Eine stalinistische Hexenjagd

Gastbeitrag von Dr. rer. soc. Thomas Tartsch, Datteln images

Als jemand, der nicht in Recklinghausen wohnt und kein Mitglied von WIR/BPE ist, fühlt man sich seit zwei Wochen in die Zeit der stalinistischen Hexenjagd gegen politisch Andersdenkende in den Anfangsjahren der DDR zurückversetzt, wenn man die Berichterstattung und Leserbriefe über WIR in Recklinghausen und die überparteiliche Bürgerbewegung Pax Europa verfolgt.

Diese distanziert sich nach Auskunft ihrer Homepage explizit von Links- und Rechtsextremismus, wobei man die BPE Seite nicht mit „Akte Islam“ von Herrn Dr. Udo Ulfkotte verwechseln sollte, von dem Pax Europa sich getrennt hat.

Für Wahlkampfzwecke wird ein missverstandenes Zitat des Bundesvorsitzenden von Pax Europa (der eben von einer „schwierigen Gratwanderung“ sprach, was jetzt vorsätzlich unterschlagen wird) dazu genutzt, um mit inhaltsleeren moralinsauren Leerformeln aus der Mottenkiste des zur Farce mutierten „Aufstand der Anständigen“ gezielt den politischen Gegner zu stigmatisieren und von eigenem Versagen abzulenken. Angefangen von den üblichen Verdächtigen, Vertreter der Partei des internationalen Sozialismus, die wegen ihres verfassungsfeindlichen Flügels von den Sicherheitsbehörden des Bundes und einiger Länder beobachtet werden, über den einschlägig bekannten und vom bisherigen „Dialog“ geschädigten Theologen bis hin zu FDP und SPD reicht die Brandbreite der sich empörenden Gutmenschen, die lieber vor ihrer eigenen Tür kehren sollten. Nicht zu vergessen der selbsternannte Gralshüter der Integration und ungefragte pater familias aller Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Recklinghausen, die anscheinend unmündige Kinder darstellen. Warum sonst muss man sie mit Liebesentzug in Form scharfer Zurechtweisungen tadeln, wenn sie in Leserbriefen nicht seiner Meinung sind?

Da die Schweigespirale angesichts der täglich sichtbarer werdenden Konfliktpotentiale aufgrund fehlender Integration nicht mehr greift, muss der Pawlowsche Hund wieder mit dem Schwanz wedeln, dessen Speichelfluss bei dem Wort „Islamisierung“ aktiviert wird.

Gerade die SPD im Kreis Recklinghausen, dessen Stadtverbandsvorsitzender jetzt vor dem „Rechtspopulismus“ schwadroniert, hat sich schon längst vom Wahlvolk entfernt und katzbuckelt um die Stimmen des internationalen Sozialismus und türkischstämmiger Wähler islamischer Dachverbände für die kommenden Wahlen, wobei sie sich lieber erst einmal um den jetzigen Landrat kümmern sollte, dessen Eigenwohl und Rentenversorgung im Vordergrund seiner Tätigkeit stand. Wer die ideologischen Nachfolger des DDR Unrechtsstaates zum Machterhalt hoffähig macht, hat nicht nur den antitotalitären Grundkonsens aufgekündigt, auf dem die damalige Bundesrepublik 1949 gegründet wurde, sondern er verhöhnt auch die in der Weimarer Republik im Abwehrkampf gegen Sowjetstern und Hakenkreuz ermordeten Sozialdemokraten des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und die nach 1945 im umfunktionierten KZ Sachenhausen im Speziallager 7 (ab 1948 – 1950 Speziallager 1) umgekommenen Sozialdemokraten in der damaligen sowjetischen Besatzungszone. Hier auf den ebenso kritikwürdigen Umgang anderer Parteien nach der Wende bezüglich ihrer „Schwestern“ in der DDR abzustellen, ist ein ziemlich plumpes Manöver des Fraktionschefs einer Partei, die ihre Grundsätze schon lange verraten hat und für Sozialdemokraten alten Schlages eine Beleidigung darstellt. Denn echte Sozialdemokraten wie Friedrich Ebert, Gustav Noske, Kurt Schumacher und Carlo Schmid würden heute gar nicht mehr wegen „Rechtspopulismus“ in die SPD aufgenommen werden. So schon Schumacher, für den die Kommunisten nichts anderes als „rotlackierte Faschisten“ waren.

Gleichzeitig sind in der islamischen Welt die Christen zur größten verfolgten Glaubensgemeinschaft geworden, die um ihre physische Existenz bangen müssen. Da hat man in Recklinghausen bis jetzt auch keine eindeutige Stellungnahme der dortigen Theologen zur Unterstützung der verfolgten Glaubensbrüder in der islamischen Welt vernommen, sondern eher israelfeindliche Leserbriefe wie beim GAZA Krieg Anfang des Jahres. Aber das zeigt, auf welchem Auge man in Recklinghausen blind ist. Auf dem des Linksextremismus und des sich ausweitenden eliminatorischen Judenhasses in der islamischen Community, der in naher Zukunft wieder zu brennenden Synagogen führen wird. Die Anschläge auf Synagogen im Oktober 2000 durch Muslime waren ein Menetekel für die Zukunft.

Während sich die Kirchenvertreter im „Dialog“ von den islamischen Dachverbänden weiterhin am Nasenring durch die Arena ziehen lassen, haben diese ihre Deutungshoheit über „die Muslime“ schon längst verloren, da es diese wie den „den Islam“ nicht gibt (was schon das bekannte Prophetenwort von der Aufspaltung des Islam in 73 Sekten verdeutlicht, welches den theologischen „Islamexperten“ der Kirchen bekannt sein sollte). Nur ca. 15-20% aller hier lebenden Muslime werden von den Dachverbänden vertreten, die ihre Integrationsunwilligkeit bei der Islamkonferenz gezeigt haben – die Mehrzahl der Muslime dagegen nicht, welche die Religionsauslegung der Dachverbände oder extreme Formen, wie die des salafitischen Islam, nicht teilen und ablehnen. Dabei sehen sich auch Gruppen wie die schwer einzuordnenden Aleviten und Kurden, die in der Türkei einer rigiden kulturellen Homogenisierungspolitik und Verfolgung, wie bei dem antialevitischen Progrom von Sivas 1993, ausgeliefert sind, in Deutschland immer mehr der Drangsalierung nationalistischer Türken ausgesetzt. Ebenso wie säkulare und weniger religiöse Muslime, die in den Stadtteilen unter den Druck religiöser bis „islamistischer“ Muslime geraten. Diese haben keine Lobby, da schon die Integrations- und Ausländerbeiräte im Kreis Recklinghausen primär mit Vertretern der Dachverbände besetzt sind, die bislang noch keinen konkreten Beitrag zur Integration geleistet haben. Vielmehr stellen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Wahlrecht ein willkommenes Stimmenreservoir dar, welches man anzapfen will, wobei es gar nicht um gelingende Integration geht, da Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nur solange interessant sind, wie sie zum Machterhalt beitragen. Ansonsten sollen sie lieber weit weg von den Wohnvierteln und Privatschulen der Politiker und Gutmenschen leben, damit diese von ihrem Anblick verschont werden.

Insgesamt ein Lehrbeispiel für die primitiver werdenden „Wahlkämpfe“ einer Klasse von „Politikern“, denen jedes Mittel zum Machterhalt willkommen ist, um sich nicht den Argumenten stellen zu müssen, die von WIR und BPE vorgebracht werden. Ob man diesen nun folgen will oder nicht, kann man nur für sich persönlich entscheiden, wenn man sich mit ihnen zuvor auseinandergesetzt hat. Das ist von den Gutmenschen, Parteien und Kirchenvertretern in Recklinghausen und anderswo gar nicht gewollt, weil man sich ansonsten das eigene Versagen und die eigene Scheinheiligkeit eingestehen müsste. Aber wo der Kopf größer als der Hut ist, kommt es auf solche Kleinigkeiten auch nicht mehr an.

21.Juni 2009

Dr. Thomas Tartsch

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Eine Antwort zu Eine stalinistische Hexenjagd

  1. Gisela Schrank schreibt:

    Es ist schon erstaunlich, dass Bürger, die sachlich und mit kritischem Verstand die schleichende Islamisierung in ganz Europa beanstanden, so dreist in die „rechte Ecke“ gestellt werden dürfen!!!!
    Es gibt m. E. nichts rechtsradikaleres in unseren Landen als die Organisationen: DITIB, Muslimbruderschaft, Graue Wölfe, VIKZ (um nur einige zu nennen)
    Wann werden unsere verantwortlichen Politiker endlich wach und erkennen das radikale Auftreten und Vorgehen dieser muslimischen „Friedensverkünder“?
    Islam heißt Frieden? Warum wird dann im Namen Allahs in aller Welt gebomt und Unfrieden angerichtet? Weise ich auf diese Tatsache hin, bin ich rechtsradikal? Hallo, wird da nicht etwas verwechselt?
    G.Sch.

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