sie ihm nur Fangfragen, um ihn vor dem Volk bloßzustellen, was ihnen aber nicht gelang, weil sie gegen die göttliche Allwissenheit und Weisheit selbst, an denen Jesus Anteil hatte, kämpften, während sie meinten, mit Gott gegen eine Irrlehre vorzugehen, und über Jesus aus irdischen Interessen ein unsachgemäßes Urteil fällten. Jesus sagte denn auch zu ihnen: „Wenn ihr blind wäret, hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: ‚Wir sehen.’ Daher bleibt eure Sünde.“ (Joh. 9,41).
Als Jesus ein andermal am Sabbat beim Tempel einen Lahmen geheilt hatte, erklärte er den ihn verurteilenden Schriftgelehrten und Pharisäern seine Vollmacht von Gott und hielt ihnen vor: „Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; sondern ich kenne euch, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt. Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf … Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? Meint nicht, dass ich euch bei dem Vater verklagen werde; da ist, der euch verklagt: Moses, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Denn wenn ihr Moses glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben [1.Mos. 3,15]. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“ (Joh. 5,39-47).
Die Schriftgelehrten und Pharisäer wollten daher nicht nur Jesu Wunderwirken unterbinden, sondern vor allem sein Lehren, das von ihrem Verständnis der Gesetzesreligion abwich und das er in einer „Vollmacht“ ausübte, die er von seinem himmlischen Vater und nicht von ihnen bezog. Sie hatten ja das Monopol auf die Schriftauslegung und die Oberaufsicht über die Einhaltung der Mosaischen Gesetze inne. Auch sie erwarteten vom kommenden Messias die machtvolle Wiederherstellung des siegreichen und unangefochtenen Königreiches, und gingen wie selbstverständlich davon aus, dass sie, als die Führungselite in Glaubens- und Regierungsangelegenheiten, dabei eine überragende Rolle einnehmen würden. Der Messias würde nach ihrer Überzeugung sich bei seinem Vorhaben mit ihnen und den Tempelpriestern als den Gottgetreuen ins Benehmen setzen und sie als seine würdigsten und engsten Mitstreiter heranziehen. Dass Jesus nichts dergleichen unternahm, enttäuschte die meisten der Schriftgelehrten und Pharisäer, Lehrer und Aufseher maßlos. Es widersprach ihrer Schriftauslegung, ihrem Selbstverständnis und ihrer Stellung vor dem Volk. Dass er sie nicht von vorneherein von scharfer Zurechtweisung ausnahm, brachte sie dazu, seine göttliche Sendung zu bestreiten, obwohl er alle Anzeichen eines Propheten allerersten Ranges aufwies und sie durch die ihnen wohlbekannten Hinweise aus der Schrift auf die baldige Ankunft des Messias in besondere Wachsamkeit versetzt waren.
Dabei brachte ihnen Jesus von Anfang an keine Zurücksetzung oder Ablehnung entgegen, vielmehr bemühte er sich lange um sie und baute ihnen Brücken, wenn er ihre Einladungen annahm, unter ihren Augen lehrte und mit ihnen debattierte. Geduldig nahm er ihre zunehmenden Versuche der Einmischung, Regulierung, Störung und Verhinderung hin und wehrte sich ganz ohne weltliche Macht nur mit wahrhaftigen und weisheitsvollen Worten. Nur ging er auch ihnen gegenüber in seiner Botschaft keine Kompromisse ein, während sie aber an ihren Vorstellungen festhielten.
Jesus suchte Anhänger, die alle weltlichen Interessen und die Bindung an Besitz hintanstellten, er schaute ins Herz und nahm die aufrichtig bereuenden Sünder an, ließ die Bekehrten taufen. Die allermeisten Schriftgelehrten und Pharisäer suchten jedoch nicht demütig Heilung an Körper und Seele, sondern verharrten in ihrer Fassade. Sie überwachten Jesu Lehren und Wirken ständig, belauerten ihn und stellten ihm Fangfragen. Doch in religiösen Debatten kamen sie nicht gegen ihn an. Sie konnten ihn auch keiner Sünde beschuldigen und mussten ebenso die große Tugendhaftigkeit seiner Mutter Maria anerkennen. Seine wunderbar weisheitsvollen Lehren und seine Wunder, die sie selbst erlebten oder über die sie von ihren Spähern und Zuträgern wohl unterrichtet waren, hätten sie zur Erkenntnis eines göttlichen Wirkens führen können, wenn sie sich zu einer aufrichtigen, unvoreingenommenen Betrachtung bereit gefunden hätten.
Aber nicht überall im Land waren die Schriftgelehrten und Pharisäer ständig präsent. In den Orten fernab von Jerusalem gab es immer wieder Synagogen- und Schulvorsteher, welche Jesus als durch seine weisen Schriftauslegungen und Wunder erwiesenen offensichtlichen Propheten unter fortlaufender Prüfung vorläufig akzeptierten, ihn mit der gebotenen Höflichkeit und Gastfreundschaft aufnahmen, seine Lehren anhörten und sein Wirken nicht behinderten.
Starre Vorschriftenbetonung
So stellte sich ein Großteil der Schriftgelehrten und Pharisäer gegen Jesus. Da er nicht mit Gewalt gegen seine Gegner vorgehen wollte, wich er ihnen, wenn seine scharfe Rede sie nicht mehr von Handgreiflichkeiten abhielt, aus und vermied es, den Konflikt unnötig und vor der Zeit zu verschärfen. Aber auch, um die Bekehrung und die moralische Besserung der Geheilten zu fördern, gebot er diesen oft, kein Aufsehen zu erregen. Doch dieser Verzicht auf irdische machtvolle Durchsetzung galt den Pharisäern aufgrund ihrer Vorstellungen von einem siegreichen König wiederum als Beweis, dass Jesus nicht der verheißene Messias sein konnte.
Sie sahen auch ihre weltlichen Privilegien und materiellen Interessen in Gefahr, fürchteten den Verlust ihres Ansehens und ihrer Autorität beim Volk. So versuchten sie, Jesu Lehren und Heilen unter ihr Reglement zu bringen, von ihrer Erlaubnis abhängig zu machen oder andernfalls zu stören und zu verhindern. Sie sprachen ihm die göttliche Sendung ab mit kleinlichen Vorwürfen, dass er am Sabbat heilte, dass seine Jünger am Sabbat im Vorübergehen von Ähren auf dem Feld gegessen hatten und das vorgeschriebene Händewaschen vor dem Essen nicht und die Fastenzeiten unregelmäßig einhielten, oder dass sie mit von der Reise beschmutzten Kleidern in die Synagoge kamen. Sie bemängelten, dass Jesus sich mit Unwissenden umgebe und Gelehrte abweise und dass er Umgang mit Zöllnern, Sündern und schlechten Weibern habe. Auch würde er die Menschen veranlassen, ihre Arbeit aufzugeben und ihm nachzuziehen. Er sei ein Aufwiegler und Unruhestifter.
Jesus hielt ihnen entgegen: „Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen“ (Mark. 2;27). Das strenge Mosaische Ruhetagsgebot sollte dem Menschen eine Pause im Daseinskampf verschaffen, damit er in Muße an Höheres denken konnte. Zu heilen und Gutes zu tun entspricht aber dem Willen Gottes, und Jesu Heilen erfüllte das Volk mit Dank und Lob an Gott und befähigte die Geheilten erst wieder zur vollen Religionsausübung. Auch hatte Jesus selbst keine Sabbatruhe zu seiner eigenen Heiligung nötig. „Somit ist der Menschensohn Herr auch des Sabbats.“ (Mark. 2,28).
Jesus beging zwar den Sabbat auf die jüdische Art, nur nützte er den arbeitsfreien Tag genauso dazu, die Menschen zu lehren und zu heilen. Seine Entgegnung auf den Vorwurf des Ährenpflückens am Sabbat „Wenn ihr aber erkannt hättet, was das heißt: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer’, so würde ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben.“ (Matth. 12,7) zitiert aus dem Propheten Hosea (6,6), welcher das Tieropfer als Mittel und nicht als Endzweck der Religion darstellte, und dafür hielt, dass es von Reue, Hingabe und Treue vor Gott begleitet sein müsse, damit Liebe die Sühne unnötig machen würde. Diese eindrucksvolle Vertiefung des Gottesbezuges aus dem 8. Jht. v. Chr. weist in erstaunlichem Maße in Richtung der christlichen Botschaft.
Den Schriftgelehrten und Pharisäern galten jedoch die vorgenannten Äußerlichkeiten als unverzichtbar unter den Geboten Gottes, dafür kamen Liebe und Barmherzigkeit in ihrem Religionsverständnis nicht vor. Nach ihrer Auffassung konnte sich das auserwählte Volk nicht die geringste Nachlässigkeit in der Vorschriftenerfüllung leisten, weil dies Gott dazu bewegen könnte, mit der Entsendung des Messias weiter abzuwarten. Dass Gott vielmehr Barmherzigkeit im Handeln mit dem Erscheinen des verheißenen Retters lohnen könnte, kam ihnen in ihrer Ehrsucht, Besitzgier, Lieblosigkeit und Vorschriftenbetonung nicht in den Sinn. Um die Ankunft des Messias nicht zu gefährden, wollten sie somit auch Jesus völlig ihrem Verständnis von Gesetzesreligion unterwerfen und sein Beispiel unterbinden, wenn er am Sabbat heilte und sich vor dem Essen nicht immer die Hände wusch, ob er auch Tausende heilte, Blindgeborene sehend machte, Dämonen austrieb und Tote erweckte. Dass Jesus selbst schon der Messias war, erkannten sie mehrheitlich in ihrer geistigen Blindheit nicht. Nur einige Wenige von ihnen bekehrten sich zu Jesus, teils heimlich wie Nikodemus.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer versuchten dann, Jesus das Volk abspenstig zu machen, indem sie verbreiteten, er treibe die Teufel mit der Hilfe des obersten Teufels (Beelzebub) aus. Jesus entkräftete alle ihre Vorwürfe, aber sie nahmen keine logischen Argumente und keine Beweisführungen aus der Schrift an. Ihm blieb nur, sie wegen ihrer falschen Auslegungen und Verordnungen, wegen ihrer Sündhaftigkeit und ihrer unmenschlichen, egoistischen Herrschaft immer wieder scharf zurechtzuweisen. Er warf ihnen beispielsweise vor, Äußerlichkeiten zu betonen und dagegen Vater und Mutter nicht zu ehren. Als letztes Mittel, sich ihrer zu erwehren, sagte ihnen Jesus ihre geheimen Verfehlungen ins Gesicht, wie die Unterschlagung von Geldern für Witwen und Waisen, und drohte, dies dem Volk bekannt zu machen. Auf sein Wort vor der ertappten Ehebrecherin „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ (Joh. 8,7) machten sie sich davon.
Als die religiöse Führung im letzten Jahr des öffentlichen Wirkens Jesu dazu überging zu versuchen, seiner habhaft zu werden und ihn zu töten, warnte er zunehmend die Jünger und auch das Volk vor ihrer Bosheit und Heuchelei, indem er sie öffentlich beschuldigte. Er bezeichnete sie als Füchse, als Natterngezücht, als blinde Führer von Blinden und verglich sie mit übertünchten Gräbern. „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! … Ihr habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben … ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit … so scheint auch ihr von außen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.“ (Matth. 23,23-28). Und zu den Jüngern sagte er: „Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft, so werdet ihr keinesfalls in das Himmelreich hineinkommen.“ (Matth. 5,20), denn „Alles nun, was sie euch sagen, tut und haltet; aber handelt nicht nach ihren Werken! Denn sie sagen es und tun es nicht.“ (Matth. 23,3).
Als Jesus seine Botschaft zur Genüge im Land verbreitet und seine Apostel und Jünger herangebildet hatte und die Zeit für seinen Opfertod herangerückt war, lehrte er in den verbleibenden sechs Wochen fast täglich im Tempel und ließ den Konflikt mit den Religionsaufsehern auf eine Entscheidung zutreiben. Als sie seine Voraussage hörten, dass er von ihnen wie ein Verbrecher misshandelt und getötet werden würde, da schraken sie nicht etwa vor ihrem bösen Beginnen zurück, sondern schöpften im Vertrauen auf seine Prophetengabe freudige Zuversicht, dass es ihnen gelingen werde, ihn zu töten.
Wenn die religiösen Eliten der Juden Jesu logische Argumente und Belege aus der Schrift oder wenigstens sein Wunderwirken beispiellosen Ausmaßes und seine offensichtliche prophetische Hellsichtigkeit vorurteilsfrei und aufrichtig gewürdigt hätten, hätten sie seine Lehre als von Gott kommend annehmen und befolgen und ihn als Messias anerkennen können. Doch dazu hätten sie von ihren althergebrachten religiösen Vorstellungen abgehen und das neue Kapitel im göttlichen Heilsplan mitvollziehen müssen, in dem sich Gott nach langer Vorbereitungszeit unverstellt als die Liebe selbst durch Jesus zeigte. Sie aber beharrten auf ihrer Vorstellung, dass das jüdische Volk für immer unter dem Mosaischen Gesetz und in einem triumphierenden Königtum fortbestehen würde, und wollten gar Gott selbst Vorschriften machen und seine wunderbaren Wege, wenn sie von dieser Erwartung abwichen, nicht wahrhaben. Aus weltlichen Interessen und aus selbstgerechter Erstarrung in Lieblosigkeit, in intellektueller Unredlichkeit und in maßlosem Hochmut verschlossen sie sich Jesu Lehre und der Führung Gottes und trieben ihre Wut auf den, der Gott in neuer und unverstellter Weise offenbarte, auf die Spitze. Natürlich trugen sie auch dadurch zur Ausführung des Heilsplanes Gottes bei, ohne jedoch von der Verantwortung für die Art ihres Beitrages frei zu sein. Denn nicht Wahrheitssuche, Vernunft, Verstandesgebrauch, redliche Debatte, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit brachten die Führungselite der Juden dazu, Jesus abzulehnen und zu töten, sondern ihr Mangel an Tugend.
Verkehrung des Jesusbildes im Islam
Hier geht es jedoch nicht um moralische Verurteilung oder um die müßige Frage, ob die heutigen Führungseliten – und an ihrer Seite die Mainstream-Medien, die es damals noch nicht gab – es in der Situation der Pharisäer besser gemacht hätten. Jedoch eignet sich die bare Wirklichkeit der menschlichen Antworten auf Jesus wieder für einen Vergleich zwischen den Bildern, welche die Bibel und der Islam jeweils davon zeichnen. Im Islam gilt Jesus als ein Prophet mittleren Ranges, obwohl keiner der Propheten so zahlreiche große Heilungswunder, Totenerweckungen und Dämonenaustreibungen vollbrachte, wie er. Und keiner lehrte so unermüdlich und so überragend weise und vielfältig, keiner rührte das Herz der meisten Menschen und bewegte sie zur Reue und moralischen Besserung so, wie er.
Die islamische Einstufung Jesu kann also gerade nicht als angemessen betrachtet werden, eher kommt die Jesusdarstellung im Islam einer Karikatur gleich. Denn angeblich habe Jesus die islamischen Gebote verkündet und praktiziert, wie das Ritualgebet mit vorhergehender Waschung, die Speisevorschriften, das Fasten usw. Damit würden aber die Vorwürfe der Pharisäer bezüglich des Nichteinhaltens religiöser Vorschriften entfallen. Die Differenzen könnten sich dann lediglich daraus ergeben haben, dass Jesus ein etwas anderes Vorschriftenwerk, und sei es das wahre ursprüngliche, oder ein noch strengeres gelehrt und praktiziert hätte.
Aus der Bibel ist solches freilich überhaupt nicht zu ersehen, auch nicht, dass Jesus und seine Jünger ein förmliches Fasten eingehalten hätten. Vielmehr nahm Jesus nur in dem Maß, das zur Erhaltung des Körpers notwendig war, Speise zu sich, immer aber ging ihm das Lehren und Heilen nach dem Willen seines himmlischen Vaters vor, während die Pharisäer das Heilen unter die am Sabbat untersagten Handlungen rechneten, als sei es eine Arbeitstätigkeit. Auch wenn Jesus mit den Jüngern zusammen gelegentlich unter Verwendung jüdischer Gebete und Psalmen betete, betete er laut Bibel oft für sich allein zu seinem himmlischen Vater, indem er sich, oftmals nachts, während die anderen schliefen, absonderte.
Später fasteten die Apostel und Jünger, wenn sie sich zum Gebet für ein besonderes Anliegen versammelt hatten, beispielsweise vor der Herabkunft des Heiligen Geistes. Ein Fasten zur Vorbereitung auf eine besondere spirituelle Erfahrung ist in vielen Kulturen bekannt. Hingegen vermindert das islamische Ramadan-Fasten jährlich einen Monat lang hauptsächlich die Leistungsfähigkeit am Tag und die Erholung durch Schlaf, indem die Nahrungsaufnahme auf die Nachtzeit verlegt wird und die Form von Festgelagen annimmt, was auch eine etwaige gesteigerte Bewusstheit für Ritualgebet und Koranrezitation wieder in Frage stellt.
Gemäß dem Islam habe Jesus viel Wert auf die Einhaltung religiöser Vorschriften gelegt, aber damit hätte er ja eher Gemeinsamkeiten mit den Pharisäern gezeigt. Angeblich wollte er zu dem wahren strengen Gesetz zurückführen, dann hätten seine Differenzen mit den Schriftgelehrten nur inhaltliche Abweichungen betroffen. Die Erklärung der Gegnerschaft jener reduziert sich damit auf die vielstrapazierte islamische Standardformel, die Juden seien vom wahren Glauben abgewichen, verbunden mit der pauschalen unbewiesenen Behauptung, Jesus habe den wahren, ursprünglichen Islam neu verkündet, wie schon Abraham und Moses zuvor. „Der heilige Prophet Jesus sagte nicht, dass er eine neue Religion hervorbrachte, er sprach (vielmehr): ‚Ich errichte keine neue Religion. Ich bin nur deshalb hier, (um) die rechte Religion, die auf dem Glauben an einen einzigen Gott beruht, welche die Propheten des israelitischen Volkes allen geoffenbart hatten, aber mit der Zeit verdorben wurde, bekanntzugeben.’ Also ist es nicht zu akzeptieren, dass das Christentum eine neue Religion sei. Das Christentum ist gleich mit der Religion von Abraham und Moses mit dem einzigen Allah.“ ([1], S. 290). So schafft die islamische Lehre die christliche Frohbotschaft aus der Welt. Gabriels Rede macht sie zur Makulatur.
Der Islam – das neue Pharisäertum
Die Moslems hängen selbst einer Gesetzesreligion an, welche darin dem Judentum als eine schreckliche Verzerrung von ihm grundsätzlich ähnelt. Ja, sie glauben korangemäß sozusagen, die besseren Juden und das neue auserwählte Volk Gottes zu sein, auf das Allah seine Huld übertragen habe. Das Überdauern des auserwählten Volkes auf hoher sittlicher Stufe, in dem die Juden ihren immerfort geltenden Gottesbezug erblickten und das in christlicher Perspektive sich als Vorbedingung für Jesu Erscheinen in der Welt und als die notwendige Vorbereitung auf das endgültige Heil zeigt, machen ebenso die Moslems zur Hauptsache, zur wahren Religion selbst, welche unverändert bis zum Jüngsten Tag in Kraft bleiben solle. In dieser Hinsicht treten Mohammed und seine Anhänger die wahre Nachfolge der Schriftgelehrten und Pharisäer an, teilen deren Unvernunft, Tugendlosigkeit, Selbstgerechtigkeit und fassadenhafte Täuschung und berufen sich darin auch noch auf Jesus als einen früheren Propheten ihrer Glaubensauffassung, womit sie das biblische Jesusbild völlig ins Gegenteil verkehren.
Dabei übernimmt der Islam die Messiaserwartung der Juden teils gar nicht – er leugnet ja die sie begründende Erbsünde –, teils erledigt er sie dadurch, dass sie in Jesus als einem Propheten oder sogar in Mohammed erfüllt sei. Noch weniger glaubwürdig wird Mohammeds Botschaft dadurch, dass sie sechs Jahrhunderte nach Jesus die christliche Frohbotschaft unterschlägt wie auch den Glauben daran verurteilt, worin deshalb der Hauptzweck der Islamentstehung zu ersehen ist. Die Glaubenspflicht der Verbreitung auf der ganzen Erde entspricht wieder dem Christentum und nicht dem Judentum, ist jedoch im Islam mit der Berechtigung zur Gewaltanwendung ausgestattet. Während die ersten Christen von den Juden und den Heiden verfolgt wurden, drehte Mohammed den Spieß um und verfolgte die Juden und die Christen, die seine religiöse Neuerung nicht annahmen. Er selbst gab die Linie vor, dass Moslems herrschen und nicht beherrscht werden.
Die religiösen Oberaufseher des jüdischen Volkes waren aber nicht so sehr vom Mosaischen Sitten- und Opfergesetz abgewichen, das Jesus dann wieder hergestellt hätte, sondern sie waren zum großen Teil in weltlichen Begierden versunken und hatten den rechten Gottesbezug und das Verständnis für die Wahrheit verloren. Deshalb stellten sie sich gegen Jesus, der all das in höchstem Maße verkörperte. Sie hatten keine Liebe in sich und wollten den neuen Heilsweg der Liebe nicht mitgehen. Während der Islam den Anspruch erhebt, Jesus im Gegensatz zu den Christen richtig zu verstehen, steht er als Gesetzesreligion dem Judentum nahe und löscht alles spezifisch Christliche aus, indem er quasi die Offenbarungsgeschichte bis zu einer Zeit weit vor Jesus zurückdreht, um sie dann mit Mohammed fortzusetzen. Wie die Moslems glauben, stellte Mohammed die ursprüngliche Gesetzesreligion wieder her, die bis zum Jüngsten Tag gilt und in welcher die Gläubigen mittels der Erfüllung komplexer Vorschriften stets gerechtfertigt vor Gott stehen.
Jesus, so lehrt der Islam, habe das Gleiche verkündet und praktiziert, er sei also förmlich der wahre und bessere Schriftgelehrte und Pharisäer gewesen. Im Gegenteil kamen jedoch die Schriftgelehrten und Pharisäer zu der Überzeugung, dass die Vernachlässigung des Händewaschens vor dem Essen bei Jesus und seinen Anhängern, wenn sie sich durch Jesu Einfluss auch noch im Volk verbreiten würde, das Erscheinen des Messias ernsthaft hinauszögern könnte. Sie nahmen Jesu Geringschätzung äußerlicher Vollzüge (im Gegensatz zur inneren Einstellung) zudem als Beweis, dass sein Wirken nicht von Gott kommen könne, und beschlossen aus diesen und weiteren Gründen, es ein für allemal zu unterbinden, indem sie Jesus töteten. Dieser biblischen, historisch und theologisch einleuchtenden Erklärung widerspricht die islamische Darstellung, dass Jesus den Islam mit seinen Gebets- und Reinigungsritualen verkündet und vorgelebt hätte.
Anders als die religiösen Aufseher der Juden musste sich Mohammed nicht mit dem irdischen Jesus, der sich verbal zur Wehr setzen konnte, befassen. Auf die mangelnden Bibelkenntnisse der Araber bauend, konnte Gabriel ungehindert dazu übergehen, Jesu Erdenwirken nach seinen Zwecken völlig anders darzustellen, nämlich dass er den wahren Islam wieder herstellte. Das Jesusbild eines Restaurators im Islam erfüllt somit das gerade Gegenteil der biblischen Darstellung vom Verkünder und Träger einer umwälzenden Erneuerung im Heilswirken Gottes. So wie der Islam nur vielerlei Vorschriften, dass die Moslems gut zueinander sein sollen, aber kein eigentliches Liebegebot kennt, bestreitet er auch Jesu Opfertod, welcher der höchste Beweis der unendlichen göttlichen Liebe, die Jesus erfüllte, war. Wenn die biblische Darstellung die wahrere ist, können sich also Gott und Jesus vom Islam verkannt fühlen und dürften nicht glücklich darüber sein, dass Gabriel über Mohammed das schiefe Gottesbild und die verkehrte Jesusdarstellung in die Welt brachte und so viele daran glauben.
Dass das Gottesbild Gabriel’scher Prägung sowohl jeder vernünftigen Überlegung als auch, wie gesagt, der Bibel widerspricht, rückt die Möglichkeit ins Blickfeld, dass der Islam den „einen wahren Schöpfergott“ nicht zutreffend beschreibt und es anders gesagt den unter der Bezeichnung Allah beschriebenen Gott des Korans nicht gibt. Und wenn es dort heißt: „Allah führt in die Irre, (wen er will)“ (4;119, 6;39,125, 7;155,178,186, 11;34, 13;27, 14;4,27, 15;39, 16;37,93, 17;97, 18;17, 30;29, 35;8, 39;23, 40;33,34,74, 42;44,46, 45;23) und „Allah will die Hölle füllen“ (7;18, 32;13), so ist damit vielmehr der Wille Gabriels und seines Herrn ausgedrückt.
Im Koran wird nicht nur, wie noch eindeutiger von Mohammed in Hadithen, der freie Wille verneint und behauptet, dass der Mensch nichts tun könne ohne den Willen Gottes, sondern dies wird noch belegt durch die Folgerung, dass Gott das schlechte Handeln des Menschen will und ein Mensch nicht in die Irre gehen kann, ohne dass Gott ihn in die Irre geführt hat. Daneben sagt der Koran zwischendurch, dass irregehende Menschen andere in die Irre geführt haben, und natürlich, dass Iblis (Satan) die Menschen in die Irre führen will und das auch tut. Denn um als Berichtigung der biblischen Religionen glaubhaft zu bleiben, kann Gabriels Lehre die Irreführung durch Satan nicht ganz fallen lassen; immerhin wird sie jedoch verharmlost und auch geradezu verniedlicht in der Koranaussage, Abraham habe den Satan mit Steinwürfen vertrieben, oder durch Mohammeds Erzählung, er habe den Satan eingefangen und nur gegen die Zusage, dass er nicht wiederkommen würde, freigelassen. Bezüglich der Irreführung hat Allah dabei das gleiche Tätigkeitsfeld wie der Satan, ist sogar noch eifriger darin als dieser. Daraus folgt, dass laut Koran selbst Gott (Allah) Handlungsweisen des Satans zugeschrieben werden und hinter dieser islamischen Gottesbeschreibung der Satan steht.
Göttliche Inspiration im Islam?
Wenn in nichtbiblischen Religionen, Kulten und Mythen wesentliche Fragmente des biblischen Glaubens auftauchen, könnte dem göttliche Inspiration zugrunde liegen, wie ein Dokument des II. Vatikanischen Konzils („Lumen gentium“, 21. Nov. 1964) ausführt: „Was sich nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft und als von dem gegeben geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich das Leben habe.“(Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen [3], S. 1193).
Weit häufiger dürfte ein zur Kenntnis gelangtes Stück Offenbarung mit der Zeit verfälscht und mit irrigen Lehren vermischt und zu einem grässlichen Kult verdorben worden sein, wie es manchmal bei den Nachbarvölkern der Israeliten oder bei abgeirrten Juden in Ägypten bis zur Zeit Jesu geschehen ist. Eine unvollkommene Ahnung des wahren Heilsgeschehens hatten die Vorfahren der Heiligen Drei Könige erhalten und bewahrt, die letztere mit ihrem Zug zum neugeborenen Kind befolgten.
Anders verhält es sich jedoch, wenn ein einziger Mittler eine Religion stiftet, in welcher ein geringer Anteil biblischer Elemente in ein Glaubenssystem eingebaut ist, welches der Bibel diametral gegenüber steht, wie es beim Islam der Fall ist. Die wenigen übereinstimmenden Fragmente erklären sich schon daraus, dass sich Mohammeds Botschaft durchgehend biblischer Geschichten bedient, mit denen sich eben nichts anderes begründen lässt als der Glaube an den einen Schöpfergott, der den Menschen Gebote verkündet, gemäß deren Befolgung sie in einem jenseitigen Leben belohnt oder bestraft werden, worüber er in einem allgemeinen („Jüngsten“) Gericht entscheidet, wozu noch die Existenz von Engeln als Boten Gottes, eines Satans als Verführer der Menschen und von teilweise gottgegnerischen Geistern kommt.
Diese wenigen Bibelparallelen in den islamischen Glaubensgrundsätzen erklären sich also zur Genüge ohne die Annahme, sie seien von Gott übermittelt worden, was außerdem den wenig glaubhaften Umstand voraussetzen würde, dass sich Gott in Mohammed eines Mediums bedient hätte, das ganz überwiegend von einem gottgegnerischen Geist besetzt war, und dieses gegen den Einfluss seines Führungsgeistes bestimmt hätte, einen geringen Prozentsatz von Wahrheit in eine ungöttliche Lehre einzubauen. Zu fragen wäre dann zudem, warum der Heilige Geist bei der Wahrheitsvermittlung auf halbem Weg stehen geblieben wäre und nicht das Wichtigste, nämlich das Erlösungswerk, zuerst präsentiert hätte. Fraglich wäre außerdem, warum sich Gott damit zufrieden gegeben hätte, dass die Nacherzählungen biblischer Geschichten durch Mohammed nur in verzerrter Form zustande kamen.
Denkbar ist hingegen, dass ein Prophet Gottes infolge menschlicher Fehlbarkeit und vom Gegner verführt kurzzeitig dessen Irrlehre einfließen lässt, wofür er dann auch die Verantwortung tragen muss. Einen Vergleichsfall dazu hat Gabriel zweifellos mit den „Satanischen Versen“ an Mohammed inszeniert, um die Täuschung perfekt und glauben zu machen, Allah würde jeden Übertragungsfehler korrigieren, mit der Konsequenz, dass der Koran durchgehend und ausnahmslos die absolute Wahrheit darstellen würde, so wie er auch unverändert überliefert werde. Folglich gibt es keinen Grund, den Islam für die wenigen, oben genannten, vordergründig mit der Bibel übereinstimmenden Wahrheitsfragmente auf eine, wenn auch nur zeitweise und unvollständige göttliche Inspiration zurückzuführen und deshalb anzuerkennen und zu würdigen. Entsprechende offenbare Sichtweisen der Kirchen scheinen eher diplomatische Formulierungen darzustellen als einer theologischen Betrachtung zu entspringen.
Mohammed beansprucht Stellung und Merkmale Jesu
Aufgrund von Gabriels Rede mutet die Haltung des Islams zu Jesus und Maria widersprüchlich, gespalten und verlogen an. So machen die Moslems sich und den Christen vor, sie würden Jesus und Maria verehren, wenn auch in einer für die Christen ungenügenden Vorstellung (Jesus als Prophet). In Wirklichkeit stufen sie Jesus und Maria herabsetzend und geringschätzig auf das gewöhnliche menschliche Maß herab – während sie Mohammed weit über die menschliche Stufe erhöhen. Als der höchste unter den Menschen gilt ihnen ja schon ihr Prophet, dem die früheren (biblischen) Propheten einschließlich Jesus unterzuordnen sind. Analog dazu müssen auch die Anhänger Jesu innerhalb einer moslemischen Mehrheit erniedrigt werden, damit die Höherwertigkeit des Islams gegenüber dem Christentum demonstriert wird.
In auffälliger Weise versuchte Mohammed in seinen Selbstzeugnissen seinen beanspruchten hohen Rang unter den Gesandten Allahs durch Zuschreibung von Attributen zu untermauern, wie sie ähnlich im Christentum oftmals Jesus zukommen. Die Islamauslegung und der Volksglaube bauten seine Vorzüge noch legendenhaft aus. Vieles davon findet sich in den vom Islamgelehrten ausgebreiteten Tugenden Mohammeds wieder ([1], S. 181ff.):
- Mohammeds Seele erstgeschaffen – Jesus vor aller Zeit aus dem Vater geboren.
- Nur Mohammeds wegen ist alles geschaffen – durch Jesus (zusammenwirkend mit dem Vater) ist alles geschaffen.
- Nach der Geburt von Engeln beschnitten – Engel verkünden den Hirten Jesu Geburt.
- Bei seiner Geburt fielen in aller Welt Götzenbilder um – in Ägypten hatte das Jesuskind diese Wirkung.
- Sein von Allah verliehenes Wissen überstieg das eines Engels – Jesus hatte Anteil an der Allwissenheit Gottes.
- Allah liebt und schätzt ihn mehr als alle Wesen – Jesus als einziger wahrer Sohn Gottes, auf dem sein Wohlgefallen ruht.
- Er war in seinem ganzen Leben sündelos – wie Jesus laut Bibel.
- Prophet aller Wesen bis zum Jüngsten Tag – Jesu Botschaft ist für alle Menschen bestimmt.
- Sein Angesicht strahlte zeitweilig Allahs Licht aus – Moses’ Gesicht strahlte nach der Begegnung mit Gott auf dem Berg Sinai; Jesu leuchtende Gestalt bei der Verklärung auf dem Berg Tabor und bei seinem nächtlichen Gang über den See.
- Kein anderer Prophet habe so viel gelitten, wie er, sagte Mohammed über sich – Jesu entbehrungsreiches Erdenleben endete mit seinem übermenschlichen Leiden durch den Kreuzestod (im Islam bestritten) zur Versöhnung der Menschheit mit Gott.
- Er wählte seine Prophetenschaft in Armut und als Diener – Jesus wandelte besitzlos und diente den Menschen.
- Zu ihm kam nicht nur der Engel Gabriel, und zwar 60 mal so oft wie zu anderen Propheten, sondern auch der Engel Seraphim – Jesus war gewiss, dass Gott ihm auf seine Bitte mehr als zwölf Legionen (wörtlich: 72.000) Engel zu Hilfe senden würde.
- Schon zur Zeit Adams gab es den Gebetsruf, und der Name Mohammeds kam in ihm vor; beim Pflichtgebet ist Mohammed zu grüßen, auf seinen Namen können Moslems schwören; andere Propheten oder Engel dürfen sie im Gebet nicht grüßen, und auf ihre Namen dürfen sie nicht schwören – „Und es ist in keinem anderen (als Jesus ) das Heil; denn kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen“ (Apg. 4,12).
- In seinem Grabmal berichten ihm täglich tausende Engel von den Gebeten und Handlungen der Moslems – „… er … hat sich, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt.“ (Hebr. 1,3).
- Bei der Auferstehung wird er der erste sein, ein Paradieskleid anhaben, zum Versammlungsort reiten und eine Flagge halten, unter der sich die Propheten und die Moslems sammeln werden – „… ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit … und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: Das Wort Gottes.“ (Offb. 19,11-13).
- Er allein leistet wirksame Fürbitte beim Jüngsten Gericht – Jesus als Erlöser vergibt Sünden, richtet beim Jüngsten Gericht.
B. Die islamische „Berichtigung“ der biblischen Religionen
Judentum und Christentum – Abirrungen vom Islam
Der Wahrheitscharakter von Gabriels Botschaft durch Mohammed bildet die Grundannahme des Islams, die nicht hinterfragt werden darf und nicht bewiesen werden muss. Sie widerlegt alles, was nicht mit ihr übereinstimmt, insbesondere die meisten – im Sinnzusammenhang eigentlich alle – Aussagen der Bibel und der biblischen Glaubensformen. Logischer Argumente zum Beleg bedarf es nicht, und auch unlogische Schlussfolgerungen und widersprüchliche Behauptungen sind durch die obige Grundannahme als wahr bewiesen. Der Islam ist an sich schon unlogisch, besser gesagt logikfrei.
So behauptet der Islam über das Judentum sinngemäß: Die Kinder Israels besaßen schon immer den islamischen Glauben und praktizierten ihn. Seit jeher verkündeten die Propheten den Islam. Wenn also in der Bibel eine andere historische Glaubensform und –praxis beschrieben werden, beweist das lediglich, dass die Kinder Israel und die späteren Juden von dem ihnen stets von den Propheten verkündeten Glauben, nämlich dem Islam, abgefallen waren. Und wenn die Propheten in den Bibelabschnitten eine andere Religion als den Islam verkünden, liegt es nur daran, dass die Prophetenworte in der Bibel nachträglich verfälscht und der religiösen Abirrung vom Islam angepasst wurden. Gegen den christlichen Glauben wendet sich im Prinzip die gleiche logikfreie Argumentation. Ursprüngliche und später festgelegte Merkmale des christlichen Glaubens erklärt der Gelehrte unterschiedslos zu späteren Verfälschungen, um ihre Ausmerzung im Islam glaubhaft zu machen, während in Wirklichkeit gerade das meiste des von Anfang an spezifisch Christlichen vom Islam unterschlagen wird. „In das Christentum wurden unlogische Prinzipien (Gebote und Verbote) eingefügt, wie zum Beispiel das Eheverbot für die Pfarrer, das Scheidungsverbot und die Beichte. Das Leben auf dieser Welt wurde fast wie eine Sünde betrachtet.“ ([1], S. 26).
Der Zölibat wurde in der römischen Kirche seit jeher als Tradition gepflegt und immer wieder als Ideal gefordert und durchzusetzen versucht, was auf dem Konzil von Trient (1545-1563) bekräftigt wurde. Zum einen sollte dadurch die kultische Reinheit gewährleistet, zum anderen eine Vererbung von Kirchenbesitz verhindert werden. Entsprechenden Anordnungen von Papst Nikolaus II. im Jahr 1061 verweigerten sich die deutschen Bischöfe zunächst. Seit dem 12. Jht. war Ehelosigkeit Voraussetzung der Priesterweihe und diese wiederum ein kirchliches Ehehindernis; Geistliche mit Konkubinen durften die Messe nicht lesen, wurden suspendiert und erhielten Geldstrafen. Jesus selbst rief dazu auf, die im Mosaischen Gesetz enthaltene Scheidungsmöglichkeit nicht zu nutzen; das Scheidungsverbot war von Anfang an kirchliche Lehre, und die Sündenvergebung kirchliche Praxis.
Den Moslems behagt die christliche Sicht des Erdenlebens als Prüfungsstation und Leidensweg anscheinend besonders wenig, offenbar weil sie die diesirdische Belohnung erwarten und mitten in der Verfolgung materieller Interessen sich durch Rituale vor Allah rechtfertigen. Das Christentum wird so skizziert: Erbsünde infolge der Verfehlung Adams, Menschwerdung des Gottessohnes und Entsühnung der Menschheit durch seinen Opfertod, die Erde als Leidensort, Anbetung Gottes und Fügung in das von Gott gesandte Leiden als Daseinszweck, Sündenvergebung durch die Geistlichen, Unterschiedenheit von Körper und Seele im Menschen, Heiligung der Seele durch Sakramente, Sündigkeit des Körpers (siehe [1], S. 293). Die letzteren drei Punkte werden im Islam anders gesehen; davon abgesehen sind diese Christentumsdefinitionen annähernd richtig, außer dass Glaube und Ehrfurcht vor Gott (im Islam betont) in tätige Nächstenliebe münden sollen gemäß dem Jesuswort „… was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“ (Matth. 25,40).
Die erwähnten Merkmale des Christenglaubens betreffen das von Anfang an Geltende, Anderes bezieht sich auf spätere Ausgestaltungen: Der Papst als Oberhaupt der Gemeinschaft sei sündenfrei, und jede seiner Taten sei richtig – dies wird im Islam von Mohammed behauptet, während sich das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit von 1870 auf den Fall beschränkt, dass der Papst als Hirte und Lehrer aller Christen eine Glaubens- oder Sittlichkeitslehre für die gesamte Kirche festlegt. Dass die Christen nicht selbst zu Gott beten und ihn um etwas bitten dürfen, sondern nur die Pfarrer für sie (siehe [1], S. 293), ist übertrieben und in dieser Form falsch. Die islamische Argumentation wirft die ursprünglichen und unverfälschten christlichen Glaubensinhalte mit späteren Änderungen in einen Topf und umgeht so eine vollständige und zutreffende Definition des originalen Christentums, damit sie ohne Hindernisse die christliche Botschaft als Abweichung von der Lehre Jesu, welche angeblich dem damals so wie heute bestehenden Islam entsprach, verurteilen kann.
„Wegen solcher unakzeptabler und unlogischer Behauptungen verlor das rechte Christentum, welches Jesus zur Verbesserung der Religion der Israeliten aufgestellt hatte, an Gültigkeit seiner Glaubensgrundsätze und wurde zu einer falschen Religion. Man gab sich große Mühe, damit das Christentum seine eigentliche Form gewann. Ein Pfarrer namens Luther unternahm einige Verbesserungen, indem er die Rechtsschule des Protestantentums errichtete, aber er verdarb und zerstörte damit diese Religion im Ganzen. Der Islam erschien, um all diese Fehler, die nach dem Propheten Jesus auftauchten, zu korrigieren und die auf dem Glauben an den einzigen Gott [Allah] beruhende Religion, die zum größten Teil verändert und verdorben worden war und weiter verdorben wurde, wieder in ihre göttliche Form zu bringen.“ ([1], S. 293f.) Die Berichtigung der Jahrhunderte nach Mohammed gefassten kirchlichen Beschlüsse zu Zwangszölibat und päpstlicher Unfehlbarkeit, ebenso wie der Reformation Luthers, habe also der Islam, jene vorhersehend, lange vorher vorweggenommen, ist zu folgern.
Nicht nur begründet der Islamgelehrte Jesu Erdenwandel allein mit der notwendig gewordenen Wiederherstellung des wahren Glaubens – gegenüber dem Judentum, analog zu Mohammeds Funktion gegenüber dem Judentum und dem Christentum –, er reduziert auch die Messiaserwartung der Juden, deren Vorstellungen sich im Übrigen zweifellos als irrig entwickelt hatten, auf Jesu Entsendung als Prophet und erklärt sie für in dieser Form erfüllt. „Mit der Zeit wurde dem Heiligen Buch Tora der Juden viele unbekannte Texte und Aberglauben beigelegt. Deshalb schickte Allah Jesus als Prophet, um die Juden und die anderen Völker zum rechten Weg zu bekehren. Die Juden … wussten … vom Aufkommen eines Propheten und warteten auf ihn. Jedoch glaubten sie, dass dieser Prophet sehr kräftig und tapfer sei und durchführen würde, was sie vorhatten, und sie von der Vorherrschaft der Römer befreien würde. Sie waren mit Jesus nicht zufrieden und hielten ihn für einen falschen Propheten, verleumdeten auch seine Mutter Maria.“ ([1], S. 281). „Der heilige Prophet Jesus war zur Verbesserung des Judentums gesandt worden. Den Juden gefiel er aber nicht. Sie nannten ihn einen Scheinpropheten.“ ([1], S. 292).
Statt des siegreichen Königs war Jesus laut Gabriel ein erneuter Verkünder des ursprünglichen Islams; die christliche Alternative eines Retters anderer Art, nämlich des Erlösers, wird unterschlagen. Die Behauptung, dass die Juden Maria „verleumdeten“ ([1], S. 281), geht auf Koranvers 4;156 zurück: „Und weil sie ungläubig waren und wider Maria eine große Verleumdung aussprachen.“ Laut Bibel konnten sie aber, wie gesagt, an Marias Tugendhaftigkeit nichts bemängeln und Jesus keiner Sünde bezichtigen.
Historische Wahrheit – unterschlagen und verfälscht
Das Argument aus einem christlichen Buch von 1860: „Dass das Christentum eine wahre und menschliche Religion ist, lässt sich daraus schließen, dass das Judentum mit dem Auftreten des Christentums aufgehoben wurde … Die Juden erlebten viel Unglück und Strafen und gerieten in gemeine, verächtliche Lagen, weil sie das Christentum nicht annahmen … Jedoch wurde das Christentum nicht aufgehoben, obwohl Muhammed als Prophet gesandt wurde. Die Christen verfielen nicht in verschiedenes Missgeschick wie die Juden …. Obwohl die Moslems sich große Mühe gaben, die Völker niedermetzelten, die Kirchen zerstörten …, nahmen die Christen mit der Zeit zu und erreichten den Wohlstand, dagegen wurden die Moslems immer mehr zerstreut, sie verarmten und sind auf aller Welt nicht mehr angesehen.“ ([1], S. 211) wird damit widerlegt, dass Jerusalem 587 v. Chr. von den Babyloniern zerstört wurde. „Nach diesem Unglück löste sich das jüdische Volk auf und konnte nicht wieder zusammenkommen“ ([1], S. 212). Dies bezieht sich jedoch auf die fast sechzigjährige babylonische Gefangenschaft.
Die Zerstörung des jüdischen Tempels durch Titus im Jahr 70 n. Chr., und dass die Juden danach ohne Tempeldienst und bis 1948 ohne eigenes Land in der Welt zerstreut lebten, wird wohlweislich verschwiegen. „Da alles, was damals geschah, vor die Erscheinung des Christentums fällt, hat das Christentum nichts damit zu tun. Heute … steht uns ein sehr kräftiger jüdischer Staat gegenüber. Das heißt also, das Judentum existiert quicklebendig trotz des Christentums … Heute beherrschen die Juden sogar den Börsenmarkt und viele Gesellschaften in Europa und Amerika. Das heißt, die Behauptung dieses Pfarrers, dass die Juden sich gleich nach der Erscheinung des Christentums auflösten, ist Unsinn. Das kann nur eine Erfindung oder Fantasie sein.“ ([1], S. 213).
Eine bestens verbürgte historische Tatsache – die Zerstreuung der Juden nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. – nennt der Islamgelehrte also „Erfindung oder Fantasie“, das Ausmaß von Erfindung und Fantasie in Gabriels Rede erkennt er jedoch nicht. Wiederum kann er auf mangelhafte Bibel- und Geschichtskenntnisse bei den Moslems bauen, wenn er stichhaltige Kritik am Islam mit Fehlinformationen beiseite wischt.
An anderer Stelle, wo es nicht um die Entkräftung eines unliebsamen Argumentes geht, präsentiert der Autor jedoch, in den Worten „des großen Historikers Ahmed Dschewdet Pascha (gest. 1984 in Istanbul)“ genau den zuvor verleugneten Geschichtsverlauf: „Vierzig Jahre, nachdem Jesus in den Himmel aufgestiegen war, griffen die Römer die Stadt Jerusalem an … plünderten die Stadt … zerstörten sie völlig und löschten sie aus. Alle heiligen Bücher, Tora und die anderen, verbrannten sie. Die heilige Moschee Alaqsa machten sie dem Erdboden gleich. Die Stadt Jerusalem wurde zur Wüste. Nach diesem Unglück konnten die Juden nicht zusammenkommen, keine Regierung mehr gründen. Dort, wohin sie auswanderten, lebten sie armselig und hilflos.“ ([1], S. 154). Ähnlich im Zitat aus einem nicht näher bezeichneten Buch „Kamas-ul alam“: „Nach dieser Zerstörung von Jerusalem gingen der Aufbau und die kulturellen Entwicklungen, die von den Juden durchgeführt wurden, zu Ende.“ ([1], S. 278).
Die gleiche, andernorts bestrittene Geschichtsdarstellung wird auch im Zusammenhang mit der angeblichen Entlarvung von Bibelverfälschungen verwendet, denn, dass nach Jesu Kreuzestod der Vorhang des Tempels zerriss, die Erde bebte, die Felsen zerrissen und Leiber der Heiligen nach Jesu Auferstehung vielen erschienen (Matth. 27,51-53), wurde angeblich „aus dem Buch eines Juden wörtlich entnommen, der sehr traurig war, als Titus, der römische Kaiser, die heilige Stadt 70 Jahre nach Christi Geburt völlig zerstörte.“ ([1], S. 291). Ebenso: „Die Römer zerstörten … (die Stadt) 70 Jahre n. Chr. nochmals. Titus, der römische Kaiser, setzte Jerusalem in Brand.“ ([1], S. 280).
Wie hier ersichtlich ist, verleugnet und verfälscht der Gelehrte geschichtliche Tatsachen, wenn sie zu einem Zweifel am Islam führen können, hier also eine mögliche Bestätigung dafür liefern, dass offensichtlich das Judentum durch das Christentum auch weltlich unübersehbar widerlegt wurde, was folgern ließe, dass dann auch das Christentum durch den Islam als die es ablösende, endgültige richtige Religion hätte sichtlich widerlegt worden sein müssen – was jedoch nicht der Fall war. Denn nur durch das Handeln der Moslems selbst gerieten die Christen seit Entstehung des Islams in Bedrängnis, weil jene ihrem Glauben korangemäß zum Sieg über alle Religionen verhelfen und seine Überlegenheit im Alltag sinnfällig demonstrieren wollten.
Al-Aqsa-Moschee – die „ferne“ Moschee
Wie schon an einem der vorstehenden Zitate auffiel, wird in der islamischen Terminologie der jüdische Tempel mit der Al-Aqsa-Moschee gleichgesetzt. Hierfür finden sich im Buch weitere Textbeispiele: „Der heilige Prophet Salomo, Sohn von David … ließ … in Jerusalem das größte Gotteshaus bauen, das „Al-Aqsa-Moschee“ … genannt wird … Auch Geister (Dschinnen) trugen zum Aufbau bei … Es ist aber bedauernswert, dass Nebukadnezar II., ein assyrischer Herrscher, diese schöne Moschee abbrennen ließ, als er Jerusalem eroberte. Obwohl Kyros sie restaurierte, ließen die Römer sie später wieder abbrennen.“ ([1], S. 277f.). Der Perserkönig Kyros „besiegte die Assyrer und ließ die jüdischen Gefangenen, unter denen sich auch Daniel befand, frei. Die Zahl der Leute, die in der Al-Aqsa-Moschee beteten, nahm zu.“ ([1], S. 272). Sowie: „… lebte Maria, die Mutter Jesu, in einem Raum der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem allein.“ ([1], S. 288).
Nach ihrer Freilassung und Rückkehr von Babylon mussten die Juden den Tempel erst neu aufbauen. Auch zur Zeit Jesu gab es noch keine Moslems, die in einer Moschee beteten. Die moslemischen Gelehrten setzen offenbar die Behauptungen von Koran und Sunna, die bedeutenden Persönlichkeiten aus der Bibel, von Adam bis Jesus, hätten den Islam verkündet und gelebt, in die Praxis um. Der Tempel mutiert folgerichtig zur Moschee. Im Übrigen erscheint der Hinweis auf die Mitwirkung von Dschinnen am Tempelbau als an sich unnötig und unverständlich, kann höchstens durch die Möglichkeit, dass es „ungläubige“ waren, eine Verdächtigung bereit stellen als Gegengewicht zur bibelgläubigen Anschauung, dass Engel unsichtbar geholfen haben.
In der Bibel werden neben der Art des Gottesbezuges und der Glaubensinhalte auch der Bau und die Einrichtung des ersten (Salomonischen) Tempels genauestens dokumentiert. Der zweite Tempel war eine verkleinerte und weniger prächtige Nachbildung des ersten. Nirgendwo findet sich bei alledem ein Hinweis auf das islamische Ritualgebet mit vorhergehender Waschung noch auf ihm dienliche Räumlichkeiten oder Einrichtungen. Nur der jüdische Tempel als materieller Niederschlag des spezifischen Mosaischen Gottesdienstes wird bezeugt. Die islamische Gleichsetzung von Tempel und Moschee, basierend auf der koranischen „Berichtigung“ des Judentums, entbehrt jeder unabhängigen Bestätigung und fügt sich wiederum in die pauschale und unbewiesene Behauptung der weitestgehenden Verfälschung der Bibel an allen Stellen, welche dem Islam widersprechen, ein.
Im Hinblick auf ihre religiöse Bedeutung haben der Tempel in Jerusalem und sein Ort folgende Geschichte: In der Wüste führten die Israeliten ein Zeltheiligtum mit sich, in dem die Bundeslade stand (um 1250 v. Chr.). König David (regierend 1010-970 v. Chr.) holte die Bundeslade nach Jerusalem und beschaffte Material für den Tempelbau wie Eisen, Erz und Zedernholz. König Salomo (regierend 970-930 v. Chr.) ließ auf einer von David bezeichneten Anhöhe, wo dieser einen Altar zur Opferung errichtet hatte (Tempelberg, auch Berg Morija oder Berg Zion genannt), von 966-959 v. Chr. den ersten Tempel erbauen, „um wohlriechendes Räucherwerk als Rauchopfer vor ihm [Gott] darzubringen und um das ständige Schaubrot aufzulegen und morgens und abends Brandopfer zu opfern an den Sabbaten und den Neumonden und an den Festen des Herrn, unseres Gottes. Das ist Israel für ewig auferlegt.“ (2.Chr. 2,3).
Dazu passte die gefertigte Einrichtung: Ein bronzener Altar, zehn goldene Leuchter, zehn Tische, davon eines für die Schaubrote, hundert Schalen sowie Dochtscheren und Feuerbecken aus Gold; Schalen, Schaufeln und Fleischgabeln aus Bronze; im Vorhof zehn Kessel zur Reinigung des Brandopfers und ein großes Becken für die Waschungen der Priester (2. Chr. 4; die Bauweise des Tempels wird beschrieben in 1.Kön 6). Zur Tempelweihe richtete Salomo ein großes Festopfer aus, „und als Salomo zu Ende gebetet hatte, da fuhr das Feuer vom Himmel herab und verzehrte das Brandopfer und die Schlachtopfer. Und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus … Da erschien der Herr dem Salomo in der Nacht und sprach zu ihm: Ich habe dein Gebet gehört und mir diese Stätte zum Opferhaus erwählt.“ (2.Chr. 7,1 und 12). Somit enthalten diese Beschreibungen der Tempelausstattung und der Opfer wie auch die Mosaischen Opfervorschriften (2.Mose 29,38-42; 3.Mose 1-7; 4.Mose 28-29) nicht den geringsten Hinweis auf das islamische Ritualgebet mit der Niederwerfung und der vorhergehenden Waschung, und die Moslems müssen diese verschiedenen umfangreichen Bibelstellen wiederum als entsprechend verfälscht bezeichnen, um ihre Behauptung aufrecht zu erhalten, von den biblischen Propheten sei immer der Islam verkündet und von den Juden sei er außer in Zeiten der Abirrung praktiziert worden.
Der babylonische König Nebukadnezar (regierend 605-562 v. Chr.) eroberte Jerusalem im Jahr 597, raubte alles Gold aus dem Tempel, dem Königshaus und der Stadt und verschleppte alle Bewohner außer der einfachen Landbevölkerung nach Babel. 586 brannte der babylonische Heerführer nach eineinhalbjähriger Belagerung das aufständische Jerusalem nieder, schleifte die Stadtmauer und brachte wieder Beute und Gefangene nach Babel (2.Kön. 25).
Nachdem die Meder und Perser 539 v. Chr. das babylonische Reich erobert hatten, gestattete der Perserkönig Kyros (550-529) den Juden im Folgejahr die Rückkehr nach Jerusalem und gab ihnen die Tempelschätze zurück. Er achtete auf die religiöse Selbständigkeit der Völker seines großen Reiches und unterstützte den Tempelbau, ebenso der übernächste König Darius I. (522-486). Unter der Führung von Serubbabel, der ein Nachkomme Davids und von den Persern zum Statthalter ernannt war, kehrte eine erste Gruppe von Angehörigen der Stämme Juda und Benjamin in das Südreich Judäa, das persische Provinz blieb, zurück. Unter dem Hohepriester Jeschua nahmen sie den Opferdienst wieder auf und errichteten von 537 bis 515 am alten Standort wieder einen, freilich weit weniger prunkvollen Tempel und bauten die Stadt wieder auf (AT, Buch Esra). Erst 80 Jahre später kam eine zweite Gruppe von Rückkehrern unter dem Schriftgelehrten Esra nach Jerusalem, und nach der Ankunft von Nehemia, der es zum persönlichen Berater von Artaxerxes I. gebracht hatte, bauten sie die Stadtmauer von Jerusalem wieder auf (Buch Nehemia).
Nach dem Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. kam Judäa unter die Herrschaft der Ptolemäerkönige Ägyptens, ab 198 v. Chr. wurde Palästina von Syrien beherrscht. Dessen König Antiochus IV. Epiphanes (175-163) plünderte 167 v. Chr. den Tempel völlig aus und ließ die Stadtmauer schleifen. Er entweihte den Tempel, verbot den jüdischen Kult und verfolgte die Zuwiderhandelnden grausam. Daraufhin begann der Priester Mattathias mit Getreuen den Kampf und besiegte die Heere Antiochiens und des mit ihm verbündeten Samaria. Unter seinem Sohn Judas Makkabäus und den späteren Herrschern blieb die jüdische Streitmacht siegreich, bis 63 v. Chr. der römische Feldherr Pompejus von Damaskus aus Palästina eroberte. Er besetzte Jerusalem, ließ aber den Tempel unangetastet. Etwas später raubte der Feldherr Crassus alles Geld und Gold aus dem Tempel.
König Herodes (der Große, regierend 40-4 v. Chr.) erweiterte sein Herrschaftsgebiet bis zum Mittelmeer und im Nordosten in Richtung Syrien und baute den Tempel in Jerusalem stark aus. Nach ihm herrschte sein Sohn Herodes Antipas als Tetrarch von Roms Gnaden über Galiläa im Norden und Peräa im Südosten. Judäa unterstand ab 6 n. Chr. einem römischen Präfekten, von 26 bis 36 n. Chr. war dies Pontius Pilatus. Die Opferzeremonien im Tempel sind auch für Jesu Zeit im Neuen Testament so beschrieben wie im Mosaischen Gesetz und bei Salomo. Im Jahr 66 n. Chr. begannen die Juden einen Aufstand gegen die Römer, unter anderem ließen sie diese nicht mehr im Tempel opfern. Im Kampf mit den römischen Legionen unterlagen sie meistens. Im fünften Jahr machte Kaiser Vespasians Sohn Titus Jerusalem dem Erdboden gleich, die Festung Masada fiel 73 n. Chr. Zwischen 132 und 135 kam es unter dem Eiferer Bar Kochba zu einem zweiten Aufstand, den die Römer ebenfalls niederschlugen. Danach durften Juden die Stadt außer am Jahrestag der Zerstörung nicht mehr betreten. Auf den Ruinen Jerusalems errichteten die Römer eine Stadt, die sie Aelia nannten.
Kaiser Konstantin, der vier Jahre zuvor Konstantinopel gegründet hatte, eroberte die Stadt im Jahr 324 und gab sie für die christlichen Pilger frei. Der byzantinische Kaiser Justinian I. (regierend 527-565), der Italien von den Ostgoten befreite, ließ zwischen 530 und 540 in Konstantinopel die Hagia Sophia und auf dem Tempelberg in Jerusalem die Basilika St. Maria erbauen, auf dem Kalvarienberg außerdem die großartige Grabeskirche. Zur Zeit Mohammeds wurden die Christen vorübergehend von den sassanidischen Persern aus Jerusalem vertrieben, bevor die Stadt im Jahr 638 vom zweiten „rechtgeleiteten“ Kalifen Omar erobert wurde.
Omar ließ auf dem Tempelberg südlich des Felsens eine Moschee aus Holz errichten. Die sunnitischen Omajjaden-Herrscher in Damaskus (661-750) wählten Jerusalem als politisch-religiöses Gegengewicht zu Mekka aus. Omars Sohn el-Malik ließ als Kalif in den Jahren 688-691 auf dem Tempelberg den „Felsendom“ bauen, das bekannte blau getünchte, achteckige Gebäude, das keine Moschee ist, mit der hoch aufragenden, weithin golden leuchtenden Kuppel. Es steht genau über dem kahlen Felsen etwas westlich der Mitte des Tempelbezirks, wie er zur Zeit Jesu bestand. Der Tempel war knapp nördlich davon errichtet. Durch Aufsetzen einer islamtypischen Kuppel wurde von Omars Enkel Abd el-Walid (herrschend 705-715) die Basilika St. Maria am Südrand des Tempelplateaus 711 entweiht und zur Moschee „Al-Aqsa“ umgewandelt, welche die hölzerne Moschee ersetzte. (vgl. http://www.amzi.org/html/koran.html „Jerusalem im Koran“). Sie beziehungsweise der ganze Tempelbezirk in Jerusalem, in dem sich der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee befinden, ist für die Moslems eine Wallfahrtsstätte und gilt im Islam neben der Kaaba in Mekka und der Moschee in Medina als das drittgrößte Heiligtum.
Unter dem fatimidischen Kalifen al-Hakim wurde 1009 die Grabeskirche weitgehend zerstört. Die großzügig angelegte und prächtig ausgestattete Basilika war 336 geweiht worden; 1048 war der Rundbau über dem Grab wieder errichtet, er wurde von den Kreuzfahrern in heutiger Form bis zur Kreuzigungsstätte erweitert und 1149 wiedergeweiht (siehe „www.katholisches.info/2009/10/14/1009-vor-tausend-jahren-wurde-die-grabeskirche-in-jerusalem-zerstört“). Von 1099 bis 1187 hielten die christlichen Kreuzfahrer die Stadt gegen die Araber, 1517 wurde sie von den Osmanen erobert. Der osmanische Sultan Süleyman der Prächtige (regierend 1520-1566) restaurierte zwischen 1537 und 1541 n. Chr. den Felsendom und baute auch die Stadtmauer in der heute erhaltenen Form wieder auf. Unter britischem Mandat fiel 1948 ein Teil Jerusalems (ohne den Tempelberg) dem neuen Staat Israel zu. Im Sechs-Tage-Krieg eroberten die Israelis 1967 den restlichen Teil Jerusalems. Die jetzige „Klagemauer“, an der die Juden beten, ist das südliche Ende der ehemaligen westlichen Stützmauer des Tempelplateaus.
Wie die Juden glauben auch die Moslems, Abraham habe auf dem Felsen des Tempelbergs seinen Sohn opfern wollen (für die Moslems war das Ismael). Dass ihnen der Tempelberg und speziell der Felsen heilig sein müssen, leiten die Moslems auch daraus ab, dass Mohammeds (visionäre) „Nachtreise“ (vor der Hidschra, der Auswanderung nach Medina im Jahr 622) dorthin erfolgte und seine anschließende „Himmelsreise“ dort begann. Im Koran heißt es dazu in der Sure „Die Nachtfahrt“: „Preis dem, der seinen Diener des Nachts entführte von der heiligen Moschee [in Mekka] zur fernsten Moschee [in Jerusalem], deren Umgebung wir gesegnet haben, um ihm unsere Zeichen zu zeigen …“ (17;1).
Im Koran selbst steht also „ferne Moschee = Al-Aqsa-Moschee“ für das, was sich bei Mohammeds „Nachtreise“ im Jahr 621 n. Chr. auf dem Tempelberg befand. Es konnte sich dabei aber nur um die Basilika St. Maria handeln, deshalb ist im Koran eher der bloße Ort der früheren Tempel gemeint, welche dann außerdem dem Begriff „Moschee“ zugeordnet werden (siehe oben). Als unbezweifelbare Wahrheit fegen Gabriels Verse für die Moslems auch historische Wahrheiten hinweg, dass nämlich die jüdischen Tempel in Bauweise und Nutzung keine Moscheen waren und dass zur Zeit von Mohammeds Nachtreise nur eine christliche Kirche und keine Moschee auf dem Tempelberg stand.
Bei dem Islamgelehrten lesen sich diese geschichtlichen Abläufe so: „Als Alexander der Große [356-323 v. Chr.] die Stadt Jerusalem erobert hatte, ernannte er einen Juden namens „Herodas“ zum Gouverneur [Herodes der Große, 72-4 v. Chr.]. Aber dieser verräterische Jude [Herodes Antipas, 20 v. Chr. – 40 n. Chr.] tötete Johannes [den Täufer] und marterte das Volk lange Zeit grausam. Nach ihm nahmen die Römer Jerusalem in Besitz [64 v. Chr. oder Zerstörung 70 n. Chr.]. Als die Juden rebellierten, zerstörte Hadrian im Jahre 135 n. Chr. Jerusalem und massakrierte die Juden. Die Geretteten verbreiteten sich in alle Länder und wurden überall von den Christen tyrannisiert. Erst als der Islam erschien, erreichten sie Frieden und Ruhe … Nachdem die Christen die Stadt während der Kreuzzüge zerstörten, restaurierte Saladin sie aufs neue, und die osmanischen Kalifen restaurierten und verzierten sie.“ ([1], S. 272). Aus einem alten Buch zitierend, ergänzt er: „Später restaurierten die byzantinischen Kaiser die Al-Aqsa-Moschee und nannten die Stadt Jerusalem ‚Ilia’. Der heilige Prophet Mohammed verrichtete sein Gebet in der Nacht der Himmelsfahrt in der Al-Aqsa-Moschee … In der Zeit von Abd al-Malik wurde die Moschee in heutiger Form wieder aufgebaut.“ ([1], S. 278).
Eine völlige Verwirrung bezüglich der ohnehin nur lückenhaft wiedergegebenen geschichtlichen Abläufe kann hier nicht übersehen werden. Und sogar Islamgelehrte verbreiten nach wie vor, Mohammed habe vor seiner „Himmelsfahrt“, nicht einfach in Jerusalem oder auch auf dem dortigen Tempelberg, sondern „in der Al-Aksa-Moschee“ sein Ritualgebet verrichtet – zusammen mit Abraham, Moses, Jesus und anderen Propheten. Die Darstellung, dass die Juden bei den Moslems Ruhe vor den Christen fanden und die Christen Jerusalem zerstörten, weist wieder auf psychische Abspaltung und Projektion hin, übrigens ebenso wie die folgenden Ausführungen zu Andalusien: „Die barbarischen Spanier zwangen alle Moslems und Juden im Schatten des Schwerts zum Christentum. Die Juden, die sich befreien konnten, flüchteten ins Osmanische Reich … Die Moslems taten, während sie die Spanische Halbinsel eroberten, weder den Christen noch den Juden ein Leid an und niemals haben sie das Volk daran gehindert, ihrer Religion gemäß zu leben.“ ([1], S. 224).
Je nach Bedarf präsentiert oder verleugnet der Gelehrte historische Tatsachen. Vermutlich soll die Bezeichnung Al-Aqsa-Moschee für den früheren jüdischen Tempel auch unliebsamen Fragen vorbeugen, welche an der unbewiesenen Pauschalbehauptung rütteln würden, die Propheten der Bibel hätten immer den Islam verkündet. Offenbar lässt sich der Islam nur durch Manipulation der Geschichte gegen Zweifel und Einwände verteidigen respektive in seinen kühnen unbewiesenen Behauptungen glaubhaft machen. Die Gleichsetzung von Tempel und Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem besiegelt jedoch eine heillose Verwirrung bezüglich der geschichtlichen Abläufe.
Wiederum gibt schon der Koran die Verleugnung, Abspaltung und Projektion der inneren Wirklichkeit den Anhängern vor, indem er in der viel weniger greifbaren Glaubensfrage den Christen vorwirft, wissentlich die Wahrheit von Mohammeds Botschaft zu verleugnen. Der gleiche Mechanismus liegt dem Vorwurf an die Juden, Maria verleumdet zu haben, zugrunde. Auch die durchgehende islamische Herabsetzung Jesu, welche einem Nichtmoslem leicht ins Auge fällt, erkennen die Moslems nicht in sich. Sie glauben auch noch, dass die massive Vermeidung von Selbsterkenntnis, zu welcher Gabriel sie führt, dem Willen Gottes entspricht, und machen sich keinen Begriff davon, dass Gott mit Wahrheit und Wahrhaftigkeit wirkt und nicht Illusion, Täuschung, Heuchelei und Lüge fördert.
Die Beobachtung über den Niedergang des Judentums, nachdem in ihm Jesus als Messias verworfen und das Heil der christlichen Frohbotschaft nicht angenommen worden war, muss der Islam auch deshalb abstreiten, weil der heutige Rückstand der moslemischen Welt den Anspruch des Islams, die endgültige wahre Religion zu sein und seinen Anhängern die Huld Allahs in Form auch diesirdischer Belohnung zu verschaffen, in Frage stellt. Mit dem religiös fragwürdigen Versprechen der auch diesirdischen Belohnung der Rechtgläubigen treibt Gabriel die weniger Erfolgreichen unter den Moslems zu erhöhten Anstrengungen in der Religionsausübung an. Folglich können sich speziell arme, ungebildete und untüchtige Islamgläubige veranlasst sehen, ihren Glauben besonders streng zu leben. Nach der Entstehung des Islams erfüllten sich die weltlichen Erfolgsversprechen Jahrhunderte lang für viele Anhänger durch Eroberungen, ausbeuterische Herrschaft und Sklavenhandel, welches jedoch die heutige Weltlage kaum noch zulässt. Hingegen spielte der vom Autor propagierte universelle Erfolgsweg, der auf persönlichem Wissenserwerb und Fleiß beruht, im ursprünglichen Islam eine geringe Rolle.
Gabriels Rede beansprucht für ihre ganz unbiblische pseudoreligiöse Lehre nicht nur zahlreiche biblische Gestalten und Geschichten, sondern ganz konkret auch die den biblischen Religionen heilige Stadt Jerusalem. Der Anmerkung zu Mohammeds Nachtreise im Koran folgend, setzten die Moslems, als Jerusalem von den Juden entvölkert war, auf den Platz, an dem die Juden seit der Zerstörung der Stadt durch die Römer, wenn es einmal möglich sein würde, den Tempel wieder errichten wollten, ihren Felsendom als drittwichtigstes islamisches Heiligtum, das sie aber gar nicht zur Ausführung ihrer vorgeschriebenen Gebete benötigten und nutzten. Damit verbauten sie den Juden für unabsehbare Zeit die Möglichkeit, die zentrale Praxis ihrer Religion, den Opferdienst im Tempel, wieder auszuüben. Spätestens zur Zeit des Antichrists soll jedoch gemäß christlicher Prophetie wieder ein jüdischer Tempel in Jerusalem errichtet sein.
Bei den Christen zerstörten die Moslems später, als jene Jerusalem nicht ausreichend verteidigen konnten, Gedenkstätten wie die Grabeskirche und entzogen dadurch der frommen Praxis der Pilgerreisen einen Teil ihrer Grundlagen. Somit hat der Islam keine neue sinnvolle Religion hervorgebracht, sondern einen unaufhörlichen Angriff auf die bestehenden biblischen und anderen Religionen ins Leben gerufen, der sich in Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der Nichtmuslime äußert. Der Islam entpuppte sich als pseudoreligiöse Ideologie des Unfriedens.
Der Islam in der Gegenposition zu den biblischen Religionen
Die biblischen Religionen und der Islam stehen sich halbwegs seitenverkehrt gegenüber. Beide Seiten beanspruchen die Wahrheit für sich und müssen sie der anderen jeweils notgedrungen absprechen. Jede Partei sieht sich auf der Seite Gottes und die andere unter dem Einfluss Satans, ungeachtet der Tatsache, dass sich beide Seiten oft diplomatisch zurückhalten, die theologischen Differenzen zu benennen.
„Derjenige, der als Christ geboren und … erzogen wurde, mit einem anderen Wort, ein Abgeirrter, … kann sich nicht leicht diesem Einfluss entziehen. Außerdem … dass seine Freunde ihn verachten, seine Familie und Verwandten sich von ihm fernhalten, sobald er seine Religion wechselt. Oder ihm kann … sein Beamtentitel versagt bleiben, wenn er Moslem wird … dass die Moslems über ihre eigene korrekte, reine und logische Religion, den Islam, wenig wissen. Falsche Kenntnisse über den Islam … einer von [den] zweiundsiebzig häretischen Sekten … verursachen, dass sie die Sympathie für den Islam, diese reine, durchsichtige, logische und menschliche Religion verlieren … Sollte man sich nicht vor der entsetzlichen Katastrophe hüten, ‚im Feuer ewig zu brennen’ (dieses Wort Mohammeds „ist gewiss richtig. Daran zu glauben ist notwendig …“)?.“ ([1], S. 322ff.).
Begonnen hat das Spiel mit der Entstehung des Islams, der die Bibel gnadenlos verfälscht und dieses Vorgehen als Berichtigung der angeblich verfälschten Bibel bezeichnet. Dem Judentum muss der Islam als eine schreckliche Verzerrung seiner selbst erscheinen. Das Christentum findet sich im Islam unterschlagen, verleugnet, bestritten, missverstanden und verurteilt. Als der jüngste Vertreter einer monotheistischen Religion behauptet der Islam, von den biblischen Propheten und selbst von Jesus sei immer nur der Islam verkündet worden, und das Judentum und das Christentum in den überlieferten und in den heute bestehenden Formen stellten jeweils Verfälschungen gegenüber ihrer ursprünglichen Identität mit dem Islam dar. Alle Grundlagen und Berichte der jüdischen und der christlichen Religion in der Bibel, welche vom angeblich immer verkündeten Islam abweichen, seien gefälscht. Plausible Erklärungen oder stichhaltige Argumente für diese sehr weit hergeholten, ungeheuerlichen und weitreichenden Behauptungen bleibt der Islam schuldig. Einzig die Gleichsetzung von Mohammeds Botschaft, von Gabriels Rede und von einer Offenbarung Gottes muss als Beweis genügen.
Hingegen hält der christliche Glaube für das Auftreten des Islams eine völlig schlüssige und folgerichtige Erklärung bereit: In der Bibel wird des öfteren vor falschen Propheten gewarnt; sie zu erkennen ist schwer, aber nicht unmöglich. Die Botschaft der Sendboten Gottes berührt die Seele tröstlich und heilsam, wird als kräftigend und erquickend empfunden und wirkt sich als Stärkung für den Lebensweg aus. Hingegen überzeugen falsche Lehren nicht als Wahrheit und verleihen der Seele keine Erbauung und Erquickung, ihr Wissen bleibt leer und wenig glaubwürdig und wenig anwendbar, es löst eher Furcht und Schrecken aus und lässt keinen liebenden Gott erkennen, der wie ein Vater an seinem Kind handelt.
Die falschen Propheten des Gegners Gottes sind bestrebt, die Wahrheit zu untergraben und in Irrtum zu verstricken. Insbesondere enthalten sie den Menschen die Wahrheit über die Menschwerdung Gottes in Jesus und über das Erlösungswerk vor und verwirren ihr Denken, damit sie nicht die Erlösung annehmen und ihr Erdenleben erfolglos für die Seele bleibt. Jesus hat den Gegner durch seinen Kreuzestod besiegt, und die Früchte dieses Sieges will ihm jener wieder entwinden. Um seinen Anhang zu behalten, will er die Seelen durch ein falsches Jesusbild davon abhalten, sich zu Jesus zu wenden.
Vor allem an der Unterschlagung von Jesu Erlösungswerk erkennt man die falschen Propheten. Zwar können sie Jesu Erdenleben nicht bestreiten und vergessen machen, aber sie bezeichnen seine erlösende Mission als Irrlehre und lassen den Menschen als einzige Hoffnung, ihre Sündenschuld selbst abzubüßen. Doch infolge der Erbsünde (im Islam bestritten) sind die Befreiung von der Sündenschuld und die Vervollkommnung ohne Jesus Christus, ist also eine „Selbsterlösung“ wegen der Willensschwäche des Menschen nicht möglich. Durch eine Lehre, welche die Erlösung nicht enthält, ist der Mensch nicht wahrheitsgemäß unterrichtet und wird nicht frei, denn nur die Wahrheit macht frei. Gott leitet den Menschen die Wahrheit zu und will ihnen das Licht der Erkenntnis schenken, doch dazu ist nötig, dass sie es bereitwillig annehmen und Gottes Willen erfüllen, nämlich sich zur Liebe zu gestalten. Dann werden ihnen die Verheißungen Jesu Christi, der mit Gott verschmolzen ist, zuteil (vgl. Freunde der Neuoffenbarung (Hsg.): Kundgaben durch Bertha Dudde, Nr. 8487).
Unter den biblischen Religionen beansprucht das Christentum, nicht nur die endgültige, sondern auch für alle Menschen bestimmt zu sein (Jesus: „… macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie … Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ – Matth. 28,19-20, und „… Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ – Matth. 24,35). Der Islam macht dem Christentum diesen Platz streitig, er arbeitet klarer Weise dagegen, dass die christliche Frohbotschaft in den Herzen der Menschen Anklang und in der Welt Verbreitung findet. Er hält seine Anhänger davon ab, die Evangelien kennenzulernen und zu studieren, indem er vorbringt, sie seien nicht direktes Wort Gottes wie angeblich der Koran, vielmehr ungenaue Erzählungen, nicht vertrauenswürdig und glaubhaft, dazu hoffnungslos verfälscht, somit nutzlos und unbrauchbar, ja sogar schädlich, weil voller Irrlehren, infolge derer die Christen für immer in die Hölle kommen. Mit der gleichen Argumentation geht er auch die Nichtmoslems an, um sie vom Glauben an die christlichen Frohbotschaft abzuhalten oder wenn möglich abzubringen. Diejenigen Christen, welche der Islam nicht von der Falschheit ihres Glaubens und ihrer Schriftgrundlagen überzeugen und vom Glauben an Jesus abbringen konnte, unterdrückt und verfolgt er, um sie schon im Diesseits zu bestrafen und womöglich doch noch zum Übertritt zu bewegen.
Theologisch betrachtet, hält Gabriels Lehre die Menschen von der Erkenntnis ab, dass sie einen freien Willen besitzen (81;29 und andere), den auch Gott achtet und den sie bei der Entscheidung zwischen Gut und Böse nützen können und sollen. In der Perspektive des Evangeliums verfolgen alle diese Bestandteile von Mohammeds Botschaft – das Unglaubhaftmachen des Neuen Testaments, das Vorenthalten der Wahrheit über die Erlösung, die Veränderung des Gottesbildes und die Umkehrung der Jesusdarstellung, das Hinwegtäuschen über den freien Willen und die Wahl zwischen Gut und Böse – satanische Ziele.
Der Veräppelungsaspekt in Gabriels Rede
Die zum Koran zusammengefassten Botschaften Gabriels stellen Behauptungen („wahr“, „klar und deutlich“, „unbezweifelbar“, „Rechtleitung“, „gebietet das Gute“ usw.) über sich auf, welchen die übrigen Inhalte oft widersprechen. Die religiösen Lehren dieses Truggebildes stützen sich oft auf verfälscht wiedergegebene oder ins Alberne verzerrte biblische Geschichten: Iblis (Luzifer) weigerte sich, vor Adam niederzufallen, weil dieser nur aus Lehm geschaffen war, er selbst aber aus Feuer (38;76); Allah verzieh Adam, er durfte aber dennoch nicht ins Paradies zurückkehren (20;122-123); Ismael legte als Allah gefälliger Prophet Gebet und Almosen ans Herz (19;54-55); Noah betete zu Allah: „… ich nehme meine Zuflucht zu dir, dass ich dich nicht nach etwas frage, von dem ich kein Wissen habe …“ (11;47) (ein Vorbild des islamischen Denkverbots); Noah versuchte vergeblich, die Mitmenschen zu bekehren (11;25-34, 26;105-116); Abraham sorgte sich, dass seine Schar das Gebet einhielt (14;37) und vertrieb den Satan mit Steinwürfen; die zwei Engel wollten Lots Frau nicht retten und hatten ihr Zaudern (oder dass sie sich entgegen dem Verbot umdrehte) beschlossen (15;60); Moses reiste mit seiner Familie durchs Gebirge und wollte sich vom brennenden Dornbusch Feuer holen (28,29); er sollte den Pharao zum Islam bekehren (26;21ff.); Joseph wurde als Kleinkind von seinen Brüdern zu den Schafherden in der Wüste mitgenommen und dort in einen Brunnen gelegt, damit er von der nächsten Karawane gefunden würde (12;10-19); David wusste lediglich nicht, dass seine Auserwählte schon heimlich verlobt war; ihm war von Allah die wunderbare Gabe verliehen, Eisen in kaltem Zustand zu formen (34;10); Zacharias war nur für drei Tage stumm (3;41) und war außerdem ein Schwager und der Erzieher Marias, der sie oftmals in ihrer Zelle besuchte und dort jedesmal von Allah wundersam gesandte Speise vorfand (3;37); der Engel Gabriel kündigte Maria an, Jesus werde in der Wiege sprechen und seine Absicht bekunden, Wunder zu wirken und die erlaubten Speisen zu verkünden (3;49); Maria brachte Jesus allein und verzweifelt unter einer Palme zur Welt (19;23); der Erzengel hat mit Mohammed geredet, dieser hat ihn wirklich gesehen, er hat es sich nicht eingebildet und er ist nicht besessen, und die Botschaft kommt nicht vom Satan (53;11,12 und 81;19-25) usw. usf.
Veräppelung auf der ganzen Linie ist da festzustellen. Waren die damaligen Stammesangehörigen denn so kindische Leute oder überhaupt charakterlich so beschaffen, dass sie nur mit solchen albernen Verzerrungen von Bibelgeschichten und sonstigen abstrusen Erzählungen beeindruckt werden konnten? Jedenfalls wählte offenbar Gabriel diese Methode für seine Zwecke, um die Kaufleute und Wüstenräuber anzusprechen, die sich in praktischen Belangen vom Handel über den bewaffneten Kampf bis hin zu den komplizierten Stammesbeziehungen gut auskannten. Raubzüge waren keine ungewöhnlichen Unternehmungen für Mohammeds Gefährten, Etliche hatten wohl schon Menschenleben auf dem Gewissen. Mit Zauberei und dem Schutz davor hatten die Araber Erfahrungen und im Geschichtenerzählen und Dichten waren sie noch geschickt, heißt es. Für Poesie war die arabische Sprache, deren schriftliche Fixierung sich gerade herausbildete, damals sicherlich besser geeignet als für präzise philosophische Gedankengänge. Es wird ja immer angeführt, dass der Koran nicht sinngetreu in andere Sprachen übersetzt werden könne. Die Schwierigkeit, die dennoch immer wieder gemeistert wurde, rührt aber wohl auch von der oft dunklen und unbestimmten Ausdrucksweise Gabriels her.
Die Folgen seiner Fantastereien und Verzerrungen ins Alberne blieben jedoch nicht so harmlos, wie die Worte nahelegen könnten. Im Koran heißt es noch ganz selbstverständlich „nie soll er eine andere Religion annehmen“ (3;85) – was auch sonst? –, doch in seiner typischen Vorgehensweise äußert sich Gabriel in den Versen gemäßigt und installiert dann durch die Beeinflussung Mohammeds eine vorbildliche und verpflichtende Auslegung mit drastischen und weitreichenden Konsequenzen: „Wer den Islam aufgibt, den tötet!“. Daraus folgt nämlich auch: Wer über den Koran nachdenkt, könnte tiefer in Zweifel geraten und schließlich gar den Islam als falsch ansehen und aufgeben. Also kann den Moslems auch schon das selbständige Nachdenken über die Koranverse, außer im engen Rahmen der anerkannten Rechtsschulen und Kommentare, zum Verhängnis werden; es wird von den Islamgelehrten auch als eindeutig falsch und verderblich bezeichnet. Wie kann aber ein totalitäres Denksystem, das von einem einzigen Manne verkündet und verbreitet wurde und das die Menschen, die zu allermeist in es hinein geboren oder mit List und Gewalt in es hinein gedrängt werden, wie vom Stifter verfügt unter Todesstrafe nicht verlassen dürfen, als Religion durchgehen?
Es könnte so gewesen sein, dass Gabriel, als Mohammed den Berg hinabstieg, um seinen Angehörigen von seiner Erwählungsvision zu berichten, ihm lächelnd nachsah und zufrieden zu sich sagte: „Drangekriegt!“ In den nächsten 23 Mondjahren brauchte er Mohammed nur noch im Abstand von Tagen oder Wochen auf die bekannte spektakuläre Weise weitere poetische Sprüche zwangsweise einzuflößen, um sein Leben wie gewünscht zu dirigieren und ihn mit einem Gebräu von verzerrten Bibelplagiaten und obskurantistischen Salbadereien zur Verkündigung und gewaltsamen Verbreitung einer abstrusen Pseudoreligion anzutreiben. Deren Glaubenslehren sind, wiewohl sie sich zum Schein auf die Bibel berufen, erdichtet und erfunden, somit fußt der Islam auf nichts als auf Hirngespinsten, welche in einer perfiden Irreführung übermittelt und unter Gewaltanwendung verbreitet wurden. Obwohl Gabriel wissen konnte, dass Mohammed ein Analphabet war, drückte er ihn gleich bei der ersten Begegnung in der Erwählungsvision in der Berghöhle dreimal hart zu Boden, um ihn zum Lesen zu zwingen. Von der ersten Minute an verband sich der Islam mit Gewaltausübung. Der Islam kann daher gleichgesetzt werden mit erzwungener Unterwerfung unter ein Trugbild.
Fazit
Unredlichkeit in der Debatte und Realitätsverlust
Die Widerlegung der Bibel und der christlichen Frohbotschaft durch die islamische Gelehrsamkeit erfolgt, wie man sieht, auf einem sehr dürftigen theologischen Niveau und mit einem Maß von intellektueller Unredlichkeit, das der vielbeschworenen Wissenschaftlichkeit des Islams Hohn spricht. In dieser türkisch-sunnitischen Auseinandersetzung mit dem Christentum tut sich ein Abgrund auf an Unwissenheit, Halbwissen, Nicht-wissen-wollen, absichtlichem Missverstehen, Tatsachenverdrehung und Manipulation, also an Merkmalen und Vorgehensweisen, die in einer religiösen Debatte am allerwenigsten erwartet werden und wiederum aufzeigen, dass die Begründung des islamischen Wahrheitsanspruches gegenüber der christlichen Botschaft offenbar nicht mit logischen Argumenten, sondern demagogisch verfolgt wird.
Der Gelehrte ist auf den Islam festgelegt und muss deshalb alles tun, um das Judentum und das Christentum als unglaubhaft und unhaltbar erscheinen zu lassen. Dabei schöpft der Autor aus Jahrhunderte alter moslemischer Literatur und zieht neuzeitliche christentumskritische Werke des Westens zur Untermauerung seiner Ausführungen heran. Die Verstrickung mit den biblischen Religionen verursacht der Islam selbst erst dadurch, dass er jenen Bibelinhalte unberechtigt wegnimmt und für eine gegensätzliche Lehre sich aneignet. Aus innerer Logik kann der Islam daher nur als Berichtigung der biblischen Religionen Bestand haben, was bereits beinhaltet, dass er mit diesen unvereinbar ist. Weil die islamischen Glaubensinhalte vor dem Hintergrund der biblischen Religionen so wenig glaubhaft gemacht werden können, verkehrt schon Gabriel das Gottes- und Jesusbild in ihr Gegenteil, und auch die moslemischen Gelehrten verlegen sich auf die Fälschung der Wirklichkeit, wie an den Beispielen der Geschichtsklitterung um die Al-Aqsa-Moschee und die Zerstörung Jerusalems deutlich wurde.
Das ungeklärte Verhältnis des neu entstandenen Islams zu den schon lange bestehenden biblischen Religionen führt notwendiger Weise auch zu einer Verwirrung über den historischen Ablauf der Entfaltung der Offenbarung und findet im Islam eine Scheinlösung in der weitgehenden Ausblendung, ja Verleugnung der zeitlichen Dimension. Die daraus ableitbare Annahme einer spezifisch moslemischen Denkblockade bezüglich der geschichtlichen Aufeinanderfolge wird von den Ausführungen der Islamgelehrten im vorliegenden Werk bestätigt. Einen weiteren Beleg für die Geschichtsblindheit des moslemischen Denkens erbringt die wiederholt auftauchende Behauptung, die türkischen Gastarbeiter hätten zwischen 1961 und 1973 „Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut“.
Letztlich leiten die Moslems ihr Realitätsbild aus den Vorgaben des Korans ab. Die Ergebnisse verstärken den Eindruck, dass das islamische Glaubenssystem nur mit Unredlichkeit begründet und verteidigt werden kann. Freilich kann man dem Autor, wie allen Moslems, zugute halten, dass Unaufrichtigkeit und Täuschung nicht nur auf die zu beeinflussende Zielgruppe gerichtet sind, sondern auch die Urheber selbst erfasst haben. Moslems täuschen, indoktrinieren, manipulieren und üben Druck aus, weil dasselbe mit ihnen geschehen ist. Sie täuschen nicht nur andere, sondern zuerst sich selbst.
Widerlegung der Bibel ohne Beweis
Gerade in der Auseinandersetzung mit dem Christentum ergreift die Islamgelehrten unübersehbar eine große Verwirrung. Aus ihren sehr mangelhaften und ungenauen Kenntnissen der Bibel und des christlichen Glaubens leiten sie beliebige und sich widersprechende Versionen des neutestamentlichen Geschehens ab, um ihre Widerlegungen zu begründen. So erweist sich der islamische Anspruch, die Bibel zu berichtigen, als pauschale Behauptung, welche im Einzelfall nicht durch eine plausible Alternativ-Version zur Bibel belegt werden kann. Auch dadurch straft der ungenannte Autor seine Betonung der Logik und Wissenschaftlichkeit des Islams Lügen.
Offensichtlich rechnete er nicht damit und konnte sich wohl auch gar nicht vorstellen, dass die anzusprechenden Menschen des Westens meist über irgendwelche Grundkenntnisse der Bibel und des Christentums verfügen und daher bei einer möglichen Lektüre seiner Werbeschrift für den Islam ihm Manches darin, was auf die Unkenntnis der Bibel abstellt, nicht abkaufen dürften. Anders gesagt, werden seine Ausführungen an all den Punkten, die auf einer Unkenntnis des Evangeliums und einem schiefen Bild des Christentums aufbauen, zu seinem Unglück den westlichen Leser kaum überzeugen – im Unterschied zu den allermeisten Moslems, denen Bibelkenntnis durch staatliche Maßnahmen, durch gesellschaftlichen Druck und durch Gewissensnot verwehrt wird. Überzeugte Moslems widmen sich der Bibel ohnehin nicht auf der Suche nach der Wahrheit, sondern höchstens zum vermeintlichen Nachweis ihrer Verfälschung und zur Verteidigung gegenüber christlichen Diskussionsteilnehmern, wobei sie die Bibel nur selektiv zur Bestätigung der vorformulierten islamischen Missverständnisse und Scheinargumente verwenden, wiederum ohne dass irgendein selbständiges Nachdenken über Glaubenslehren stattfindet.
Unlogik im Islam
Die verschiedenen Grundmuster der mohammedanischen Botschaft, wie Ausblendung der Zeitachse und Ignoranz hinsichtlich der biblischen Religionen, lassen den Verstand untätig und geben ihm keine Möglichkeit, etwas zu leisten und Befriedigung zu finden darin, dass er dem Menschen ein wertvolles Ergebnis beschert. Der Islam vermeidet den Verstandesgebrauch, Zeitlosigkeit zählt zu seinen Strukturmerkmalen. Wie um die Vermeidung jeglicher Rationalität zu übertünchen, bringt Gabriels Rede den Gelehrten dazu, diametral gegen jeden Anschein die Logik, Präzision und Wissenschaftlichkeit dieses Glaubenssystems herauszustreichen. Dabei zeigt sich, dass diese Attribute wegen nicht behobener Widersprüche gerade nicht zuerkannt werden können. Hinsichtlich des Themas dieses Aufsatzes, der Frage nach Vernunftdenken, Logik und Wissenschaftlichkeit im Islam lautet das Ergebnis der Untersuchung: Wer sich seines Verstandes bedient, wird nicht freiwillig den Islam annehmen, und wer dem Islam anhängt, macht keinen vollen Gebrauch von seinem Verstand. Vernunftdenken, Logik und Wissenschaftlichkeit auf der einen Seite und Islam auf der anderen Seite schließen sich gegenseitig aus.
Beispielhafte Islamauslegung
Die Gedankengänge, mit denen der Gelehrte den Islam glaubhaft zu machen und zu verteidigen sucht, bauen auf jahrhundertealten Auslegungstraditionen auf und enthüllen somit die wesentlichen und unverzichtbaren Gedankengänge dieses Glaubenssystems. Im tieferen Sinn beruht die Unsachlichkeit in der Diskussion anderer Religionen freilich auf den Schriftgrundlagen Koran und Sunna, auf die alle Islamgelehrten aufbauen müssen. Bei all dem stellt dieser Gelehrte keinen Einzelfall dar, was sich schon daraus ergibt, dass er sich oftmals ausdrücklich auf ältere moslemische Literatur zum Christentum stützt. Diese früh begonnene Ausformulierung des moslemischen Versuchs der Rechtfertigung des Islams gegenüber dem christlichen Glauben ist nach wie vor unverzichtbarer innerster Bestandteil islamischer Verkündigung und somit auch jeglicher Anpreisung des Islams gegenüber Menschen des christlich geprägten Westens.
Ebenso ist das besprochene Werk nicht der Einzelfall eines kuriosen Traktats eines Frommen, wie es auch in anderen Religionen vorkommen kann, sondern es bewegt sich ganz im Rahmen der türkisch-sunnitischen Islamauslegung, und einige seiner Inhalte finden sich bis ins Detail in den Materialien zum islamischen Religionsunterricht in Deutschland wieder, wie beispielsweise die glorifizierende Charakterisierung Mohammeds und der ersten vier Kalifen, die Frieden betonende Darstellung des Islams und die Selbststilisierung der Moslems als unschuldige Opfer böswilliger Nichtmoslems. Die vorliegende Analyse der Islamdarstellung dieses Gelehrten gewinnt also an Bedeutung dadurch, dass sie sich weitgehend auf die türkische Islamvariante verallgemeinern und auf die Inhalte des Islamunterrichts übertragen lässt. Dabei schöpft auch die türkische Islamexegese, wie sich zeigte, aus den arabischen und persischen Quellen und stellt keinen Sonderweg innerhalb des Islams dar.
Präpariertes Denken
Schon in den Schriftgrundlagen Koran und Sunna arbeitet Gabriel durch Mohammed ständig mit unzutreffenden Selbstbeschreibungen, welche durch andere Inhalte widerlegt werden: Der Koran sei klar und deutlich, frei von Widersprüchen; es bestehe Freiheit in Glaubensdingen; die Offenbarung sei bewiesenes Wissen; Allah sei allmächtig, allweise, allwissend, barmherzig und verzeihend; er halte immer seine Versprechen, er wisse es am besten; der Koran bestätige die Bibel und stelle den Gottesbezug Abrahams wieder her, Mohammed sei klug, ehrlich und zuverlässig gewesen und habe menschlich gehandelt usw. usf. Der Islamgelehrte setzt die Zuschreibung falscher Attribute mit der Betonung angeblicher Logik im Islam fort. Damit lässt Gabriel den Gläubigen nicht selbständig und frei aus den Inhalten des Korans, aus den Erklärungen und Handlungen Allahs und Mohammeds deren Merkmale schlussfolgern, vielmehr wird der Gläubige auf Attribute Allahs, des Korans und Mohammeds eingeschworen, sein Denken wird präpariert und auf eine standardisierte Sichtweise festgelegt, an welcher dann infolge von Gewissensangst noch so viele widerstreitende Islaminhalte nicht mehr rütteln können. Nur dem nichtmoslemischen, nicht islamisch präparierten Denken fallen die unzutreffenden Zuschreibungen auf Anhieb auf. Durch diese spezielle Gehirnwäschemethode verlieren die Islamgläubigen ihre Urteilskraft in Religionsdingen, so wie sie infolge der islamischen Gebote auch den natürlichen moralischen Kompass verloren haben. Deshalb geraten die strenggläubigen Anhänger in Gefahr, zu gedanken- und gewissenlosen Automaten zu werden.
Zusätzlich werden die Moslems, nachdem ihr Denken in Verwirrung gestürzt und ihr Verstand in Glaubensdingen ausgeschaltet wurde, moralisch unter Druck gesetzt, beispielsweise durch die häufige Aufforderung im Koran, Allah dankbar zu sein (2;52,152,185, 3;123,144, 5;89, 7;10,144, 8;26, 14;37, 16;14,78,114,121, 21;80 und mindestens 18 weitere Verse; in über 40 anderen Versen wird „(un)dankbar“ bedeutungsgleich mit „(un)gläubig“ verwendet.). Der ehrenrührige Vorwurf der Undankbarkeit erpresst die Anhänger zur willfährigen Gläubigkeit unter Aufgabe des freien Willens und des selbständigen Denkens. Auf ähnliche Weise drängt die das Selbstwertgefühl angreifende Formel von der angeblichen Verstandeslosigkeit als Grund, den Islam nicht anzunehmen, wieder zum gedankenlosen Ergreifen und Festhalten dieses Glaubens. Der unterschwellige Groll, der daraus folgt, ohne Wahlmöglichkeit in die Religionsgemeinschaft aufgenommen worden zu sein, kann dann durch ein unechtes Höherwertigkeitsgefühl kompensiert werden in dem Sinne, dass die Nichtmoslems mithilfe der Zuschreibung von Undankbarkeit und Verstandeslosigkeit zum Ziel von Geringschätzung und Verurteilung erkoren werden.
Geschlossenes Denksystem
Moslemische Propagandisten vermögen zu fast jedem Thema oder Stichwort aus dem Gedächtnis passende Koranverse herunterzuspulen. Damit glauben sie wohl, sich in Wort und entsprechender Tat an Allahs Willen zu halten und sich das Paradies zu verdienen. Dabei bemerken sie nicht einmal, dass die Koranverse teils keinen Sinn ergeben, teils keinen Zusammenhang aufweisen und teils einander widersprechen. Sie benutzen ihre grauen Zellen zum Auswendiglernen von Koranversen (und Hadithen), jedoch nicht zum Nachdenken über diese. Selbst Gelehrte kombinieren allenfalls die Schriftstellen und bisherigen Auslegungen, um in einer aktuellen Frage zu einem Urteil zu kommen.
Aus einer Diskussion mit intelligenten und freien Denkern lässt sich fraglos Nutzen ziehen, indem man stichhaltige Argumentationen in den eigenen Gedankengängen berücksichtigen und seine Meinung weiterentwickeln kann. Mit lebenden Koranwiedergabe-Automaten, die sich sklavisch an den Wortlaut halten und jede eigenständige Formulierung ängstlich vermeiden, wird eine Diskussion jedoch sinnlos. In ihrer „Einladung zum Islam“ geben Moslems ausgewählte vorgefertigte Glaubensformeln wieder, ohne sich auf einen Gedankenaustausch einzulassen. Vielleicht legen sie nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ eine Standardaussage nach der anderen vor in der Hoffnung, eine möge das Interesse und die Zustimmung des Gegenübers finden; oder sie wenden die Gabriel’sche Kernmethode an, mit unglaubhaften und widersprüchlichen Aussagen, die in schneller Folge präsentiert werden, bevor sie einzeln besprochen und geklärt werden können, den Verstand des Angesprochenen zu überlasten und auszuschalten und einem sprach- und gedankenlosen Überwältigtsein Platz zu machen.
Die lächelnde Harmlostuerei solcher Islamverkünder maskiert nur notdürftig die anzügliche Besserwisserei und die kaltschnäuzige Arroganz, mit der sie ihre formelhaften Entlarvungen des christlichen Glaubens abspulen. Damit geben die Islamverfechter einen Vorgeschmack davon, wie der Antichrist einmal mit kaltherziger Scheinargumentation die christlichen Glaubenslehren zerpflücken wird. Auf Entgegnungen zu ihren „Widerlegungen“ des Christentums gehen sie gar nicht ein, sondern fahren zusammenhangslos mit dem nächsten der islamischen Vorhalte fort, die sie für „Beweise“ halten. Gemäß ihrer Grundannahme, der Koran vermittle die absolute Wahrheit, kann es für sie ja gar keinen gültigen Einwand gegen Mohammeds Botschaft und die Schlussfolgerungen daraus geben. Die Widerrede eines Christen bestätigt ihnen einzig die Koranaussage, dass die Christen wider besseres Wissen die Zeichen Allahs an Mohammed verleugnen und deshalb Unterdrückung und Erniedrigung verdienen und zur Hölle verdammt sind.
Auf die koran- und hadithgemäßen Glaubensformeln und Standardkritiken an anderen Religionen kann ein Nichtmoslem, da eine Diskussion nicht zustande kommt, schließlich nur unbeeindruckt und mit Gewissheit „Stimmt nicht, glaub’ ich nicht!“ antworten, bis die Missionare ihren Einsatz für sein vermeintliches Seelenheil aufgeben und vor seinem vermeintlich satanischen Einfluss Zuflucht bei Allah suchen. So bewegt sich das Denken der Moslems in einem geschlossenen System, in das kein fremder Gedanke und keine abweichende Realitätssicht eindringen können. Vielmehr wird, was nicht dazu passt, systemkonform als Fremdkörper, als Allah feindlich klassifiziert und abgewiesen.
Verstand und freier Wille bleiben ungenutzt
Die völlige Abweichung des islamischen Gottesbildes vom biblischen gibt ja einen ersten Hinweis, dass mit ersterem etwas nicht stimmen könnte. Auch lassen manche Grundzüge und Auswirkungen von Gabriels Lehre Zweifel am Religionscharakter aufkommen, wie das Gottesbild eines grausamen Willkürherrschers, das von einem vertrauensvollen Gottesbezug abhält; Leugnung des freien Willens und seiner Achtung durch Gott; Versprechen von Belohnung auch im Diesseits; Stärkung des Besitzstrebens; Verknüpfung mit Gewalt und Zwang; nachträgliche Rechtfertigung von offensichtlichen Verfehlungen usw. Aus diesen und anderen Gründen sieht es nicht so aus, dass der Islam „zum Rechten auffordert, das Gute gebietet und das Schlechte verwehrt“ (3;104).
Eine falsche Lehre kann nicht von Gott kommen; dann würde aber hinter Gabriel kein Allah oder anders genannter Gott stehen, höchstens Geister, die außerhalb der göttlichen Ordnung stehen, und Gabriel hätte nur für sich (und jene) gesprochen. Diese Möglichkeit steht im Raum und wäre auch von den Moslems zumindest einmal zu untersuchen. Solange sie nicht Fragen wie „Übermittelte Gabriel durch Mohammed wirklich das Wort Gottes?“, „War Gabriel wirklich ein Engel Gottes?“ oder „Kommt der Islam wirklich von Gott und führt er zu Gott?“ angehen, gebrauchen sie ihren Verstand nicht zur Prüfung von Glaubenslehren. Vielmehr gerät unlogisches Denken zum Hauptmerkmal der moslemischen Verstandestätigkeit, indem Moslems Unklarheiten und Widersprüche in den islamischen Schriftgrundlagen als klare und bewiesene göttliche Offenbarung ansehen müssen, um sich die Aussicht auf den Eintritt ins Paradies nicht zu verbauen.
Das Denken des Menschen ist aber ungeteilt. Der Moslem, dessen Denken, Handeln und Existenz völlig von seiner Religion durchdrungen sind, verfügt auch auf theoretischen und naturwissenschaftlichen Gebieten nicht plötzlich über eine umfassende klare und logische Verstandestätigkeit. Das islamische System bringt seine Anhänger ganz allgemein dazu, ihren Verstand nicht zu gebrauchen. Aus der Tiefenpsychologie ist bekannt, dass Wünsche, Emotionen und Erinnerungen, die verdrängt werden, seelische Energie binden. Ähnlich bindet ein Denkverbot, wie es massiv im Islam besteht, sicherlich auch geistige Kapazität. Das Gehirn ist dann teilweise mit der Vermeidung bestimmter Gedanken beschäftigt.
Keine Antwort auf Zweifel, Solidarität statt Vertrauen
Auch Zweifel an ihren Glaubensbrüdern und –schwestern müssen die Moslems unterdrücken, nämlich Fragen wie: „Ist er oder sie wirklich so vom Glauben überzeugt und von innen heraus fromm, wie es mir erscheint? Oder hält er oder sie nur besonders geschickt die äußere Fassade aufrecht, während ihm oder ihr, ebenso wie mir, die innere Gewissheit und der Antrieb zur Frömmigkeit fehlen? Was muss ich an anderen bewundern und kann von ihnen abschauen: die wahre Gläubigkeit oder die gekonnte Schauspielerei? Zeigt er oder sie sich fromm praktizierend, weil er vom Islam überzeugt ist, oder weil ihm das Verlassen des Islams endlose Schwierigkeiten einbringen würde? Die Antworten werden die Moslems nicht erhalten, da sie mehr oder weniger eine Freiheit in Glaubensdingen nicht kennen und der sozialen Kontrolle unterworfen sind. Laut einer Hadith sagte Mohammed, „… dass ein Moslem ins Paradies kommt, wenn zwei fromme Moslems … bezeugen: ‚Wir kannten ihn als guten Menschen.’“ ([1], S. 188). Also können fromme Moslems erkennen, ob ein Glaubensbruder oder eine Glaubensschwester „gute Menschen“ sind? Und wer wiederum beurteilt, ob ein bestimmter Moslem fromm ist? Ob er vollständig praktiziert, entscheidet wohl darüber, also hängen Frömmigkeit und Paradies im Islam von Äußerlichkeiten ab.
Schon gar nicht auf den Frömmigkeitsgrad oder die Glaubenstreue können Moslems aus solchen Äußerungen schließen, welche ihre Brüder und Schwestern im Land der und gegenüber den Nichtmoslems, wie in Europa, Amerika oder Australien machen. Da können und müssen sie bis zum Beweis des Gegenteils davon ausgehen, dass der Urheber oder die Urheberin auch mit Stellungnahmen, die nicht den Islam vertreten, Täuschung (Taqiya) im Dienste des Islams betreibt.
Das Erbe des Pharisäertums
Das Pharisäerhafte, Heuchlerische und Selbstgerechte, das verbunden ist mit einem Mangel an Wahrheitssuche, Vernunftdenken, Verstandesgebrauch, redlicher Debatte, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, erstand in Gabriels Lehre 600 Jahre nach Jesus wieder. Etwas spezifisch Christliches wird im Islam nicht aufgegriffen und übernommen. Obwohl der Islam sich auf Jesus und den ursprünglichen Gottesbezug Abrahams beruft, folgt er in seiner lieblosen Betonung der Gesetzestreue gerade den Schriftgelehrten und Pharisäern mitsamt ihrer Unmoral, intellektuellen Unredlichkeit, Selbsttäuschung, Heuchelei und Selbstgerechtigkeit in der Ablehnung Jesu als Messias und als Prophet.
Wie jene sind die Verteidiger des Islams nicht von Vernunftdenken und intellektueller Redlichkeit, nicht von Nächstenliebe und Barmherzigkeit geleitet, sondern von Habgier und Herrschsucht, von Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit und der Identifikation mit einem strengen strafenden Gott. Nicht wenige heutige Moslems scheinen die Pharisäer an mangelnder Selbsterkenntnis, an Starrsinn und Unbelehrbarkeit noch zu übertreffen. Sie sind auf den Islam festgelegt, deshalb ist ihnen der Weg zu Nachdenklichkeit, Offenheit für Denkanstöße und zu unvoreingenommenem Forschen verbaut. Aus ihren Axiomen „Allah sagt im Koran“ und „Sämtliche Worte und Taten Mohammeds erfüllen Allahs Willen“ schlussfolgern sie unbewiesene Tatsachen und unhaltbare Behauptungen, welche ihnen wieder ihre Grundannahmen bestätigen. Wo es nötig ist, deuten sie die Realität und schreiben sie die Geschichte so um, wie es zu den Koranaussagen passt.
Aufgrund ihres Glaubenssystems machen sich Moslems also zu Nachfolgern der auf Vorschriften fixierten Pharisäer. Stur und selbstgerecht halten sie an ihrer Botschaft fest und betrachten die Bibelinhalte grundsätzlich als etwas, das sie nach Gabriels Vorgaben als Fälschung entlarven und richtigstellen sollen. Sie halten sich allein an die Botschaft ihres einzigen Verkünders; und hätten hundert Propheten auf tausend Bibelseiten etwas anderes gesagt, sie dürfen es getrost ignorieren und verwerfen, denn ihnen wurde versichert, dass sie die besten und verständigsten Menschen sind, welche die törichten und boshaften Christen über ihre Glaubensirrtümer aufzuklären haben. Sie halten sich deshalb in Glaubensfragen für neunmalklug, obwohl sie ihren Verstand gar nicht benutzen und eine niveaulose Theologie pflegen. Sie meinen, allein die volle Wahrheit in Händen zu halten und in besondere Geheimnisse eingeweiht zu sein, während sie ihre Selbsttäuschung und Heuchelei nicht erkennen. Sie beteuern treuherzig, dass sie Jesus ebenfalls verehren, aber sie berufen sich auf ihn in überheblicher und gönnerhafter Weise als minderen Propheten, tun die Erzählungen seiner Worte und Taten im Neuen Testament als nicht verbürgt ab und setzen ihn bei Gelegenheit herab, worin sie, wie auch sonst, Gabriel folgen und nicht wissen, was sie tun. Sie fühlen sich aufgerufen, die „Ehre“ Mohammeds und Allahs zu verteidigen, haben aber grundsätzlich keine wirkliche Ehrfurcht vor etwas Höherem, weil es für sie mit dem Profanen zusammenfällt. Sie können etwas Geistiges nicht ergreifen und identifizieren es mit der niederen Natur. Einen sinnfälligen Ausdruck findet ihre Ehrfurchtslosigkeit in der würdelosen Pose der Niederwerfung beim Ritualgebet.
Lehre und Praxis des Islams gleichen der Auffassung und dem Vorgehen der Schriftgelehrten und Pharisäer zur Zeit Jesu in folgenden Punkten:
- Wie jene betrachten die Moslems ihre Gesetzesreligion als vollkommene und bis zum Jüngsten Gericht unveränderbar geltende Religion.
- Sie bleiben stur bei einer Gesetzesreligion, wie sie lange vor Jesus verkündet wurde.
- Sie erkennen in Jesus nicht den erwarteten Messias.
- Sie nehmen Jesu umwälzende Erneuerung des Gottesbezuges nicht an.
- Sie bleiben von der Offenbarung eines Gottes der Liebe in Jesus unbeeindruckt und sehen sich weiterhin durch Vorschriftenerfüllung gerechtfertigt.
- Sie beharren auf ihren menschlich fehlbaren Vorstellungen über den Heilsweg und machen Gott selbst Vorschriften über dessen Gestaltung.
- Sie gehen den Weg der Liebe und Barmherzigkeit nicht mit, den Jesus als Heilsweg eröffnet hat.
- Sie bestreiten Jesu Erlösungswerk und nehmen dessen Gnaden nicht an.
- Sie wollen selbst nicht in das Himmelreich eingehen und tun alles, um die anderen Menschen davon abzuhalten und sie von Jesus abspenstig zu machen.
- Sie versuchen mit Verleumdung und Gewalt alles, damit die Menschen keine Kenntnis von Jesu Lehre nehmen und nicht an ihn glauben.
- Sie verhindern, dass Jesu Lehre beim Volk ankommt, indem sie seine Botschaft der Barmherzigkeit durch ihren eigenen Gesetzesrigorismus ersetzen.
- Sie bieten den Mitmenschen eine hochmoralische Fassade dar, halten sich selbst für fromm und gerechtfertigt und täuschen sich über ihre Fehlbarkeit hinweg.
- Ihnen fehlt aufrichtige Selbsterkenntnis, dafür sehen und verurteilen sie Fehler bei anderen.
- Sie sind vorrangig von materiellem Besitzstreben und von Genusssucht geleitet und ordnen für sich im Verborgenen moralische Richtlinien dem unter.
- Sie vertreten die Auffassung, dass Gott einen Katalog von Vorschriften übermittelt hat, in dessen buchstabengetreuer Befolgung sich das Glaubensleben erschöpft, und vernachlässigen und verbieten die Verstandesprüfung. Hiermit stellen sie sich in Gegensatz zu Jesus, der durch vielerlei Gleichnisse zum Nachdenken anregte und zur Nächstenliebe aufrief und somit eine geistige und willensmäßige Anstrengung zu eigenständiger Aktivität erwartete.
- Sie weigern sich, über Jesu Gleichnisse nachzudenken, und nehmen sie wörtlich, verdrehen seine Worte nach ihrem Gutdünken und versuchen, seine Worte gegen ihn zu verwenden.
- Sie folgen ihren Schriftgrundlagen dem Buchstaben nach und weigern sich, über die religiösen Lehren nachzudenken und ihren tieferen Sinn zu suchen.
- Sie halten sich sklavisch an vielerlei äußerliche Vorschriften und haben das Verständnis für den Sinn und Zweck des Ganzen verloren, sind verwirrten Geistes und lichtlos in der Seele.
- Sie fühlen sich als Stellvertreter Gottes auf Erden und dazu berechtigt und verpflichtet, Menschen mit anderer Religionsauffassung zu verfolgen und zu töten.
Aus religiöser Sicht können deshalb die harten, aber gerechten Urteile Jesu über die Schriftgelehrten und Pharisäer uneingeschränkt auf die Strenggläubigen, Verfechter, Prediger und Gelehrten des Islams angewendet werden. Auch in einer nichtreligiösen Betrachtung wäre diese Beurteilung sicherlich einmal der Erwägung wert. Von übertünchten Gräbern ging da das Wort, die von außen schön, inwendig aber voll Unreinheit sind. Bei den hartnäckigen, unbelehrbaren und überheblichen jüdischen Religionsaufsehern nahm Jesus kein Blatt vor den Mund. Sie hatten aber wenigstens noch eine überkommene wahre Lehre, die sie nur nicht dem Sinn nach befolgten und auch nicht erneuern lassen wollten. Unter der Leitung der Pharisäer blieben die Juden bekanntlich beim Alten Bund und dem Mosaischen Gesetz in ihrer fehlgeleiteten Auslegung und nahmen Jesus nicht als Messias und Vermittler des Neuen Bundes an. Mohammeds Botschaft ergibt jedoch nach sechs Jahrhunderten der Verkündigung und Ausbreitung des Christentums ein verzerrtes Abbild der jüdischen Gesetzesreligion und unterschlägt das christliche Evangelium. Wenn es Gott aber gefallen hat, sich einen „Sohn“ – was immer man sich darunter vorstellen mag – zuzulegen, dessen Opfertod in einer menschlichen Verkörperung als Sühne für die Sünden der Menschheit anzunehmen und ihm das Gericht am Jüngsten Tag zu übergeben, wer ist da ein Gabriel, ein Mohammed, ein chinesischer Kaiser oder wer sind die Moslems, solches für „ungeziemend“ zu erklären?!
Für Islam und gegen Christentum
Aus der kenntnisarmen, demagogischen und ablehnenden Behandlung des Christentums durch den türkisch-sunnitischen Gelehrten wird aber auch deutlich und verstehbar, dass die inhomogene Allianz der Kirchen- und Christentumsgegner, der Kulturzerstörer und Volksumerzieher unter den Nichtmoslems im Westen an der antichristlichen Stoßrichtung des Islams Gefallen findet und dieser Pseudoreligion und totalitären Ideologie instinktiv ihre Sympathien entgegenbringt oder sie sogar bewusst nützt. Viele schlagen sich auf die Seite der Pharisäer, um sich hinter einer selbstgerechten Fassade ohne moralische Anstrengung treiben zu lassen und den christlichen Glauben als lästigen Mahner zu bekämpfen, wobei sie sich mit irgendeinem ideologischen Mäntelchen des Gutmenschentums zu rechtfertigen versuchen. Sie glauben, durch Zerschlagen einer bestehenden Ordnung würde von selbst eine ideale Ordnung entstehen. Psychologische Erkenntnisse, dass sich die Persönlichkeit im Zusammenspiel von Anlage und Umwelt herausbildet, über Bord werfend, sehen sie den Menschen gern als „Tabula rasa“, als beliebig formbar und erziehbar in seinem Bewusstsein, das nur von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen abhängen soll. Weil sie die menschliche Natur verkennen, sind solche ideologischen Umerziehungsversuche jeweils gescheitert und haben oft in Gewalt geendet.
Nicht wenige Volksvertreter geben sich volkstümlich, leutselig und religiös, während sie in Wirklichkeit ganz andere Anschauungen hegen und ganz andere Ziele verfolgen. Nicht wenige unter den Bischöfen und Pfarrern in Europa sind mehr oder weniger vom Glauben abgefallen oder haben sich sogar Gruppierungen von Kirchenfeinden angeschlossen, deren Bestrebungen sie dann aus ihrer Position heraus fördern. Alle diese betreiben ihre Täuschungsmanöver wohl aus Materialismus und Zynismus.
Die Kirchenchristen schalten entweder ihren Verstand am Weihwasserbecken ab oder wollen als das Kirchenvolk selbst die Glaubenslehren demokratisch und der Zeit angepasst weiterentwickeln. Ihnen allen fehlt zumeist, dass sie die Gebote Jesu treu halten und ernsthaft nach der Wahrheit suchen. Dann nämlich hätte Gott auch mehr Grund, die Pfarrer bei ihren Predigten zu inspirieren. Auch übersehen sie, dass Jesus meist in Gleichnissen sprach. Mit dem Wort vom „Glaubensfels“ könnte sehr wohl die innere Glaubensstärke und nicht die irdische Organisation gemeint gewesen sein.
Glaubenslose planen Sieg über alle Religionen
Ein wachsender Teil der Führungseliten, der Volksvertreter und Meinungsmacher in Europa sieht ja offensichtlich nicht die Gefahr einer Islamisierung. Wenn das zutrifft, wäre eine mögliche Erklärung dafür, dass sie um die Verfolgung eines Planes wissen und daran teilhaben, der auf etwa Folgendes hinausläuft: Viele derer, die regieren und Einfluss ausüben, arbeiten bewusst oder unbewusst mit darauf hin, dass massenhaft Moslems nach Europa einwandern und dort zunehmend die christlich geprägten Kulturmerkmale neutralisieren sowie den christlichen Glauben an den Rand drängen, und dass die Ureinwohner die Bindung an die jeweils eigene traditionelle Kultur und den Nationalstaat verlieren. Den Machern kann nämlich keineswegs entgangen sein, dass der Kampf gegen die biblischen Religionen im Islam angelegt ist, und möglicherweise instrumentalisieren sie die moslemischen Zuwanderer in Europa genau dafür.
Einen Islam ohne Feindseligkeit gegen Juden und Christen gibt es nicht; überall gehen die Moslems, von ihrem Glauben angetrieben, gegen Andersgläubige vor. In Europa dürfte das Gleiche nicht ausbleiben, sobald die zugewanderten Islamgläubigen zahlen- und einflussmäßig stark genug geworden sind. Dann könnten sie ihren Konflikt mit den Anhängern der biblischen Religionen auch in Europa gewalttätig austragen. Das ist es, was aus der moslemischen Zuwanderung unter anderem zwangsläufig folgt und heute mehr und mehr in Gang kommt. In der Konsequenz wird das spezifisch Christliche an der europäischen Kultur zunehmend zurückgedrängt werden und der christliche Glaube in Bedrängnis geraten. Dies gehört offensichtlich zur unausgesprochenen Agenda der Mehrzahl der Volksvertreter und Regierungen in Europa.
Langfristiges Ziel der beteiligten Führungseliten ist vermutlich die Schaffung einer globalen Mischkultur und -religion durch äußeren Wandel und durch Umerziehung der Menschen. Auf dem Weg dahin werden aus kulturellen und religiösen Unterschieden gespeiste Bürgerkriege und Kriege in Kauf genommen oder sogar provoziert; damit würde gleichzeitig die Überbevölkerung abgebaut werden. Indoktrinierte Gläubige lassen sich leichter zu diesem Zweck fanatisieren und benützen. Den Planern geht es nicht darum, eine Religion durch eine andere zu ersetzen, sondern die Religionen sich gegenseitig neutralisieren zu lassen. Dabei haben sie berücksichtigt und geeignete Maßnahmen vorbereitet, dass nicht die Moslems oder sonst jemand, sondern sie selbst am Ende die Herrschaft übernehmen.
Gibt es eine plausiblere Erklärung als diese für die Wahrnehmung, dass die Gestalter der Zukunft Europas, die in dieser Globalisierungsströmung mitschwimmen, keine Angst vor einer Islamisierung haben? Sie wissen also, was sie tun, oder glauben es zumindest. Ob sich ihre Pläne wie vorgesehen verwirklichen, ist allerdings eine andere Frage, denn „unverhofft kommt oft“ und die vielen Glaubenslosen unter ihnen „machen die Rechnung ohne den Wirt“, oder „der Mensch denkt, und Gott lenkt.“
Quellennachweis:
[1] N. N.: Islam und Christentum. In der Reihe Ihlas Stiftung, Bd. 3. Hakikat Kitabevi Verlag, Istanbul 1997³
[2] Anna Katharina Emmerich: Das dritte Lehrjahr Jesu. Christiania-Verlag, Stein am Rhein 1999
[3] Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Hrsg. von Peter Hünermann. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1991, 1999 (38. Auflage)
Weitere verwendete Literatur:
Donald Guthrie, J. Alec Motyer (Hrsg.): Kommentar zur Bibel. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1980, 2003 (5. Auflage)
Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. Matrix Verlag GmbH, Wiesbaden 2004²
J.N.D. Kelly: Reclams Lexikon der Päpste. Reclam, Stuttgart 1988, 2005²
Der Koran. In der Übersetzung von Max Henning, mit Anmerkungen von Annemarie Schimmel. Reclam Verlag, Stuttgart 1960, 1991, 2006
Studienbuch Altes und Neues Testament. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 2005
Yves Thoraval: Lexikon der islamischen Kultur. Französische Originalausgabe Paris 1995. Primus Verlag, Darmstadt 1999; Nikol Verlag, Hamburg 2005
VELKD und EKD (Hrsg.): Was jeder vom Islam wissen muss. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1990, 2001 (6. Aufl.)
Norbert Lachner, Stralsund 2011

Ein Gott der alle erschaffen hat, der in diese Erschaffung hinein Hass und Zwietracht sät…5,64 die EINEN gegen die ANDEREN aufhetzt zu KÄMPFEn und zu TÖTEN, zu RAUBEN zu ERPRESSEN – und stellt die TÄTER – verantwortungs und – straffrei weil sie in seinem Namen handelten ???
Dann verkündet man: Allah will kein Unrecht gegen die Welt 3,108
Kein Fädchen Unrecht soll ihr erleiden 4,77
Allah fügt kein Unrecht zu 10,44 (nichts geschieht ohne seinen Willen)
Ihnen wird kein Fädchen Unrecht getan 4,49
Er sorgt für Gerechtigkeit 3,18
Nur Satan will das BÖSE, darum hat man die Lehre Jesus im Koran außer Acht gelassen….
Urteile selbst: WO ist HARMONIE? im KORAN? oder bei JESUS?
Du wirst zur RECHEBSCHAFT gezogen werden!! – Das sollte man nie vergessen!! – Egal was man Dir sagt, oder verspricht, – DU bist in der VERANTWORTUNG.
gr. bording
The execution of Love / Die Hinrichtung der Liebe / به دار آویختن دلدادگی
The execution of Love
Die Hinrichtung der Liebe
به دار آویختن دلدادگی
Annette und Aischa
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