Antiislamkritische Feindbildkonstruktion unter dem Vorwand der Feindbildbekämpfung

Feindbild Islamkritik

Feindbild Islamkritik

Der hier bereits angekündigte Sammelband „Feindbild Islamkritik. Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden“ ist mittlerweile erhältlich. Das im Osnabrücker HINTERGRUND-Verlag pünktlich zum Buchherbst 2010 erschienene Buch liefert eine passende Antwort auf die aktuelle Hofierung und Schönfärbung des Islam durch den deutschen Bundespräsidenten und die sich daran anschließende Kampagne zur staatskirchenrechtlichen Privilegierung dieser grundrechtswidrigen Ordnungsideologie. Insgesamt bietet der Band die derzeit wohl facettenreichste Standortbestimmung fortschrittlich-menschenrechtlicher Islamkritik in Deutschland und enthält zahlreiche Argumente und Fakten gegen die vorherrschende und immer dreister auftretende Islamapologetik.

Der folgende (leicht gekürzte und veränderte) Auszug, der dem Beitrag des Herausgebers entnommen ist, lässt die erforderliche analytische Schärfe und notwendige Streitbarkeit erkennen:


Um Islamkritik … als „Vorurteil“ bzw. „Fremdenfeindlichkeit“ denunzieren zu können, hat sich ein spezifischer Zweig der Vorurteilsforschung herausgebildet, um dem Ganzen ein vorgeblich „wissenschaftliches“ Mäntelchen umzuhängen. Dabei ist …grundsätzlich zu hinterfragen, ob sich es bei den behaupteten Vorurteilskonstrukten nicht selbst um Vorurteile handelt. (Denn) Voraussetzung für die kritische Feststellung von Vorurteilen ist … die implizit unterstellte Unterscheidbarkeit zwischen adäquaten und inadäquaten Urteilen in Bezug auf den jeweiligen Realitätsausschnitt. Beispiel: A. Der Islam ist friedlich und tolerant. B. Der Islam ist unfriedlich und intolerant. Entscheidend ist letztendlich die Überprüfung der Begründungsinhalte und Begründungsmuster der entsprechenden Urteile, um ein angemessenes Bewertungsurteil über sie fällen zu können. Wer islamkritische Einstellungen – erhoben über höchst fragwürdige Aussagevorgaben und ohne nähere Begründungsanalyse – als ‚Vorurteile’ klassifiziert, zeigt damit nur, dass er sein eigenes (positives) Vorurteil = positives Islambild zum ungeprüften bzw. latenten Wahrheitskriterium macht und damit selbst vorteilsgebunden vorgeht: der Träger eines positiven Vorteils, der sich zum moralischen Richter über kritische Einstellungen erhebt und diese gegenläufigen Positionen nun seinerseits als Vorteile denunziert. Mit kritisch-wissenschaftlicher Wirklichkeitserfassung hat dieses Unterfangen de facto nichts zu. Eine wirklich kritisch-wissenschaftliche Herangehensweise hätte sich vielmehr mit der Analyse der Tragfähigkeit von Begründungsmustern zu befassen, die ‚Vorurteilen’ zugrunde liegen.

Gemäß der berüchtigten Heitmeyer-Skala, die so etwas wie den „Hexenhammer der Islamapologetik“ im deutschen Sprachraum darstellt, soll „Islamophobie“ bereits dann vorliegen, wenn man sich nicht dem Deutungsdiktat unterwirft, dass der Islam eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht habe. Auch wer der Aussage nicht zustimmen mag „Die muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt“ wird entsprechend stigmatisiert. Ebenso bekommt derjenige den Stern angeheftet, der sein Kind nicht von einer kopftuchtragenden muslimischen Lehrerin unterrichtet sehen möchte. Ob dieser scheinwissenschaftliche Bewertungsterror, der im Grunde auf die Suspendierung religionskritischer Meinungsfreiheit hinausläuft, eher faschistoide oder stalinoide Züge trägt, sei hier dahingestellt.

Die Parteilichkeit dieser als „Vorurteilsforschung“ verbrämten Pseudowissenschaft besteht darin, dass von der Aufnahmegesellschaft die bedingungslose Akzeptanz der islamischen Herrschaftskultur in ihren unterschiedlichen Erscheinungen abverlangt wird, während ihr gleichzeitig das Recht auf kritisch-ablehnende Haltungen und Artikulationen genommen werden soll. Wer sich den orthodoxen Muslimen mit ihrer vormodern-rigiden Haram- und Halal-Kultur nicht fügt, ihnen nicht entgegenkommt, ihren Ansprüchen nicht folgt etc., wird unversehens zum Vorurteilsträger, wenn nicht gar zum „Rassisten“. Es ist ein erfreulicher Trend feststellbar, der erkennen lässt, dass dieser faschistoid-verleumderische Etikettierungsterror, der als Ausfluss einer politisch-korrekten Meinungsdiktatur wirkt, an seine Grenzen stößt.

Wie bereits 2003 zutreffend festgestellt wurde, läuft die Umfälschung von Islamkritik in ein angebliches „Feindbild Islam“ darauf hinaus, den Interessen islamistischer Verbände zu dienen. „Denn ist der Konsens erst einmal hergestellt, die Islamfeindlichkeit sei das dringende Problem, dann stellen sich andere unbequeme Fragen, zum Beispiel nach der demokratischen Struktur muslimischer Verbände, deren Verhältnis zum Grundgesetz und zu der universellen Gültigkeit von Menschenrechten erst gar nicht. Tatsächlich bestimmen islamistische Gruppen seit Jahren die Agenda und damit, was in Deutschland im Kontext mit dem Islam diskutiert wird und was nicht“ (Seidel 2003, S.268f.).

Während die Islamapologeten in absoluter Wirklichkeitsverkehrung behaupten, die deutschen Medien würden „zu kritisch“ über den Islam berichten, ist das genaue Gegenteil der Fall. Tatsächlich dominieren in den Print- und audiovisuellen Medien Schönfärbung, Tabuisierung, Hetze gegen Islamkritik und (Selbst-)Zensur, die auch eine Folge von muslimischer Bedrohung und Erpressung ist. Die Palette der Einschüchterung reicht von Telefonanrufen bei unliebsamen Journalisten, gezielten Besuchen in Redaktionen, um eine „islamfreundliche Berichterstattung“ zu erzwingen, das Erwirken von Gegendarstellungen bis hin zum Anzetteln von Strafverfolgungen gegen unliebsame Publizisten. „Die Einzelfälle haben sich zu einem System der Einschüchterung verdichtet. Bundesweit versuchen Islamisten durch organisierten Protest, Einfluss auf unliebsame Berichterstattung zu nehmen. So gelang es ihnen bereits, die Ausstrahlung kritischer Sendungen im Fernsehen zu verhindern. Und Journalisten scheuen inzwischen häufiger als in der Vergangenheit vor Recherchen im islamistischen Milieu zurück. Sie fürchten die drohenden Folgen, die von Psychoterror bis hin zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten reichen können“ (ebenda, S. 270).

Ein unglaubliches Zerrbild des in den Medien vorherrschenden Islamdiskurses zeichnet Kai Hafez (2009). Zunächst einmal unterschlägt er völlig, dass in den deutschen Mainstreammedien außerhalb des Internets folgende Klischees dominieren:

  1. Das Bild „Guter Islam/Böser Islamismus“.
  2. Das Bild von den 99,9 Prozent friedliebenden Muslimen.
  3. Die Standardfloskel: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“
  4. Die Standardfloskel: „Das sind alles nur Einzelfälle“ und
  5. Die Gleichsetzung von Islamkritik mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Demgegenüber existieren im postdemokratischen Deutschland keine gleichen Partizipationschancen für fortschrittlich-emanzipatorische Islamkritik. Noch immer wird ihr die Möglichkeit genommen, ihre Ansichten und Positionen öffentlich gleichgewichtig zu kommunizieren.

Völlig ausgeblendet lässt Hafez zudem den Tatbestand, dass islamische Akteure de facto eine herausragend hohe Zahl von Gewaltaktionen mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten zu verantworten haben und damit nicht nur „kritische Nachrichten“ generieren, sondern auch durchaus nachvollziehbare Ablehnungsreaktionen innerhalb der nichtmuslimischen Bevölkerung provozieren.

Hier zeigt sich, was die Islamapologetik darüber hinaus grundsätzlich auszeichnet, nämlich eine „Einstellungskultur“ der selbstgerechten Verantwortungslosigkeit. Was gehen mich die strengen Glaubensgenossen im Iran, Saudi-Arabien, im Gaza-Streifen, in den pakistanischen Koranschulen etc. an? Was kümmern mich die islamisch über- und durchformten Sitten in Ostanatolien oder die Lehren der Muslimbrüder? Was gehen mich die zahlreichen Koran-Zitate an, in denen gegen Anders- und Ungläubige gehetzt wird? Das alles hat doch gar nichts mit dem (= meinem) Islam zu tun! Hier bin ICH und erwarte, dass man mich gefälligst mit meinem selektiv-subjektivistischen „Bonbon-Islam“ in Frieden lässt, keinen näheren Aufschluss über Inhalt und Relevanz meines intramuslimischen Abgrenzungsdiskurses verlangt und mich ohne wenn und Aber respektiert. Dass der Islam in Deutschland natürlich etwas anders bedeutet wie der Islam im Iran, in Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei etc., hat vor allem mit der Wirkungsmacht der andersartigen Kräfteverhältnisse hierzulande zu tun und nichts mit der inhaltlichen Beschaffenheit des orthodoxen Islam.

Auch Jäger (2009), der im Gewand des kritischen Diskursanalytikers daherkommt, bedient sich selber einer … diffamierenden Bewertungssprache, indem er hemmungslos „labelt“ und affektbesetzte Vorurteile in Gang setzt, die das Potential in sich haben, eine Pogromstimmung gegen Islamkritik zu entfachen. Hinter „Kritischer Diskursanalyse“ in diesem Stil verbirgt sich bei näherer Betrachtung nichts weiter als ein pseudowissenschaftlich drapiertes Podest, von dem herunter man um so ungehemmter missliebige Gegenpositionen, die vom Tugendpfad der eigenen verqueren Gesinnung abweichen, systematisch denunzieren und diffamieren zu können glaubt.

Ohne eine Definition von „rechts“ anzubieten, werden „Jyllands-Posten“ als „rechtslastig“ eingeführt und die Karikaturen als „rassistische Machwerke“ bezeichnet. Gerade die undifferenzierte und pauschalisierende Gleichsetzung von Kritik mit Rassismus/Fremdenfeindlichkeit behindert eine tabufreie und entideologisierte Debatte über Migration und Integration gemäß wissenschaftlich-analytischer Standards jenseits einer präjudizierenden multikulturalistischen Ideologie. Der Skandal der von muslimischer Seite gezielt inszenierten Empörungswelle in der islamischen Welt wird gemäß der „Haltet-den-Dieb-Methode“ unter der Hand den westlichen Medien in die Schuhe geschoben. Unter Zuhilfenahme der degenerierten Rassismuskeule wird Kritik an Zuwanderern/Nichtdeutschen, darunter orthodoxe und radikale Muslime mit einem extrem reaktionären Weltbild und Einstellungsprofil, zum einen per se … ins Unrecht gesetzt. Zum anderen wird dadurch Nichtdeutschen/Zuwanderern/Muslimen eine Generalabsolution erteilt, die sie jeder Möglichkeit einer kritischen Betrachtung und Bewertung entzieht. Unter dem Vorwand einer angeblich „humanistischen“ und „antifaschistischen“ Haltung werden damit in Wahrheit eine reaktionäre Verhetzung von kritischer Aufklärung sowie eine Verbrüderung mit repressiv-antiemanzipatorischen Zuwanderungsgruppen betrieben.

Hartmut Krauss (Hrsg.)
Feindbild Islamkritik
Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden
HINTERGRUND-Verlag Osnabrück 2010.

ISBN 978-3-00-032085-9. Paperback. 364 Seiten. 15,00 €

portofrei erhältlich auch über Verlag BPE

Hier noch eine Rezension von Klaus-Jürgen Bremm in „buchtest“

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Eine Antwort zu Antiislamkritische Feindbildkonstruktion unter dem Vorwand der Feindbildbekämpfung

  1. Manfred Klein Multi-Medienentwickler schreibt:

    weiter so !!!
    So ein Buch war längst überfällig.
    Als überzeugter Christ kann ich es nicht mehr mitansehen, wie der Antichrist (Islam) sich immer mehr in unsere abendländische Gemeinschaft einfällt. Wer den Koran gelesen hat (wie ich), der weiß, daß der Islam längst nicht die friedliche Religion ist, wie immer behauptet wird. Selbst Mohamed war ein Krieger und Gewalttäter (siehe Biografie), an dessen Finger Blut, sehr viel Blut klebt. Und ihn verehren die Muslime. Das sagt ja schon alles.

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